Eindruck vom Hackathon, Entwicklung von Prototypen


Die Bandbreite der digitalen Schule

Wie weit ist die digitale Schulentwicklung in Deutschland fortgeschritten? Welche Themen bewegen Schulgestalterinnen und -gestalter von heute? Ein Blick auf den #excitingedu Kongress 2019 und das Spektrum der digitalen Schule.

Menschen sitzen auf grünen Sofas und stehen an einer Bar in einem hellen RaumWie steht es um die digitale Schulentwicklung? Diskussion um zeitgemäße Lehre beim #excitingedu Kongress 2019. Lizenz: cc by-sa/4.0/deed.de (bpb / Fotografin: Theresa Samuelis )

Wie weit ist die digitale Schulentwicklung in Deutschland fortgeschritten? Welche Themen bewegen Schulgestalterinnen und -gestalter von heute? Ein Blick auf den #excitingedu Kongress 2019 und das Spektrum der digitalen Schule.

Der #excitingedu-Kongress ist ein alljährliches Branchentreffen, beim dem digital-affine Lehrende, Schulleitungen, Schulträger und EdTech-Unternehmen zusammenkommen, um Themen der digitalen Schulentwicklung zu diskutieren, ihre Expertise zu teilen, zu präsentieren und sich inspirieren zu lassen.

Kongress in der Lernoase

In diesem Jahr fand der Kongress in der Freien Schule Anne-Sophie (FSAS) im Berliner Stadtteil Zehlendorf statt. Architektonisch eingegliedert in den unscheinbaren Bau eines Einkaufszentrums, entpuppt sich die in der Trägerschaft der Stiftung Würth stehende FSAS als unkonventionelle Lernoase. Vom dritten bis in den fünften Stock lernen hier Schülerinnen und Schüler aus dem Grundschul- und Gymnasialbereich in Inputräumen und offenen Lernateliers; Sportplatz und Turnhalle befinden sich auf dem Dach des zweiten Obergeschosses mit Blick über die Stadt. Das WLAN hielt allen rund 400 Gästen des Kongresses einigermaßen zuverlässig Stand.

In Workshops und Impulsvorträgen, Talks und Barcamp-Sessions digital versierter Schulgestalterinnen und -gestalter offenbarte sich die ganze Bandbreite der "digitalen Schule" – mit Blick auf die Zukunft, aber auch auf die Gegenwart von Unterricht, Lernen und Schulentwicklung.

Leuchttürme brauchen Rückendeckung

Der stellvertretende Schulleiter Christian Heinz aus Bayern (Workshop A3: Warum sollen wir das eigentlich machen? Erfahrungsbericht aus 6 Jahren Schulentwicklung unter Beteiligung der Digitalität), ließ beispielsweise in seinem Workshop deutlich werden, auf wie vielen Ebenen digitale Schulentwicklung stattfindet. Ihm zufolge geht es dabei um ein neues Verständnis des Lehrberufs und eine Fokussierung auf die sozialen Kompetenzen, die über Maschinen eben nicht vermittelt werden könnten. Offene Räume für neues Lernen spielten dabei eine große Rolle. Ebenso wie gut ausgebildete Lehrende, die einander "fit halten" sollten – zum Beispiel über interne Fortbildungen. Heinz betonte, dass es bei der Transformation der Schulen um mehr ginge, als um die Einführung von Technik und dass alle Lehrende auch Lernende in diesem Prozess seien.

Niedrigschwellige Angebote haben ihre Berechtigung

Die Möglichkeiten, offene Lernräume umsetzen und eine Schule umfassend digital ausstatten zu können, hängen immer auch von finanziellen, personellen und baulichen Ressourcen ab. Der Erfahrungsaustausch von Lehrenden, Schulleitungen und Schulträgern aus ganz Deutschland zeigte im Laufe der Veranstaltung, wie groß hier die lokalen und regionalen Unterschiede sein können.

Während an dem einen Ort zeitgemäße Lehre bereits als eine neue Art von Schule gedacht werden kann – auch, weil die Möglichkeit dazu vorhanden sind – müssen die Zugänge zum Thema anderenorts sehr niedrigschwellig gehalten werden.

Auf dem Kongress hatten daher auch Einstiegsangebote wie "Pimp my Arbeitsblatt" von Andreas Preuß (@HauptstadtFan) ihren Platz. Hier ging es darum, analoge Arbeitsblätter um digitale Inhalte zu erweitern – mit QR-Codes, Kurzlinks und Verweisen auf Lernplattformen. Der Lehrer stellte Plattformen zum Erstellen dieser Erweiterungen im Rahmen eines Talks vor und berichtete von Mikrofortbildungen an der eigenen Schule im baden-württembergischen Welzheim. Dort, so erzählte er, habe zwar jede Lehrkraft ein Tablet und es gebe einen Beamer pro Klassenzimmer sowie einige Smartboards, an eine 1:1-Ausstattung für die Schülerinnen und Schüler sei jedoch nicht zu denken.

Gemeinsam lernen: alle Themen sind richtig

Auch andere Inputgebende verdeutlichten die Vielschichtigkeit des Digitalisierungsprozesses von Lehre und Lernen:
So inspirierte das Plädoyer von Medienberater Andreas Hofmann (@halfman1334) für format- und softwareunabhängiges Arbeiten auf einem gemeinsamen Schulserver und sein pragmatischer Ansatz beim Thema WLAN ("Wenn das Netz nicht geht, leg ich mir halt 'nen Hotspot") zum sofortigen Ausprobieren.

Der behutsam vermittelte und kognitionswissenschaftlich fundierte Ansatz der "Visualisierung" von Torsten Möhlmann (@VisualCoach) regte mit praktischen Tipps und Tricks dazu an, sich vor Ort im schnellen und einfachen Sichtbarmachen von Prozessen, Problemen und Inhalten auszuprobieren – digital wie analog.

Im Rahmen des Barcamps am zweiten Kongresstag hatten alle Teilnehmenden dann die Gelegenheit, ihre Themen einzubringen – von der Vorstellung der eigenen Lieblings-App über Erfahrungsberichte bis hin zum Austausch über gelingende Mikrofortbildungen (werkstatt.bpb.de hat in diesem Zusammenhang eine "Checkliste zur nachhaltigen Nutzung von Hardware in der Schule entwickelt").

Mitten im Wandel

Der excitingedu-Kongress 2019 hat gezeigt, wie weit die Entwicklung einer zeitgemäßen digitalen Bildung an vielen Schulen schon ist. Er machte aber auch deutlich, dass dies keineswegs die Regel ist. In den Beiträgen der Referierenden wurde klar, wie vielschichtig Prozesse sind, die durch die Digitalisierung an Schulen berührt werden. Und sie ermutigten dazu, bisweilen dennoch einfach anzufangen und Dinge auszuprobieren. Nicht zuletzt wurde klar, wie wichtig Leuchttürme und das Engagement motivierter Lehrerinnen und Lehrer sind – und dass auf vielen Ebenen ein umfassender Wandel der Bildungslandschaft bevorsteht.

i

Informationen zur Veranstaltung

Der#excitingedu Kongress 2019 fand am 14. und 15. November in den Räumen der Freien Schule Anne-Sophie in Berlin statt. Der Kongress wie auch alle anderen Aktivitäten von #excitingedu werden organisiert und verantwortet von der Klett MINT GmbH.

Auf Twitter wurde die Veranstaltung unter dem #excitingedu begleitet.

Das vollständige Programm des Kongresses finden Sie hier.

Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-SA 4.0 - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International" veröffentlicht.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.


Ihr Kommentar:

(*) Diese Felder sind Pflichtfelder

Ihr Kommentar wird von der Redaktion geprüft und dann freigeschaltet



Hätten Sie es gewusst?

Quiz: Von Kinderbuch-Apps bis Medienkompetenz

Was bedeutet Pädagogik der Vielfalt und welche Funktionen kann eine Kindersuchmaschine haben? Testen Sie Ihr Wissen zum Thema Smart Kids mit unserem Quiz!

Jetzt spielen

werkstatt.bpb.de in Social Media

Was bedeutet Web 2.0 für die politische Bildung? Das Archiv des Weblogs pb21.de bietet Praxisbeispiele, Anleitungen und Tipps um das Web 2.0 als Werkzeug der politischen Bildung.

Mehr lesen auf pb21.de

Im Archiv von werkstatt.bpb.de finden Interessierte viele informative Artikel, Interviews und Videos zum Thema zeitgemäße Vermittlung von Zeitgeschichte und Politik in Schulen und in der außerschulischen Bildung vor dem Hintergrund aktueller Herausforderungen wie Migration und Digitalisierung.

Mehr lesen auf werkstatt.kooperative-berlin.de

Spezial

OER - Material für alle

Über den Einsatz sogenannter Open Educational Resources (OER) im Unterricht wird schon seit einigen Jahren diskutiert. In den Schulen selbst jedoch führt das Thema noch immer ein Schattendasein. Dieses Spezial soll Abhilfe schaffen: Die Beiträge liefern Grundlagen zum Thema freie Bildungsmaterialien und bieten Hilfestellungen, um OER von der Theorie in die schulische Praxis zu überführen.

Mehr lesen