Wegweiser zum Wahllokal in Berlin aus dem Jahre 2013

Wahlsysteme im Vergleich

Laut Bundeswahlgesetz wird der Bundestag "nach den Grundsätzen einer mit der Personenwahl verbundenen Verhältniswahl" gewählt. Das Wahlsystem der Bundesrepublik ist aber nur eines von mehr als 250 verschiedenen Wahlverfahren. Diese lassen sich auf zwei Grundtypen zurückführen: Mehrheitswahl und Verhältniswahl. Sie unterscheiden sich in der Art und Weise, wie die Stimmen der Wählerinnen und Wähler in Mandate umgewandelt werden. Dabei handelt es sich um mehr als nur ein formelles Problem. Die Zusammensetzung des Parlaments fällt nämlich je nach Wahlsystem unterschiedlich aus. In der parlamentarischen Demokratie bestimmt das Wahlsystem darüber, wer die Regierung stellen kann. Die Ausgestaltung des Wahlsystems berührt daher unmittelbar die Machtfrage.

Die Verhältniswahl – in der Bundesrepublik wird eine Variante davon angewendet – ist das am weitesten verbreitete Wahlsystem. Auch in Mittel- und Osteuropa hat sie sich nach der Wende von 1989/90 überwiegend durchgesetzt. In Frankreich dagegen findet das Prinzip der absoluten Mehrheitswahl Anwendung. Die relative Mehrheitswahl wird vor allem im englischsprachigen Raum verwendet. Man findet sie in Kanada, den Vereinigten Staaten von Amerika und in Großbritannien. Vor- und Nachteile dieser unterschiedlichen Wahlsysteme und ihrer Auswirkungen werden im Folgenden ausgeführt. Anschließend erfolgt deren politische Bewertung unter Einbeziehung des bundesdeutschen Wahlsystems.

Die Abgeordneten des House of Commons, des britischen Unterhauses in London werden in relativer Mehrheitswahl bestimmt.

Kapitel 2: Wahlsysteme im Vergleich

Mehrheitswahl

Bei der relativen Mehrheitswahl gewinnt das Mandat, wer mehr Stimmen erhält als jeder andere Kandidat. Bei der absoluten Mehrheitswahl dagegen braucht ein Wahlkreiskandidat mindestens 50 Prozent plus eine Stimme.

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Plenarsaal Bundestag Foto von oben

Kapitel 2: Wahlsysteme im Vergleich

Verhältniswahl

Bei diesem Wahlsystem soll die Zusammensetzung des Parlaments den Wählerwillen möglichst genau widerspiegeln. Die Parlamentssitze werden im selben Verhältnis zugeteilt, wie abgestimmt wurde. Doch verschiedene Regelungen führen dazu, dass es "das" Verhältniswahlsystem nicht gibt.

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In Dänemark sind Regierungen ohne eigene Mehrheit im Parlament der Regelfall. So muss auch die Minderheitsregierung von Premierministerin Mette Frederiksen bei Abstimmungen immer wieder um die Stimmen anderer Parteien im dänischen Folketing werben.

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Auswirkungen von Wahlsystemen

Ob Mehrheitswahl oder Verhältniswahl: Das jeweilige Wahlrecht bestimmt, ob und wie die Wählerstimmen in Mandate umgewandelt werden. Damit beeinflusst es die Wahlentscheidung der Wählerinnen und Wähler.

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Luftaufnahme des Gebäudes des Landtages von Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Seit 2010 wird bei Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen zur Berechnung der Mandatsverteilung das Verfahren nach Sainte-Laguë angewandt. Es hat den Vorteil, dass weder große noch kleine Parteien bevorzugt werden.

Kapitel 2: Wahlsysteme im Vergleich

Politische Stabilität und Bewertung

Die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Wahlsystem und der Stabilität eines politischen Systems lässt sich nicht allgemein beantworten. Wahlsysteme lassen sich jedoch grundsätzlich nach zwei Kriterien bewerten: Gerechtigkeit und Funktionalität.

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