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"Was haben Sie mit ihm gemacht?" – Tod in Stasi-Haft

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"Was haben Sie mit ihm gemacht?" – Tod in Stasi-Haft

Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk

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Eine Frau will wissen, wer für den Tod des Vaters ihres Kindes verantwortlich ist. Kontraste ist unterwegs mit der Freundin des in Stasi-Haft ums Leben gekommenen Matthias Domaschk, sucht die Männer, die ihn zuletzt verhört haben.

Starb mit 23 Jahren in der Untersuchungshaft: Der Jenenser Bürgerrechtler Matthias Domaschk (© KONTRASTE, Rundfunk Berlin-Brandenburg)

Die thüringische Stadt Jena zählte während der gesamten DDR-Geschichte zu den Zentren von Opposition und Widerstand. Vor allem Schüler und Studenten opponierten hier in den 1950er und in den 1970er und 1980er Jahren immer wieder gegen das Regime. Neben den regimekritischen Schriftstellern Jürgen Fuchs und Lutz Rathenow, dem Mitarbeiter der Kirche Thomas Auerbach und dem Studenten Roland Jahn gehört Matthias Domaschk heute zu den bekanntesten Bürgerrechtlern aus Jena. Allerdings ist seine Bedeutung dem traurigen Umstand geschuldet, dass er am 12. April 1981 im Alter von nicht einmal 24 Jahren in der Untersuchungshaftanstalt des MfS in Gera ums Leben kam.

Domaschk war ein lebensfroher, freundlicher und "ganz normaler" Junge, dessen Leben urplötzlich zu Ende war. Geboren 1957 in Görlitz lebte er seit 1970 in Jena, wo sein Vater im Carl Zeiss Kombinat als Forschungsingenieur arbeitete. Nach einer Ausbildung zum Feinmechaniker leistete er zwei Jahre Grundwehrdienst bei der NVA. Ab 1979 arbeitete er dann als Heizungs- und Lüftungswart in einem Jenaer Forschungsinstitut. Solche einfachen Jobs waren unter regimekritischen Jugendlichen in der DDR beliebt, weil sie einem viele Freiheiten ließen und nicht dem Zugriff der Partei unterlagen. In Jena schloss sich Domaschk früh der evangelischen Jungen Gemeinde an und bekam deshalb Streit mit seinem linientreuen Vater. Deshalb zog er mit 17 Jahren von zuhause aus.

"Was haben Sie mit ihm gemacht?"

Tod in Stasi-Haft

"Was haben Sie mit ihm gemacht?"

Eine Frau will wissen, wer für den Tod von Matthias Domaschk verantwortlich ist. KONTRASTE ist unterwegs mit der Freundin des in Stasi-Haft ums Leben Gekommenen.

Weil er den Protestbrief gegen die Biermann-Ausbürgerung unterschrieben hatte, wurden Domaschk und seine hochschwangere Freundin Renate im November 1976 vom MfS getrennt voneinander verhört. Domaschk verweigerte zwanzig Stunden lang die Aussage, bis er unter dem Eindruck von Frauenschreien aus dem Nebenraum anfing zu reden. Seine Vernehmer hatten diese Schreie im Nebenraum per Tonband eingespielt. Im Frühjahr 1977 wurde ihm das Abitur verweigert. Menschen wie Matthias Domaschk sollten in der DDR niemals studieren dürfen.

Domaschk unterhielt Kontakte zur tschechischen Oppositionsgruppe Charta 77 und zu Unterstützergruppen im Westen wie dem "Schutzkomitee Freiheit und Sozialismus" aus West-Berlin. Er traf sich mit polnischen, tschechischen und ehemaligen DDR-Dissidenten in Polen und der Tschechoslowakei. In den Abendstunden des 10. April 1981, auf der Zugfahrt von Jena nach Berlin, wurde er mit einem Freund in Jüterbog verhaftet. Nach 13 Stunden Verhör und ohne Schlaf war er am 12. April 1981 um 14.15 Uhr tot. Das Vernehmungsprotokoll erhebt massive Anschuldigungen gegen Domaschk: "Vertuschung von Fahnenflucht", "landesverräterische Verbindungen" und "staatsfeindliche Gruppenbildung". Viele Jahre Gefängnis wurden dem 24-Jährigen dafür angedroht. Dabei wollte er nur selbstbestimmt mit seiner Freundin und seiner Tochter leben.

Ob Matthias Domaschk seinem Leben in tiefer Verzweiflung selbst ein Ende bereitete oder ob ihn MfS-Offiziere ermordeten, konnte bis zum heutigen Tage nicht einwandfrei geklärt werden. Viele seiner Freunde glauben, dass Matthias umgebracht wurde. Am 16. April 1981 nahmen über 100 Personen bei einer Trauerfeier Abschied. Zum ersten Todestag erschienen am 8. April 1982 in zwei Thüringer Zeitungen Annoncen, die der Oppositionelle Roland Jahn geschaltet hatte: "Wir gedenken unseres Freundes Matthias Domaschk, der im 24. Jahr aus dem Leben gerissen wurde." Am 12. April 1982 stellte der Bildhauer Michael Blumenhagen als Symbol des Gedenkens und Protests eine Plastik auf dem Johannisfriedhof in Jena auf, die das MfS über Nacht abtransportieren ließ. Diese konspirative Aktion des MfS wurde von Freunden heimlich fotografiert, die Fotos in den Westen lanciert und wenig später dort veröffentlicht.

Fussnoten

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