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Orientierungspunkte und technische Anfänge

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Orientierungspunkte und technische Anfänge

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Fernsehkamera mit Orthicon-Aufnahmeröhre (© picture-alliance/akg)

Von Fernsehproduktion im eigentlichen Sinne kann mit Beginn des ersten Programmbetriebs 1935 gesprochen werden. Die Erfahrungen, die in der Zeit von 1935 bis 1944 mit der Fernsehproduktion gemacht wurden, sei es im Studiobetrieb oder bei Übertragungen, sowohl in der Nachrichtenpräsentation als auch in der Inszenierung von Fernsehspielen und Unterhaltungssendungen, bildeten den Ausgangspunkt für das Fernsehen in der Bundesrepublik und in der DDR. 

Weiterhin war für das bundesrepublikanische Fernsehen die Orientierung an den Produktionspraktiken der westlichen Fernsehsysteme, insbesondere der BBC in Großbritannien, entscheidend. Für das DDR-Fernsehen kam es in der Planung des Fernsehzentrums und dem Medienverständnis zu einer Anlehnung an das sowjetische Fernsehen in Moskau. 

Der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) – von dem der Ausbau des bundesdeutschen Fernsehens nach dem Zweiten Weltkrieg ausging – orientierte sich in der technischen Ausstattung, bei Kameratechnik, Fernsehstudios und der Sendetechnik an internationalen Entwicklungen. 

Kameratechnik

Durch den Übergang vom Super-Ikonoskop zum Super-Orthikon (eine elektronische Kamera, die mit einer Bildröhre ähnlich dem analogen Fernsehempfangsgerät arbeitet) wurden die Produktionsbedingungen entscheidend verbessert. Die 25mal höhere Lichtempfindlichkeit des Super-Orthikon erforderte weniger Beleuchtung und erleichterte den Schauspielern und Sprechern die Arbeit. 1951 wurden Kameras mit sogenannten Objektivrevolvern ausgestattet. Damit war ein schneller Wechsel der Einstellungsgrößen möglich und die Aufnahmen wurden "filmischer". 

Aktuelle Kamera

Ausschnitt aus der Sendung vom 4.10.1989

Aktuelle Kamera

Die "Aktuelle Kamera" war von 1952 bis 1990 die Nachrichtensendung des DDR-Fernsehens. Ab Oktober 1957 liefen die Nachrichten täglich, zunächst um 20:00 Uhr oder um 19:45 Uhr, ab Oktober 1960 immer um 19:30 Uhr. Oftmals wurde Bezug zu Nachrichten genommen, die um 19:00 Uhr in der "heute"-Sendung des ZDF ausgestrahlt worden waren. (© Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv, 1989)

Studio- und Übertragungstechnik

Der Neubau eines modernen Studios in Hamburg-Lockstedt entsprach den Anforderungen an Filmstudios der damaligen Zeit. Dort entstanden vier unterschiedliche Räume mit durchgehenden Beleuchtungsbühnen und einer Klimaanlage. Im September 1951 wurde der erste Übertragungswagen mit einer Reichweite von 20 Kilometern in Betrieb genommen. Die ersten Übertragungen zeigten deswegen Szenen aus Hamburg, beispielsweise aus Planten und Bloomen, aus der Ernst-Merck-Halle, dem Hamburger Hafen oder dem Stadion des FC St. Pauli. 

Ein neuer Filmgeber ermöglichte einen besseren Wechsel zwischen zwei Live-Übertragungen, weil ein kurzer Film dazwischen geschoben werden konnte. Da die Kosten für den Betrieb des Filmgebers nur halb so hoch waren wie für den der elektronischen Kameras, wurde in den ersten Nachkriegsjahren vor allem aus finanziellen Gründen damit gearbeitet. Es kamen deshalb für das Kino und den Bildungsbereich produzierte Filme zur Ausstrahlung. Auch die "Tagesschau" setzte – ähnlich wie die "Aktuelle Kamera" im Deutschen Fernsehfunk – Filme in der aktuellen Berichterstattung ein, die anfangs noch von den Kino-Wochenschauen bezogen wurden. Seit Mitte der 1950er Jahre drehten eigene Fernsehteams Nachrichtenfilme. 

Filmgeber

Ein Filmgeber (auch: Filmabtaster, FAT) ist ein Gerät, bei dem ein von einem Filmprojektor projiziertes, optisches Bild von einer elektronischen Kamera abgetastet und in elektrische Signale übersetzt wird. Diese werden dann gesendet.
Filmgeber bzw. Filmabtaster werden auch zum Einlesen von Kinofilmen für das Fernsehen oder bei der Restaurierung alter Filme verwendet. Die Qualität der Abtastung hat sich durch eine immer höhere Auflösung (also die Zunahme der Bildpunkt-Dichte) verbessert.

Aufzeichnungstechnik

Seit 1952 verfügte der NWDR über ein Gerät, mit dem von einem lichtstarken Spezialempfänger Live-Ereignisse auf Film (35 mm) aufgezeichnet werden konnten. Dies wurde Filmaufzeichnung genannt. Beim Deutschen Fernsehfunk gab es diese Möglichkeiten ebenfalls, sie hießen dort Betriebsaufzeichnungen. Zu dieser Zeit wurden jedoch in beiden Fernsehsystemen aus Kostengründen nur aufwändige Produktionen aufgezeichnet. Fernsehen wurde in der ersten Hälfte der 1950er Jahre vorwiegend live produziert. Daraus bezog das Medium in diesen Jahren – aber auch noch später – seinen Reiz. 

DDR-Fernsehen aus Berlin-Adlershof 

In der DDR entstand Anfang der 1950er Jahre in Berlin-Adlershof ein Fernsehzentrum, das von dem ehemaligen Emigranten Hans Mahler aufgebaut wurde. Er bediente sich dabei der Erfahrungen aus dem NS-Fernsehen, über die der Techniker Ernst Augustin verfügte. Über einen Einzelvertrag engagierte Mahler auch den Techniker Walter Bruch, der schon in den 1930er Jahren bei Telefunken gearbeitet hatte und sich in den späten 1950er Jahren um das PAL-Farbfernsehen im Westen bemühte. Das Engagement Bruchs blieb jedoch zeitlich begrenzt. Die Studios in Berlin-Adlershof orientierten sich an den damals modernen Standards der Fernsehproduktion. Auch hier wurde die Orthikon-Kamera eingesetzt, die überhaupt erst eine geplante Lichtregie möglich machte. Im DFF-Fernsehzentrum wurde sie ab 1956 im Studio IV benutzt . Im DFF wurden frühzeitig Übertragungswagen eingesetzt, um das Fernsehen – wie auch im Westen – mobil zu machen und Außenaufnahmen senden zu können

Fernsehproduktion ab 1954

Fernsehproduktionen wurden in dieser Zeit noch nicht langfristig geplant. Häufig wurde improvisiert und eher spontan produziert. Der Beginn des Programmbetriebs des Gemeinschaftsprogramms der ARD am 1. November 1954 machte jedoch eine bessere Produktionsabstimmung notwendig. Denn die in der ARD zusammengeschlossenen Landesrundfunkanstalten produzierten in jeder Sparte des Programms (Fernsehspiel, Unterhaltung, Dokumentationen, etc.) anteilig Sendungen entsprechend der Größe ihres Einzugsgebietes. Für die Programm- und Produktionskoordination wurden die "Ständige Programmkonferenz" und die "Programmdirektion" eingerichtet. 

Erstes Programmschema im Jahr 1958 (BRD) 

Mit der Ausweitung des Programms auf zunächst drei bis vier Stunden täglich wurden immer mehr Produktionen gebraucht. Damit wuchs auch der Aufwand im organisatorischen Bereich, bei der Programmplanung und dem Produktionsmanagement. 1958 entstand das erste Programmschema, und in den Folgejahren wurden die Programme langfristiger geplant. 

Redaktionen und Arbeitsgruppen im DDR-Fernsehen

Aufnahmen zum DDR-Fernsehfilm "Wolf unter Wölfen" im Juli 1964. (© Bundesarchiv Bild 183-C0701-0014-002 / Fotograf: Joachim Spremberg)

Beim Deutschen Fernsehfunk musste ebenfalls spätestens seit 1956 mit dem offiziellen Programmbeginn genauer und zielgerichteter geplant werden. Ende der 1950er Jahre entstanden deshalb in den Fernsehanstalten wie im Deutschen Fernsehfunk Redaktionen, die für einzelne Programmsparten zuständig waren und genau umrissene Produktionsplanungen vorlegten. Dabei nahm im Deutschen Fernsehfunk die Sparte der Fiktion einen deutlich größeren Umfang ein als im ARD-Fernsehen. Im DDR-Fernsehen entstanden vier Arbeitsgruppen, die sich mit verschiedenen Bereichen der Fernsehdramatik beschäftigten. 

Wachsender staatlicher Einfluss im DDR-Fernsehen 

In den 1950 Jahren waren die Planungs- und Vorbereitungszeiten für Fernsehfiktion und andere Programmsparten im Osten wie im Westen etwa gleich, weil das Fernsehen in der DDR noch nicht unter der genauen Beobachtung und Kontrolle der Partei stand. Das änderte sich erst Anfang der 1960er Jahre, als – noch vor dem 11. Plenum der SED 1965, in dessen Kontext fast ein ganzer Defa-Jahrgang an Spielfilmen verboten wurde – Fernsehfilme in das Visier der Partei gerieten und verboten (Günter Kunerts "Fetzers Flucht") oder bereits im Produktionsstadium gestoppt wurden ("Monolog für einen Taxifahrer" von Kunert/Stahnke). Die Planungsvorläufe wurden nun länger, weil alle Stufen der Vorproduktion vom Exposé bis zum Drehbuch eine parteiliche Kontrolle zu durchlaufen hatten

Veränderungen durch die MAZ-Technik

Weil die Programme der Rundfunkanstalten nicht ausschließlich live produziert werden konnten und nur mit großem Aufwand auf Ausfälle reagiert werden konnte, wurden andere Produktionstechniken gebraucht. Live-Produktionen vor einem Millionenpublikum belasteten zudem Schauspieler, Sprecher und andere Akteure zunehmend. 1957 saßen vor der ersten Million angemeldeter Fernsehgeräte immerhin etwa 4 Millionen Zuschauer, die jeden "Patzer" sahen. 

Film- und Fernsehproduktionsumfang im Vergleich

Allein mit "Präsenzproduktion" konnte der tägliche Programmbetrieb für so viele Sender nicht gewährleistet werden. Die bundesdeutsche Filmwirtschaft produzierte Mitte der 1950er Jahre jährlich etwa 120 Spielfilme, 200 Dokumentarfilme und 50 Wochenschauen für 350 Stunden Programm. Das Fernsehen produzierte mit sehr viel weniger Personal und finanziellen Mitteln etwa die dreifache Menge Programm. Die erste differenzierte Programmstatistik aus dem Jahre 1959 verbuchte bereits 1.800 Stunden Fernsehprogramm. 

Auch im Deutschen Fernsehfunk lag die Programmproduktion in den 1960er Jahren deutlich über dem Volumen an Filmen, das die Defa produzierte. Beim DDR-Fernsehen entstand jedoch ein relativ umfangreicher Personalapparat für die wachsende Zahl an Programmstunden. Produzierte der Deutsche Fernsehfunk 1955 noch 786 Stunden Programm, waren es 1960 bereits 3007 Stunden und damit mehr als das bundesrepublikanische Programm

Erster Einsatz von magnetischer Aufzeichnungstechnik

Magnetaufzeichnungsraum im Beschaffungsamt des Presse- und Informationsamts der Bundesregierung (© Bundesregierung B 145 Bild-00126523 / Fotograf: Jens Gathmann)

Für die Gewährleistung dieses Programmbetriebs wurden spezifische Fernsehaufzeichnungs- und -speichersysteme benötigt. Die Firma Ampex aus den USA hatte aus der Tonbandtechnik eine magnetische Aufzeichnungstechnik (MAZ) für das Fernsehen entwickelt. In Deutschland wurden die ersten Anlagen 1957/58 beim Südwestfunk, in den Folgejahren auch bei anderen ARD-Anstalten eingesetzt. Anfangs war die Technik nur ein Hilfsmittel, um bei Live-Pannen auf bei der Generalprobe hergestellte Magnetaufzeichnungen umschalten zu können. Bald schon wurde die Technik allerdings als vollwertiges Produktionsmittel eingesetzt. Wie beim Film wurden einzelne Takes aufgezeichnet. Szenen konnten so oft aufgenommen werden, bis die Qualität stimmte. Anschließend wurden die Aufnahmen montiert oder auf ein neues Band überspielt. Die auf diese Weise hergestellten elektronischen Fernsehproduktionen waren (wie beim Film) beliebig oft einsetz- und wiederholbar. Mit der neuen Technik konnte man darüber hinaus Bundestagssitzungen oder Sportveranstaltungen aufnehmen und daraus für spätere Sendungen Höhepunkte zusammenschneiden. 

Magnetaufzeichnung in der DDR

Im DDR-Fernsehen wurde die Magnetaufzeichnung erst ab 1964 eingesetzt. Die Aufzeichnungstechnologie unterlag einem Embargo und durfte nicht in die östlichen Länder geliefert werden. Die DDR besorgte sich deshalb die Magnetaufzeichnung auf Umwegen, indem sie Geräte zerlegen und die Teile über Drittstaaten liefern ließ. Im DDR-Fernsehen kam die MAZ-Technik ab 1964 zum Einsatz. Im Deutschen Fernsehfunk diente die dadurch möglich gewordene Vorproduktion von Sendungen nicht nur der Planungsoptimierung, sondern auch der Kontrolle darüber, dass keine unerwünschten Darstellungen und Aussagen über den Bildschirm gingen. 

Vorzensur und Vorgaben durch das Politbüro

Live-Produktionen wurden vor allem bei den Nachrichten, in der Unterhaltung und in der Sportberichterstattung eingesetzt. Bei den Nachrichten entstand seit den 1960er und 1970er Jahren eine direkte Vorzensur des Politbüros, das bis in einzelnen Formulierungen hinein Vorgaben machte. Nicht nur gab es beim Leiter der Abteilung für Propaganda und Agitation des Zentralkomitees der SED wöchentliche Sitzungen der Medienchefredakteure, bei denen die Direktiven für die Berichterstattung ausgegeben wurden, sondern es wurden noch bis in die Sendungen hinein Sprachregelungen vorgegeben. 

Sprachregelungen in westdeutschen Medien

Natürlich – das sollte nicht vergessen sein – gab es und gibt es auch in den westdeutschen Medien Sprachregelungen, nur waren und sind sie in der Regel auf Redaktionen und institutionelle Leitungsbereiche der Medien beschränkt, werden nicht politisch von der Regierung vorgegeben. Ob jemand als "Terrorist" oder als "Freiheitskämpfer" bezeichnet wird, wird durchaus redaktionell abgeklärt. Und in der Zeit des Kalten Krieges gab es von der Bundesregierung erwünschte Vorgehensweisen, etwa, dass man das Wort "DDR" nur in Anführungsstrichen gesetzt verwenden durfte. Mit den detaillierten Sprachregelungen der DDR-Fernsehnachrichten durch das Politbüro der SED war das jedoch nicht vergleichbar. 

Industrialisierung der Produktion

Die Veränderung der Speichertechnik revolutionierte den Produktionsbetrieb und führte zu einem filmähnlichen Aufnahmeverfahren. Große Studiobetriebe, z. B. die Bavaria Atelierbetriebsgesellschaft, arbeiteten an der Kombination von Film- und Fernsehkameras, um die Vorteile der elektronischen Fernsehproduktion (lange, durchgespielte Szenen) und des Films (bessere Bildqualität) gleichermaßen zu nutzen. 

Für die Zuschauer waren die technischen Veränderungen weitgehend unsichtbar, weil sich Konsequenzen in Produktionsweisen und Inszenierungsstilen erst langfristig durchsetzten. Regisseure wie Rudolf Noelte beklagten im Westen den angeblichen Verlust der Intensität des Spiels durch die Abkehr von Live-Übertragungen. Den Siegeszug der magnetischen Aufzeichnungstechnik konnten sie jedoch nicht verhindern. Ähnliche Diskussionen fanden im DDR-Fernsehen nicht statt. 

Versuche, Fernsehkameras beweglicher zu machen, sie vom Studio zu entkoppeln, wurden in diesen Jahren nicht systematisch verfolgt. 1957 wurden in einem Bericht über die Bundesgartenschau in Köln drahtlose Bilder aus einem Luftschiff gesendet. Die Mobilität "fliegender Kameras" war allerdings sehr eingeschränkt, so dass sie nur begrenzt eingesetzt wurden. 

Kurt Wilhelm und Gerlinde Locker während der Aufnahmen zur Fernsehadaption Lessings "Der Misogyn" (Der Weiberfeind) im Jahr 1967. (© picture-alliance, United Archives)

Kurt Wilhelms "industrielle Produktionsweise"

Nichts kennzeichnet die Veränderung der Fernsehproduktion mehr als ein Musiktheaterprojekt von Kurt Wilhelm, der 1961 für das Deutsche Fernsehen zwölf Operetten in Wien produzierte. "Das Deutsche Fernsehen muss endlich auf Fabrikbetrieb umschalten", verkündete er. Die Produktion eines Stückes kostete statt der üblichen 6 nur 5 Millionen Mark. Er realisierte dadurch eine "industrielle Produktionsweise", dass er langfristig ein Atelier außerhalb der Saison mietete, Kulissen aus wieder verwendbaren Bauelementen herstellen ließ, in den Zwangspausen Programmfüller wie Kabarett-, Ballett- oder Musiksendungen produzierte und ein kombiniertes Double- und Playback-Verfahren nutzte. So kam er mit 15 statt der üblichen 25 Drehtage aus. Zwar erregte diese synthetische Produktion den Widerspruch der Kritik (der "Zauber des Menschlichen" ginge verloren), doch hatte die Rationalisierung gravierende Folgen für die weitere Fernsehproduktion. Sie gab entscheidende Impulse, die Produktionsabläufe neu zu konzipieren.

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