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Dokumentation

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Der Hörfunk- und Fernsehjournalist Peter von Zahn (r.) erhält den "Adolf Grimme Preis" 1966. (© AP)

Vom Kino ins Fernsehen

Neben den verschiedenen dokumentarischen Kleinformen und Magazinen gab es von Beginn an auch Dokumentarfilme und Dokumentationen im Fernsehen, die umfangreicher angelegt waren. Als 'Kulturfilm' kamen die dokumentarischen Formen des Kinos sehr früh in die Fernsehprogramme in West und Ost, weil sich auf diese Weise die Nachfrage des Fernsehens nach immer neuen Sendungen befriedigen ließ. Daneben entstanden verschiedene dokumentarische Fernsehformen und -formate, wie die Reportage, die Dokumentation, das Feature, der Essay, das Porträt, der (klassische) Dokumentarfilm, die dokumentarische Serie, das Doku-Drama und die Doku-Soap, die sich auf ein Thema, eine Zeit, einen Ort oder ein Ereignis konzentrieren und es vertiefend darstellen.

Berichte aus aller Welt

Die Nachrichtenvermittlung im bundesdeutschen Fernsehen konnte sich in der Darstellung der Welt auf Dauer nicht allein auf ausländische Filmdienste und Eurovisions-Zulieferungen verlassen, sondern brauchte eigene Korrespondenten vor Ort. Einer der ersten war Peter von Zahn, der ab Oktober 1955 aus den USA eine Reihe von Filmberichten lieferte, die "Bilder aus der Neuen Welt" hieß und bis März 1958 im Programm war. Diese Reihe wurde von der "Tagesschau"-Redaktion in Hamburg mitbetreut. Anfang der 1960er Jahre produzierte von Zahn für den WDR eine Reihe mit Beiträgen aus aller Welt unter dem Label "Die Reporter der Windrose berichten". Die erste Sendung lief am 2.10.1961 im ARD-Programm .

Berichte aus westlichen Zentren

Neben von Zahn gab es ab 1960/61 noch weitere Sendungen, in denen regelmäßig Reporter aus den anderen Zentren der Welt berichteten. Hans Walter Bergs Sendungen "Gesichter Asiens" wurden bald legendär, Werner Baecker kam 1961 mit der Sendereihe "Treffpunkt New York" ins Programm, dann gab es das "Londoner Tagebuch" und nicht zuletzt Georg Stefan Trollers "Pariser Journal" ab 1962 im WDR . An diese Entwicklung knüpfte die Etablierung von Korrespondenten in verschiedenen Zentren der Welt an, die das ARD-Fernsehen regelmäßig mit Beiträgen belieferten. Schon seit 1955/56 hatte es die ersten Korrespondenten gegeben, mit Klaus Mehnert, Gerd Ruge und Klaus Bölling war der Anfang gemacht. Das Netz wurde weiter ausgebaut. Die ARD-Anstalten schlossen über die Zuordnung der Korrespondenten zu einzelnen Anstalten am 21.5.1963 einen Vertrag und institutionalisierten diese Einrichtung .

Reisen per Filmkamera

Die Metapher vom Fernsehen als "Fenster zur Welt" wurde so konkret. Kennzeichnend für diese Entwicklung ist, dass sie sich von der Ufa-Kulturfilm-Tradition, wie sie aus der Zeit vor 1945 stammte, absetzte und eine eigene, neue Ästhetik begründete. Dazu gehörte wesentlich die Außenorientierung, die die Dokumentarfilmer zu Reportern machte. Es waren hauptsächlich Reiseberichte, die in den 1950er Jahren ins Programm kamen. Die Zuschauer reisten auf diese Weise per Filmkamera durch die Welt, die sie sonst kaum besuchen konnten .

Politische Welterkundung

Aus den eher touristischen Reisebildern entwickelte sich ein Journalismus, der die Welterkundung auch politisch verstand und die Zuschauer zu Hause mit den politischen Verhältnissen anderswo konfrontieren wollte , indem er vor Ort drehte und die Filmberichte in Reihen präsentierte. Über die "Schwerpunkte der westlichen Verteidigung" berichteten Rüdiger Proske, Max H. Rehbein und Carsten Diercks. Sie brachten im Frühjahr 1957 für den NDR Hamburg die Reihe "Auf der Suche nach Frieden und Sicherheit" und im Spätsommer 1957 die Fortsetzung "Pazifisches Tagebuch" ins Programm. Diese Reihen zeigten bis dahin nicht gesehene Filmaufnahmen von den weltweiten Stützpunkten der USA: Bombengeschwader, die in der Luft aufgetankt werden, sich aufrichtende Raketen, Atompilze, die am Horizont aufblühen, und Flottengeschwader. Bilder des gigantischen militärischen Apparats sollten den Eindruck von Sicherheit im westlichen Bündnis vermitteln. Das "Fenster zur Welt" verstand sich hier als "Schaufenster westlicher Militärmacht" .

Dokumentarfilme der "Stuttgarter Schule"

Das Spektakuläre des NDR-Dokumentarismus zu Beginn der 1960er Jahre darf nicht verdecken, dass es bereits seit 1954 eine andere Dokumentarfilmtradition im Fernsehen gab, die der Süddeutsche Rundfunk aufgebaut hatte und die als "Stuttgarter Schule" in die Fernsehgeschichte eingegangen ist. Unter der Redaktion von Dieter Ertel entwickelte sich diese Reihe mit Sendungen von Jürgen Neven-DuMont, Peter Dreessen, Wilhelm Bittdorf und Roman Brodman rasch zu einem Markenzeichen des bundesdeutschen Dokumentarfilms. "Zeichen der Zeit" beschäftigte sich mit den bundesdeutschen Verhältnissen. Die Dokumentarfilmer sahen sich als "skeptische Beobachter einer Zeit , die in der Aufschwungphase von Wiederaufbau und 'Wirtschaftswunder' die eigene Vergangenheit zu verdrängen drohte, ohne deren autoritäre und militärische Traditionen wirklich überwunden zu haben" .

Aktuelle Brisanz in Dokumentationen

In Kriegs- und Krisenzeiten kommt Dokumentationen eine besondere Bedeutung zu, weil sie das teils schwer fassbare Geschehen versuchten, anschaulich zu machen. Beispielsweise in der sogenannten Flüchtlingskrise bzw. Fluchtbewegung 2015 sind es Beiträge wie "An der Grenze – 24 Stunden an den Brennpunkten der Flüchtlingskrise" (N24, 2015 / Deutscher Fernsehpreis 2016) oder "My Escape – Meine Flucht" (WDR, 2016), die die Schicksale der Menschen hinter den abstrakten Zahlen und Auseinandersetzungen um eine "Obergrenze" zeigen. Dass diese Problematik auch für junge Zuschauer umgesetzt werden kann, zeigt z. B. "Mohamed auf der Flucht" (in der Reihe "Schau in meine Welt", KiKA 2014 / Robert Geisendörfer Preis 2015). "My Escape – Meine Flucht" ist zum großen Teil aus Handy- bzw. Smartphone-Videos entstanden und belegt die zunehmende Bedeutung dieser Geräte jenseits aufwändiger Aufnahmetechnik. Die mit einem Grimme-Preis 2016 in der Sparte "Information & Kultur/Spezial" ausgezeichnete Produktion "Marhaba – Ankommen in Deutschland" (n-tv, 2015) ging als Web-Serie an den Start und war inzwischen im Fernsehen zu sehen. Sie wird dem Gedanken der Flüchtlingsintegration gerecht, auch ganz praktisch durch ihre dauerhafte Präsenz im Internet in arabischer Sprache. Genauso wichtig ist die Auseinandersetzung mit den Hintergründen von extremistischen und populistischen Entwicklungen. "Die Akte Anis Amri – Der Terrorist und die Fehler der Fahnder" ist eine 45-minütige Fernsehdokumentation des Politmagazins Frontal 21 (ZDF, 2017), die über Islamismus und Radikalisierung berichtet und auch für die Arbeit in der Interner Link: Radikalisierungsprävention empfohlen wird. Das Leben von Politikerinnen und Politikern in Zeiten von (rechts-)populistischen Strömungen, Fake News und pauschalisierenden "Lügenpresse"-Parolen sowie der damit einhergehenden Verrohung der politischen Kultur dokumentiert "Nervöse Republik – Ein Jahr Deutschland" (ARD, 2017, ausgezeichnet mit dem Deutschen Fernsehpreis 2018).

Der Dokumentarfilm im DDR-Fernsehen

Als Beitrag zur "Auseinandersetzung zwischen den beiden antagonistischen Gesellschaftsordnungen", die nach dem Mauerbau an die Stelle der deutsch-deutschen Konfrontation getreten war, entwickelten sich die Filme der Fernsehpublizisten Walter Heynowski und Gerhard Scheumann. Sie bildeten die einzige eigenständige fernsehpublizistische 'Schule' des DDR-Fernsehens .

Dokumentationen von Heynowski und Scheumann

Walter Heynowski und Gerhard Scheumann veränderten mit ihren Dokumentationen den sozialistischen Journalismus der Anfangszeit: Sie sprachen nicht über den ideologischen Gegner, sondern ließen ihn selbst zu Wort kommen. Der erste Film, eine Reportage über das "Kommando 52" (1965), eine Einheit europäischer Söldner im Kampf gegen die Befreiungsbewegung im Kongo, benutzte Selbstzeugnisse der Porträtierten, vor allem Fotos, Tagebücher-Notizen, Tonbänder und Filme. Das Namenskürzel H&S (Heynowski und Scheumann) wurde zum Markenzeichen. Vor allem das Interview mit dem aus Deutschland stammenden Söldnerführer Siegfried Müller, genannt 'Kongo-Müller', in "Der lachende Mann" (1966) wurde zu ihrem ersten internationalen Erfolg. Sie arbeiteten, wie ihnen später häufig vorgeworfen wurde, mit journalistischen Tricks, um ihre 'Selbstdarsteller' aus der Reserve zu locken. So nutzten die Filmemacher aus, dass 'Kongo-Müller' Alkoholiker war und mit zunehmendem Martini-Konsum immer mitteilsamer wurde. Der Söldner entlarvte sich selbst als Massenmörder. In einem "PS zum Lachenden Mann" (1966) wurde das Thema weitergeführt, gestützt auf Reaktionen, die der erste Film ausgelöst hatte.

Szenenbilder von "Der lachende Mann", unten links "Kongo Müller" mit Hund (© Bundesarchiv, Bild 183-E0910-0005-001 / Fotograf: o. Ang.)

Das "Studio H & S"

Mit der gleichen Methode, die bei "Der lachende Mann" angewendet worden war, produzierten Heynowski und Scheumann weitere Sendungen. Seit 1969 als "Studio H & S" ein relativ selbstständiges Produktionsteam, schufen sie unter dem institutionellen Dach der DEFA bis zum Herbst 1989 mehr als 50 Dokumentarfilme, Filmdokumentationen und Filmspots, die operativ bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten (u. a. auch in Aufführungen des Berliner Ensembles) eingesetzt wurden. Gegen die Interviewfilme von "H & S" wurden seinerzeit ethische Bedenken vorgebracht, hatten die Filmemacher sich doch ihren Gesprächspartnern oft unter Vorspiegelung falscher Identitäten genähert und in Montagen nicht selten problematische politische Beziehungsgeflechte hergestellt. Dennoch haben sie eine eigene Form des Dokumentarfilms begründet, die weltweit anregend und beispielgebend wirkte.

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