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Entstehung von Ost- und Westfernsehen

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Entstehung von Ost- und Westfernsehen

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Mauerbau in Berlin - mit einem Kran werden hinter Stacheldraht Betonblöcke aufgestellt. (© Bundesarchiv, Bild 173-1321 / Fotograf: Wolf, Helmut J. / CC-BY-SA)

Prägende Rahmenbedingungen in Ost- und Westdeutschland

Um das Fernsehen in beiden deutschen Staaten verstehen zu können, müssen mehrere Faktoren betrachtet werden:

  1. die organisatorischen Rahmenbedingungen und deren Einbettung in die kulturelle und politische Geschichte,

  2. die Prägung der medialen Strukturen durch die jeweiligen alliierten Siegermächte in den westlichen Besatzungszonen (USA, Großbritannien, Frankreich) und der östlichen (Sowjetunion),

  3. die Entwicklungen des Kalten Krieges zwischen West und Ost. 

Abgrenzung und Kontrast zwischen Ost- und Westmedien

  In Deutschland manifestierte sich nach 1945 der ideologische und technologische Wettlauf der politischen Großsysteme im 20. Jahrhundert. Die innerdeutsche Grenze war nicht hermetisch: Über die immer dichter werdenden Block-Grenzen hinweg (Berliner Mauer, Stacheldraht, Todesstreifen seit 1961) bestanden enge menschliche und mediale Beziehungen, und sei es ex negativo – als gegenseitige Abgrenzung. Zwischen den beiden deutschen Staaten entspann sich über die Grenze hinweg im Medienbereich ein "kontrastiver Dialog". Damit ist eine interaktive, rückgekoppelte Auseinandersetzung gemeint, die über lange Zeit nicht auf Verständigung, sondern auf "Kontrast" und Abgrenzung angelegt war. 

Kommunikationsebenen zwischen den deutschen Staaten

  Die Kommunikation zwischen beiden deutschen Staaten fand auf drei Ebenen statt:

  1. gab es den Austausch auf der individuellen Ebene – zwischen Einzelnen, Familien und Gruppen bei Besuchen, zumeist in west-östlicher Richtung, über Briefe, sporadisch auch über das Telefon.

  2. bestand sie auf der politischen und ökonomischen Ebene, in Form offizieller und teilweise auch inoffizieller Kontakte. Beispiele dafür sind die Regelung der Passierscheinabkommen, mit denen Westbürger in die DDR einreisen durften, die Transitvereinbarungen, die den Verkehr von der Bundesrepublik nach West-Berlin betrafen, der innerdeutsche Warenhandel, der Sport, die Lizenzvergabe im Verlagsgeschäft, aber auch Vereinbarungen, die das Auftreten von Künstlern im jeweils anderen Teil Deutschlands betrafen. Nicht immer waren diese Kontakte auch öffentlich sichtbar. 

  3. kam die Kommunikation auf der medialen, der öffentlichen Ebene (Programmebene) der Rundfunkmedien zustande: Wegen der grenzüberschreitenden Natur der elektronischen Medien Hörfunk und Fernsehen fand vor allem zwischen ihnen ein kontrastiver Dialog statt. Folgen hatte er besonders in der DDR, weil hier die West-Angebote intensiver genutzt wurden als umgekehrt. In der Bundesrepublik wurden die Angebote der DDR-Rundfunkmedien kaum wahrgenommen; die Bundesbürger beschränkten sich auf die Westangebote. 

Aufgaben der Medien in Ost und West

Logo des ZDF ab dem 26.08.2008 (© ZDF)

Bedingt durch die unterschiedliche Verfasstheit und die Aufgabenstellungen der Medien in beiden Staaten war der Dialog auf medialer Ebene asymmetrisch. Die Rundfunkmedien der DDR waren als staatliche Medien zugleich Sprachrohre und offizielle Verlautbarungsorgane von Staat und Partei. Eine doppelte medienpolitische Lenkungsstruktur – bestehend aus Gremien des Staates und der sozialistischen Blockparteien unter Führung der SED – beeinflusste sowohl die medialen Strukturen (Makroebene) als auch die Einzelheiten des Programms (Mikroebene). 

Die Rundfunkmedien der Bundesrepublik waren und sind dagegen sehr viel komplexer organisiert. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk (Radio und Fernsehen) ist föderal (ARD) bzw. zentral (ZDF) verfasst und qua definitionem staatsfern und nichtkommerziell. Die öffentlich-rechtlichen Programme entsprechen nicht per se den Auffassungen der Regierenden und der Parteien, obwohl es sich nicht wenige bundesrepublikanische Politiker anders gewünscht hätten. Immer wieder hatten sie seit den 1950er Jahren eine engere Bindung an Regierung und Parteien angestrebt, ohne sie jedoch zu erreichen. Seit 1984 kamen die privatrechtlich-kommerziellen Programmanbieter hinzu, aber auch sie verweigerten sich der Funktion, ein Sprachrohr von Staat und Parteien zu werden. 

Dialog zwischen den Mediensystemen

  Zwischen den beiden Mediensystemen in Ost und West fand ein Dialog statt, der sich derselben Sprache und äußerlich weitgehend vergleichbarer medialer Darstellungsformen bediente. Die Fernsehakteure in der DDR sahen sich in diesem Dialog in einem unablässigen Kampf mit dem Fernsehen des "Klassenfeindes" in der Bundesrepublik und deshalb in einer permanenten Konkurrenzsituation mit den Programmen im Westen. Sie nahmen deshalb in ihrer Programmpolitik immer wieder Bezug auf die Konkurrenz-Programme der Bundesrepublik. Auch für die Fernsehakteure im Westen stellte das System der DDR immer einen – meist jedoch nur strukturellen – Bezugsrahmen im Sinne einer Abgrenzung vom Sozialismus und dessen Grundprinzipien dar, der jedoch auf der Programmebene weniger explizit formuliert war. Eine "Funkstille" zwischen beiden deutschen Mediensystemen gab es deshalb nie, auch nicht in den frostigsten Perioden des Kalten Krieges (Ende der 1950er bis Anfang der 1960er Jahre sowie Anfang der 1980er Jahre). Nach der deutschen Einigung 1990 mussten die Menschen im vereinten Deutschland – auch nach Herstellung einer einheitlichen Medienstruktur – erst eine gemeinsame mediale Sprache finden.

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