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Wahlergebnisse und Wählerschaft der CSU

Frank Decker

/ 4 Minuten zu lesen

Die CSU trägt bei Bundestagswahlen etwa 20 Prozent zum Gesamtergebnis der Union bei. Ihre Hochburgen liegen in den altbayerischen Bezirken, Schwaben sowie den katholisch geprägten Gebieten Frankens.

Markus Söder während einer Andacht in der Wallfahrtskirche Maria Vesperbild. Typische CSU-Wähler weisen eine größere Nähe zur Kirche auf als der Bevölkerungsdurchschnitt. (© picture-alliance/dpa)

Weil sie bei Wahlen nur in Bayern antritt und ihr politisch-programmatisches Selbstverständnis mit dem Freistaat eng verknüpft ist, handelt es sich bei der CSU aus elektoraler Sicht um eine (bayerische) Regionalpartei. Gleichzeitig kann sie in Bayern als einzige Partei den Charakter einer Volkspartei für sich beanspruchen. Ihre hegemoniale Stellung beruht darauf, dass sie nach der Verdrängung der Bayernpartei und dem Niedergang des GB/BHE auch Teile liberaler und sozialdemokratischer Wählerschichten an sich binden konnte. Ihre dominante Stellung wird heute deshalb weniger von SPD und FDP herausgefordert als von den Grünen sowie der Konkurrenz im rechten politischen Lager (Freie Wähler und AfD).

Wahlergebnisse

Durch ihre Stärke in Bayern trägt die CSU bei den Bundestags- und Europawahlen in erheblichem Maße zum Gesamtergebnis der Union bei. Ihr Anteil an den Gesamtstimmen von CDU und CSU bewegte sich auch nach der deutschen Einheit im Bereich um etwa 20 Prozent. Mit 26,7 Prozent lag der CSU-Anteil am gemeinsamen Unionswahlergebnis ausgerechnet bei der Bundestagswahl 2021 am höchsten – trotz des historisch schlechtesten Wahlergebnisses seit 1949. Ausschlaggebend dafür waren die noch sehr viel größeren Stimmenverluste der CDU. 2025 ging der Wert auf 20,9 Prozent zurück.

Erreichte die CSU in den 1950er- und 1960er-Jahren im Bund durchweg bessere Ergebnisse als im Land, so kehrte sich der Trend seit den 1970er-Jahren um (Hirscher 2012). Am größten war der Abstand 2021, als sie bei der Bundestagswahl um 5,5 Prozentpunkte schlechter abschnitt als bei der Landtagswahl drei Jahre zuvor. 2025 lagen die Werte durch das deutlich verbesserte Bundestagswahlergebnis erstmals wieder gleichauf. Die trotz Stimmenverlusten unangefochtene Führungsposition der CSU in Bayern lässt sich daran ablesen, dass sie bei der Bundestagswahl 2025 in allen und bei der Bundestagswahl 2021 in 46 der 47 Wahlkreise die Mehrheit erlangte.

Dass die Wahlerfolge der CSU inzwischen deutlich weniger stabil geworden sind, hatten vor der Bundestagswahl 2021 bereits die Kommunalwahlen im Frühjahr 2019 gezeigt, bei denen sie mit Werten um die 35 Prozent hinter die schlechten Ergebnisse der Landtagswahl 2018 und Bundestagswahl 2017 nochmals zurückfiel. Nicht neu war dabei die relative Schwäche der CSU in den Städten, wo die Grünen besonders stark sind. Hinzu kamen Mobilisierungsprobleme im ländlichen Raum gegenüber den seit 2008 auf Landesebene etablierten Freien Wählern sowie der AfD, die 2018 erstmals zur Landtagswahl antrat. Bei den Europawahlen 2019 und 2024 schlugen sich die Christsozialen mit 40,7 bzw. 39,7 Prozent besser. Zu diesen Ergebnissen trug auch ihr Listenführer Manfred Weber bei, der im Europaparlament der EVP-Fraktion vorsitzt und 2019 für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten kandidiert hatte.

Aktuelle Wahlergebnisse der CSU

Wahlergebnisse bei den letzten Wahlen zu Landesparlamenten, dem Bundestag und dem Europäischen Parlament

Bei nicht aufgeführten Wahlen ist die Partei nicht mit einer Landesliste o.ä. angetreten.
WahlDatumProzentualer AnteilStimmenanzahl
AnteilGewinn
Verlust
StimmenGewinn
Verlust
Bayern108.10.202337,0%-0,2%5.059.57113.490
Europäisches Parlament09.06.20246,3%0,0%2.513.481158.414
Bundestag23.02.20256,0%0,8%2.964.028561.201
Tabellenbeschreibung

Die Tabelle zeigt die Wahlergebnisse der Partei CSU zwischen dem 14.03.2021 und dem 02.03.2025. Bei zwei von drei Wahlantritten der Partei in diesem Zeitraum steigerte sich der prozentuale Anteil der Partei an den gültigen Stimmen im Vergleich zur vorherigen Wahl. Das höchste Ergebnis erzielte die Partei mit 37,0% bei der Wahl in Bayern 2023, das niedrigste mit 6,0% bei der Bundestagswahl 2025.

Fußnote: 1 Bayern: Gesamtstimmen (bis zu zwei Stimmen je Wähler)

Quelle: Der Bundeswahlleiter und Landeswahlleitungen.

Wählerschaft

Regionale Trennlinien und landsmannschaftliche Unterschiede üben in Bayern traditionell starken Einfluss auf das Wahlverhalten aus (Mintzel 1975: 58 ff.). Die geografischen Hochburgen der CSU lagen lange Zeit in den altbayerischen Bezirken Oberbayern, Niederbayern, der Oberpfalz und Schwaben sowie in den katholisch geprägten Gebieten Frankens; in den protestantischen Gebieten Frankens blieb sie eher schwach. Bei der Landtagswahl 2008 wurde dieses Muster erstmals durchbrochen. Mit dem evangelischen Franken Günther Beckstein als Ministerpräsident verlor die CSU in Altbayern deutlich an Zustimmung, während sie in den drei fränkischen Bezirken nur geringe Verluste erlitt oder gegen den Trend zulegte. Horst Seehofer konnte das traditionelle regionale Muster 2013 vorübergehend wiederherstellen. 2018 und 2023 kehrten sich die Mehrheitsverhältnisse jedoch sogar um: Unter seinem aus Nürnberg stammenden Nachfolger Markus Söder schnitt die CSU in den fränkischen Bezirken besser ab als in Altbayern, wo ihr die Konkurrenz von Grünen und Freien Wählern am meisten zusetzte.

Bei der Bundestagswahl 2017 verlor die CSU in erheblichem Maße Stimmen an die AfD. 2021 gab sie dann auch Stimmen an die SPD und – wie bereits bei der vorangegangenen Landtagswahl – an die Grünen sowie die Freien Wähler ab. Letztere konnten ihr Zweitstimmenergebnis gegenüber 2017 auf 7,5 Prozent nahezu verdreifachen. Besonders deutlich waren die Verluste bei den 18- bis 24-Jährigen. In dieser Altersgruppe verlor die CSU 2021 gegenüber 2017 etwa die Hälfte ihrer Wählerinnen und Wähler (Münch 2023: 211 f.). Auch 2025 stagnierte sie hier auf niedrigem Niveau und schnitt nur halb so gut ab wie im Gesamtwählerdurchschnitt (Daten der repräsentativen Wahlstatistik).

Typische CSU-Wähler sind im Durchschnitt älter als der Bevölkerungsdurchschnitt, gehören häufiger der katholischen Konfession an, weisen eine größere Nähe zur Kirche auf und leben öfter auf dem Land als die Gesamtbevölkerung (Sebaldt 2025: 258). Unter den Berufsgruppen zählen Landwirte weiterhin zu den treuesten Wählergruppen der Partei – allerdings mit stark abnehmender Tendenz. Hatten 2003 noch über 90 Prozent von ihnen für die CSU gestimmt, waren es bei den Landtagswahlen 2018 und 2023 nur noch 66 bzw. 52 Prozent. Ähnlich wie bei der CDU halten sich Frauen und Männer unter den CSU-Wählern die Waage – mit Ausnahme der jüngsten Altersgruppe. Bei den 18- bis 24-Jährigen wählten bei der Bundestagswahl 2025 in Bayern nur knapp 15 Prozent der Frauen die CSU.

Quellen / Literatur

  • Buchstab, Günter (2009), Ein parlamentarisches Unikum: die CDU/CSU-Fraktionsgemeinschaft, in: Hans-Peter Schwarz (Hg.), Die Fraktion als Machtfaktor, Bonn, S. 255-274.

  • Deininger, Roman (2020), Die CSU. Bildnis einer speziellen Partei, München.

  • Deininger, Roman / Uwe Ritzer (2020), Markus Söder. Der Schattenkanzler, München.

  • Handwerker, Christoph (2019), Die gespaltene Union zwischen Macht und Werten. Die Flüchtlingskrise als Zerreißprobe für CDU und CSU?, in: Oliver Hidalgo / Gert Pickel (Hg.), Flucht und Migration in Europa, Wiesbaden, S. 127-159.

  • Hirscher, Gerhard (2012), Die Wahlergebnisse der CSU. Analysen und Interpretationen, München.

  • Hopp, Gerhard (2012), Die Volkspartei CSU in Bayern. Rahmenbedingungen, Strukturmerkmale und aktuelle Zukunftsperspektiven eines Erfolgsmodells auf dem Prüfstand, in: Ralf Thomas Baus (Hg.), Parteiensystem im Wandel, Sankt Augustin/Berlin, S. 73-98.

  • Jäger, Wolfgang (2009), Helmut Kohl setzt sich durch, 1976-1982, in: Hans-Peter Schwarz (Hg.), Die Fraktion als Machtfaktor, Bonn, S. 141-159.

  • Kießling, Andreas (2004), Die CSU. Macherhalt und Machterneuerung, Wiesbaden.

  • Mintzel, Alf (1975), Die CSU. Anatomie einer konservativen Partei 1945-1972, Opladen.

  • Münch, Ursula (2023), Zwischen „Kandidat der Herzen“ und Dauer-Sticheln“: Wie sich die gescheiterte Kandidatur ihres Parteivorsitzenden auf die CSU auswirkte, in: Uwe Jun / Oskar Niedermayer (Hg.), Die Parteien nach der Bundestagswahl 2021, Wiesbaden, S. 201-220.

  • Oberreuter, Heinrich (2008), Stoibers Sturz. Ein Beispiel für die Selbstgefährdung politischer Macht, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen 39 (1), S. 112-118.

  • Sebaldt, Martin (2025), Christlich-Soziale Union in Bayern e.V. (CSU), in: Frank Decker/Viola Neu (Hg.), Handbuch der deutschen Parteien, 4. Aufl., Wiesbaden, S. 252-266.

  • Strauß, Franz Josef (1989), Die Erinnerungen, Berlin.

  • Weigl, Michael (2013), Die Christlich-Soziale Union in Bayern e.V. (CSU), in: Oskar Niedermayer (Hg.), Handbuch Parteienforschung, Wiesbaden, S. 469-495.

Fussnoten

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Prof. Dr. Frank Decker lehrt und forscht am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Seine Forschungsschwerpunkte sind unter anderem Parteien, westliche Regierungssysteme und Rechtspopulismus im internationalen Vergleich.