Weil sie bei Wahlen nur in Bayern antritt und ihr politisch-programmatisches Selbstverständnis mit dem Freistaat eng verknüpft ist, handelt es sich bei der CSU aus elektoraler Sicht um eine (bayerische) Regionalpartei. Gleichzeitig kann sie in Bayern als einzige Partei den Charakter einer Volkspartei für sich beanspruchen. Ihre hegemoniale Stellung beruht darauf, dass sie nach der Verdrängung der Bayernpartei und dem Niedergang des GB/BHE auch Teile liberaler und sozialdemokratischer Wählerschichten an sich binden konnte. Ihre dominante Stellung wird heute deshalb weniger von SPD und FDP herausgefordert als von den Grünen sowie der Konkurrenz im rechten politischen Lager (Freie Wähler und AfD).
Wahlergebnisse
Durch ihre Stärke in Bayern trägt die CSU bei den Bundestags- und Europawahlen in erheblichem Maße zum Gesamtergebnis der Union bei. Ihr Anteil an den Gesamtstimmen von CDU und CSU bewegte sich auch nach der deutschen Einheit im Bereich um etwa 20 Prozent. Mit 26,7 Prozent lag der CSU-Anteil am gemeinsamen Unionswahlergebnis ausgerechnet bei der Bundestagswahl 2021 am höchsten – trotz des historisch schlechtesten Wahlergebnisses seit 1949. Ausschlaggebend dafür waren die noch sehr viel größeren Stimmenverluste der CDU. 2025 ging der Wert auf 20,9 Prozent zurück.
Erreichte die CSU in den 1950er- und 1960er-Jahren im Bund durchweg bessere Ergebnisse als im Land, so kehrte sich der Trend seit den 1970er-Jahren um (Hirscher 2012). Am größten war der Abstand 2021, als sie bei der Bundestagswahl um 5,5 Prozentpunkte schlechter abschnitt als bei der Landtagswahl drei Jahre zuvor. 2025 lagen die Werte durch das deutlich verbesserte Bundestagswahlergebnis erstmals wieder gleichauf. Die trotz Stimmenverlusten unangefochtene Führungsposition der CSU in Bayern lässt sich daran ablesen, dass sie bei der Bundestagswahl 2025 in allen und bei der Bundestagswahl 2021 in 46 der 47 Wahlkreise die Mehrheit erlangte.
Dass die Wahlerfolge der CSU inzwischen deutlich weniger stabil geworden sind, hatten vor der Bundestagswahl 2021 bereits die Kommunalwahlen im Frühjahr 2019 gezeigt, bei denen sie mit Werten um die 35 Prozent hinter die schlechten Ergebnisse der Landtagswahl 2018 und Bundestagswahl 2017 nochmals zurückfiel. Nicht neu war dabei die relative Schwäche der CSU in den Städten, wo die Grünen besonders stark sind. Hinzu kamen Mobilisierungsprobleme im ländlichen Raum gegenüber den seit 2008 auf Landesebene etablierten Freien Wählern sowie der AfD, die 2018 erstmals zur Landtagswahl antrat. Bei den Europawahlen 2019 und 2024 schlugen sich die Christsozialen mit 40,7 bzw. 39,7 Prozent besser. Zu diesen Ergebnissen trug auch ihr Listenführer Manfred Weber bei, der im Europaparlament der EVP-Fraktion vorsitzt und 2019 für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten kandidiert hatte.