Wahlergebnisse
Die Wahlergebnisse der FDP unterliegen bis heute starken Schwankungen. Dies gilt auf europäischer, Landes- und kommunaler Ebene stärker als auf der Bundesebene, wo sie bis 2013 stets den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde schaffte. Bei den übrigen Wahlen kam es immer wieder zu Phasen parlamentarischer Abstinenz, teilweise über mehrere Wahlperioden hinweg. Auch in Baden-Württemberg, wo die FDP seit 1952 durchgängig im Landtag vertreten war, schied sie bei der Wahl im März 2026 aus dem Parlament aus.
Die wechselhaften Ergebnisse rühren aus dem niedrigen Stammwählerpotenzial, das die FDP sowohl von Union und SPD als auch von den später hinzugekommenen Parteien wie den Grünen und der AfD unterscheidet. Stärker als bei diesen ist die Wahlentscheidung für die FDP durch kurzfristig wirkende, situative Faktoren motiviert, vor allem durch die Kompetenzzuschreibung in der für ihre Wähler besonders wichtigen Wirtschafts- und Steuerpolitik.
Profitieren konnte die FDP zudem immer dann, wenn sie als potenzieller Koalitionspartner eine entscheidende Rolle spielte. Bei ihren Seitenwechseln 1969 und 1982 nahm sie dabei das Risiko in Kauf, von einem Teil ihrer Wähler abgestraft zu werden. Seit den 1980er-Jahren setzte die FDP vermehrt auf Leih- oder Stützstimmen (also strategisch abgegebene Zweitstimmen von Anhängern anderer Parteien) aus dem Unionslager, um so die Mehrheitsfähigkeit bürgerlicher Koalitionen sicherzustellen. Als „Partei der zweiten Wahl“ war sie hier zugleich ein Nutznießer des durch das Wahlsystem ermöglichten Stimmensplittings, von dem ihre Wähler unter allen Parteien am meisten Gebrauch machten. Mit der Flexibilisierung der Koalitionsbeziehungen hat sich dieser Effekt inzwischen abgeschwächt. Der „Koalitionsfaktor“ erklärt zugleich, warum die FDP bei den bundesweiten Europawahlen traditionell schlechter abschneidet als bei den Bundestagswahlen. Sowohl 2019 als auch 2024 lag sie hier nur knapp oberhalb der – dort allerdings nicht gültigen – Fünf-Prozent-Hürde.
Konnten die FDP und ihre Vorläuferparteien zu Beginn der Bundesrepublik in den südwestdeutschen Ländern, Hessen sowie den drei Stadtstaaten noch Werte von um oder über 20 Prozent erreichen, so wurden diese Hochburgen ab Ende der 1950er-Jahre von der CDU geschleift. Die vor allem protestantisch geprägte, mittelständische Wählerschaft, auf die sie als kirchenferner Gegenpol zur Union abzielte, nahm seit dieser Zeit demografisch und gesellschaftlich an Bedeutung ab. Heutige geografische Schwerpunkte der Partei sind die ökonomisch prosperierenden Regionen im Rheinland und im Stuttgarter, Frankfurter und Münchener Umland. Ihre besten Landesergebnisse erreichte die FDP bei den Bundestagswahlen 2021 und 2025 in Baden-Württemberg, Hessen und Schleswig-Holstein. Vergleichsweise gut schnitt sie bis zu ihrem Eintritt in die Ampel auch in den ostdeutschen Ländern ab, wo sie zwischenzeitlich, wenn man Berlin mitrechnet, wieder in vier (von sechs) Landtagen vertreten war.
Ähnlich wie in der 17. Wahlperiode (2009 bis 2013), als sie im Bund an der Seite ihres Wunschpartners CDU/CSU regierte, wurde die FDP für ihre Rolle in der Ampelregierung in den seit 2022 stattgefundenen Landtagswahlen hart abgestraft. Neun Mal fiel sie aus den Landtagen heraus bzw. verpasste den Einzug. Nach dem Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz war sie Mitte 2026 nur noch in sechs Landesparlamenten vertreten. Mit den Wahlen gingen zugleich drei ihrer vier Regierungsbeteiligungen verloren (in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz). In Sachsen-Anhalt, wo sie seit 2021 Teil einer „Deutschland-Koalition“ mit CDU und SPD ist, droht ihr bei den im September 2026 nächsten Wahlen ebenfalls das Aus.