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21.8.2009

Grenzüberschreitender Handel von Devisen, Wertpapieren und Krediten und Portfolioinvestitionen

Die Liberalisierung der Kapitalmärkte wurde später eingeleitet als der grenzüberschreitende Handel mit Gütern und Dienstleistungen. Erst die technischen Revolutionen der 80er und 90er Jahre (Computer, Internet, Email) ermöglichten das Entstehen eines globalen Kapitalmarkts. Gleichzeitig stiegen die Risiken für weltweite Finanzkrisen.



Ob der tagtaegliche Fluss von Finanzstroemen eine stabilisierende und Wachstum foerdernde Wirkung hat, oder zu neuen Instabilitaeten der Weltwirtschaft gefuehrt hat, ist umstritten. Foto: sirknippsalot/Pixelio.Foto: sirknippsalot/Pixelio.options
Die Globalisierung der Finanzmärkte ist durch eine beispiellose Beschleunigung von grenzüberschreitenden Kapitalbewegungen geprägt. Damit einher ging die Verselbständigung der internationalen Finanzkreisläufe, die eine von den grenzüberschreitenden realen Güterströmen entkoppelte Eigendynamik gewonnen haben.

Die Globalisierung der Finanzmärkte begann 1973 mit dem Zusammenbruch des Bretton Wood Systems. Das nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte System stützte sich auf das Fundament fester Wechselkurse und abgeschotteter Kapitalmärkte. Die Welt lebte mit einem System weitgehend eigenständiger nationaler Finanz- und Kapitalmärkte.

Nach 1973 nahm der internationale Devisenhandel kontinuierlich zu. Die umfassende Liberalisierung der Kapitalmärkte setzte Anfang der achtziger Jahre ein und führte zunächst zu verstärkten Kapitalströmen zwischen den Industrieländern. Die Liberalisierung der Finanzmärkte schuf die grundsätzlichen Rahmenbedingungen für eine erhöhte Kapitalmobilität. Das Anwachsen der Kapitalströme in den 1980er und 1990er Jahren war jedoch weitgehend die Folge der Revolution in der Informations- und Kommunikationstechnologie. Diese ermöglichte bessere und schnellere Informationen über Auslandsmärkte, Finanzgeschäfte "rund um die Welt und rund um die Uhr" und die Entwicklung neuer Finanzpapiere, wie zum Beispiel Derivate. Die explosionsartige Zunahme privater internationaler Finanzströme beschränkte sich jedoch – wie auch die internationalen Warenströme und die ausländischen Direktinvestitionen – weitgehend auf die Industrieländer und einige "Schwellenmärkte".

Da private Finanzströme wesentlich umfangreicher geworden sind als staatlich veranlasste Kapitalbewegungen, sind die Rolle und der Einfluss privater Akteure wie Banken, Hedgefonds, und Aktienfonds beträchtlich gestärkt worden. Das Volumen der täglich gehandelten Devisen übersteigt bereits die gesamten Währungsreserven aller nationalen Zentralbanken zusammengenommen. Eine immer wichtigere Position kommt den so genannten Ratingagenturen zu. Sie bewerten z.B., wie kreditwürdig ein Land ist und entscheiden damit letztlich darüber, ob Länder überhaupt selbständig Kredite aufnehmen können und, falls ja, wie viel sie hierfür bezahlen müssen. Die Urteile von Aktienanalysten haben einen nachhaltigen Einfluss auf den Zustrom oder Abfluss von Kapital.

Grenzüberschreitende Finanzströme dienen auf der einen Seite dem effektiven Einsatz von Kapital und der Minderung von Risiken (z.B. für die Absicherung längerfristiger Lieferverträge in einem anderen Währungsraum). Auf der anderen Seite zeigt sich, dass das System zuweilen instabil und krisenanfällig sein kann. Zu einem falschen Einsatz von Ressourcen kann es zudem zum Beispiel kommen, wenn ausländische Kreditgeber aufgrund fehlender oder unzulänglicher Informationen unsolide Investitionen finanzieren. Wie die Krisen in Mexiko 1994/95, in Asien 1997/98 und 2002 in Argentinien zeigten, kann global mobiles Kapital auch sehr schnell abgezogen werden, wenn die Anleger mit der Wirtschaftspolitik eines Landes unzufrieden sind. Für Entwicklungs- und Schwellenländer ist besonders problematisch, dass die Kapitalströme zuweilen drastischen Schwankungen unterworfen sind. Besonders deutlich wurde dies in der asiatischen Finanzkrise von 1997.

Internationale Finanzströme?
Wenn von internationalen Finanzströmen die Rede ist, handelt es sich dabei vor allem um
  • Investitionen von Investmentfonds in den Aktienmärkten eines anderen Landes (insb. Pensionsfonds),
  • Handel mit Derivaten und anderen Finanzinstrumenten,
  • Bankkredite an Unternehmen sowie
  • kurzfristige spekulative Transaktionen (vor allem an den Devisenmärkten) und seit Anfang der 1990er Jahre verstärkt auch Kreditaufnahmen im Rahmen von internationalen Anleihemärkten.


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