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27.6.2012

Identität und Kultur in einer globalisierten Welt

Die globale Vernetzung und der zunehmende wirtschaftliche Austausch haben auch Kulturen und soziale Werte verändert. Wie sich die Globalisierung auf lokale Kulturen und Werte in aller Welt auswirkt, wird kontrovers gesehen. Führen Globalisierung und Internet zu einer Ausbreitung eines einheitlichen, westlich geprägten Lebensstils auf der ganzen Welt oder schaffen sie eine neue Blüte regionaler Identitäten und Kulturen?


"Die Welt wird sich zum einen immer ähnlicher, zum anderen immer unterschiedlicher."
Joana Breidenbach, Ina Zukrigl (Tanz der Kulturen. Kulturelle Identitäten in einer globalisierten Welt, 1998)


Einigkeit herrscht lediglich dahingehend, dass die neuen Kommunikations- und Informationssysteme die unterschiedlichen Kulturen nicht unbeeinflusst lassen. Die universelle Entwicklung der Waren- und Finanzmärkte und die starke Verflechtung von Finanzen und Ökonomie bewirken eine Internationalisierung von Arbeit, Moden, Tourismus und Kommunikation. Ebenso führt die, größtenteils aus politischen, sozialen und ökonomischen Gründen motivierte Mobilität, zu einer Vermischung der Kulturen. Die enorme Verbreitung elektronischer Medien schuf eine weitere Voraussetzung zur Vernetzung der Kulturen. Zwischenmenschliche Beziehungen können aufgrund der technischen Möglichkeiten trotz geographischer Entfernungen aufrechterhalten werden.

Zwischen McWorld und Tribalismus
Unter Globalisierung der Kultur verstehen vor allem Globalisierungskritiker/innen eine Ausbreitung westlicher Wertvorstellungen und Lebensstile. Eine massive Verbreitung westlicher Werte findet vor allem über das Fernsehen und das Kino statt, aber auch Musik (MTV) und Mode (wie zum Beispiel die Krawatte) sowie die westliche Unternehmenskultur breiten sich weltweit aus – so die Sorge vieler. Neben der medialen Globalisierung trägt der Massentourismus in vielen Regionen – so eine weitere Befürchtung – zum Rückgang der lokalen kulturellen Traditionen bei, weil im Zuge einer wachsenden Abhängigkeit fast nur noch für die Touristen gelebt und gearbeitet werde. Befürworter/innen sehen in der Globalisierung eine Entwicklung zur weltweiten Verfügbarkeit von Elementen aller Kulturen (beispielsweise Restaurants deutscher Tradition in Afrika, afrikanische Musik in Deutschland, etc.). Die Verdrängung der einheimischen Kulturen spiele sich, sagen sie, häufig nur auf einer oberflächlichen Ebene ab. Einflüsse würden modifiziert und in die eigenen kulturellen Wertvorstellungen eingebunden. Außerdem verbessere sich die Situation von vielen Menschen bzw. Menschengruppen durch den Kontakt mit der westlichen Kultur (zum Beispiel Gleichberechtigung der Frau). Bislang lassen sich zwei gegenläufige Trends beobachten: das Phänomenen der kulturellen Vereinheitlichung einerseits, als auch eine neue Blüte regionaler Identitäten und Kulturen andererseits.

Globalisierung und Identität
Die neuen und zunehmenden Möglichkeiten des Austauschs im Zuge der Globalisierung haben zudem Auswirkungen darauf, wie sich unser Bewusstsein entwickelt und was wir als unsere Identität wahrnehmen. Fand früher Identitätsbildung in unserem Kulturkreis in vergleichsweise geruhsamen Bahnen, in langfristig stabilen Lebensperspektiven und im Kontext eines allgemein anerkannten Systems von Werten und Normen statt, hat sich dies durch den Prozess der Globalisierung verändert. Identität muss heute zunehmend vor dem Hintergrund rasanter Veränderungen ausbalanciert werden.

Kampf der Kulturen?
Für viel Diskussion hat das 1996 veröffentlichte Buch "Kampf der Kulturen" gesorgt. Der Autor, Samuel P. Huntington, stellt darin die Frage nach den weltpolitischen Entwicklungen im 21. Jahrhundert. Statt eines harmonischen Zusammenwachsens in einer zunehmend vernetzten Welt sieht er neue Konflikte globalen Ausmaßes entstehen, vor allem zwischen den Kulturen. Er unterscheidet die zeitgenössische Welt in acht große Zivilisationen: die chinesische, japanische, hinduistische, islamische, westliche, lateinamerikanische, afrikanische und christlich-östliche. Die Weltpolitik des 21. Jahrhunderts werde demnach nicht von Auseinandersetzungen ideologischer oder wirtschaftlicher Natur bestimmt sein, sondern vom Konflikt zwischen Völkern und Volksgruppen unterschiedlicher kultureller Zugehörigkeit.


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