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Nächtliche Skyline von Shanghai

7.8.2008 | Von:
Dr. Thoralf Klein

Politische Geschichte Chinas 1900-1949

Sun Yat-sen (ca. 1866-1925), erster provisorischer Präsident der Republik China.Sun Yat-sen (ca. 1866-1925), erster provisorischer Präsident der Republik China. (© Public Domain)

Massenparteien, "nationale Revolution" und Bürgerkrieg

Beinahe zeitgleich entstanden die beiden großen politischen Kräfte, die China in den folgenden drei Jahrzehnten prägen sollten: 1921 gründete Sun Yatsen die Guomindang neu; im gleichen Jahr wurde auch die Kommunistische Partei (KP) Chinas ins Leben gerufen. Mit sowjetrussischer Unterstützung gingen beide Parteien 1923 ein Zweckbündnis ein, in dem die nach leninistischem Vorbild als Kaderpartei reorganisierte GMD der stärkere Partner war. Das ideologische Gerüst der Partei bildeten die Drei Volksprinzipien (Volkstum, Volksrechte und Volkswohlfahrt), die Sun Yatsen 1924 erarbeitete, aber aufgrund seines Todes im folgenden Jahr unvollendet hinterließ. Als Suns Erbe setzte sich sein militärischer Berater Chiang Kaishek (Jiang Jieshi) gegen ältere und verdientere Parteifunktionäre durch. Für Chiang sprachen sein Rückhalt im Militär, seine Verbindung zur chinesischen Hochfinanz und seine Fähigkeit, Gegner gegeneinander auszuspielen.

Im Bündnis mit den Kommunisten unternahm Chiang zwischen 1926 und 1928 den sogenannten Nordfeldzug, auf dem er einen Teil der Warlords militärisch besiegte und andere zu Allianzen mit der GMD bewegen konnte. Neben den Militärmachthabern gerieten die ausländischen Imperialisten ins Visier der von der GMD ausgerufenen "nationalen Revolution"; eine von Nationalisten und Kommunisten unterstützte Massenbewegung forderte vehement die Abschaffung ihrer Sonderrechte. Zwar gelang die Liquidierung des Imperialismus endgültig erst 1943, doch nominell konnte die Guomindang das Staatsgebiet Chinas wieder vereinigen. Allerdings kontrollierte sie selbst zu ihren besten Zeiten nur etwa ein Drittel des Territoriums unmittelbar. Bis Mitte der 1930er-Jahre kam es immer wieder zu Rebellionen von Militärführern, die sich mit politischern Gegnern Chiang Kaisheks innerhalb der GMD verbündeten. Zudem hatten sich bereits auf dem Nordfeldzug die Spannungen zwischen Nationalisten und Kommunisten verschärft. Im Frühjahr 1927 begann Chiang Kaishek eine Unterdrückungskampagne gegen die Kommunisten, die viele Opfer forderte und das Startsignal für einen zehnjährigen Bürgerkrieg zwischen Nationalisten und Kommunisten bildete. Die ständigen militärischen Auseinandersetzungen belasteten auch die Modernisierungsmaßnahmen, die der autoritäre Einparteienstaat der GMD einleitete: Beim industriellen Aufbau, der Schaffung einer modernen Infrastruktur, der Entwicklung des Erziehungswesens und der Effizienzsteigerung der Landwirtschaft hatte das Regime durchaus Erfolge zu verzeichnen, die jedoch durch den Krieg gegen Japan ab 1937 zunichte gemacht wurden.

Die Kommunistische Partei bemühte sich in den 1920er-Jahren um die Arbeiter, bildete jedoch auch das Rückgrat einer Bauernbewegung, die sich insbesondere für Kleinpächter und Landlose einsetzte. Nach Chiang Kaisheks Schlag gegen die Kommunisten verlagerte sich deren Machtzentrum aus den Städten in die ländlichen Basisgebiete Südchinas. Hier begann die Partei mit einer radikalen Landumverteilung. Vier Einkreisungsfeldzüge der GMD konnten die Kommunisten abwehren, beim fünften konnte sie der Vernichtung nur durch den berühmten "Langen Marsch" entgehen, der zwischen 1934 und 1936 über unwegsames Gelände nach Yan'an in Nordchina führte. Von rund 100.000 Menschen erreichte nur ein Zehntel das Ziel. Auf dem Marsch begann der Aufstieg von Mao Zedong (1893-1976), dem Hauptbefürworter und Theoretiker einer agrarrevolutionären Strategie, zum unumschränkten Führer der KP Chinas.

Der Aufstieg der KP Chinas

Für die Kommunisten erwies sich die japanische Aggression in China schließlich als Glücksfall. 1931 eroberte die japanische Armee die Mandschurei und setzte sich in den Folgejahren in weiteren Teilen Nordchinas fest. Gegen lautstarke öffentliche Proteste gab Chiang Kaishek der Bekämpfung der Kommunisten den Vorrang vor dem Kampf gegen Japan, er wurde jedoch im Dezember 1936 von zwei seiner Generäle in Xi´an festgesetzt und zu einer Einheitsfront mit der KP Chinas gezwungen. Obwohl dieses lockere Bündnis nur bis 1941 hielt, nutzten die Kommunisten den ab 1937 offen ausgebrochenen Krieg gegen Japan mit großem Erfolg, um ihre gesellschaftliche Basis zu verbreitern. Bei Kriegsende hatte die KP Chinas 1,2 Millionen Mitglieder.

Der asiatisch-pazifische Krieg, der nur durch das Eingreifen der USA entschieden wurde, ließ China wirtschaftlich ausgeblutet zurück. 1946 entbrannte zudem erneut der Bürgerkrieg zwischen Nationalisten und Kommunisten. Die GMD erhielt dabei umfangreiche Hilfe aus den USA, während die KP Chinas von der Sowjetunion eher halbherzig unterstützt wurde. Doch konnte die kommunistische Volksbefreiungsarmee die GMD-Truppen seit Anfang 1947 in der Mandschurei und seit Ende 1948 in Zentralchina in die Defensive drängen. Ende 1949 floh die Regierung Chiang Kaisheks nach Taiwan. Schon zuvor, am 1. Oktober 1949, hatte Mao Zedong in Peking die Volksrepublik proklamiert.

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