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Zugang zu freier Bildung im Netz – integration.oncampus.de

Redaktion

/ 4 Minuten zu lesen

Mit dem kostenfreien Angebot „integration.oncampus.de“ der FH Lübeck können sich Geflüchtete im Hochschulbereich weiterqualifizieren und sogar Credit Points sammeln – unabhängig davon, ob sie schon eine offizielle Hochschulzugangsberechtigung haben oder sich noch im Herkunftsland befinden, ob sie auf der Flucht oder bereits in Deutschland sind. Auf der Online-Plattform gibt es Weiterbildungskurse und MOOCs auf Deutsch und Englisch sowie Deutschkurse auf Arabisch, eine arabische Benutzeroberfläche und arabischen Support, berichtet Prof. Dr. Rolf Granow im Interview.

Zugang zu freier Bildung im Netz

Interview mit integration.oncampus.de

Zugang zu freier Bildung im Netz

Mit dem kostenfreien Angebot „integration.oncampus.de“ der FH Lübeck können Geflüchtete sich im Hochschulbereich weiterqualifizieren und sogar Credits sammeln – gleichgültig, ob sie bereits eine offizielle Hochschulzugangsberechtigung haben, und unabhängig davon, ob sie sich noch im Herkunftsland befinden, auf der Flucht oder bereits in Deutschland. Auf der Online-Plattform gibt es Weiterbildungskurse und MOOCs auf Deutsch und Englisch, eine arabische Benutzeroberfläche und…



Hier finden Sie die Transkription des Interviews:


Min 00:18 Worum handelt es sich beim Angebot „integration.oncampus.de“?

Wir beschäftigen uns in einem Team von insgesamt 80 Personen damit, digitales Studium und Weiterbildung, insbesondere berufsbegleitend, zu entwickeln und bereitzustellen. Wir haben uns als Team im Herbst letzten Jahres zusammengesetzt und überlegt, welche Beiträge wir leisten können, um auch den bei uns angekommenen Geflüchteten Zugang zu freier Bildung im Netz zu ermöglichen. Daraus ist das Angebot integration.oncampus entstanden. Wir beschränken uns nicht auf bestimmte Zielgruppen, man registriert sich einfach mit Namen und Mailadresse. Eines unserer Kernziele war es, bei diesen Integrationskursen nicht nur Kurse für Geflüchtete zu machen, sondern auch zu ermöglichen, dass Geflüchtete in verschiedenen Stadien gemeinsam, auch mit Deutschen, lernen und sich im Hochschulbereich weiterqualifizieren können.

Min 01:22 Wie sieht das Angebot konkret aus?

Auf unserer Plattform bieten wir kostenfreie unbetreute Weiterbildungskurse an, in denen sich Menschen selbstgesteuert weiterbilden können. Daneben haben wir aber auch creditfähige Onlinekurse. Das heißt, Teilnehmende können hier bereits, bevor sie sich an einer Hochschule einschreiben können, Leistungspunkte erwerben, die später auf ein Studium anrechenbar sind. Darüber hinaus bieten wir MOOCs – also Massive Open Online Courses – an, in überwiegend englischer Sprache. Hier haben wir auch ein spezifisches Angebot für Geflüchtete entwickelt, nämlich einen Phonetikkurs, zum Erlernen deutscher Aussprache für syrisch-sprachige Araber.
Die creditfähigen Kurse setzen sich aktuell zunächst aus den sogenannten Querschnittskompetenzen zusammen: Wir beschäftigen uns hier mit unternehmerischem Handeln, Marketing, E-Business, Management und Leadership und werden in diesem Jahr ein Paket anbieten, mit dem man insgesamt 15 Creditpoints erwerben kann, die auf eigentlich alle unsere Online-Studiengänge später anrechenbar sind. Darüber hinaus bieten wir auch einzelne fachspezifische Vertiefungskurse aus unseren Online-Studiengängen an.

Min 02:47 Was ist das Ziel des Angebots?

In den Credit-Kursen möchten wir es Menschen, die noch keine Hochschulzugangsberechtigung haben, ermöglichen, die Zeit, die sie jetzt bereits in Deutschland sind, für sich zu nutzen. Sie können so Leistungen für ein späteres Studium erbringen, damit ihnen die Wartezeit nicht noch anschließend durch das Studium an die Lebenszeit drangehängt wird.

Min 03:10 Wer nutzt das Angebot bisher?

In dem ersten Kurs, den wir evaluiert haben, war die Hälfte der Teilnehmenden syrischer Herkunft, aber die Hälfte der Teilnehmenden befand sich in Deutschland. Von der Altersklasse her ist es etwa die Altersgruppe, die auch sonst an den Hochschulen studieren würde – die Jahrgänge zwischen 1980 und 1990. Von denen, die sich in dem Kurs registriert haben, befinden sich 40 % noch in dem laufenden Asylverfahren, bei 40 % ist das Asylverfahren bereits abgeschlossen und 10 % sind auf der Flucht. Unter den sonstigen Teilnehmenden finden sich noch deutsche Teilnehmende, aber auch solche aus Nordafrika.

Min 03:57 Welche Vorbildung bringen die Nutzerinnen und Nutzer mit?

Das ist eine sehr breite Palette an Vorbildung. Sie reicht eigentlich vom Zustand „Ich habe eine Hochschulzugangsberechtigung“ bis zu „Ich habe bereits ein abgeschlossenes Studium“. Das verteilt sich etwa gleichmäßig.

Min 04:17 Wie greifen die Nutzerinnen und Nutzer auf das Angebot zu?

Die Geflüchteten greifen in der Regel über ihre Smartphones auf die Angebote zu. Bis zum letzten Jahr wurde unsere Plattform von der überwiegenden Anzahl der Nutzenden mit Laptops oder PCs genutzt. Durch die Angebote für Geflüchtete hat sich dies deutlich verändert. Inzwischen greifen 30 % der Nutzenden von ihren Smartphones aus auf die Lernangebote zu.

Min 04:46 Welche Herausforderungen gibt es bei diesem Angebot?

Eine spezifische Herausforderung lag sicherlich darin, dass wir uns jetzt mit der Arabisierung auseinandersetzen mussten. Das betraf zum einen die Oberfläche, in der die Teilnehmenden navigieren. Die meisten brauchten diese jetzt in arabischer Sprache. Das haben wir auch so realisiert. Wir waren dann aber auch damit konfrontiert, dass die Supportanfragen auf Arabisch kommen und diese auch beantwortet werden müssen. Das haben wir gelöst, indem wir inzwischen einen arabisch sprechenden Studenten eingestellt haben, der genau diese Supportleistungen für die Studierenden erbringen kann – da geht es ja meist um triviale Dinge, dass sie wissen wollen, wie sie denn überhaupt im Kurs irgendwo hinkommen. Eine weitere Herausforderung bestand darin, dass gerade die Geflüchteten in einem sehr hohen Maße über Smartphones auf die Kurse zugreifen und die Oberfläche so gestaltet sein muss, dass man diese komplexeren Kurse auch auf der Smartphone-Oberfläche gut wahrnehmen und studieren kann. Da haben wir entsprechende Anpassungen vorgenommen.

Min 05:56 Wie ist Ihr Zwischenfazit?

Wir sind eigentlich sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf. Wir haben jetzt fast 3.500 Registrierungen in den Kursen, die wir anbieten. Eine interessante Erfahrung war, dass wir ja auch neben den Geflüchteten, die hier in Deutschland sind, sehr viele Menschen in den Herkunftsländern erreichen – in Syrien, in ganz Nordafrika, aber auch darüber hinaus. Ich finde es sehr gut, dass diese Menschen in den unterschiedlichen Stadien gemeinsam miteinander lernen und Communitys bilden. Bei dem ersten evaluierten Kurs waren ja etwa 10 % der Teilnehmende auf der Flucht, also nicht mehr in ihrem Heimatland und auch noch nicht in Deutschland. Und ich finde es wirklich großartig, dass sie unter diesen Umständen jetzt mit anderen, entweder noch in der Heimat oder schon in Deutschland, gemeinsam studieren können.

Hintergrundinformationen:

Externer Link: integration.oncampus.de ist ein Weiterbildungsangebot für Flüchtlinge der Fachhochschule Lübeck. Ohne Bedingungen oder Nachweise können sich Geflüchtete unbürokratisch einschreiben und an verschiedenen kostenlosen Kursen teilnehmen. Hier können sie Leistungen erbringen, die sie sich später, wenn eine offizielle Hochschulzugangsberechtigung vorliegt, Externer Link: auf ein reguläres Studium anrechnen lassen können. Aktuell stehen auf Englisch die Kurse Innovation Management, Management and Leadership und E-Business Management zur Verfügung, dazu kommen zahlreiche Kurse auf Deutsch und Kurse zum Deutschlernen auf Arabisch.

Für die Redaktion schreiben: Oliver Baumann, Jördis Dörner, Kirsten Mieves.