>>> Alles zur Bundestagswahl 2017 <<<
Eindruck vom Hackathon, Entwicklung von Prototypen

Redaktion | Theresa Samuelis am 11.09.2017

Coding an der Schule im Zeichen der Bundestagswahl

Was man zum Thema Wahlen wissen sollte – unter dieser Prämisse haben die Politik-Kurse eines Berliner Gymnasiums mit dem spielerischen Coding-Tool Scratch gearbeitet und Quizze, Mini-Lexika und Chatbots programmiert.

Drei Gründe und Herausforderungen für Coding an der SchuleScratch-Workshop: Du hast die Wahl ( bpb / Fotografin: Lya Cuéllar / bearbeitet / Lizenz CC BY-SA 4.0)

In welchem Jahr durften Frauen in Deutschland erstmals wählen? Und welche Partei scheiterte bei der Bundestagswahl 2013 an der 5-Prozent-Hürde? Eine Schülerin klickt erst auf "1919", anschließend auf "FDP". In der Maske des Coding-Tools Scratch verkündet ein kleiner Elefant am linken unteren Bildschirmrand "Richtig!" und trötet einen kurzen Erklärungssatz aus der animierten Sprechblase.

Mehr Informationen zu Scratch

Für den Workshop wurde Scratch als kostenfreies und leicht zugängliches und intuitives Tool zum spielerischen Experimentieren mit Coding ausgewählt. Hier haben wir das Tool auf werkstatt.bpb.de vorgestellt.

Dieses und vergleichbare Projekte sind bei unserem Werkstatt-Workshop "Du hast die Wahl" knapp drei Wochen vor der Bundestagswahl 2017 an einem Berliner Gymnasium entstanden. Gemeinsam mit dem Coding-Experten Philipp Sykownik hat das Team von werkstatt.bpb.de die Schülerinnen und Schüler der Politik-Kurse der Klasse 11 getroffen, um gemeinsam mit ihnen digitale und politische Bildung auf spielerische Weise zu verbinden.

Ausgehend von bpb-Materialien, einem online bereitgestellten Bilder-Pool und selbstständiger Internetrecherche, konnten sich die Schülerinnen und Schüler Fragestellungen im Themenbereich "Wahlen" erarbeiten. Die Inhalte wurden anschließend in anpassbaren Scratch-Vorlagen aufbereitet – als Quiz, Themenstruktur oder Chat Bot.


Warum sollte man Coding-Werkzeuge in der Schule zum Einsatz bringen und warum ist das gar nicht so leicht? Wir haben ausgehend vom Workshop drei Gründe und drei Herausforderungen zusammengetragen.

Drei Gründe für Coding an der Schule
  1. Motivation der Lernenden: Eine neue Art, um Inhalte aufzubereiten – die Erfahrungen aus dem Workshop zeigen, dass die Jugendlichen durch die spielerischen Coding-Möglichkeiten motiviert werden, sich nicht nur in Inhalte zu vertiefen, sondern sich durch die "Knobelaufgabe Code" auch technische Hintergründe zu erschließen.
  2. Sprache der Zukunft: Vielerorts wird Programmieren als die vierte Kulturtechnik gehandelt, die neben Rechnen, Schreiben und Lesen in den Vermittlungsbereich der Schule fallen sollte[1].
  3. Verzahnung mit dem Fachunterricht: Die Verbindung von digitaler und Fachdidaktik ist Chance und Herausforderung zugleich (s.u.): Eingebunden in die Unterrichtsfächer eröffnet Coding neue Möglichkeiten der Wissensaneignung und -vermittlung und fordert die Lernenden gleichzeitig kreativ-gestalterisch heraus.
Drei Herausforderungen
  1. Infrastruktur der Schulen: Die Infrastruktur für die Umsetzung derartiger Projekte lässt an vielen Schulen noch zu wünschen übrig. Denn vielerorts fehlt es nicht nur an Computern und einer bestätigen Internetverbindung, sondern auch an geeigneten Arbeitsräumen.
  2. Verzahnung mit dem Fachunterricht: Was im Workshop modellhaft und projektbezogen durchgeführt wurde, müsste unmittelbar in den Fachunterricht integriert werden: also das nachhaltige Erlernen des Programmierens unter Gewährleistung eines fachlichen Mehrwertes. Bislang ist jedoch noch nicht einmal Informatikunterricht in Deutschland verpflichtend. Die Herausforderung, nicht nur die technischen Kenntnisse zu vermitteln, sondern die Möglichkeiten digitaler Medien auch für den Erwerb von Fachwissen einzusetzen, geht zudem unmittelbar mit der Frage nach den vorhandenen zeitlichen und räumlichen Ressourcen einher: Herr Dr. Jens Nitschke, ITG- und PW-Lehrer am Werner-von-Siemens-Gymnasium, würde beispielsweise gern den Computerraum mit seinen Politikkursen nutzen. Tatsächlich sei er jedoch meist von Informatikkursen belegt.
  3. Ausbildung der Lehrenden: Die Vermittlung von Coding-Tools und Programmiersprachen steht und fällt mit der Aus- und Weiterbildung der Lehrenden. Bereits im Lehramtsstudium und im Referendariat sollten zusätzlich neue Berufsfelder in der Schule erschlossen werden, um dieser Entwicklung gerecht werden zu können.

Hintergrundinformationen zum Workshop

Der Workshop fand am 5. und 6. September 2017 am Werner-von-Siemens-Gymnasium in Berlin-Zehlendorf satt. Die zweistündige Workshop-Einheit war dort in die sogenannte „Lernwerkstatt“ eingebettet, eine Art Projektwoche nach den Sommerferien, die in diesem Jahr thematisch auf die Bundestagswahl 2017 ausgerichtet war. Die zwei Lerngruppen umfassten jeweils etwa 25 Schülerinnen und Schüler, von denen jeweils rund zehn bereits Erfahrungen im Umgang mit dem Coding-Tool Scratch hatten. Gearbeitet wurde in 4er- bzw. 5er-Gruppen, wobei diejenigen mit Scratch-Erfahrung gleichmäßig auf die Gruppen verteilt waren.

Eine Auswahl der Workshop-Ergebnisse wird hier in Kürze veröffentlicht.




Coding in der Schule mit Scratch


Dr. Jens Nitschke, Fachlehrer für Politik, Geschichte, Latein und ITGDr. Jens Nitschke ( bpb / Fotografin: Theresa Samuelis / bearbeitet / LizenzCC BY-SA 4.0)

Mit dem spielerischen Coding-Tool Scratch werden Kinder ans Programmieren herangeführt – eine Kompetenz, die in der Berufswelt immer relevanter werden wir. Der Berliner Lehrer Dr. Jens Nitschke erklärt, warum Coding in der Schule wichtig, aber schwer umsetzbar ist.

Zum Interview




Fußnoten

1.
Vgl. etwa: http://derstandard.at/2000045774124/Kulturtechnik-des-21-Jahrhunderts-Warum-Kinder-programmieren-koennen-sollen

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