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Wahlergebnisse und Wählerschaft der AfD

Frank Decker

/ 4 Minuten zu lesen

Die AfD erzielt vor allem in Ostdeutschland hohe Wahlergebnisse. Ihre Wählerschaft ist überwiegend männlich und weist eine überdurchschnittliche Nähe zu rechtsextremen Einstellungen auf.

Teilnehmer einer Kundgebung der AfD in Chemnitz: In Ostdeutschland erreicht die AfD im Schnitt doppelt so hohe Stimmanteile wie im Westen. Ihre Wähler sind überwiegend männlich und zwischen 35 und 59 Jahre alt. (© picture-alliance/dpa)

Wahlergebnisse

Die AfD ist die erste erfolgreiche Neugründung einer Partei im Mitte-Rechts-Lager des bundesdeutschen Parteiensystems. Gemessen an Ausmaß und Geschwindigkeit ihrer Etablierung stellt sie auch die beiden linken Neuankömmlinge – die Interner Link: Grünen in den 1980er- und die Interner Link: PDS/Linke seit den 1990er-Jahren – in den Schatten. Mit Ausnahme von Schleswig-Holstein, wo sie 2021 den Wiedereinzug verpasste, gelangte sie bei allen Landtagswahlen seit Mitte 2014 über die Interner Link: Fünf-Prozent-Hürde, bei der Interner Link: Bundestagswahl 2017 übertraf sie das bis dahin beste Ergebnis einer Rechtsaußenpartei aus dem Jahre 1969 (Interner Link: NPD: 4,3 Prozent) um fast das Dreifache.

In Ostdeutschland erreicht die AfD im Schnitt doppelt so hohe Stimmanteile wie im Westen. In absoluten Zahlen entfielen bei der Interner Link: Bundestagswahl 2025 dennoch 70 Prozent ihrer Stimmen auf die alten Bundesländer – das war fast derselbe Wert wie bei der Linken. In allen ostdeutschen Flächenländern wurde die AfD 2025 mit Zweitstimmenanteilen zwischen 32,5 und 38,6 Prozent stärkste Kraft. Der Vorsprung vor der jeweils zweitplatzierten CDU betrug dabei bis zu 20 Prozentpunkte. In 46 der 60 ostdeutschen Wahlkreise (einschließlich Berlins) erlangte sie die Erststimmenmehrheit. In den westdeutschen Ländern schnitt die AfD im Süden besser ab als im Norden und schaffte es hier viermal (in Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und im Saarland) auf Platz zwei, während sie in Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein jeweils knapp hinter der SPD auf Platz drei lag. In zwei Wahlkreisen (Gelsenkirchen und Kaiserslautern) erreichte die AfD erstmals die Mehrheit der Zweitstimmen.

Auf der Länderebene lag die AfD nach der letzten Runde der Landtagswahlen (2021 bis 2025) in allen ostdeutschen Ländern (außer Berlin) sowie in Hessen auf Platz zwei, in Thüringen sogar auf Platz eins. In den Kommunen gelangte sie bei den Bürgermeister- und Landratswahlen vielerorts in die Stichwahl, wo sie dann aber den von den demokratischen Parteien gemeinsam unterstützten Gegenkandidaten fast immer unterlag.

Die Verluste der AfD bei der Bundestagswahl 2021 gingen vor allem auf ihre starken Einbußen im Westen zurück, wo die zunehmende Radikalisierung offenbar einen Teil ihrer potenziellen Wähler abschreckte. 2025 erzielte die Partei dagegen gerade in der alten Bundesrepublik die entscheidenden Zugewinne. In allen Ländern konnte sie hier ihren Stimmenanteil mehr als verdoppeln, in Niedersachsen und Schleswig-Holstein sogar nahezu verdreifachen. Wie in ihrer Aufstiegsphase bis 2017 profitierte die AfD 2025 erneut von der stark ansteigenden Wahlbeteiligung. Den Wanderungsanalysen zufolge stammte rund ein Drittel der neu gewonnenen AfD-Wähler aus dem Lager der Nichtwähler. Ein weiteres Drittel wanderte aus dem „bürgerlichen“ Lager von Union und FDP der AfD zu und jeweils ein Sechstel aus dem Lager der drei linken Parteien und der „Sonstigen“. Der Abfluss 60.000 eigener Wähler zum BSW blieb dagegen überschaubar (Zahlen von Infratest dimap).

Aktuelle Wahlergebnisse der AfD

Wahlergebnisse bei den letzten Wahlen zu Landesparlamenten, dem Bundestag und dem Europäischen Parlament

Bei nicht aufgeführten Wahlen ist die Partei nicht mit einer Landesliste o.ä. angetreten.
WahlDatumProzentualer AnteilStimmenanzahl
AnteilGewinn
Verlust
StimmenGewinn
Verlust
Sachsen-Anhalt06.06.202120,8%-3,4%221.487-51.009
Mecklenburg-Vorpommern26.09.202116,7%-4,1%152.775-15.077
Saarland27.03.20225,7%-0,5%25.719-7.252
Schleswig-Holstein08.05.20224,4%-1,5%61.141-25.570
Nordrhein-Westfalen15.05.20225,4%-1,9%388.768-237.988
Niedersachsen09.10.202211,0%4,8%396.844160.991
Berlin27.02.20239,1%-5,1%137.871-93.454
Bayern108.10.202314,6%4,4%2.000.435611.813
Hessen08.10.202318,4%5,3%518.763140.071
Europäisches Parlament09.06.202415,9%4,9%6.325.8902.221.437
Sachsen01.09.202430,6%3,1%719.279123.608
Thüringen01.09.202432,8%9,4%396.711137.329
Brandenburg22.09.202429,2%5,7%438.904141.420
Bundestag23.02.202520,8%10,4%10.328.7805.519.547
Hamburg202.03.20257,5%2,2%329.651114.345
Baden-Württemberg08.03.202618,8%9,1%1.010.574537.089
Rheinland-Pfalz22.03.202619,5%11,2%394.756234.463
Tabellenbeschreibung

Die Tabelle zeigt die Wahlergebnisse der Partei AfD zwischen dem 06.06.2021 und dem 22.03.2026. Bei elf von 17 Wahlantritten der Partei in diesem Zeitraum steigerte sich der prozentuale Anteil der Partei an den gültigen Stimmen im Vergleich zur vorherigen Wahl. Das höchste Ergebnis erzielte die Partei mit 32,8% bei der Wahl in Thüringen 2024, das niedrigste mit 4,4% bei der Wahl in Schleswig-Holstein 2022.

Fußnote: 1 Bayern: Gesamtstimmen (bis zu zwei Stimmen je Wähler)

Fußnote: 2 Hamburg: Landesstimmen (bis zu fünf Stimmen je Wähler)

Quelle: Die Bundeswahlleiterin und Landeswahlleitungen.

Wählerschaft

Bei der Bundestagswahl 2025 wählten von den Männern 25,1 Prozent die AfD, von den Frauen nur 16,7 Prozent. 2021 und 2017 waren die Relationen auf niedrigerem Niveau ähnlich. Fast zwei Drittel der AfD-Wähler sind somit männlich, wobei es zwischen dem Osten und Westen in der Verteilung keine Unterschiede gibt. Bezogen auf die Altersgruppen ist die AfD bei den mittleren Jahrgängen zwischen 35 und 59 Jahren am erfolgreichsten, wo sie 2025 mit 27,1 Prozent bei den 25- bis 44-Jährigen und 25,7 Prozent bei den 45- bis 59-Jährigen ihre besten Ergebnisse erzielte. In der jüngsten (18 bis 24 Jahre) und ältesten Gruppe (über 70 Jahre) schneidet sie dagegen mit jeweils 19,0 bzw. 11,5 Prozent deutlich schlechter ab. Bei den Jungwählern konnte sie gegenüber 2021 allerdings deutlich zulegen (Zahlen der repräsentativen Wahlstatistik).

Bezogen auf die Sozialstruktur der AfD-Wählerschaft kommen die vorliegenden Untersuchungen zu teilweise disparaten Befunden, was darauf hindeutet, dass monokausale Erklärungsversuche hier zu kurz greifen. So führen zum Beispiel weder eine hohe Arbeitslosenquote noch ein höherer Ausländeranteil per se zu einer größeren Wahlbereitschaft der AfD. Im Westen scheint die AfD vor allem dort zu punkten, wo die Wähler ein unterdurchschnittliches Haushaltseinkommen aufweisen und/oder einer Tätigkeit in der Industrie nachgehen. Im Osten ist sie in ländlichen Regionen stark, die unter Abwanderung leiden und ökonomisch abgehängt zu werden drohen. Unter denjenigen, die ihre eigene wirtschaftliche Lage als weniger gut oder schlecht einschätzen, konnte die AfD bei der Bundestagswahl 2025 am stärksten zulegen (auf 39 Prozent). Arbeiter und Arbeitslose sind unter den AfD-Wählern zwar überdurchschnittlich vertreten – nach kräftigen Zugewinnen 2025 lag sie hier mit 38 bzw. 34 Prozent klar vor Union und SPD. Diese Gruppen stellen aber nur etwa ein Viertel der AfD-Gesamtwählerschaft, während die übrigen drei Viertel auf Angestellte, Beamte und Selbständige entfallen. Auch bei den formalen Bildungsabschlüssen dominieren die mittleren Ränge (Zahlen von Infratest dimap).

Ein klareres Profil ergibt sich, wenn man die Einstellungsmerkmale der Wählerschaft betrachtet. Die AfD-Wähler weisen hier zum einen im Vergleich zu den anderen Wählern ein viel höheres Maß an politischer Unzufriedenheit auf, zum anderen eine deutlich größere Nähe zu rechtsextremen Überzeugungen. Protestmotive und politische Überzeugungen greifen bei AfD-Wählern häufig ineinander. Dies entspricht dem Selbstverständnis der AfD als „Anti-Establishment-Partei“. Am deutlichsten ablesbar sind die Unterschiede zur politischen Konkurrenz bei der Bewertung der Migrations- und Flüchtlingspolitik, wo die rigorose Ablehnungshaltung der AfD von ihren Wählern nahezu einhellig geteilt wird. Gemäß den Befunden der Leipziger Autoritarismus-Studie neigen knapp 60 Prozent der Wähler mit einem geschlossenen rechtsextremen Weltbild der AfD zu – bei der Union beträgt der Anteil knapp 15, bei der SPD 8,6 Prozent (Decker u.a. 2024: 57). Auch Verschwörungstheorien finden unter ihren Anhängern weit überproportionale und zumeist sogar mehrheitliche Zustimmung (Best u.a. 2023: 53 ff.).

Quellen / Literatur

  • Arzheimer, Kai (2024), Die AfD und Russland, in: Uwe Backes u.a. (Hg.), Jahrbuch Extremismus & Demokratie, 36. Jg., S. 203–216.

  • Best, Volker u.a. (2023), Demokratievertrauen in Krisenzeiten. Wie blicken die Menschen in Deutschland auf Politik, Institutionen und Gesellschaft?, Bonn (Friedrich-Ebert-Stiftung).

  • Decker, Frank (2016), Die „Alternative für Deutschland“ aus der vergleichenden Sicht der Parteienforschung, in: Alexander Häusler (Hg.), Die Alternative für Deutschland, Wiesbaden, S. 7–23.

  • Decker, Frank / Fedor Ruhose (2021), Der Einfluss der AfD auf die deutsche Koalitionslandschaft: Problem oder Chance für die etablierten Parteien?, in: Zeitschrift für Politik 68 (2), S. 123–144.

  • Decker, Oliver u.a., Hg. (2024), Vereint im Ressentiment. Autoritäre Dynamiken und rechtsextreme Einstellungen, Gießen (Leipziger Autoritarismus Studie 2024).

  • Diermeier, Matthias u.a. (2025), Rechtsaußen-Erstarken in Deutschland: Implikationen für den Wirtschaftsstandort, Köln (Institut der deutschen Wirtschaft).

  • Hafeneger, Benno u.a. (2018), AfD in Parlamenten. Themen, Strategien, Akteure, Frankfurt a.M.

  • Heinze, Anna-Sophie (2023), Die AfD im Wahljahr 2021: Etablierung trotz Radikalisierung?, in: Uwe Jun / Oskar Niedermayer (Hg.), Die Parteien nach der Bundestagswahl 2021, Wiesbaden, S. 181-200.

  • Hensel, Alexander u.a. (2017), Die AfD vor der Bundestagswahl 2017. Vom Protest zur parlamentarischen Opposition, Frankfurt a.M. (Otto Brenner Stiftung, Arbeitsheft 91).

  • Hensel, Alexander (2025), AfD: Radikale auf dem Weg zur Mäßigung? Zur Strategiedebatte in der Partei und ihrem Vorfeld, in: Demokratiedialog 16, S. 54-62.

  • Hillje, Johannes (2022), Das „Wir“ der AfD. Kommunikation und kollektive Identität im Rechtspopulismus, Frankfurt a.M.

  • Kemper, Andreas (2014), Keimzelle der Nation? Familien- und geschlechterpolitische Positionen der AfD – eine Expertise, Berlin (Friedrich-Ebert-Stiftung).

  • Kienholz, Eva (2024), Eine kurze der AfD. Von der Eurokritik zum Remigrationsskandal, Hamburg.

  • Kraske, Michael / Dirk Laabs (2024), Angriff auf Deutschland. Die schleichende Machtergreifung der AfD, München.

  • Lewandowsky, Marcel (2025), Alternative für Deutschland (AfD), in: Frank Decker / Viola Neu (Hg.), Handbuch der deutschen Parteien, 4. Aufl., Wiesbaden, S. 163–179.

  • Niedermayer, Oskar (2015), Eine neue Konkurrentin im Parteiensystem? Die Alternative für Deutschland, in: ders. (Hg.), Die Parteien nach der Bundestagswahl 2013, Wiesbaden, S. 175–207.

  • Ruhose, Fedor (2023), Rechtspopulismus in der Opposition. Die AfD-Fraktion im Bundestag (2017 – 2021), Frankfurt a.M.

  • Schroeder, Wolfgang / Markus Trömmer, Hg. (2021), Rechtspopulismus, Zivilgesellschaft, Demokratie, Bonn.

  • Schroeder, Wolfgang / Bernhard Weßels, Hg. (2019), Smarte Spalter. Die AfD zwischen Bewegung und Parlament, Bonn.

Fussnoten

Lizenz

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Prof. Dr. Frank Decker lehrt und forscht am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Seine Forschungsschwerpunkte sind unter anderem Parteien, westliche Regierungssysteme und Rechtspopulismus im internationalen Vergleich.

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