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Die sinophone Diaspora in Deutschland | China | bpb.de

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Die sinophone Diaspora in Deutschland

Kimiko Suda

/ 12 Minuten zu lesen

Die Geschichte der sinophonen Diaspora in Deutschland reicht mehr als 200 Jahre zurück. Trotzdem erfährt diese politisch wie kulturell vielfältige Gruppe in der Öffentlichkeit bislang kaum Beachtung.

1927 feiert eine Gruppe das chinesische Neujahrsfest in einer Berliner Kneipe. (© picture alliance/SZ Photo/Scherl)

Der Begriff „Hǎiwài huáqiáo“ (海外华侨) ‒ „Überseechinesen/-innen“ ‒ wird für Personen mit einem Pass der Volksrepublik (VR) China, Hongkongs, Macaos oder Taiwans, die im Ausland leben, verwendet. „Hǎiwài huárén“ (海外华人) bezeichnet Menschen chinesischer Ethnizität (華裔 huáyì), die die Staatsangehörigkeit eines Landes, in das sie eingewandert sind, angenommen haben, sowie deren Nachkommen. Der deutsche Sammelbegriff der sinophonen Diaspora bezeichnet eine heterogene Gruppe von Auswanderern/-innen, die vor allem aus der VR China, Hongkong, Macao und Taiwan aus unterschiedlichen Gründen nach Deutschland gekommen sind, sowie deren Nachkommen. „Sinophon“ wird hier als zugehörig zu sinitischen Sprach- und Kulturgemeinschaften verstanden. In Deutschland gehören dazu auch Personen mit familiären Bezügen zu ethnisch-chinesischen Gemeinschaften etwa in Chile, Malaysia, Indonesien, Singapur, Vietnam, auf den Philippinen, in den USA, Australien oder Kanada.

Die Migrationsmotive innerhalb der sinophonen Diaspora in Deutschland sind vielfältig. Sie reichen von Bildungs- und Erwerbszwecken über das Bestreben, sich ein wirtschaftlich stabileres oder persönlich freieres Leben aufzubauen, bis hin zur Flucht vor politischer Verfolgung. Innerhalb dieser mehrsprachigen Diaspora wird vor allem Mandarin-Chinesisch (普通话 Pǔtōnghuà), Kantonesisch (粤语 Yuèyǔ), Hakka (客家话 Kèjiāhuà), Min Nan (闽南语 Mǐnnányǔ), Englisch und Deutsch gesprochen und es werden zwei Varianten chinesischer Schriftzeichen verwendet. In philosophisch-religiöser und kultureller Hinsicht beziehen sich unterschiedliche soziale Gruppen dieser Diaspora auf buddhistische, daoistische, konfuzianische, christliche sowie islamische Vorstellungen. Im Jahr 2023 lebten in Deutschland rund 185.000 Personen mit eigener Migrationserfahrung aus der VR China sowie 51.000 Personen mit familiären Bezügen zu diesem Herkunftsland. Damit bilden sie die größte Untergruppe der sinophonen Diaspora in Deutschland.

Soziale und berufliche Vielfalt innerhalb der sinophonen Diaspora

Die gegenwärtige sinophone Diaspora in Deutschland zeichnet sich durch eine breite soziale und berufliche Vielfalt aus. Eine sozial sehr aktive Gruppe ist die der Studierenden: Etwa 38.700 Studierende aus der VR China waren im Wintersemester 2023/2024 an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Damit sind sie die zweitgrößte internationale Gruppe nach den Studierenden aus Indien. Rund 4.600 chinesische Forschende hielten sich im Jahr 2023 an deutschen Hochschulen und öffentlichen Forschungseinrichtungen auf.

Neben dieser starken Präsenz im wissenschaftlichen Bereich gewinnt auch das wirtschaftliche Engagement chinesischer Unternehmen in Deutschland zunehmend an Bedeutung: 2019 waren in Deutschland 462 chinesische Unternehmen aktiv, die einen Gesamtumsatz von rund 37 Milliarden Euro erzielten. Für 2025 wird eine Anzahl von 3.253 chinesischen Unternehmen geschätzt. Dieser Anstieg geht mit dem Anwerben und Zuzug von Fachpersonal aus China und anderen asiatischen Ländern einher.

Auch im medizinischen Sektor gibt es eine Zunahme an Migration aus der VR China nach Deutschland. Es kommen sowohl Pflegepersonal im Rahmen staatlicher Anwerbestrategien seit circa 2012, als auch Ärzte/-innen. Ein Berufszweig, der bereits eine mehr als 100-jährige Geschichte hat, ist der der Gastronomie. Bereits 1923 wurde in der Kantstraße in Berlin-Charlottenburg das erste chinesische Restaurant eröffnet. Entlang dieser Straße finden sich bis heute zahlreiche populäre chinesische sowie weitere asiatische Gastronomiebetriebe. Ab den 1960er und 1970er Jahren wurden zunehmend mehr Restaurants von Zugezogenen aus Interner Link: Hongkong und Taiwan geführt. Damals zogen auch Chinesen/-innen, die zunächst nach England oder in die Niederlande migriert waren, in die Bundesrepublik, um in der hiesigen Gastronomie zu arbeiten oder sich dort selbstständig zu machen.

Seit den 1990er Jahren leben auch Kulturschaffende der sinophonen Diaspora vorübergehend oder dauerhaft in der Hauptstadt und in Großstädten wie Hamburg. Dazu zählen unter anderem die Multimedia-Künstler Ai Weiwei, Isaac Chong Wai und -Künstlerin Cao Fei, der Maler Rao Fu, der Performance-Künstler Ming Wong, die Schriftstellerinnen Luo Lingyuan, Guo Xiaolu, und Schriftsteller Kevin Shih-Hung Chen, Liao Yiwu und Zou Sicong sowie der Pianist Lang Lang. Um die heutige soziale und berufliche Vielfalt der sinophonen Diaspora zu verstehen, ist die Historie der chinesischen Einwanderung nach Deutschland mit ihren Kontinuitäten und Unterbrechungen unerlässlich.

Geschichte der sinophonen Diaspora im deutschen Kontext

Details zur Migrationsgeschichte aus China sind hauptsächlich in Bezug auf Hamburg und Berlin bekannt. Die ersten beiden Chinesen, die aus dem südchinesischen Guangzhou über England nach Deutschland kamen, waren Fung Assing (馮亞星, 1792/3-?) und Fung Ahok (馮亞學, 1798–1877). Der Kaufmann Heinrich Lusthausen holte sie nach Berlin, um sie 1823 in kolonialen Völkerschauen gegen Eintritt auszustellen; als das kaum Gewinn einbrachte, verkaufte er sie an den preußischen König Friedrich Wilhelm III. Dieser setzte sie zunächst in Halle als Assistenz für den Sinologen Wilhelm Schott und ab 1825 als Gärtner in den königlich preußischen Gartenanlagen in Potsdam ein. Fung Assing kehrte 1829 nach China zurück, während Fung Ahok bis zu seinem Tod 1877 in Deutschland blieb. Im selben Jahr traf Liu Xihong, der erste offizielle Gesandte Chinas in Berlin ein.

Berlin war bereits ab dem Ende des 19. Jahrhunderts ein Ziel für chinesische Migranten/-innen unterschiedlicher sozialer Hintergründe: In den 1870er Jahren kamen beispielsweise sieben chinesische Militärangehörige für eine militärische Weiterbildung nach Berlin-Spandau. 1880 gab es den ersten „Club chinesischer Studenten“ mit 40 Mitgliedern in der Metropole, deren Mitgliederzahl bis 1927 auf 500 anstieg. In den 1920er Jahren studierten mehrere spätere Führungspersonen der Kommunistischen Partei Chinas in Berlin und Göttingen, darunter Zhou Enlai, der von ihrer Gründung 1949 bis 1976 Premierminister der VR China werden würde. Gleichzeitig gab es in der Zeit der Weimarer Republik in Berlin-Friedrichshain ein „Chinesisches Viertel“, in dem vor allem chinesische Kleinhändler und Kaufleute mit niedrigerem sozialem Status lebten.

Die Hansestadt Hamburg war im Deutschen Kaiserreich insbesondere über ihren Hafen in transnationale Wirtschaftsprozesse involviert. Um 1900 arbeiteten rund 3.000 chinesische Seeleute in der deutschen Handelsschiffsfahrt, die auf ihre Arbeitskraft reduziert wurden. Für sie war nicht vorgesehen, sesshaft zu werden. Trotzdem ließen sich einige von ihnen im „Chinesenviertel“ auf St. Pauli nieder, gründeten Familien und eröffneten Geschäfte. Nach dem Beginn der NS-Zeit wurden sie zur Ausreise gedrängt, einige blieben trotzdem. Bei der „Chinesenaktion“ am 13.5.1944 wurden 129 chinesische Männer verhaftet, verhört und in Arbeits- und Konzentrationslager gebracht. Bei 17 von ihnen konnte nachgewiesen werden, dass sie zu Tode kamen. Für jene 13 unter ihnen, bei denen es möglich war zu rekonstruieren, was ihnen nach der Verhaftung widerfuhr, wurden Stolpersteine an der Schmuckstraße/Ecke Talstraße verlegt. Ein Stein erinnert an Woo Lie Kien, geboren 1885 im chinesischen Kaiping, der als Heizer auf einem Schiff nach Hamburg gekommen war. Er starb am 23.11.1944 an den Folgen von schwerer Misshandlung durch die Gestapo im Gefängnis Fuhlsbüttel. Chong Tin Lam – seit 1936 in der Hansestadt und 1944 verhaftet – überlebte und kehrte nach Kriegsende nach Hamburg zurück. Er führte bis zu seinem Tod 1983 die legendäre „Hotel Hong-Kong Kneipe" auf St. Pauli. Bis heute gibt es eine wirtschaftlich und kulturell aktive sinophone Diaspora in Hamburg.

Längst nicht alle Schicksale von Chinesen/-innen im Deutschland der NS-Zeit sind erforscht und aufgearbeitet. Je nach politischer Gesinnung und individueller finanzieller Situation konnten einzelne chinesische Studierende über die NS-Zeit in Deutschland bleiben, während andere politisch verfolgt und ausgewiesen wurden. Ehen zwischen chinesischen und deutschen Staatsangehörigen konnten im Nationalsozialismus nicht geschlossen werden und es entstanden informelle Familien. Die Präsenz einer chinesischen Frau im Konzentrationslager Ravensbrück wurde durch den Dokumentarfilm „Nelly & Nadine“ bekannt, der die Lebensgeschichte der Pilotin und Juristin Nadine Hwang (黃訥亭, 1902-1972) nacherzählt.

Nach einer Phase weitgehender Unterbrechung regulärer Migration während der NS-Zeit, der unmittelbaren Nachkriegsjahre sowie der Interner Link: Ära Mao Zedongs (1949-1976), setzte ab den 1990er Jahren, einhergehend mit der Reform- und Öffnungspolitik der VR China, erneut mehr Migration aus der Volksrepublik in die Bundesrepublik Deutschland ein – insbesondere zu Bildungs-, Erwerbs- und Handelszwecken. Das Leben Angehöriger der sinophonen Diaspora lässt sich nicht ohne ihre Einbindung in die deutsche Gesellschaft nachvollziehen.

Anti-asiatischer Rassismus als Alltagsphänomen

Eine Alltagserfahrung, die eingewanderte Personen unterschiedlichen sozialen Status, die als nicht‑weiß rassifiziert werden, leider oft verbindet, ist Rassismus. Anti-asiatischer Rassismus als spezifische Form von Rassismus wird erst seit circa 2020 in der deutschen Öffentlichkeit diskutiert. Exotisierung, Hyper- und Desexualisierung sowie rassifizierende Zuschreibungen von Unzivilisiertheit, Passivität, Verschlagenheit, Unehrlichkeit, Mangel an Subjektivität und Kreativität wurden zuvor trivialisiert und von einer vermeintlich positiven Erzählung von „asiatischen Musterschüler/-innen“ überlagert. Rassistische Narrative zu „Chinesen/-innen“ und „chinesischer Kultur“ lassen sich bis in die Kolonialzeit zurückverfolgen.

Eine der prominentesten Personen, die medial auf diese Form des Rassismus aufmerksam machte, ist der Komiker und Schauspieler Tutty Tran, der im November 2025 in den sozialen Medien von einem rassistisch motivierten Angriff auf sich berichtete. Für anti-asiatischen Rassismus lassen sich weitere aktuelle Beispiele anführen: Trotz anhaltender Kritik an einer rassistischen Misrepräsentation chinesischer Kultur wird noch immer alljährlich der als solcher bezeichnete „Chinesenfasching“ in Dietfurt in Bayern veranstaltet. Während der COVID-19-Pandemie, vor allem 2020, wurde die kolonialrassistische Erzählung von der „gelben Gefahr“ medial reproduziert, indem eine spezifische Bedrohung durch „chinesische“ beziehungsweise allgemein „ostasiatische“ diasporische Körper suggeriert wurde. Aus einer wissenschaftlichen Studie von 2020 in Deutschland geht hervor, dass von circa 700 Befragten mit Zugehörigkeit zur asiatischen Diaspora knapp die Hälfte im ersten Jahr der Pandemie Rassismus erlebten. Die Mehrheit der Vorfälle fand im öffentlichen Raum durch den Angegriffenen zuvor unbekannten Personen statt. Seit 2025 baut ein Berliner Verein eine Meldestelle spezifisch für anti-asiatischen Rassismus auf. Rassistischen Misrepräsentationen von und Erzählungen über „Chinesen/-innen“ werden kontinuierlich unterschiedliche Formen von kollektiven und individuellen Selbstrepräsentationen entgegengesetzt.

Selbstrepräsentation der sinophonen Diaspora in Deutschland

Die Repräsentation einer Diaspora kann durch offizielle staatliche Institutionen oder soziale Gruppen erfolgen, die sich als unabhängig von nationalen Regierungen verstehen und keine umfassende Vertretung beanspruchen. Die VR China unterhält in der Bundesrepublik Deutschland eine diplomatische Vertretung mit Dienstsitzen in Berlin sowie weiteren Standorten in Hamburg, München, Frankfurt am Main und Düsseldorf. Die „Taipeh Vertretung“ ist mit Büros in den gleichen Städten präsent, abgesehen von Düsseldorf. Die offizielle kulturpolitische Repräsentation der VR China wird von den Konfuzius-Instituten in Deutschland bestritten. Sie sind an deutsche Universitäten angebunden und bieten neben Sprachkursen dezentral konzipierte kulturelle und wissenschaftliche Veranstaltungen an. Kulturveranstaltungen zu Hongkong und Taiwan werden jeweils von deren Vertretungen, wirtschaftlichen und kulturellen Initiativen durchgeführt und unterstützt.

In mehreren Bundesländern gibt es bereits seit den 1990er Jahren deutsch-chinesische „Freundschaftsvereine“. Andere unabhängige gemeinnützige Initiativen tragen durch Veranstaltungen, Publikationen, Filmfestivals, das Schaffen von Begegnungsräumen und den Austausch im digitalen Raum zum gesellschaftspolitischen Diskurs und zur sozialen wie kulturellen Repräsentation unterschiedlicher Gruppen bei. Einige wenige chinesisch-diasporische Personen sind in der kommunalen Politik in Deutschland aktiv, beispielsweise der Stadtrat You Xie (Xiè Shèngyǒu, 谢盛友) in Bamberg.

In Großstädten gibt es bilinguale Kindertagesstätten, die jüngeren Mitgliedern der sinophonen Diaspora einen Zugang zu sprachlich-kultureller Repräsentation und Bildung ermöglichen, und an 119 weiterführenden Schulen in Deutschland wird Chinesisch-Unterricht für alle Interessierten angeboten. Weitere kollektive Strukturen bieten chinesische buddhistische oder christliche Gemeinden in Deutschland, die zum Teil auch transnationale Organisationsebenen haben.

Durch soziale Medien, Streaming-Plattformen und Apps entsteht eine transnationale und multilokale Gleichzeitigkeit der Repräsentation sinophoner Diaspora. Mediale Darstellungen unterliegen jedoch immer auch lokalen Gegebenheiten wie staatlicher Förderung und wirtschaftlichen Interessen. In deutschen Medien sind bisher nur wenige Perspektiven aus dieser Diaspora sichtbar. Bekannt sind etwa Felix Lee, Marvin Ku und Xifan Yang, die regelmäßig für deutsche Zeitungen schreiben.

Perspektiven der sinophonen Diaspora in Deutschland: politisch und kulturell divers

Die Präsenz der sinophonen Diaspora in Deutschland reicht mehr als 200 Jahre zurück und ist von vielfältigen historischen Entwicklungen geprägt. Im Zuge der fortschreitenden Mediatisierung lokaler Gesellschaften – auch in Deutschland – nimmt die Sichtbarkeit sinophoner Kulturen durch die transnationale Reichweite sozialer Medien und digitaler Plattformen kontinuierlich zu. Der beschleunigte, grenzüberschreitende Austausch von Wissen, kulturellen Praktiken und ökonomischem Kapital trägt dazu bei, dass sich die sinophone Diaspora fortlaufend wandelt und auf unterschiedlichen Ebenen zur Einbindung Deutschlands in globale Netzwerke beiträgt.

Trotz ihrer langen Geschichte und gegenwärtigen Präsenz finden die Vielfalt und gesellschaftliche Bedeutung sinophoner Diasporagemeinschaften in der deutschsprachigen politischen und medialen Öffentlichkeit bislang nur begrenzte Beachtung. Stattdessen dominiert häufig eine problemorientierte Berichterstattung über die VR China, die vor allem wirtschaftliche und geopolitische Bedrohungs- und Konkurrenznarrative in den Vordergrund stellt und diese nicht selten pauschal mit der sinophonen Diaspora in Verbindung bringt. Zwar verfolgt die Regierung der VR China auch in Deutschland eine strategisch ausgerichtete Diasporapolitik mit dem Ziel politischer und gesellschaftlicher Einflussnahme. Deren Wirkung bleibt jedoch begrenzt. Die sinophone Diaspora in Deutschland ist hinsichtlich kultureller Zugehörigkeiten und politischer Positionierungen heterogen und führt überwiegend ein eigenständiges, transnational geprägtes soziales und kulturelles Leben.

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Kimiko Suda lehrt am Seminar für Ostasienstudien, Institut für Asien- und Afrikawissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie arbeitet mit einer soziologischen Perspektive zur Verknüpfung von Wissensproduktion, sozialen Praktiken und sozialen Strukturen.