Ein Anschlag in Berlin führte am 3. Januar 2026 dazu, dass Bewohner der Stadt tagelang keinen Strom hatten. Betroffen davon war das Gaskraftwerk in Lichterfelde, denn es ist für die Energieversorgung von um die 45.000 Haushalte zuständig. Zu der Aktion bekannte sich eine „Vulkangruppe“. Auch frühere Anschläge gingen auf eine solche Gruppierung zurück, wobei deren genaue Hintergründe den Sicherheitsbehörden offenbar nicht bekannt sind. Gleichwohl lassen sich einige Ausführungen zu der Gruppe oder den Gruppen machen, blickt man auf die einschlägigen Bekennerschreiben und entsprechenden Taten. Indessen müssen alle Darstellungen dazu als vorbehaltlich wahrgenommen werden, denn auch andere Hintergründe sind potentiell möglich. Viel spricht viel für einen linksextremistischen Akteur, der dabei ein besonderes Handlungsfeld für sich entdeckt hat. Die folgenden Ausführungen
Erste Anschläge im Namen der „Vulkangruppe(n)“
Am Beginn steht der Blick auf frühere Praktiken in diesem Sinne, denn seit 2011
Folgende Anschläge als Fortsetzung bisheriger Praktiken
Zunächst schien es sich bei den Anschlägen um eine abgeschlossene Entwicklung zu handeln, denn zwischen 2013 und 2018 gab es keine Aktivitäten. Danach kam es aber zu einer Fortsetzung. Diverse Gemeinsamkeiten sprechen aber als Indizien dafür, dass es sich um denselben Personenkreis handelte. Die Anschläge seit 2018 richteten sich erneut gegen die Stromversorgung, bzw. die öffentliche Infrastruktur als primäres Ziel. Warum Jahre zwischen den Anschlägen vergingen, ist unklar. Gleichwohl knüpften die Akteure jeweils direkt oder indirekt an vorherige Handlungen an, in zwei Fällen auch durch ein anderes Ziel. So war davon eine Baustelle der Tesla-Werke betroffen, wodurch es 2021 und 2024 zur zeitweisen Einstellung der Produktion kam. Erstmals wurden dabei derartige Anschläge auch außerhalb von Berlin begangen, nämlich in Brandenburg und dort in Grünheide.
Anschlagsobjekte aus dem Bereich der „kritischen Infrastruktur“
Die hauptsächlichen Anschlagsobjekte gehörten primär zur „Kritischen Infrastruktur“. Diese Formulierung steht für eine Sammelbezeichnung, die auf die gesellschaftliche Daseinsversorgung durch entsprechende Einrichtungen verweist. Es geht dabei auch um die Aufrechterhaltung des Gemeinwesens, etwa durch die Energie- und Wasserversorgung. Die Bezeichnung „kritisch“ wirkt etwas irritierend, sie meint hier die für die öffentliche Sicherheit bedeutsame Systemrelevanz. Bei den erwähnten Anschlägen ging es insbesondere um die Energieversorgung, die auch für die breite Bevölkerung und nicht nur für bestimmte Unternehmen relevant war und ist. Diesem Aspekt kommt noch große Bedeutung zu, ist er doch für den Gesichtspunkt der „Vermittlung“ überaus wichtig. Denn ein Abschneiden von der Energiezufuhr ist von alltäglicher Relevanz, etwa auch für Krankenhäuser, Pflegeheime oder Sozialeinrichtungen. Damit einhergehende Folgen wurden offenkundig als Kollateralschäden in Kauf genommen.
Ideologische Aussagen in öffentlichen Erklärungen
So stellt sich auch die Frage nach dem politischen Hintergrund der Taten, wobei man angesichts genauerer Kenntnisse zu den Tätern nur mit nachvollziehbaren Vermutungen arbeiten kann. Ein Ansatzpunkt bilden die ideologischen Aussagen in den öffentlichen Erklärungen, fanden sich doch nach den Anschlägen jeweils Bekennerschreiben auf einer linksextremistischen Internetseite. Bereits hier müssen hinsichtlich der Authentizitätsfrage aber bestimme Einschränkungen gemacht werden, denn auf solchen Internetseiten können auch Veröffentlichungen ohne besondere Prüfung erfolgen. Blickt man auf diese Bekundungen oder Selbstbezeichnungen, so handelt es sich um militante Linksextremisten in einem anarchistischen Sinne. „Einige Anarchist:innen“ als Bezeichnung unter einer solchen Erklärung steht dafür. Gleiches gilt angesichts einer bekundeten Frontstellung, die sich gegen einen angeblich „repressiven Staat“ wendet. Auch spricht eine antikapitalistische Einstellung, welche sich gegen „die Reichen“ richtet, für eine derartige Zuordnung.
Aussagen in einem Bekennerschreiben als Fallbeispiel
Um einen genaueren Einblick in die bekundeten inhaltlichen Positionen zu vermitteln, sei dazu das Bekennerschreiben zum einleitend erwähnten Fall thematisiert. Überschrieben ist es mit „Fossile Kraftwerke abschalten ist Handarbeit. Nur Mut. Militante Neujahrsgrüße 2026“ und als Autor hinter „von“ ist genannt: „Vulkangruppe: Den Herrschenden den Saft abdrehen“. Darin heißt es zur Begründung: „Die Sabotage des Gaskraftwerks ist u.a. eine notwendige Maßnahme gegen den Ausbau der fossilen Gaskraftwerke in Deutschland.“ Demnach will man gegen eine derartige Ausrichtung der Energieversorgung protestieren. Außerdem steht in der Erklärung: „Wir können uns die Reichen nicht mehr leisten. Wir können das Ende der imperialen Lebensweise einleiten. Wir können den Raubbau an der Erde stoppen.“
Annahmen zu ideologischen Hintergründen und Relevanzen
Derartige Ausführungen erlauben noch weitere Deutungen zum personellen Hintergrund. Dabei verstehen sich die folgenden Einordnungen lediglich als korrigierbare Hypothesen angesichts des bisherigen geringen Wissens: Demnach hätte man es mit linksextremistischen Akteuren zu tun, wofür insbesondere die thematisierten Feindbilder sprechen. Es deutet sich darüber hinaus eine Ausrichtung an einem „Öko-Anarchismus“ an, welcher für Deutschland in dieser Form eher neu ist, gleichwohl im englischsprachigen Raum mit höherer Relevanz bereits länger existiert. Auffällig ist in der Anschlagserklärung der Sprachgebrauch, da nicht, wie sonst üblich, die „Kapitalisten“, sondern pauschal die „Reichen“ als Feindbild adressiert werden. Dies spricht für eine ideologische Ausrichtung mit dem gemeinten „öko-anarchistischen“ Bezug, der in Deutschland über keine größere Tradition verfügt. Demnach dürfte es sich bei den Gemeinten um eine Gruppe handeln, welche auch im gewaltorientierten Linksextremismus bislang eher von marginaler Relevanz ist.
Ausrichtung an anarchistischen Deutungen und Strategien
Ideengeschichtlich betrachtet kann eine Ausrichtung an bestimmten anarchistischen
Inhaltliche Differenzen in öffentlichen Statements
Derartige Deutungen stehen indessen nicht für ein geringeres Gefahrenpotential, kann doch gerade die Gewaltintensität aufgrund einer empfundenen Isolation ansteigen. Bei dem erwähnten Anschlag kam noch eine formale Distanzierung hinzu, welche ebenfalls auf einer linksextremistischen Internet-Plattform von einer „Vulkangruppe der Jahre 2011“ (sic!) vorgenommen wurde. Darin heißt es: „Unser früheres Handeln wird benutzt, um aktuelle Angriffe zu legitimiren (sic!), zu erklären oder politisch aufzuladen. Das weisen wir zurück.“ Damals habe man gegen „deutsche Kriegsbeteiligung und Waffenexporte“ agieren wollen, „nicht gegen gesellschaftliche Grundversorgung, nicht gegen Menschen im Alltag.“
Auswirkungen auf die Gesellschaft
Dem eigentlichen Bekennerschreiben nach hatte die Gruppe von 2026 sehr wohl berücksichtigt, dass es zu massiven Auswirkungen auf einfache Bürger kommen würde. Der Ausfall der Heizung hätte etwa zu Hotelaufenthalten bei den „Reichen“ geführt, während sich die ärmeren Bewohner so etwas nicht als Notlösung hätten leisten können. Es ist in der Erklärung bezogen auf „weniger wohlhabende Menschen“ auch die Rede von bloßen „Unannehmlichkeiten“, was von Älteren und Ärmeren in ihrer besonderen Lebenssituation sicherlich als bloßer Zynismus wahrgenommen wurde. Die Dimension der Folgen sind nur schwer vorstellbar, aus allgemeinen Daten können nur einschlägige Vermutungen abgeleitet werden. In Berlin hatten um die 45.000 Haushalte keine Heizung und keinen Strom in einer extrem kalten Winterphase.
„Kommando Angry Birds“ als ähnliches Phänomen
Ein ähnliches Agieren wie in Berlin lässt sich ebenso für andere Regionen konstatieren. Als Beispiel dafür sei die Gruppierung „Kommando Angry Birds“ in Nordrhein-Westfalen genannt, welche ab 2023 Anschläge auf bedeutende Bahnverbindungslinien zwischen größeren Städten durchführte.
Klimabewegung und „Vulkangruppe(n)“ im Zusammenhang
Die erwähnten Aktivitäten beziehen sich thematisch auf ein bestimmtes Handlungsfeld einer Protestbewegung, womit die Klimabewegung und deren Kontext zu den „Vulkangruppe(n)“ thematisiert werden soll. Diesen Ausführungen muss die Feststellung vorangestellt werden, dass es sich bei einer sozialen Bewegung immer um ein komplexes Phänomen handelt. Die meisten Akteure der Klimabewegung dürften derartige Praktiken ablehnen. Gleichwohl gab es in der Bewegung auch bekannte Repräsentanten, die bereits länger für eine Praxis der Sabotage plädierten.
Ambivalenzen bei der Anschlagspraxis der Gruppen
Blickt man auf die Anschlagsauswahl der „Vulkangruppe(n)“, so lassen sich dabei Ambivalenzen zur eigenen Einstellung ausmachen: Eigentlich beabsichtigen die Akteure doch, die fossile Energienutzung zu überwinden. Diese Einstellung würde nahelegen, gerade nicht gegen bestimmte Unternehmen vorzugehen. So gilt die Deutsche Bahn etwa als umweltfreundlichstes Verkehrsmittel. Gleichwohl richten sich die Anschläge gerade gegen die Bahn, was aber nicht die Frage nach der klimapolitischen Legitimation aufkommen lässt. Demgegenüber dominiert die Auffassung von einem großen Logistikunternehmen, das Bestandteil des negierten „Kapitalismus“ sein soll. Darüber hinaus erklärt sich die gezielte Beschädigung von Gleisanlagen und Kabelsträngen auch dadurch, dass diese Praktiken angesichts fehlender Sicherheitsmaßnahmen von den Tätern umso einfacher umgesetzt werden können. Derartige Ambivalenzen erfahren kaum öffentliche Kritik, dominiert doch auch hierzu eher diskursive Ignoranz in der breiteren Klimabewegung.
Einordnungen zur Frage eines möglichen Terrorismus
Nach den erwähnten Anschlägen setzte eine öffentliche Debatte darüber ein, ob es sich hier um eine neue Form des Linksterrorismus handele. Während einerseits eine Angemessenheit für die Einordnung nahegelegt wurde, wurde andererseits eine Gleichsetzung mit der früheren RAF verworfen. Beide Seiten ignorierten dabei das genaue Terrorismusverständnis: Damit sind in der Extremismusforschung bekanntlich Formen politisch motivierte Gewalt gemeint, die mit höherem Intensitätsgrad, intensiverer Planung, kontinuierlicher Praxis und geplanter Wirkung einhergehen. Blickt man auf die bisherigen Ausführungen, so sind viele Merkmale erfüllt. Diese Erkenntnis bedingt aber keine Gleichsetzung mit der RAF, die angesichts ihrer mörderischen Praxis eine spezifische Terrorismusform verkörperte. An deren Anfang standen kontinuierliche Anschläge gegen Einrichtungen, womit bereits für eine niedrigere Ebene die Merkmale von Terrorismus erfüllt waren. Dies gilt auch für den vorliegenden Fall.
Bilanzierende Einschätzung der „Vulkangruppe(n)“
Wie lassen sich in der Bilanz die thematisierten „Vulkangruppe(n)“ einschätzen? Eine Antwort auf diese Frage muss erneut an das Problem eines unsicheren Wissens erinnern. Wagt man dazu gleichwohl eine Bewertung, so würde diese in folgender Skizze bestehen: Es handelt sich um eher eigenständige kleinere Gruppen, die als informelles Netzwerk bestehen. Deren Akteure dürften aus der Autonomen-Szene kommen, aber auch Erfahrungen aus linken Protestbewegungen mitbringen. Eine Begrenzung politischer Handlungen auf eine legale Praxis lehnt man ab, was ebenso für eine Frontstellung gegenüber den etablierten linken Parteien steht. Aus dieser Grundhaltung heraus ergibt sich die Option, mit Anschlägen eine politische Veränderung voranzutreiben. Dies schließt konkrete Gewaltpraktiken mit ein, welche für einen linken Terrorismus stehen. Aufgrund der eher geringen Gewaltintensität, die bewusste