Lokaljournalismus

25.3.2012 | Von:
Gabi Pfeiffer

Erst mal kennenlernen - und dann weiterlesen?

Zeitung in der Schule

Die ZeitungsZeit

in Nordrhein-Westfalen ist die größte bundesweite Initiative im Themenfeld von Zeitung und Schule. Sie zielt mit dem Slogan "Selbstständigkeit macht Schule" speziell auf die ökonomische Bildung und richtet sich in der Phase der Beruforientierung an die neunten Klassen aller weiterführenden Schulen. Im vergangenen und laufenden Schuljahr hat sie jeweils 50.000 Schüler in rund 1900 Klassen erreicht. Die Besonderheit: Die Zeitung wird drei Monate lang kostenlos geliefert, im dritten bei Wunsch auch ins Elternhaus. "Wir wollen die Schüler da erreichen, wo sie im Alltag Medien nutzen", sagt Projektleiterin Ariane Rademacher. Lehrermaterial und Schülerworkbooks werden von der ZeitungsZeit wöchentlich mit einem aktuellen Arbeitsblatt und ausgewählten Ticker-Meldungen im Nachrichtenportal ergänzt, dazu gibt es einen Radio-Podcast und Schreibtipps. An der auf zwei Jahre befristeten Initiative beteiligen sich alle Verlage in Nordrhein-Westfalen und die Landesregierung, gefördert wird sie unter anderem von der Europäischen Union.
ZeitungsZeit NRW

Gemeinsames Arbeiten mit der Zeitung – für alle Klassenstufen, sogar für die Grundschule gibt es Projekte  - Schüler nehmen Medien und Zeitungen im Unterricht durch.Gemeinsames Arbeiten mit der Zeitung – für alle Klassenstufen, sogar für die Grundschule gibt es Projekte (© ZeitungsZeit)

ZiSch

bedeutet "Zeitung in der Schule" und wird zweimal jährlich unter anderem von der Schweriner Volkszeitung umgesetzt. In den pädagogischen Baukasten mit Unterrichtsmaterial greifen Grund- und sogar Förderschulen besonders gern und überproportional häufig. Woran das liegt? Die Lehrer seien pädagogisch besser ausgebildet und benutzten das Projekt selbstverständlicher und zielführender, sagt Philip Schroeder, der für ZiSch zuständige Redakteur. Weil die Praxis wichtiger ist als die Theorie, sollen alle beteiligten Klassen – im Herbst 2011 sind das 267 Klassen mit rund 5200 Schülern – auch Artikel schreiben. Diese werden auf einer durchlaufenden wöchentlichen Schülerseite abgedruckt. "Die Gymnasiasten schreiben schneller und sicherer", sagt Philip Schroeder, "aber für die Förderschulen ist das Erfolgserlebnis umso wichtiger."
Schweriner Volkszeitung
Stimme.de
Stuttgarter-Zeitung
Zeitung für Bildung

Schüler lesen Zeitung

und das "mit schöner Regelmäßigkeit" in Leipzig. In der Messestadt findet "Schüler lesen Zeitung" jährlich zu einem festgelegten Zeitpunkt statt, in den umliegenden Gemeinden in zweijährigem Turnus. Vier Wochen lang erhalten Schüler – aktuell 100 Klassen – kostenlos die Leipziger Volksstimme. Das Unterrichtsmaterial, das die Agentur Promedia für die 8. bis 10. Klassen aufbereitet, können die Lehrer direkt aus dem Internet herunterladen. Vor Beginn des Projekts können sie sich bei einem Seminar informieren, am Ende lädt der Verlag zum Abschlussgespräch. "Am Ende sind es Lehrerinnen und Lehrer, die das durchführen", sagt Projektkoordinator Wolfgang Schmidt. Und die Schüler produzieren. Ihre Artikel finden sich künftig nicht nur im Blatt wieder, sondern können auf einer Online-Plattform publiziert werden. Mehr Artikel – die nach wie vor redaktionell geprüft werden – finden so den Weg in die Öffentlichkeit: Die Hemmschwellen vor Zeitunglesen und Zeitungmachen sinken.
LVZ Online

Zeus – Zeitung und Schule

Zeus ist das medienpädagogische Projekt der WAZ-Gruppe. Als eines der größten in Deutschland hat es in den 15 Jahren seines Bestehens 1,5 Millionen Schüler erreicht und wird von jeder zweiten Schule im Verbreitungsgebiet eingesetzt. Das Credo: Schüler arbeiten wie Journalisten. "Wer für die Zeitung schreibt, hat eine höhere Motivation und entwickelt ein tieferes Nachrichtenverständnis", sagt Harald Heuer, Leiter der Zeus-Medienwelten. Schülerreporter recherchieren, führen Interviews und schreiben Berichte. Ihr Spektrum ist farbig und breit gefächert: Es reicht vom Kaninchen-Interview "Hattu Möhrchen?" über Sport und Jugendmoden bis zur autobiographischen Schilderung einer krebskranken Jugendlichen und Berichten über die Occupy-Bewegung. Das alles spiegelt sich während der halbjährlichen Projektphasen auf den eigenen Seiten. In sieben Wochen produziert das zentrale Zeus-Desk in Essen jeweils 600 bis 650 Seiten mit Texten von Schülern, die nicht nur das Ego der Jungen streicheln sondern wegen des anderen Zugangs auch Lesestoff für ältere Leser sind. Dabei erscheint der größere Teil des gesichteten und redigierten Materials, zirka 60 Prozent, nur online. Unter allen Beiträgen werden die Gewinner des Zeus-Awards – beste Reportage, bestes Bild, beste Aktion – gewählt und die Preise feierlich übergeben. Ein Ansporn: Unter den WAZ-Volontären seien inzwischen einige, sagt Harald Heuer, die schon bei Zeus mitgemacht haben.

Links

Weitere Informationen, Übersichten und Daten

Initiative des Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger e.V.
http://www.bdzv.de/junge-leser/jule/

Die Nationale Initiative Printmedien
http://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Bundesregierung/BeauftragterfuerKulturundMedien/medien/medienkompetenz/nationaleInitiativePrintmedien/_node.html

Creative Commons License

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