Der Begriff Amok leitet sich vom malaiischen amuk („rasend“, „wütend“) ab. Unter einem Amoklauf versteht man eine vorsätzliche Gewalttat, bei der mehrere Menschen angegriffen werden. Die Tat richtet sich typischerweise gegen Personen, zu denen keine individuelle Beziehung besteht, oder die stellvertretend für einen als feindlich empfundenen sozialen Kontext ausgewählt werden. Laut der kriminologischen Definition müssen Teile der Tat im öffentlichen oder halböffentlichen Raum stattfinden, um als Amoklauf zu gelten. Bei einer Amokfahrt wird ein Fahrzeug gezielt als Tatmittel eingesetzt.
Die kriminologische und sozialwissenschaftliche Forschung geht davon aus, dass persönliche Krisen, soziale Isolation, psychische Belastungen oder Rachefantasien häufig eine wichtige Rolle spielen. Einfache Erklärungen, die Amoktaten allein auf psychische Erkrankungen zurückführen, gelten dagegen als unzureichend. Viele Amoktaten entstehen nicht spontan, sondern werden über einen längeren Zeitraum geplant.
Amoktaten sind von Terroranschlägen zu unterscheiden. Während Terrorismus darauf abzielt, durch Gewalt Angst in der Bevölkerung zu verbreiten oder politische, religiöse oder ideologische Ziele zu erreichen, stehen bei Amoktaten meist eine Verkettung von psychischen, sozialen und persönlichen Faktoren im Vordergrund. Forschungsergebnisse zeigen, dass oft Wut, Hass und Rachegedanken Motive von Amoktaten sind. Die Abgrenzung von Amokläufen und Terroranschlägen kann im Einzelfall schwierig sein.
Für die Einordnung einer Tat als Amoklauf, Terroranschlag oder anderes Gewaltverbrechen werden im Rahmen der Ermittlungen Motivation, Tatplanung und Tathergang sorgfältig untersucht.
Informationen zu diesem Glossarbeitrag
Dieser Glossarbeitrag wurde im September 2026 veröffentlicht.
Autor des Glossarbeitrags: Dr. Christian Wickert, Professor für Soziologie und Kriminologie an der HSPV NRW, ist Betreiber und Herausgeber der unabhängigen, wissenschaftlich fundierten digitalen Plattform für Soziologie und Kriminologie Externer Link: SozTheo.de und Externer Link: SozTheo.com. Seine Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem in der Kritischen Kriminologie, Cultural Criminology sowie in der Beziehung zwischen Polizei, Medien und Kultur.