Der Begriff Viktimisierung leitet sich vom lateinischen victima („Opfer“) ab und bezeichnet den Prozess des Zum-Opfer-Werdens oder Zum-Opfer-Machens. In der Kriminologie umfasst Viktimisierung nicht nur die unmittelbare Schädigung durch eine Straftat oder ein anderes belastendes Ereignis, sondern auch deren Folgen sowie den gesellschaftlichen und institutionellen Umgang mit den Betroffenen. Opfer können sowohl
Primäre Viktimisierung beschreibt, wenn eine Person unmittelbar von einer Straftat oder Gewalthandlung betroffen ist. Sie umfasst die direkten körperlichen, psychischen, sozialen oder wirtschaftlichen Folgen der Tat.
Sekundäre Viktimisierung entsteht, wenn Betroffene nach der Tat durch den Umgang ihres sozialen Umfelds oder staatlicher Institutionen zusätzlich belastet werden. Dies kann etwa durch fehlende Unterstützung, Schuldzuweisungen, unangemessene Befragungen oder eine belastende Berichterstattung in den Medien geschehen.
Als tertiäre Viktimisierung werden die langfristigen gesellschaftlichen Folgen einer Viktimisierung bezeichnet. Dazu gehören etwa soziale Ausgrenzung, Stigmatisierung oder dauerhafte Einschränkungen der Lebensführung. Teilweise wird der Begriff auch verwendet, um die Folgen einer Straftat für das soziale Umfeld der betroffenen Person zu beschreiben. Da der Begriff in der wissenschaftlichen Literatur nicht einheitlich verwendet wird, unterscheiden sich die Definitionen je nach Forschungsansatz.
Die Unterscheidung der verschiedenen Formen der Viktimisierung zeigt, dass die Folgen einer Straftat weit über das eigentliche Tatgeschehen hinausreichen können. Dieses Wissen bildet eine Grundlage für Opferhilfe, Strafverfahren und
Informationen zu diesem Glossarbeitrag
Dieser Glossarbeitrag wurde im September 2026 veröffentlicht.
Autor des Glossarbeitrags: Dr. Christian Wickert, Professor für Soziologie und Kriminologie an der HSPV NRW, ist Betreiber und Herausgeber der unabhängigen, wissenschaftlich fundierten digitalen Plattform für Soziologie und Kriminologie Externer Link: SozTheo.de und Externer Link: SozTheo.com. Seine Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem in der Kritischen Kriminologie, Cultural Criminology sowie in der Beziehung zwischen Polizei, Medien und Kultur.