Meine Merkliste

Dankesplakette des Bankhauses Gebrüder Arnhold

Geteilte Geschichte Römerzeit und Mittelalter Das Edikt Kaiser Konstantins von 321 Römische Tonlampe mit Menora Siegelring Goldohrring Die Alte Synagoge in Erfurt Amsterdam Mahzor Mikvah Friedberg Jüdischer Hochzeitsring Grüselhorn Frühe Neuzeit Handschrift von Trient Augenspiegel von Johannes Reuchlin Siegel von Josel von Rosheim Absolutismus Plohn-Parochet aus Prag Modell von Hamburg in der Zeit des Lebens von Glikl von Hameln Ritueller Gewürzturm aus Frankfurt Der Vollkommene Pferdekenner Barocke Inneneinrichtung der Synagoge aus der Landgemeinde Hornburg Schutzbrief von Feist Hertz Moses Mendelssohns Brille Vom 19. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg "Etwas über die rabbinische Literatur" von Leopold Zunz Fanny Hensels Kreuz Ferdinand von Ungarn besucht die hebräisch-deutsche Hauptschule in Pressburg Die Lebensgeschichte des Lazarus Morgenthau Sefardischer Chanukka-Leuchter / Chanukkia Schreibfeder, Opernglas und ein Karl Marx zitierender Essay Silberne Spielzeuglokomotive Neue Synagoge Berlin an der Oranienburger Straße Karte von Theodor Herzl Gustav Klimt, Adele Bloch-Bauer I Kostüm der Schauspielerin Marie Barkany Salvarsan-Ampulle Portrait Bertha Pappenheim Zwischenkriegszeit Die Handschuhe vom Lokomotivführer Julius Brod Der Golem von Hugo Steiner-Prag Max Hallers Orden aus dem Ersten Weltkrieg Die Stadt ohne Juden Einsteinturm IUD Zwölftonreihenschachtel von Arnold Schönberg Film von FC Bayern vs. Eintracht Frankfurt Meisterschaft Finale Die Flöte Alfred Lichtensteins Dankesplakette des Bankhauses Gebrüder Arnhold Torarolle aus Sulzbach Karte von Fritz Freudenheim Kapitänsmütze der "MS St. Louis" Der Holocaust Puppe von Inga Pollak Der Anhänger von Karoline Cohn Der "Judenstern" Die Betstube von Theresienstadt Tagebuch von Oskar Rosenfeld aus dem Ghetto Litzmannstadt Fritz Ascher, Beethoven Nachkriegszeit Sharit Ha-Platah – der gerettete Rest Der Jüdische Friedhof in Weißensee Fritz Bauers Robe Motorroller Schwalbe KR51 von Simson Sowjetische Veteranen Stolperstein für Frank Familie in Aachen Das Jüdische Museum Berlin Leo Baeck Institute New York I Berlin Redaktion

Dankesplakette des Bankhauses Gebrüder Arnhold

Aubrey Pomerance Frank Mecklenburg

/ 6 Minuten zu lesen

Die Angestellten des Bankhauses Gebrüder Arnhold genossen großzügige Zusatzleistungen und Zugang zu firmeneigenen Feriendomizilen am Meer und im Gebirge. Diese Tafel, die im Zuge der "Arisierung" der jüdischen Privatbank den entlassenen Arbeitern gewidmet wurde, muss dagegen ein schwacher Trost gewesen sein.

Dankesplakette des Bankhauses Gebrüder Arnhold, Externer Link: Shared History Projekt, (© Mit freundlicher Genehmigung des Jüdischen Museum Berlin / Foto: Leo Baeck Institute – New York | Berlin)

Das Objekt

Gedenktafel des Bankhauses Gebrüder Arnhold

von Aubrey Pomerance

Diese Dankesplakette wurde 2013 im Rahmen einer Online-Auktion vom Jüdischen Museum Berlin erworben. Sie wurde von der Kunstgießerei Lauchhammer hergestellt, die 1725 gegründet wurde und ihren Sitz im gleichnamigen Ort im Süden von Brandenburg hatte. Die Plakette trägt die Signatur "R. Moll"; sie wurde aber mit großer Wahrscheinlichkeit vom deutschen Medailleur und Bildhauer Paul Moll (1892–1956) entworfen, der viele Jahre im und für das Unternehmen arbeitete (darüber hinaus ist über einen Medailleur namens R. Moll nichts überliefert). Im Archiv der Kunstgießerei Lauchhammer sind keine Unterlagen über die Herstellung zu finden. Nach dem Ankauf der Plakette durch das Jüdische Museum Berlin wurde ein identisches Exemplar in Deutschland versteigert. Es liegen keine Hinweise auf weitere Plaketten vor.

Historischer Kontext

"Dankeszeichen für treue Mitarbeit"

von Aubrey Pomerance

Am 2. Dezember 1935 wurde zwischen dem privaten jüdischen Bankhaus Gebrüder Arnhold und der Dresdner Bank eine förmliche Verkaufsvereinbarung verhandelt und unterzeichnet. Dieses Rechtsgeschäft stellte den ersten Fall der "Interner Link: Arisierung" einer der größten jüdischen Privatbanken in Deutschland dar. In der von der Familie Arnhold geführten Chronik wird der Tag der Unterzeichnung als einer beschrieben, vor dem sich alle gefürchtet hatten, die um die Ereignisse im Vorfeld wussten.

1914: Anzeige für das Bankhaus Gebrüder Arnhold (© Public Domain, Wikimedia)

Zum Zeichen des Dankes für den Einsatz ihrer Angestellten in der Dresdner Filiale hatten die Eigentümer von der berühmten Kunstgießerei Lauchhammer eine gusseiserne Plakette anfertigen lassen. Die links angebrachte Inschrift ist knapp gehalten: “Dankeszeichen für treue Mitarbeit”, während das Datum der Übernahme auf der rechten Seite steht. Zwischen den beiden Texten ist eine Prozession dargestellt von nackten und halbnackten Gestalten, die dem griechischen Gott Hermes Opfergaben bringen – dieser lässt sich anhand seiner geflügelten Schuhe, seines geflügelten Huts und des oben ebenfalls geflügelten Hermesstabs mit zwei umeinander gewundenen Schlangen zweifelsfrei identifizieren. Neben seinen vielen anderen göttlichen Aufgaben war Hermes der Schutzgott von Handel und Wirtschaft. Die Gestaltung der Dankesplakette reproduziert ein Fresko in der Kassenhalle der Dresdner Filiale des Bankhauses Gebr. Arnhold, das um 1915 von Rudolf Scheffler (Zwickau 1883-1973 Connecticut) gemalt worden war. Nach seiner Fertigstellung wurde es als "allegorische Gestaltung der Bedeutung des Bankwesens als Vermittlungsstelle für Handel, Gewerbe, Landwirtschaft und Industrie" beschrieben.

Das Bankhaus Gebr. Arnhold wurde 1864 von Max Arnhold und Ludwig Philippson in Dresden gegründet. Max Arnholds Bruder Georg übernahm im Jahr 1881 die Leitung der Bank. Georgs vier Söhne stiegen als Partner in das Unternehmen ihres Vaters ein, jedoch behielt Georg bis zu seinem Tod 1926 die Zügel in der Hand. Das Hauptgeschäft der Bank bestand aus der Kreditvergabe und Beteiligung an Unternehmen verschiedener Branchen, inbesondere Brauereien und Keramikhersteller. 1911 wurde in Berlin eine Zweigstelle der Bank eröffnet; zu diesem Zeitpunkt war das Bankhaus Gebr. Arnhold bereits die größte Privatbank in Sachsen.

Als die Nationalsozialisten im Januar 1933 an die Macht kamen, befanden sich fast die Hälfte der Privatbanken in Deutschland, 490 an der Zahl, in jüdischer Hand. Von diesen stellten fünf, darunter auch das Bankhaus Gebr. Arnhold, die größten Privatbanken des Landes dar. Ende 1935 hatten schon 91 dieser Interner Link: jüdischen Privatbanken aufgehört zu existieren, fast 150 weitere wurden in den folgenden zwei Jahren zur Schließung gezwungen. Im Jahr 1938 wurden fast alle der verbleibenden Banken liquidiert. Von den 490 jüdischen Privatbanken wurden nur 91 an Nichtjuden übertragen und Interner Link: unter arischer Eigentümerschaft weitergeführt.

Mit Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft wurde das Bankhaus Gebr. Arnhold vor allem durch Martin Mutschmann, Gauleiter und Reichsstatthalter von Sachsen, unter Druck gesetzt. 1935 wurde Mutschmann zudem sächsischer Ministerpräsident. Für sein Vorgehen gegen die Bank können persönliche Motive als wahrscheinlich angenommen werden: Er machte die Bank, die ihm in den 1920er Jahren kein Darlehen für seine Spitzenfabrik gewährt hatte, für seinen Misserfolg verantwortlich. In den dem Verkauf der Dresdner Zweigstelle vorausgehenden Jahren musste sich das Bankhaus Gebr. Arnhold in drei Gerichtsverfahren verteidigen, mit denen es Interner Link: in die Knie gezwungen werden sollte.

Jahrzehntelang hatte im Bankhaus Gebr. Arnhold ein paternalistisches Führungskonzept gegolten, so dass man sich mit hohem Engagement um das Wohlergehen seiner Angestellten kümmerte. Im Jahr 1901 gründete das Bankhaus die möglicherweise erste deutsche Pensionskasse für die Alters-, Arbeitsunfähigkeits- und Hinterbliebenenversorgung seiner Angestellten. 1918 eröffnete die Pensionskasse ihr erstes Erholungsheim in der Stadt Grund, 25 Kilometer außerhalb von Dresden. In den darauffolgenden Jahren wurden drei weitere in den Alpen und an der Nordsee eröffnet. Die Beschäftigten des Bankhauses erhielten Sonderzahlungen an Geburtstagen, zu Dienstjubiläen und an Jahrestagen des Unternehmens; bei gesellschaftlichen Zusammenkünften und Feierlichkeiten waren die in deutschen Unternehmen üblichen hierarchischen Grenzen zwischen Leitungsfunktionen und einfachen Angestellten ausgesetzt. Tatsächlich gehörte die Weiterbeschäftigung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, von denen die meisten dem Unternehmen jahrelang loyal gedient hatten, zu den Gründen für die schwere Entscheidung zum Verkauf der Dresdner Geschäftsstelle des Bankhauses. Die Dresdner Bank, die zur Zeit der Übernahme bereits die große Mehrheit ihrer eigenen jüdischen Angestellten entlassen hatte, übernahm jedoch nur 225 der nichtjüdischen Angestellten des Bankhauses Gebr. Arnhold und die entsprechenden Rentenverpflichtungen. Sämtliche jüdischen Mitarbeitenden wurden entlassen; sie bekamen nur eine geringe Entlassungsabfindung. Nur wenige fanden am Berliner Standort von Gebr. Arnhold eine Beschäftigung.

In den Monaten, die der Unterzeichnung der Vereinbarung folgten, konnte die Dresdner Bank mit Unterstützung des Schiedsgerichts den Kaufpreis um mehr als 650.000 Reichsmark reduzieren. Drei Jahre später wurde die Berliner Zweigstelle des Bankhauses Gebr. Arnhold zu deutlich ungünstigeren Bedingungen "Interner Link: arisiert" und von der Dresdner Bank und deren Tochterunternehmen Hardy & Co. übernommen. Soweit bekannt ist, wurde für die Angestellten der Berliner Zweigstelle keine Dankesplakette gefertigt.

Persönliche Geschichte

Die Geschichte der Familie Arnhold.

von Frank Mecklenburg

Gebrüder Arnhold Bank&Wechselgeschäft - Abbildung der Hauptgeschäftsstelle in der Waisenhausstraße Dresden 1864 (© Public Domain, Wikimedia)

Am 12. Juli 1935 verfasste Lisa Arnhold zum letzten Mal einen Eintrag in der Chronik des Arnholdschen Familienunternehmens. Sie hatte diese Chronik im Jahr 1914 begonnen, dem Jahr, in dem sie Heinrich Arnold heiratete, der der Bank vorstand. Lisa zeichnete sämtliche wichtigen Ereignisse auf, die sich seit der Gründung der Bank im Jahr 1864 ereignet hatten, und überreichte die Chronik in einem ledergebundenen Band am 10. Oktober 1914 anlässlich des 50. Jahrestags der Gründung. In den folgenden 21 Jahren ergänzte Lisa Arnold die Chronik bei wichtigen Ereignissen.

Lisa Arnhold, 1890 als Lisa Matterdorff geboren, entstammte sowohl über ihre Mutter als auch über ihren Vater Bankiersfamilien. 1910 begann sie als eine der ersten Frauen ein Medizinstudium. Jedoch waren ihre Neigungen breitgefächert: Sie interessierte sich auch für Verfassungsrecht, Philosophie, Wirtschaftstheorie und Kunstgeschichte. Für die Einheirat in eine Bankiersfamilie war sie bestens gerüstet, verstand, was ein Familienunternehmen war und konnte mit diesem umgehen. Ihre Unternehmenschronik ist Beleg ihres Verständnisses der Funktionsweise einer expandierenden Investmentbank. Gleichzeitig ist darin die einer Interner Link: Enteignung gleichkommende Veräußerung des Bankhauses unter der Herrschaft der Nationalsozialisten dokumentiert.

Der Chronik-Eintrag vom 12. Juli 1935 markiert den 25. Jahrestag der Miteigentümerschaft ihres Ehemanns am Unternehmen. Er befand sich in gesundheitlich schlechter Verfassung und starb im Oktober desselben Jahres, sodass es seinen drei Brüdern Adolf, Kurt und Hans oblag, sich mit der Aneignung des Unternehmens durch die Dresdner Bank auseinanderzusetzen. Das Bankhaus Gebr. Arnhold war die erste bedeutende jüdische Privatbank, die "arisiert" wurde. Die Dresdner Bank war an der Liquidierung von mindestens zwölf weiteren jüdischen Privatbanken sowie an der Übernahme einzelner Vermögenswerte von einigen anderen beteiligt. Nicht nur das ganze Ausmaß ihrer Rolle bei der Interner Link: Enteignung und Liquidierung von in jüdischem Eigentum stehenden Banken, sondern auch ihre tiefe Komplizenschaft mit dem nationalsozialistischen Regime wurde erst 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs offenbar, als eine von der Dresdner Bank selbst in Auftrag gegebene und finanzierte Interner Link: wissenschaftliche Untersuchung veröffentlicht wurde.

Georg Arnhold finanzierte in den 1920er Jahren u.a. maßgeblich den Bau des nach ihm benannten Freibades. Trotz ihrer Verfolgung und Entrechtung im Nationalsozialismus führte die Familie Arnhold nach 1989 ihr bürgerschaftliches Engagement und Mäzenatentum fort. Sie beteiligte sich finanziell an der Sanierung des Georg-Arnhold-Bades, am Wiederaufbau der Frauenkirche, an der Errichtung der Neuen Synagoge und am Ankauf der neuen Orgel für den Kulturpalast. Mit der Henry Arnhold Summer School an der Technischen Universität Dresden soll eine Brücke zur nächsten Generation geschlagen werden. (© picture-alliance, ZB | Arno Burgi)

Die Familie Arnhold blieb auch im Exil im Bankgeschäft. Lisa Arnhold blieb Teilhaberin im Unternehmen und ging 1936 in die Schweiz. Im Jahr 1940 emigrierte sie über Brasilien in die Vereinigten Staaten. Hans Arnold betrieb das Geschäft in den Vereinigten Staaten unter der Firma "Arnhold and S. Bleichroeder" weiter. Er stellte den ältesten Sohn von Lisa und Heinrich ein, Henry Arnhold, der in die USA geflüchtet war und in der US-amerikanischen Armee gedient hatte. Henry führte gemeinsam mit Stephen Kellen, Hans Arnholds Schwiegersohn, die Investmentbank Arnhold and S. Bleichroeder zu jahrzehntelangem Erfolg in den Vereinigten Staaten.

Dieser Beitrag ist Teil des Externer Link: Shared History Projektes vom Externer Link: Leo Baeck Institut New York I Berlin.

Weitere Inhalte

Aubrey Pomerance, M.A., geboren 1959 in Calgary, Alberta, 1981-1986 Studium der Philosophie an der Simon Fraser University, Burnaby, British Columbia und der Freien Universität Berlin, 1986-95 Jüdische Studien und Geschichte an der Freien Universität Berlin. 1995-96 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Jüdische Studien der Freien Universität Berlin, 1996-2001 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Salomon-Ludwig-Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte in Duisburg, seit 2001 Leiter des Archivs des Jüdischen Museums Berlin, der Zweigstelle des Archivs des Leo-Baeck-Instituts New York und der Zweigstelle der Wiener Bibliothek, beide am Jüdischen Museum Berlin. Publikationen zur deutsch-jüdischen Erinnerungskultur, zu jüdischen Leben und Schicksalen in der Zeit des Nationalsozialismus, zu jüdischen Fotografen in Berlin und zur Archivpädagogik.

Frank Mecklenburg ist Forschungs- und Archivleiter am Leo Baeck Institut. Er promovierte in Neuerer Deutscher Geschichte an der Technischen Universität Berlin. Er kam 1984 als Archivar zum Leo Baeck Institut und übernahm 1996 seine jetzige Funktion.