Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

5.12.2005 | Von:
Kerstin Zilm

USA

Die Soccer-Story

Fußball ein Mädchen-Sport?

Fußball liegt in den USA im Vergleich zu anderen Sportarten bei Einschaltquoten, Zahl der Stadionbesucher und Einnahmen durch Verkauf von Fanartikeln, abgeschlagen auf dem siebten Platz. Ganz vorne stehen die 'Grossen Drei' des US-Sports: Football, Baseball und Basketball, gefolgt von Eishockey. Zehn Jahre nach Gründung einer der US-Fussball-Profiliga MLS locken NASCAR-Autorennen und Golf mehr Fans, Fernsehzuschauer und Werbepartner an als Fußball. Die USA haben Traditionen anderer Länder von Cappuccino über Sushi bis zu Salsa in ihre Kultur integriert und kommerzialisiert. Fußball bleibt hartnäckig im Abseits. Auf beiden Seiten des Atlantiks existieren scheinbar unvereinbare Sportwelten. Für die meisten europäischen Sportfans ist Baseball ein unerträglich ereignisloser Sport mit nicht durchschaubaren Regeln. Football hat in Europa generell den Ruf, ebenso undurchschaubar zu sein und ein Sport, in dem bis zur Unkenntlichkeit durch Polster geschützte alle paar Sekunden Spieler aufeinander zu rennen und sich nieder zu rammen. US-Sportfans können sich stundenlang über taktische, strategische und spielerische Finessen von Baseball und Football unterhalten, die Begeisterung der übrigen Welt für Fußball ist ihnen unverständlich. Fußball hat in den USA das Image, langweilig und ereignislos zu sein, ein Freizeit- und kein Wettkampfsport, ein Sport für Weiße aus der Mittel- und Oberschicht, für Einwanderer aus Lateinamerika und für Mädchen.

Frauenfußball vor Männerfußball

Wenn in den USA von Profi-Fußball die Rede ist, geht es meistens um Frauen. Der Erfolg der Damen-Nationalmannschaft bei der WM 1999 ist US-Sportgeschichte. Die in den USA ausgetragene Frauen-Fussball-Weltmeisterschaft wurde zu einem Fernseh- und Kulturereignis. Mit anhaltendem Erfolg der Mannschaft stieg das Interesse der Medien. Die Zuschauerzahlen vor den Bildschirmen und den Stadien stiegen auf ein Niveau, das zuvor nur Football- Baseball- und Basketball-Profis erreichten. Ein Bild steh symbolisch für den Erfolg: Torschuetzin Brandy Chastain, die sich nach ihrem entscheidenden Treffer im Elfmeterschiessen des Finales gegen China ihr T-Shirt vom Körper reißt und mit schwarzem Sport-BH, die Arme jubelnd nach oben gestreckt, auf dem Rasen kniet. Da Bild steht für Potential von Frauensport, für Enthusiasmus, Einsatz und Erfolg des Damen-Nationalteams. Die Topp-Spielerinnen der Mannschaft - Mia Hamm, Brandi Chastain und Julie Foundy – strahlten von Titelseiten der Sport-, Politik- und Klatschzeitschriften. Sie schürten die Begeisterung für Frauenfussball in den wichtigsten US-Fernseh-Talkshows. Der US-Präsident empfing die neuen Sportstars im Weißen Haus. Präsident Clinton hatte zwei Begegnungen des US-Teams, darunter das Finale, persönlich im Stadion verfolgt. Die Spielerinnen werden bis heute verehrt. Mädchen eifern ihnen landesweit nach. Die Weltmeisterinnen von 1999 sind Vorbilder nicht nur im Frauenfussball, sondern im Frauensport generell, geworden - durch ihren Erfolg, ihr sportliches Auftreten, und ihre Freundlichkeit gegenüber Fans. Der WM-Erfolg in den USA führte im Jahr 2001 zur Gründung der weltweit ersten Profi-Fußball-Liga für Frauen. In den Mannschaften spielten US-Stars neben ehrgeizigen Fußballerinnen aus aller Welt, darunter die mehrfach als Weltfussballerin des Jahres ausgezeichnete Birgit Prinz aus Deutschland. Zur großen Enttäuschung der Sportlerinnen und ihrer Fans wurde die Liga nach drei Saisons eingestellt. Die Spiele hatten weder in den Stadien noch vor den Bildschirmen die erhofften Zuschauerzahlen angezogen. Fernsehsender und Geldgeber zogen sich zurück. Ein tränenreicher Schwanengesang auf vergangene glorreiche Zeiten war der letzte gemeinsamen Auftritt einiger WM-Stars bei den Olympischen Spielen 2004 und der Gewinn der Goldmedaille durch einen 2:1 Final-Sieg über Brasilien. Danach wurde es auch in den USA ruhiger um den Frauenfussball.