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Sorgenvoller Blick nach China Die Wirtschaftsmacht USA und die Konkurrenz aus China

Alexandra Endres

/ 3 Minuten zu lesen

Rollentausch bei den Wirtschaftsmächten USA und China. Während Amerika unter den Auswirkungen der Wirtschaftskrise leidet, ist der asiatische Konkurrent weltweit auf Erfolgskurs. Aber hinter der glänzenden Fassade verbergen sich große Probleme.

Chinesinnen arbeiten am Fließband in einer Fabrik. (© picture-alliance/AP)

Ökonomisch wie politisch: Der amerikanische Präsident George W. Bush hinterlässt einen Scherbenhaufen. Er führte sein Land in zwei Kriege, gegen Afghanistan und den Irak – um den Terrorismus zu besiegen und den Menschen im Orient die Demokratie zu bringen, lautete die offizielle Begründung. Keines dieser Ziele hat Bush erreicht. Stattdessen bleibt seine Amtszeit dadurch in Erinnerung, dass sowohl in Guantánamo als auch in Abu Ghraib die Menschenrechte schwer verletzt wurden.

Das Erbe von Bush an seinen Nachfolger: eine marode Infrastruktur, horrende Staatsschulden, ein löchriges Sozialsystem – ein im Abstieg begriffenes Land, sagen viele. Die Finanzkrise erscheint vor diesem Hintergrund nur wie der letzte Stoß, der Amerika vollends abstürzen lässt. Der Kapitalismus angelsächsischer Prägung, der Banken und Börsen größtmögliche Freiheiten zugestand, ist gescheitert.

Zeit der verstaatlichten Volkswirtschaften

Nun scheint die Stunde der staatlich gelenkten Volkswirtschaften gekommen, die Stunde Chinas. Dessen Aufstieg begann schon lange vor der großen Krise. China ist seit Jahren die wichtigste Werkbank der Welt, dank niedriger Löhne und seiner großen, ehrgeizigen und gut ausgebildeten Bevölkerung. Kein westliches Unternehmen kann es sich noch leisten, nicht mit dem Land Geschäfte zu machen. Das hat der chinesischen Wirtschaft über Jahre hinweg zweistellige Wachstumsraten beschert.

Trotz immer noch großer Armut, vor allem auf dem Land, ist China deshalb heute ein reicher Staat – 2008 werden die Devisenreserven Chinas wohl auf zwei Billionen Dollar anschwellen – und es setzt seinen finanziellen Reichtum gezielt ein, um seinen politischen Einfluss zu mehren. In Afrika werden chinesische Investoren umworben, denn sie geben Geld, ohne politische Bedingungen zu stellen. Um seine Wirtschaft weiter anzutreiben, braucht China Rohstoffe. Es hilft, die afrikanischen Bodenschätze zu erschließen, egal ob das Land, das sie besitzt, die Rechte seiner Bürger achtet oder sie am erworbenen Wohlstand teilhaben lässt. Das verschafft ihm Ansehen, nicht nur unter den Regierenden.

Fatale Folgen wechselseitiger Abhängigkeiten

In den westlichen Industrieländern wächst derweil die Furcht vor der Macht chinesischen und anderen Schwellenland-Kapitals, sei es arabischer oder asiatischer Herkunft. Der Versuch des chinesischen Ölkonzerns Cnooc, in Russland und den USA ansässige Unternehmen oder ihre Anteile zu erwerben, scheiterte am politischen Widerstand. Doch vor kurzem gelang es Cnooc, die Abwehr zu durchbrechen: Der Konzern kaufte den norwegischen Öl- und Gasförderer Awilco. Chinas Einfluss wächst auch in Europa.

Hinter den vordergründigen Erfolgen verstecken sich jedoch gravierende Schwierigkeiten. Chinas Bevölkerung altert. Das bisherige rasend schnelle Wirtschaftswachstum zerstört die Umwelt und macht die Menschen krank. Trotz des ökonomischen Booms leben viele Chinesen immer noch in Armut. Am schwersten wiegt aber, dass Chinas Schicksal nach wie vor an dem der USA hängt. Stürzt die bisherige Weltmacht, taumelt auch ihr asiatischer Konkurrent. Das zeigte sich zum Beispiel 2007, als der chinesische Zentralbanker Xu Jian öffentlich Zweifel am Status des Dollar als globaler Leitwährung äußerte. Der Dollar fiel gegenüber dem Euro auf ein neues Rekordtief. Weil China aber seine Devisen überwiegend in Dollar hält, minderte das den Wert seines Vermögens empfindlich. Auch Chinas Export, der Motor des Wirtschaftswachstums, hängt von der Konsumfreude der Amerikaner ab. Die aber hat in der Krise großen Schaden genommen. Die heraufziehende Rezession wird deshalb auch China treffen, ebenso wie die von den USA ausgehende Börsenkrise den chinesischen Aktienmarkt mit in die Tiefe riss.

Zukunft weniger amerikanisch?

"Kurz und mittelfristig ist dies ein Krieg ohne Gewinner", sagt deshalb der britische Historiker Paul Kennedy. Er prophezeite schon vor zwanzig Jahren den Niedergang der USA. "Zu den langfristigen Folgen dieser Finanzkrise könnte es allerdings gehören, dass sie mithilft, die globalen Gleichgewichte auf dem Globus vom Westen hin nach Asien zu verschieben." Die Welt wird nicht mehr nur von den USA regiert werden, sondern von mehreren Mächten, erwartet der Wissenschaftler.

Amerika aber könnte sich wieder aufrappeln. Die Bevölkerung des Landes ist jung und ehrgeizig – in ihrem Wissen und Können steckt der wahre Reichtum der USA. Forschung und Bildung gehören zu den Besten der Welt. Immer noch sind die USA ein attraktives Ziel für Einwanderer aus aller Welt, obwohl gerade viele Migranten unter den nach dem 11. September 2001 verschärften Sicherheitsgesetzen zu leiden hatten. Schafft das Land es, sich diesen Vorteil zu bewahren, wird die Zukunft möglicherweise weniger amerikanisch sein. Doch die USA werden sie weiterhin beeinflussen.

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Alexandra Endres arbeitet seit 2006 als Wirtschaftsredakteurin bei Zeit Online. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Berichterstattung über Energie-, Rohstoff- und Finanzmärkte. Zuvor erforschte sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität zu Köln Formen des Technologietransfers in Mexiko am Beispiel der Automobilindustrie.