Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

5.12.2005 | Von:
Kerstin Zilm

USA

Die Soccer-Story

Der Club der Stars - Cosmos New York in der 70ern

Die Geschichte des jungen Freddy Adu aus Ghana könnte die erste Erfolgsgeschichte dieser Art im Fußball werden. Mit 16 ist der Profi von D.C. United der jüngste Spieler, der jemals für die US-Nationalmannschaft spielte und zum Vorbereitungstraining für eine Weltmeisterschaft eingeladen wurde. Adu hat durch seinen sportlichen Erfolg und seine persönliche Geschichte nicht nur die Aufmerksamkeit international erfolgreicher Clubs auf sich gezogen, sondern auch die der US-Medien. Manche schreiben sogar von Adu als dem 'Pele der USA' Sie erinnern damit an die einzigen glorreichen und glamourösen Zeiten von US-Profi-Fußball: denen von Cosmos New York in den 70er Jahren. Dieser Erfolg hatte seinen Ursprung mit der Gründung der North American Soccer League in den 60er Jahren. Sportfans verfolgten damals mit Begeisterung das Endspiel der WM zwischen Westdeutschland und England in Wembley. Geschäftsleute und Medienkonzerne witterten die Chance, mit einer weiteren Sportart Millionen zu verdienen, unterstützten und organisierten die Gründung der Fussballiga. Die hatte einen schweren Start und schien 1975 kurz vor dem Ende zu sein, als die Rettung kam: in Person des Brasilianischen Superstars Pele. Cosmos New York verpflichtete den Ausnahmespieler in einem Drei-Jahresvertrag für 4,5 Millionen Dollar und sicherte dem Sport das groesste Medieninteresse, das es jemals in den USA für Fußball gab. Pele war ein Magnet für internationale Stars, die ihre Karriere mit einem lukrativen Vertrag und Abenteuer in den USA beenden wollten. Darunter aus Deutschland Franz Beckenbauer und Gerd Mueller, aus den Niederlanden Johan Cruyff und Johan Neeskens sowie Portugals Eusebio. Die Stars auf dem Feld lockten Stars in die Zuschauerränge: Mick Jagger, Barbra Streisand, Rod Stewart, Elton John und Henry Kissinger sicherten sich mit bis zu 77 tausend Fans Karten für Cosmos-Spiele. Der Fernsehsender ABC kaufte Uebertragungsrechte für die Profiliga – der Durchbruch von Fußball in die US-Massenkultur schien geschafft. Doch Erfolg und Glamour hielten nur ein paar Jahre. ABC hatte 1982 nach enttäuschenden Einschaltquoten kein Interesse mehr an den Spielen, mehrere Teams beendeten ihre Existenz - aus Mangel an Nachwuchs und guten US-Spielern, sowie aus Mangel an zahlungskräftigen Zuschauern. Die Liga-Gruender, die weniger am Sport, als am finanziellen Erfolg interessiert waren, reduzierten drastisch ihre Investitionen. 1985 spielte Cosmos New York im Giants Stadion gegen Lazio Rom vor nur neun tausend Zuschauer. In derselben Saison wurde das Ende der US-Profiliga verkündet.

Lukratives Tauschgeschäft - Fußball WM gegen Profiliga

Doch mächtige US-Fussballfans gaben nicht auf. Sie holten die Fußball-WM gegen einigen Widerstand 1994 in die USA. Die FIFA stimmte nur unter einer Bedingung zu: es muss eine Profiliga geschaffen werden. Bei den Verhandlungen spielte ein Anwalt aus Los Angeles eine wichtige Rolle: Alan I. Rothenberg besaß von 1977 bis 1980 die Profimannschaft Los Angeles Azteks. Er hatte die Fussballbegegnungen bei den Olympischen Spielen 1984 zum Erfolg geführt. 1990 wurde Rothenberg Präsident der US-Soccer Föderation. Es dauerte noch fünf Jahre bis zum Eroeffnungsspiel der neuen Profiliga: Major Soccer League. Über 30 tausend Zuschauer sahen den 2 zu 1 Sieg von San Jose über DC-United.

Fußball hat in den USA zu Beginn des 21. Jahrhunderts unvergleichlich mehr Fans und deutlich mehr Chancen, sich zu einem Massensport zu entwickeln, als zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts. Mehrere Faktoren haben dazu beigetragen: die Fußball-Begeisterung der Einwanderer aus Lateinamerika und ihre überall sichtbaren improvisierten Fußballspiele; die Etablierung einer Profiliga mit 12 Mannschaften, verteilt auf eine Ost- und eine West-Division; bessere Spiel- und Spielerqualitaet; die anhaltende Popularität von Frauenfussball sowie die Möglichkeit, auf Kabelkanälen täglich Fußballspiele aus aller Welt zu sehen – mit spanischem und englischem Kommentar.

"2010 werden wir Weltmeister"

Es gibt eine Chance dafür, dass Fußball durch diese Weltmeisterschaft in den USA den Durchbruch in die Nähe der 'Grossen Vier' schafft. Das US-Team muss die erste Runde überstehen. Amerikaner lieben Erfolgsgeschichten von Underdogs. Die Mehrheit weiß nicht, dass ihr Team in der FIFA-Weltrangliste ganz oben steht. Sie geht davon aus, dass die US-Nationalmannschaft bei der WM der Underdog ist und nicht lange spielen wird. Sollte der US-Mannschaft der unerwartete Erfolg in der starken Gruppe gegen Tschechien, Ghana und Italien gelingen und sich gleichzeitig Spieler durch Erfolg, Charisma, Durchhaltevermögen und persönliche Geschichten vom Rest abheben, werden US-Sportfans davon erfahren. Sie könnten beginnen, stolz auf dieses Team zu sein. Mit Beginn der zweiten Runde gibt es in den USA keine wichtigen Spiele im Profi-Football, Baseball, Basketball oder Eishockey. Die gesamte sport-verrückte US-Nation hätte Zeit, mit ihrem Team bei der WM in Deutschland mitzufiebern. Und zu hoffen, dass Alan I. Rothenberg Recht behält. Der Ex-Präsident der United Soccer Föderation hat versprochen: "2010 werden wir Weltmeister."