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Dossierbild: USA (Freiheitsstatue)

10.10.2008 | Von:
Maik Brüggemeyer

Born in the USA

Die Musik als Spiegelbild amerikanischer Identität

Elvis Presley: Der "King of Rock´n´Roll"

Zu Beginn der 1950er Jahre gab der DJ Alan Freed der beliebten Rhythm-&-Blues-Musik den Namen "Rock´n´Roll". Eine Aufsehen erregende Namensschöpfung, war der umgangssprachliche Begriff unter Afroamerikanern doch eine Bezeichnung für Sex. Zunehmend begannen zu dieser Zeit auch weiße Musiker, ihre eigene Spielart des Rock´n´Roll zu entwickeln: den "Rockabilly", eine Mischung aus Country und Rhythm & Blues, zunächst noch ohne Schlagzeug gespielt. Eine der ersten Rockabilly-Aufnahmen machte 1954 ein weißer Junge aus Memphis, den ein gewiefter Manager zwei Jahre später zum "King of Rock´n´Roll" krönte: Elvis Presley. Presley wurde in den Folgejahren mit Songs wie "Hound Dog" und "All Shook Up" der erste Weltstar dieser neuen Musik. Buddy Holly, Jerry Lee Lewis sowie schwarze Künstler wie Little Richard und Chuck Berry folgten ihm. Somit war die Rassentrennung in der Musik und in den Hitparaden aufgehoben.

Ende der 1950er Jahre geriet der Rock´n´Roll in den USA in eine Krise. Seichte Unterhaltungsmusik eroberte die Radiosender. Vor allem in Universitätsstädten wandte sich die Jugend der vermeintlich unkommerziellen, politisch und sozial bewegten Folk-Musik zu, die Künstler wie Pete Seeger, Joan Baez oder auch Peter Paul & Mary zu einer zweiten Chance verhalfen. Bob Dylan wurde mit Protestsongs wie "Blowin In The Wind", "A Hard Rain´s A Gonna Fall" und "The Times They Are Changing" wohl der berühmteste Vertreter dieses Folk-Revivals. Doch der Sänger war ein unruhiger Geist und wandte sich schon bald persönlicheren Themen zu. Seine Texte wurden poetischer; seine Musik orientierte sich stärker am Beat und Rhythm & Blues britischer Bands wie der Beatles und der Rolling Stones, die Mitte der 1960er Jahre den US-amerikanischen Musikmarkt im Sturm eroberten. Zusammen mit der kalifornischen Band The Byrds, die seine Folksongs wie "Mr. Tambourine Man" und "My Back Pages" in Bandbesetzung spielten, gilt Bob Dylan daher als Erfinder des "Folk Rock".

Auswirkungen des "Motown"-Erbes bis heute

Etwa zur gleichen Zeit, als Elvis Presley seine Karriere begann, verband sich in den Songs des schwarzen Musikers Ray Charles und kurz darauf in den Stücken von James Brown der weltliche Rhythm & Blues mit dem kirchlichen Gospel zum so genannten Soul, der vor allem in den 1960er Jahren durch die gefälligen, überwiegend für ein weißes Publikum produzierten Songs des Detroiter "Motown"-Plattenlabels mit Künstlern wie Smokey Robinson & The Miracles, Stevie Wonder, Marvin Gaye, Diana Ross & The Supremes, The Four Tops und The Jackson Five populär wurde. Von Michael Jackson über Mariah Carey bis zu Beyoncé repräsentieren viele der aktuellen US-Superstars unter dem Label "Contemporary R&B" bis heute das "Motown"-Erbe.

Doch schon in den 1960er Jahren war vielen afroamerikanischen Künstlern diese glatte Form der Popmusik zu wenig "schwarz". Das "Stax"-Label aus Memphis bediente mit Sängern wie Otis Redding oder Isaac Hayes eine rauere Soul-Spielart. Andere Soul-Sänger wie zum Beispiel James Brown und die Band Sly & The Family Stone lösten sich Ende der 1960er Jahre von den eingängigen Songformaten, gestalteten ihre Stücke rhythmischer und expressiver und entwickelten so den "Funk", der wiederum Verbindungen mit dem Rock und dem Jazz einging.

"HipHop": Aus der Bronx in die Charts

Im New Yorker Stadtteil Bronx begannen DJs Anfang der 1970er Jahre die Rhythmen von Funk- und Soulstücken zu isolieren, um statt eines ganzen Songs nur noch die tanzbaren Passagen zu spielen. Diese Technik ging als "Sampling" in die Musikgeschichte ein und sollte in den nächsten Jahrzehnten eine große Rolle in der amerikanischen Popmusik spielen. Die Beats wurden durch verschiedene Techniken variiert und zwischen den DJs führte ein so genannter Master Of Ceremony (MC) als eine Art Animateur durchs Programm. Mit der Zeit stilisierten die MCs ihre Beiträge und passten sie rhythmisch den Beats an. Diese neue Technik wurde wenig später "Rap" genannt. Die Rap und Samplings verbindende Pop-Spielart wurde zunächst unter dem Namen "Disco Rap" bekannt, bis sich schließlich die Bezeichnung "HipHop" durchsetzte.

"Rapper´s Delight" von der Sugar Hill Gang aus dem Jahr 1979 gilt gemeinhin als die erste Single des HipHop. In den 1980er Jahren wurde HipHop dann mit Alben von LL Cool J und Kurtis Blow zum US-Mainstream. Die erste HipHop-LP, die es 1986 bis an die Spitze der amerikanischen Charts schaffte, stammte jedoch von einer weißen Band: "Licence To Ill" von den Beastie Boys. Doch HipHop blieb auch in der Folgezeit das popmusikalische Genre, in dem sich das schwarze Selbstverständnis ausdrückte. Vor allem Bands wie Public Enemy aus New York begannen Ende der 1980er Jahre die Probleme der afroamerikanischen US-Bürger zu thematisieren und sich für ihre Rechte einzusetzen. An der Westküste beschrieben derweil Bands wie NWA mit härteren Beats und mit um Drogen, Sex und Gewalt kreisenden Texten das Leben in den schwarzen Gettos der Großstädte. Zusammen mit dem Sänger Ice-T gelten sie bis heute als Vorreiter des so genannten Gangsta Rap. Mit dem Album "The Chronic" von Dr Dre wurde diese HipHop-Spielart zum musikalischen Allgemeingut.

Auch in den vielen Stimmen Bob Dylans, den immer neuen Inszenierungen Madonnas oder den Masken Eminems, der Anfang des Jahrtausends einen neuen weltweiten HipHop-Boom auslöste, kann man Spuren der alten amerikanischen Musiktradition erkennen. Und egal, ob von weißer oder schwarzer Musik die Rede ist, von authentischem Blues oder von am "Fließband" hergestellter Unterhaltungsmusik, die Ursprünge sind die gleichen. Die Geschichte der amerikanischen Musik, diese lange Erzählung von Liebe und Diebstahl, ist in ihrer ethnischen Vielschichtigkeit und kulturellen Verwobenheit ein Sinnbild der amerikanischen Identität.


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