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M 03.04.00 Zur Person von Franz Grün und Hintergrundinformationen

Wie bin ich geworden, wer ich bin? Didaktische Konzeption Sachanalyse Die Rollentheorie Der Symbolische Interaktionismus Sozialisation und Subjekt Sozialisation als Beziehungspraxis Strukturierte Urteilsbildung Hinweise zur Analyse Baustein 1: "Alles Zufall, oder was?" - Befragung zu Lebensverlauf und Einflussfaktoren Einstieg & Befragung (B1) M 01.01 Lebensspiel M 01.02 Empirische Sozialforschung M 01.03 Schriftliche Befragung M 01.04 Fragebogen erstellen M 01.05 Musterfragebogen M 01.06 Leitfaden-Interview M 01.07 Interview-Leitfragen M 01.08 Hypothesen & Auswertung M 01.09 Sechs-Punkte-Schema M 01.10 Auswertungshilfen M 01.11 Daten: „Ängste“ (1) M 01.12 Daten: „Ängste“ (2) M 01.13 Daten: "Krisen" M 01.14 Daten: „Benachteiligung“ M 01.15 Daten: „Diskriminierung“ M 01.16 Vergleichsdaten: „Verhältnis zu den Eltern“ M 01.17 Daten: „Wohlbefinden“ M 01.18 Daten: „Angestrebte Werte“ M 01.19 Daten: „Freizeit“ (1) M 01.20 Daten: „Freizeit“ (2) Info 01.01 Leitfaden-Interview Info 01.02 Infos zu Vergleichsdaten Baustein 2: Sozialisation im Kontext von Krise, Flucht und Vertreibung Einführung ins Thema M 02.01 Einstiegsfilm M 02.02 Definition Sozialisation M 02.03 Sozialisationsvideo M 02.04 Definition Krisen M 02.05 Definition Krieg M 02.06 Kinderzeichnung Flucht M 02.07 Kinderzeichnung Flucht M 02.08 Kinderzeichnung Flucht M 02.09 Kinderzeichnung Flucht M 02.10 Kinderzeichnung Flucht M 02.11 Krieg und Flucht M 02.12 Kriegsauswirkungen M 02.13 Flüchtlingslager M 02.14 Flüchtlingszahlen 2014/15 M 02.15 Psychische Auswirkungen M 02.16 Interview Grundmann (1) M 02.17 Interview Grundmann (2) Info 02.01 Entwicklungsaufgaben Info 02.02 Kinderzeichnung Flucht Info 02.03 Fish-Bowl Info 02.04 Flüchtlingslager Info 02.05 Migrationsgeschichte Baustein 3: Wie das Leben so spielt - Fallstudien Baustein 3: Didaktische Einführung M 03.01 Auswertungsplakat 03.01 Der Fall Erol (Credibil) M 03.01.00 Zur Person von Erol M 03.01.01 Erols Familie (1) M 03.01.02 Erols Familie (2) M 03.01.03 Erols Peer Group M 03.01.04 Erols Schulzeit M 03.01.05 Erols Sozialer Raum M 03.01.06 Erol: Lieder/Texte/Videos Info 03.01.01 Lösung Erols Kindheit Info 03.01.02 Lösung Erols Väter Info 03.01.03 Lösung Erols Freunde Info 03.01.04 Lösung Erols Schule Info 03.01.05 Lösung Erols Sozialer Raum 03.02 Der Fall Panić M 03.02.00 Zur Person von Dejan M 03.02.01 Dejans Familie M 03.02.02 Dejan Fußball M 03.02.03 Dejans Schulzeit M 03.02.04 Dejans Peer Group M 03.02.05 Dejans Sozialer Raum Info 03.02.01 Lösung Dejans Familie Info 03.02.02 Lösung Dejans Verein Info 03.02.03 Lösung Dejans Schule Info 03.02.04 Lösung Dejans Feunde Info 03.02.05 Lösung Dejans Sozialer Raum 03.03. Der Fall Dazer M 03.03.00 Zur Person von Dazer M 03.03.01 Dazers Familie M 03.03.02 Dazers Schulzeit M 03.03.03 Dazer und der Staat M 03.03.04 Dazers Freundeskreis M 03.03.05 Dazers Sozialer Raum M 03.03.06 Videos: Leben in der DDR Info 03.03.01 Lösung Dazers Familie Info 03.03.02 Lösung Dazers Schule Info 03.03.03 Lösung Dazer Staat Info 03.03.04 Lösung Dazers Freunde Info 03.03.05 Dazers Sozialer Raum 03.04 Der Fall Grün M 03.04.00 Zur Person von Grün M 03.04.01 Grüns Kindheit M 03.04.02 Grüns Vertreibung M 03.04.03 Grüns Neuanfang M 03.04.04. Grüns Berufswechsel M 03.04.05 Karte Vertreibung M 03.04.06 Grün Auswertung AG1 M 03.04.07 Grün Auswertung AG 2 M 03.04.08 Grün Auswertung AG 3 M 03.04.09 Grün Auswertung AG 4 Info 03.04.01 Grün Lösung AG 1 Info 03.04.02 Grün Lösung AG 2 Info 03.04.03 Grün Lösung AG 3 Info 03.04.04 Grün Lösung AG 4 Info 03.04.05 Literaturhinweise Info 03.06 Links zu Zusatzinfos Resilienz & Handlungsstrategien (B4) M 04.01 Resilienz M 04.02 Wortwolken M 04.03 Internetrecherche (GA) Redaktion

M 03.04.00 Zur Person von Franz Grün und Hintergrundinformationen

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Franz Grün steht stellvertretend für eine ganze Generation von Deutschen, die während und nach dem zweiten Weltkrieg aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Trotz widriger Bedingungen und schrecklicher Erlebnisse im Kindes- und Jugendalter blickt Franz Grün heute zufrieden auf sein Leben zurück.

Franz Grün wurde als erstes von vier Kindern im März 1938 auf dem Bauernhof seiner Eltern im Kreis Deutsch Krone (Pommern) geboren. Dort lebte er mit seiner Familie bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges (1945). Vertrieben von ihrem Hof floh die Familie zunächst innerhalb Pommerns und wurde dabei Opfer zahlreicher Übergriffe und Gewaltanwendungen. Schließlich flüchteten sie aus den von Polen besetzten Gebieten und wurden per Schiff und Güterzug in Richtung Westen transportiert. Die Eltern und vier Kinder landeten schließlich 1946 zusammen mit 3.000 anderen Flüchtlingen auf der Insel Sylt in einer Kaserne der britischen Besatzungszone. Dort überlebten sie mit sechs Personen in einem Zimmer unter erbärmlichen Verhältnissen den Hungerwinter 1946/47. Von dort aus fanden sie 1949 eine Notaufnahme im Kreis Hohenzollern Sigmaringen (in der Nähe des Bodensees). Franz Grün ging dort zur Schule und begann mit 14 Jahren eine Lehre als Zimmermann.

Nach der Ausbildung zum Polizisten arbeitete er als Polizist in einer Gemeinde und wurde Jugendpolizist, eine Tätigkeit, die er bis zum Ende seiner Dienstzeit erfolgreich ausübte. Seine Integration im neuen Heimatort wurde auch dadurch unterstützt, dass er im Verein aktiv Sport trieb und regelmäßige Kontakte zur Kirche pflegte. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter. Heute genießt er das Leben als Pensionär in seinem neuen Heimatort.

Hinweis zum Interview: Name und Vorname der Person wurden geändert. Das Interview „Wie ich als Junge Vertreibung und Flucht nach dem 2. Weltkrieg erlebt und überstanden habe“ wurde im Sommer 2015 von Wolfgang Sander (Münster) geführt, in Rantum (Sylt) in der Nähe des ehemaligen Kasernengebäudes, in dem F. Grün mit seinen Eltern und Geschwistern von 1946 bis 1949 notdürftig untergebracht war.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Zwischenüberschriften eingefügt und der gesprochene Text behutsam der Schriftsprache angepasst.

Kurzinformationen zur Einordnung des Lebenslaufes von Franz Grün in die Geschichte von Vertreibung und Flucht nach dem 2. Weltkrieg

1. Mehr als 12 Millionen Menschen wurden nach dem 2. Weltkrieg aus deutschen Siedlungsgebieten in Osteuropa (Ostpreußen, Westpreußen, Pommern, Niederschlesien, Oberschlesien), dem Sudetenland und aus Siedlungsgebieten deutscher Minderheiten in Ostmitteleuropa evakuiert und in Trecks gewaltsam vertrieben: eine Folge des von Nazi-Deutschland initiierten Vernichtungskrieges, häufig auch als Vergeltung für deutsche Gräueltaten im 2. Weltkrieg praktiziert und zudem noch verschärft durch die chaotischen Zustände der damaligen Zeit.

2. Diese Millionen Vertriebenen und Flüchtlinge gelangten 1945 und in den Folgejahren unter schwierigsten, teilweise lebensgefährlichen Umständen in die vier Besatzungszonen, in die die vier Besatzungsmächte (Sowjetunion, Briten, USA und Frankreich) Deutschland aufgeteilt hatten. (Einige kam auch nach Österreich, siehe dazu die Karte von P. Palm unten). Die Flüchtlinge konnten dort häufig nur notdürftig untergebracht werden, denn die Städte waren durch den Krieg bis zu 80% zerstört. Die Alliierten hatten die gigantische Bevölkerungsverschiebung organisatorisch nicht im Griff; die humanitäre Versorgung überstieg ihre Möglichkeiten. Im Hungerwinter 1946/47 starben in Deutschland mehr als 100.000 Menschen. Wegen dieser katastrophalen Situation stoppten die Alliierten 1947 die Massenvertreibung, was das vorhandene Elend aber kaum verringerte.

3. R. M. Douglas bezeichnet in seiner umfassenden Monographie mit dem Untertitel „Die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg“ (2012) diese Massenvertreibung als „die größte Zwangsumsiedlung in der Geschichte der Menschheit“. (S. 17)

4. Trotz der gewaltigen Ausmaße sind diese schrecklichen Ereignisse im Bewusstsein und im Wissen der jungen Menschen kaum noch präsent, stellt der irische, in den USA lehrende Geschichtswissenschaftler Douglas in seinem Buch fest, „dass an westeuropäischen und nordamerikanischen Universitäten die überwiegende Mehrheit der Studenten selbst in Fächern wie Neuere Geschichte Europas, Internationale Beziehungen und Politologie ihr Studium abschließt, ohne je etwas von einer der schlimmsten menschengemachten Katastrophe gehört zu haben, die den Kontinent nach 1945 traf“. (S. 14)

Quelle: R. M. Douglas: Ordnungsgemäße Überführung. Die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg, München: C.H. Beck 2012.

Weitere Informationen zum Thema „Vertreibung und Flucht“ finden sich in zwei Dossiers der bpb:

Zur Übersicht über das Ausmaß von Flucht und Vertreiben nach dem 2. Weltkrieg siehe die Karte von Peter Palm (Berlin) (Interner Link: M 03.04.05)

Vorschau zu M 03.04.05 Karte Vertreibung 1945 bis 1950 (© Peter Palm, Berlin)

Fussnoten

Fußnoten

  1. Name geändert

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