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Jugendliche sitzen bei einem Rollenspiel hinter Stacheldraht, 08.06.2016.

5.4.2016

M 03.02.02 Dejan Panić: Meine Liebe zum Fußball

Der Traum, Fußballprofi zu werden, hat Dejan in seiner ganzen Kindheit und Jugend angespornt. Die Institution Sportverein hat ihn daher in seiner Sozialisation stark geprägt. Nachdem dieser Traum aufgrund einer Verletzung platzte, durchlebte Dejan eine schwere persönliche Krise, aus der er jedoch gestärkt hervor ging.

Welche Bedeutung hat Fußball in deinem Leben?

Fußball hat mich charakterlich sehr stark geprägt. Wirklich sehr stark geprägt. So disziplinmäßig. Ich bin sechs, sieben Mal die Woche zum Fußball gefahren mit dem Zug durch halb NRW. Das macht man ja nicht, weil man muss. Das macht man nur, wenn es einem richtig Spaß macht. Das hat mir, glaube ich, schon viel geholfen. Viele Lehrer haben mir später auch gesagt: „Sei es Abi oder Ausbildung. Das hättest du nie erreicht, wenn du nicht Fußball gespielt hättest.“ Ich bin so: Wenn ich mir ein Ziel setze, dann erreiche ich das auch. Egal wie. Egal, wie lange das dauert.

Wie glaubst du, hat der Fußball es geschafft, dich zu einem so disziplinierten Menschen zu machen?

Fußball liebt man. Und ich hatte das Ziel, Fußballprofi zu werden. Und das ist nicht mal eben so machbar. Da musst du schon vieles schaffen. Wenn du sechs, sieben Mal pro Woche trainierst, weil du Profifußballer werden willst, dann kommt die Disziplin. Und das kommt automatisch, denn ohne Disziplin schaffst du das gar nicht. Ansonsten kannst du den nächsten Schritt nicht gehen.

Wie ging es dir, nachdem deine Fußballkarriere für dich verletzungsbedingt zu Ende war?

Da ist eine Welt für mich zusammengebrochen. Da war ich fertig mit der Welt. Aber richtig fertig. Ich hatte einen Knorpelschaden. Man hat mir gesagt, dass das mindestens ein oder zwei Jahre dauern würde, bis das abgeheilt sein würde. Und dann weiß man eigentlich schon, dass der Zug abgefahren ist. Wenn man 20, 21 wird muss man schon dritte oder zweite Liga spielen, wenn man noch was reißen will. Und für mich war es da vorbei. Nach der Verletzung habe ich 25 Kilo abgenommen. Da war ich fertig. Ich glaube, ich habe 57 Kilo gewogen. Aber dann kamen meine Eltern und haben gesagt: „Wenn du wüsstest, was wir erlebt haben.“ Dann kamen die Geschichten wieder hoch. Mein Vater hat mir dann die Krankenhausgeschichten erzählt. Wie er 10 Monate im Krankenhaus war, während ich im Kriegsland Jugoslawien war. Er hat erzählt, wie er die Ärzte mit Flaschen beworfen hat, weil die ihm manchmal einen Gefallen verweigert haben. Das hat mir auch irgendwie Kraft gegeben. Aber für mich war das dennoch ein Traum, der kaputt gegangen ist. Die Verletzungen gingen irgendwann weg, aber meine Zukunft ist zusammengebrochen. Ich war einen Monat lang nicht ansprechbar. Das war für mich, als wäre ein naher Angehöriger gestorben. Es war ganz schlimm.

Wie hast du dich aus dieser Krise herausgezogen? Wer hat dir dabei geholfen?

Am Ende war ich es selber. Nach dem Motto: Plan B muss her. Der Wunsch, in der Schule mehr zu machen wurde dann immer größer. Plan B, Abitur, war sicherer als die Karriere als Fußballprofi. Es hat mir auch geholfen, dass mein jüngerer Bruder sehr gut Fußball spielt. Ich habe meinen Traum auf ihn übertragen. Sein Traum ist auch mein Traum. Wenn er es eines Tages schafft, habe ich es auch geschafft. Wenn er schlecht spielt, fühle ich mich so, als hätte ich schlecht gespielt. Mein Zusammenbruch damals hat mich auch stärker gemacht. Ich nehme Stresssituationen heute anders wahr. Bei Prüfungen mache ich mir beispielsweise weniger Stress. Das ist erst durch diese Zeit gekommen. Das tu ich mir nicht nochmal an.

Quelle: Interview mit Dejan Panić* vom 18.03.2016, durchgeführt von Lisa Schenkel (*Name von der Redaktion geändert)

Aufgaben:
  1. Beschreibe, wie die Begeisterung für den Sport und die Tätigkeit im Fußballverein Dejan Panićs Sozialisation beeinflusst hat.
  2. Stelle dar, wie Dejan Panić das Ende seiner Fußballkariere erlebt hat.
  3. Analysiere, wie er die persönliche Krise des Karriereendes gemeistert hat – auch aus soziologischer Sicht.
  4. Erörtere, inwiefern das Erleben von Krisen auch eine Chance für das weitere Leben darstellen kann. Beziehe dich in deiner Bewertung auch auf den vorliegenden Interviewausschnitt mit Dejan Panić.
Das Arbeitsmaterial PDF-Icon M 03.02.02 Panić: Liebe zum Fußball ist als PDF-Dokument abrufbar.


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