Jugendliche sitzen bei einem Rollenspiel hinter Stacheldraht, 08.06.2016.

19.4.2016

Info 03.06 Links zu multimedialen Angeboten

zum Thema „Vertreibung und Flucht nach dem Zweiten Weltkrieg“ und aktuelle Bezüge

  1. Karte: Deutsche Flüchtlinge und Vertriebene 1945 – 1950
  2. Sendungen aus der ZDF-Mediathek zum Thema „Vertreibung und Flucht nach dem Zweiten Weltkrieg“
  3. ZDF-Sendungen mit aktuellen Bezügen zur gegenwärtigen Flüchtlingskrise in Europa
  4. Auswahl aus dem Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung zum Thema „Probleme bei der Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland“ (mit didaktischen Hinweisen und Zusatzmaterialien).
  5. Auszüge aus dem umfangreichen Dossier der bpb zum Thema „Flucht und Vertreibung als Folge des Zweiten Weltkrieges“
  6. Driften. Flucht und Migration – 14 Menschen im Porträt, hrsg. Vom LWL-Medienzentrum für Westfalen, DVD Münster 2016

1. Karte: Deutsche Flüchtlinge und Vertriebene 1945 – 1950

Vorschau zu M 03.04.05 Karte Vertreibung 1945 bis 1950Vorschau zu M 03.04.05 Karte Vertreibung 1945 bis 1950 (© Peter Palm, Berlin)

(Auch als PDF-Datei in M 03.04.05 verfügbar.)

Ausführliches Kartenmaterial und kurzgefasste Hintergrundinformationen finden sich zudem in: Putzger Historischer Weltatlas (104 Aufl. Berlin 2015, S. 208f.) „Die Folgen des Zweiten Weltkrieges in Europa“ u.a. zum Ausmaß der Kriegszerstörung in den deutschen und europäischen Städten und zu den Flüchtlingen, Vertriebenen und Umsiedlern von 1945 bis 1950.

2. Sendungen aus der ZDF-Mediathek zum Thema „Vertreibung und Flucht nach dem Zweiten Weltkrieg“

  • ZDF-Heute Journal: Kinder der Vertriebenen. Pommern - die Heimat meiner Eltern. (28.7.2105)
    Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs mussten mehrere Millionen Menschen aus den Ostgebieten des Deutschen Reiches gen Westen flüchten. Ihre traumatischen Erfahrungen gaben sie an ihre Kinder weiter. Der Sänger Heinz Rudolph Kunze: Ein Gefühl von Heimatlosigkeit bleibt auch bei den Kindern von Vertriebenen. Manfred Laubmeyer (Vertriebener aus Pommern): „Das Gefühl, vertrieben zu sein, endet nie.“ (3 min) http://www.zdf.de/ZDFmediathek/kanaluebersicht/496#/beitrag/video/2457810/Kinder-der-Vertriebenen (29.3.2016)


  • ZDF heute journal: „Das Pack aus dem Osten“ (28.7.2015)
    Nach 1945 wurden viele Vertriebene nicht freundlich aufgenommen, ihre neue Heimat war eine fremde und kalte. Zuwanderer galten als Habenichtse, die anderen das Wenige auch noch wegnehmen würden. Rupert Neudeck (Vertriebener aus Danzig): Wir lebten mit sechs Personen in zwei Zimmern, aber „wir hatten das, was alle Flüchtlinge auf der Welt wollen: Sicherheit“. Für manche gilt die Aufnahme von 12 Millionen Menschen unter den Nachkriegsbedingungen als die größte Flüchtlingsaufnahmeleistung der Geschichte. (3 min), http://www.zdf.de/ZDFmediathek/kanaluebersicht/496#/beitrag/video/2457824/Das-Pack-aus-dem-Osten%22 (29.3.2916)


  • ZDF-History: Kalte Heimat - Vertriebene in Deutschland (2010)
    Heimatvertriebene wie Alfred Biolek, Hellmuth Karasek und Wolfgang Thierse erinnern sich an den Neuanfang in ihrer zweiten Heimat. "ZDF-History" zeigt, wie mühsam die Integration sein konnte. Die Aufnahme von mehr als zwölf Millionen Flüchtlingen und Vertriebenen war für beide deutschen Staaten eine große soziale und wirtschaftliche Herausforderung. Der Historiker Andreas Kossert (Autor des Buches: Die Geschichte der deutschen Vertriebenen nach 1945) berichtet u.a., wie der Lastenausgleich die Eingliederung der Menschen in Westdeutschland erleichtern sollte. Wolfgang Thierse (geb. in Breslau, aufgewachsen in der DDR) erwähnt den Görlitzer Vertrag, in dem die polnische Westgrenze bereits 1950 von der DDR anerkannt, dass aber das Thema Flucht und Vertreibung dort lange Jahre tabuisiert wurde. (45 min), http://www.zdf.de/ZDF/zdfportal/programdata/c5479add-a5dd-35ff-99cf-ca2843da6ec4/04ea6b72-8719-48ee-90cc-e2ebcb1a0988?doDispatch=1 (29.3.2016)


  • ZDF-Info: Deutschland ´45 - Verlorene Heimat. Geschichte treffen (2015)
    Januar 1945: Überstürzt packt die Familie des 14-jährigen Fritz Bonin in Hirschberg, Ostpreußen, einen Treckwagen. Unter herannahendem Geschützdonner der Roten Armee beginnt die Flucht aus der Heimat. Wie Millionen Deutsche bezahlen die Bonins im Inferno von Flucht und Vertreibung für den verheerenden Vernichtungskrieg, den Nazideutschland begonnen hatte. (45 min), http://www.zdf.de/ZDF/zdfportal/programdata/08f09dee-c131-3898-beea-3efa0cea90b0/75c5ffa5-bc55-41be-9c0d-2990bab8ce0e?doDispatch=1 (29.3.2016)


  • ZDFzeit: Wir Nachkriegskinder. Zeit des Aufbruchs (2016)
    Wie wir wurden, was wir sind: Am Beispiel prominenter Lebensläufe entwirft die Dokumentation ein persönliches und berührendes Bild der deutschen Nachkriegszeit. Elmar und Fritz Wepper, Peter Sodann, Michael Degen, Wibke Bruhns und Eva-Maria Hagen: Sie gehören einer Generation an, die unser Land bis heute prägt. Im und durch den Krieg vaterlos geworden, mussten sie von klein auf lernen, auf eigenen Beinen zu stehen. Sie haben an der Seite ihrer Mütter Notzeiten, Bombennächte und Vertreibung überstanden, die Befreiung von der NS-Diktatur erlebt. Und doch war die Epoche nach 1945 für die meisten auch einfach eine aufbauende Zeit, geprägt von Zuversicht, Improvisationsgeist und der Überwindung überholter Moralvorstellungen. (45 min), http://www.zdf.de/epg/programm-4100.html?action=filter&senderToFilter=ZDFinfo&datum=Sa&woche=diese&ansicht=vertikal&showAllSenders=false (29.3.2016)


  • ZDFzeit: Wir Nachkriegskinder. Zeit der Wunder (2016)
    Trümmer wegräumen auf dem Weg zum Wirtschaftswunder: Am Beispiel prominenter Lebensläufe zeichnet die Dokumentation ein persönliches und berührendes Bild der deutschen Nachkriegszeit. Die 50er Jahre: Sie sind grell und bunt, aber auch prüde und verstockt. Uwe Seeler, Ingrid van Bergen, Marie-Luise Marjan, Vera von Lehndorff, Helmut Markwort, Winfried Glatzeder und Bill Ramsey wurden in den 50er Jahren erwachsen, machten Karriere. Persönlichkeiten, die Deutschland auf ganz unterschiedliche Weise prägten. Als Sportler, Schauspieler, Models und Journalisten haben sie einen ganz eigenen Blick auf das erste Jahrzehnt nach dem Zweiten Weltkrieg. Für die einen ist es die beste Zeit ihres Lebens, eine des Aufschwungs, des Optimismus und der Tatkraft. Für die anderen sind es "bleierne Zeiten" voll des spießigen Muffs, in denen sich eine weitgehend unpolitische Bevölkerung vor allem für die Mehrung ihres privaten Wohlstandes interessierte. Es ist auch eine Zeit des Verdrängens und Schweigens zwischen den Generationen. Vom schwierigen Nazi-Erbe wollten die meisten nichts mehr wissen in jenen Jahren. Wer das Trauma nicht loswurde oder darunter litt, galt schnell als Außenseiter in der deutschen Gesellschaft der 50er Jahre. (45 min), http://www.zdf.de/ZDF/zdfportal/programdata/554e767c-004d-36a6-9be7-ceec661f1b5a/7234d65b-7dcd-45c6-ad88-e2ffb8054f9a?doDispatch=1 (29.3.2016)


  • ZDF-History : Deutschland 1945 von oben (2015)
    Nach der Kapitulation am 8. Mai 1945 gleicht Deutschland einer Trümmerwüste. Mithilfe von Luftaufnahmen alliierter Militärs blickt die Dokumentation erstmals von oben auf die Zerstörungen. Noch in den letzten Kriegsmonaten fallen zigtausend Bomben auf deutsche Städte, darunter Dresden, Würzburg und Mainz. Hunderttausende Menschen verlieren ihr Zuhause, ihre Familien und oft auch ihren Lebensmut. Im Sommer 1945 schauen sie in eine ungewisse Zukunft. Denn in den Städten herrscht das Chaos. Hitlers Krieg hatte eine Dynamik der Gewalt entfacht, die weit über die Kapitulation hinauswirkte. Am Beispiel der Städte Berlin, Dresden und Köln blickt die Dokumentation auf das Leben der Deutschen zwischen den Trümmern und vergleicht die Filmaufnahmen der Westmächte aus dem Sommer 1945 mit Aufnahmen aus den 30er Jahren und aus der Gegenwart, 70 Jahre danach. (45 min), http://www.zdf.de/ZDF/zdfportal/programdata/c5479add-a5dd-35ff-99cf-ca2843da6ec4/b103bcf1-1c9c-466a-b8b6-0f1455fd864d?doDispatch=1 (29.3.2016)

3. ZDF-Sendungen mit aktuellen Bezügen zur gegenwärtigen Flüchtlingskrise in Europa

4. Auswahl aus dem Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung zum Thema „Probleme bei der Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland“

(mit didaktischen Hinweisen und Zusatzmaterialien)
  • Dokumentarfilm: Willkommen auf Deutsch (2015),
    Dauer: 90 Minuten, Altersempfehlung: ab 14 Jahren, Jahrgangsstufe: ab 9. Klasse, Themen: Asyl, Integration, Flüchtlinge, Rassismus, fremde Kulturen, kulturelle Identität, Heimat, Vorurteile, Willkommenskultur, politische Beteiligung, Bürgerengagement, Unterrichtsfächer: Politik, Gemeinschaftskunde/Sozialkunde, Sozialwissenschaften, Geschichte, Philosophie, Ethik/Religion, Deutsch
    In den niedersächsischen Dörfern Appel und Tespe sollen Flüchtlinge aufgenommen werden. Welche Sorgen haben die Einwohner des Dorfes? Wie können sie ihren neuen Nachbarn helfen? Wie reagieren Menschen, wenn in ihrer Nachbarschaft Asylsuchende untergebracht werden? Der Film "Willkommen auf Deutsch" geht diesen Themen nach und beschäftigt sich mit den gesellschaftlichen Auswirkungen der Asyl- und Flüchtlingspolitik. Im Zentrum der Dokumentation stehen die vielzitierte "Willkommenskultur" und die Frage nach der Offenheit gegenüber Migrantinnen und Migranten in Deutschland sowie die soziale Belastbarkeit der Gemeinde.
    Die Regisseure Carsten Rau und Hauke Wendler beobachten 2013 und 2014 zwei kleine Gemeinden in Niedersachsen, in denen Flüchtlinge untergebracht werden sollen. Sie erleben, wie sich Bürgerinitiativen gründen, die sich angesichts der neuen Nachbarn um das Wohl ihrer Kinder und den Verkaufswert ihrer Eigenheime sorgen. Sie lernen aber auch Menschen kennen, die sich ohne Wenn und Aber für die Flüchtlinge einsetzen. Für die Asylsuchenden selbst ist die Ankunft in Deutschland zwar oft das Ende einer jahrelangen Odyssee, doch viele Probleme dämpfen ihre Erwartungen an die neue Heimat. http://www.bpb.de/gesellschaft/migration/willkommen-auf-deutsch/ (29.3.2016)
  • Themenseite der bpb zum Thema „Flucht und Vertreibung“: http://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/flucht-und-vertreibung/ (29.3.2016)


  • Kollektive Erinnerung im Wandel (7.10.2008): Drei Phasen kollektiven Erinnerns, http://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/geschichte-und-erinnerung/39836/kollektive-erinnerung-im-wandel?p=3(29.3.2016)

5. Auszüge aus dem umfangreichen Dossier der bpb zum Thema „Flucht und Vertreibung als Folge des Zweiten Weltkrieges

Krieg, Flucht und Vertreibung
Am 3. Februar 1933, gerade vier Tage nach seiner Ernennung zum Reichskanzler, sprach Hitler vor Militärs über die Eroberung von "Lebensraum im Osten". Trotz massiver politischer Zugeständnisse anderer Länder steuerte er Deutschland unaufhaltsam in einen Weltkrieg. Wie nie zuvor wurde die Zivilbevölkerung Ziel und Opfer der Militärmaschinerie. Am Ende des Krieges waren 60 Millionen Menschen umgekommen, Städte und Landschaften zerbombt. Millionen Menschen hatten ihre Heimat verloren.
  • Hans-Ulrich Thamer: Der Weg in den Krieg (6.4.2005)
    Die westlichen Nationen deuteten die aggressive Außenpolitik Hitlers lange nur als Auflehnung gegen den Versailler Vertrag. Man baute auf "appeasement". So konnten die Nationalsozialisten die Jahre bis 1938 nutzen und den nächsten Krieg vorbereiten.
    Hitler hatte seine außenpolitischen Vorstellungen nach der Machtübernahme erstmals am 3. Februar 1933 in seiner Ansprache vor Generälen der Reichswehr formuliert. Darin gab er nicht nur der Armeeführung mit verblüffendem Freimut zu erkennen, daß er Politik mit hohem Risiko zu betreiben gewillt war. Er kündigte vielmehr an, in mehreren Stufen die "Eroberung neuen Lebensraumes im Osten" und dessen "rücksichtslose Germanisierung" vorbereiten und durchführen zu wollen. Zunächst sei eine vollständige innenpolitische Umgestaltung Deutschlands mit dem Ziel einer "Ausrottung des Marxismus" und einer "Stärkung des Wehrwillens" erforderlich. Alle anderen außen-, wirtschafts- und wehrpolitischen Maßnahmen müssten diesem einen Ziel untergeordnet werden. Deswegen müsse auch die Revisionspolitik einschließlich der Beteiligung an der Abrüstungspolitik des Völkerbundes vorläufig fortgeführt werden, um die Abschirmung der eigentlichen Aufrüstungs- und Eroberungspolitik zu gewährleisten […]
    Das Eroberungsprogramm im Osten und der Gedanke eines Lebensraumkrieges waren nur die Träume einer Minderheit. Dass sie binnen kurzer Zeit zum bestimmenden Faktor der deutschen Außenpolitik und der Weltpolitik wurden, hatte viel mit der Person und Politik Hitlers, aber auch mit den innen- und außenpolitischen Bedingungen, Interessen und Wahrnehmungen zu tun, die Hitler vorfand und die er beeinflusste. [...] Als mit dem Ende der Reparationsverpflichtungen und der Anerkennung militärischer Gleichberechtigung im Sommer 1932 zwei Bestimmungen des Versailler Vertrages gefallen waren, hatte das Deutsche Reich bereits vor der nationalsozialistischen Machtübernahme einen größeren außenpolitischen Handlungsspielraum erhalten. Hinzu kam als Folge der Weltwirtschaftskrise eine zunehmende Destabilisierung des internationalen Systems, indem die kollektiven Konfliktregelungsmechanismen immer brüchiger wurden und jeder Staat nur noch auf sein eigenes ökonomisches Überleben fixiert war. Diese Labilität musste die "politischen Habenichtse" im Kreis der Mächte, die sich bislang von der internationalen Ordnung zurückgesetzt fühlten, zur Verwirklichung ihrer machtpolitischen Begehrlichkeiten geradezu einladen.

    Aus: http://www.bpb.de/geschichte/nationalsozialismus/dossier-nationalsozialismus/39576/weg-in-den-krieg (17.3.2017)

  • Bernd Faulenbach: Die Vertreibung der Deutschen aus den Gebieten jenseits von Oder und Neiße (6.4.2005)
    An die zwölf Millionen Deutsche wurden zum Kriegsende aus Osteuropa evakuiert, flohen in Trecks, wurden deportiert oder ausgewiesen. Welche Rolle spielt die Erinnerung der Vertriebenen heute? In welches Verhältnis werden sie zur Politik und den Verbrechen des Nationalsozialismus gebracht?
    Die jüngst durch eine Fernsehserie, eine "Spiegel"-Reihe und durch Günter Grass' Novelle "Im Krebsgang" wieder ins Blickfeld der deutschen Öffentlichkeit gerückte Vertreibung der Deutschen am Ende des Zweiten Weltkrieges und danach aus den früheren deutschen Reichsgebieten jenseits von Oder und Neiße, aus dem Sudetenland sowie aus den Siedlungsgebieten in Mittelost-, Ost- und Südosteuropa war zweifellos ein historisch gravierender Vorgang, von dem viele Millionen Reichs- und Volksdeutsche betroffen waren. Meist wird von zwölf bis vierzehn Millionen Vertriebenen ausgegangen, von denen bei Flucht und Vertreibung, auch als Folge von Vertreibungsverbrechen, ca. zwei Millionen - immerhin etwa ein Sechstel - ums Leben gekommen sind. Es sind Zahlen - auch wenn sie womöglich nach unten revidiert werden müssen -, hinter denen sich ungeheures Leid verbirgt.
    Unter dem Begriff "Vertreibung" - dies ist bedeutsam im Hinblick auf die Verarbeitung des Phänomens - wird ein mehrschichtiger, regional unterschiedlicher, mehrere Phasen umfassender Prozess gefasst, zu dem u.a. im vorherrschenden Verständnis gehören: die Evakuierungen seit Herbst 1944, die allgemeine Flucht im Frühjahr 1945 mit Trecks oder über die See, die teilweise Rückkehr in die Wohngebiete, die Deportationen in die Sowjetunion, die Einrichtung von Internierungslagern und die Ausweisung. Die Maßnahmen gegen diesen Teil der Bevölkerung resultierten teils aus "wilden" oder gezielten Aktionen anderer nationaler Gruppen, die unter dem Nationalsozialismus gelitten hatten, teils aus massiven Ausschreitungen der vorrückenden russischen Truppen gegen die Zivilbevölkerung, teils aus alliierten Beschlüssen, die nicht selten bereits geschaffene Tatsachen legalisierten oder zu weiteren Vertreibungsmaßnahmen führten [...]

    Die Vertreibung der Deutschen aus den Gebieten jenseits von Oder und Neiße (I)
    In der frühen Nachkriegszeit, in der die unter dem Begriff "Vertreibung" zusammengefassten Ereignisreihen teilweise noch liefen, stand für die Deutschen in den verschiedenen Zonen die Bewältigung elementarster Probleme im Vordergrund, zu denen auch die Aufnahme von Millionen von Flüchtlingen und Vertriebenen gehörte. Angesichts der gravierenden Wohnungsnot und der Ernährungsschwierigkeiten stellte die Unterbringung dieser Gruppe die Alliierten und die deutschen Verwaltungen vor riesige Probleme, die z.T. auch zu Spannungen mit der einheimischen, häufig ausgebombten oder der evakuierten Bevölkerung führten. Die Vertriebenen waren keineswegs überwiegend willkommen.
    Aus: http://www.bpb.de/geschichte/nationalsozialismus/dossier-nationalsozialismus/39587/die-vertreibung-der-deutschen?p=1 (17.3.2016)

    Die Vertreibung der Deutschen aus den Gebieten jenseits von Oder und Neiße (II und III) Berichte über die furchtbaren Geschehnisse bei Flucht und Vertreibung wurden früh von den Betroffenen erzählt; sie litten vielfach unter den traumatischen Erlebnissen. Auch im Kontext von Berichten über die Kriegsgeschehnisse tauchte der Aspekt auf, fand auch seinen Niederschlag in der Literatur. Das große Thema der Nachkriegsliteratur war der Krieg mit seinen Folgen.

    Selbstverständlich wurde das Geschehen der Vertreibung als schreiendes Unrecht aufgefasst. Meist wurde es eher isoliert betrachtet, doch konnte die publizistische Schulddiskussion an Flucht und Vertreibung nicht vorübergehen. So publizierten Walter Dirks und Eugen Kogon schon 1947 in den Frankfurter Heften einen bemerkenswerten Aufsatz unter dem Titel "Verhängnis und Hoffnung im Osten. Das Deutsch-Polnische Problem", in dem sie eher vorsichtig versuchten, das Geschehen, das sie selbst nur zurückhaltend andeuteten, einzuordnen. In manchen Berichten werde deutlich, dass die Opfer deutscher Untaten zurückschlügen, sei doch im Namen der Deutschen Furchtbares geschehen.
    Doch fügten die Autoren hinzu, dass diejenigen Deutschen, die nun ihrerseits Opfer wurden, keineswegs die besonders Schuldigen waren: "Die armen Opfer in Schlesien und Ostpreußen leiden stellvertretend für die wahren Schuldigen, und es ist ein Zufall, dass nicht wir es sind, du und ich, die stellvertretend leiden und sterben müssen." Zudem sei das Geschehen nicht nur als Reaktion auf deutsches Tun erklärbar, eine andere Erklärung sei die der "Ansteckung". Kogon und Dirks ließen keinen Zweifel daran, wo sie die eigentlichen Urheber des Unglücks sahen. Nachdrücklich betonten sie, dass es "nicht erlaubt" sei, "jene Vorgänge zu isolieren" . Keine Frage, die von Dirks und Kogon vertretene Position war sicherlich nicht die vorherrschende, verbreiteter war die des Aufrechnens, doch gab es sie immerhin.

    In der frühen Nachkriegszeit waren bei vielen Menschen die Leid-Erfahrungen noch zu unmittelbar, als dass sie mental in der Lage gewesen wären, eine konkrete Schulddiskussion zu führen und auch die Leiden der anderen mitzusehen. Zwar war die Mehrzahl erschüttert über das ganze Ausmaß der nationalsozialistischen Verbrechen, doch stand daneben das konkrete eigene Erleben, der Verlust von Heimat und Eigentum, der Tod zahlreicher nahe stehender Menschen. Existenziell hatte man den Krieg und die Kriegsfolgen durchlitten, der Krieg war nicht nur Hitlers Krieg gewesen [...] Erwähnenswert ist, dass in der deutschen Zeithistorie fast gleichzeitig mit der Vertreibung bereits die nationalsozialistische Polenpolitik in den Blick kam, was zweifellos zwingend war, denn die NS-Politik plante ihrerseits gewaltige Umsiedlungsaktionen und führte sie mit brutalen Mitteln durch. Schon 1961 erschien Martin Broszats Arbeit über die "Nationalsozialistische Polenpolitik 1939-1945", andere Arbeiten folgten in den sechziger Jahren. Auch unternahm die Zeithistorie beachtliche Anstrengungen, um die Frage der Verantwortlichkeit der Täter zu klären. Gleichwohl ist zu konstatieren, dass die deutsche Zeithistorie die Erforschung des Holocaust - anders als die der Vertreibung - aus der Sicht der Opfer zunächst kaum versuchte. Eine Bedeutung für die Bewältigung von Flucht und Vertreibung hatte die moderne Literatur, in der nicht nur die Ereignisse am Ende des Krieges, sondern auch die Erinnerung an die verlorene Welt zum Thema gemacht wurden. Hingewiesen sei hier auf die Werke von Günter Grass, Siegfried Lenz, Arno Surminski, Christine Brückner und anderen, in denen Flucht, Vertreibung, die alte und neue Heimat im Spiegel menschlicher Schicksale dargestellt und damit auch ein Stück weit "bewältigt" wurden.
    Aus: http://www.bpb.de/geschichte/nationalsozialismus/dossier-nationalsozialismus/39587/die-vertreibung-der-deutschen?p=2 (17.3.2016)

    Die Vertreibung der Deutschen aus den Gebieten jenseits von Oder und Neiße (VI)
    Ist mit der Vereinigung, dem Zwei-plus-Vier-Vertrag und dem deutsch-polnischen Vertrag vom 14. November 1990, der die deutsche Ost- und die polnische Westgrenze festschreibt und die erweiterte Bundesrepublik zum Nachbarn Polens macht, eine neue Konstellation im Hinblick auf das deutsche Geschichtsbewusstsein entstanden? Zwar begann sich das Geschichtsbewusstsein zu verändern, doch war zunächst im Hinblick auf die vorherrschende Tabuisierung von Flucht und Vertreibung keine grundlegende Umkehrung des Gesamttrends festzustellen. Allerdings mehrten sich bald Anzeichen dafür, diesen Komplex, der angesichts nicht mehr in Frage gestellter Grenzen an Brisanz verloren hatte, nicht weiter auszuklammern. Auch gab es seit 1989/90 neue Möglichkeiten für die historische Forschung, die Ereignisse auf der Basis neu zugänglicher Quellen aufzuarbeiten und mit den bisherigen Ergebnissen zu vergleichen. Und diese Forschung begann man zu einem Teil in kooperativen Formen zwischen deutschen und polnischen Historikern durchzuführen, womit eine neue Phase der Forschung begann. [...]
    In jüngster Zeit aber ist ein Wandel erkennbar. Zu nennen ist die Diskussion um ein "Zentrum gegen Vertreibung", das die Vertriebenenverbände in Berlin errichten möchten, das sich polnische Intellektuelle auch in Breslau vorstellen können und bei dem manches dafür spricht, die Vertreibung der Deutschen nicht nur mit der Vorgeschichte, sondern auch mit den Zwangsmigrationsprozessen im 20. Jahrhundert in Beziehung zu setzen. Bedeutsam sind in diesem Kontext auch die Veröffentlichung von Günter Grass' Novelle "Im Krebsgang" und die Resonanz hierauf in der Öffentlichkeit sowie die Serie des "Spiegels" sowie die Fernsehserie über die Vertreibung und die Vertriebenen.[52] Auch widmen sich Historiker erneut den Geschehnissen am Ende des Krieges und in der frühen Nachkriegszeit.[53] Vieles deutet darauf hin, dass Flucht und Vertreibungs-Geschehnisse nicht mehr ausschließlich national interpretiert werden. Gegenwärtig gibt es in Deutschland jedenfalls kaum Anhaltspunkte für die Restauration eines traditionellen nationalen Geschichtsbewusstseins. Allerdings erscheint es möglich, dass sich im Hinblick auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts das Gedenken erweitern wird. Mit Peter Steinbach kann man fragen, ob es wirklich richtig ist, "wichtige Bezugspunkte kollektiver Erinnerung an erfahrenes Leid aus Furcht vor 'falschen Reaktionen' oder den 'Beifall von der falschen Seite' in den Hintergrund des historischen Bewusstseins" zu schieben und "aus der gemeinsamen Erinnerung auszuklammern" [54] . Diese Frage stellt sich - zumal nach den bestürzenden Erfahrungen mit Vertreibungen in Südosteuropa in den letzten Jahren - unbestreitbar nicht nur für die deutsche, sondern auch für die europäische Ebene, auf der es die verschiedenen nationalen Erinnerungskulturen zu verknüpfen gilt.[55] Darin ist eine wichtige geschichtspolitische Aufgabe der nächsten Jahre zu sehen.
    Aus: http://www.bpb.de/geschichte/nationalsozialismus/dossier-nationalsozialismus/39587/die-vertreibung-der-deutschen?p=6 (17.3.2016)


  • Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ostmitteleuropa. In Verbindung mit Adolf Distelkamp, Rudolf Laun, Peter Rassow, Hans Rothfels (und ab Bd. I/3 auch Werner Conze) bearbeitet von Theodor Schieder, hrsg. vom Bundesministerium für Vertriebene, 1954-1963; nachgedruckt München 1984. Hier wird nach der Originalausgabe zitiert.

    Information zu den fünf Dokumentationsbänden (von Bernd Faulenbach)
    Leitend für die Herausgeber war - wie sie in der Einleitung betonten - "die Sorge, Geschehnisse von der furchtbaren Größe der Massenaustreibung könnten in Vergessenheit fallen, die abschreckenden und aufrüttelnden Erfahrungen aus dieser europäischen Katastrophe könnten für die Staatsmänner und Politiker verloren gehen". Dokumentation, Vorwort zu Bd. I (Anm. 15), S. I-VII, hier S. I.
    Themen der fünf umfangreichen Bände (darunter mehrere Doppelbände) sind die Evakuierungsvorgänge, Flucht- und Kriegsereignisse, die Zerstörung der Lebensgrundlagen der Bevölkerung, die Austreibung der Bevölkerung. Die Bände über die südosteuropäischen Staaten beziehen sich auf die Geschichte der Deutschen in diesen Gebieten, ihre Schicksal während des Krieges, Umsiedlungen, Zwangsrekrutierungen zur SS, Auswirkungen der russischen Besetzung, Verschleppung zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion, Enteignungen, Internierungen und Ausweisungen.
    Basis des Unternehmens war eine systematische Befragungs- und Sammelaktion unter den Vertriebenen, durch die eine große Fülle dokumentarischen Materials zusammengetragen wurde: zum überwiegenden Teil Erlebnisberichte, dann Befragungsprotokolle, private Briefe, Tagebücher, auch amtliche Schriftstücke.


  • Michael Wildt: Krieg und Besatzung in Ost- und Westeuropa (18.12.2012)
    Im eroberten Polen errichten die deutschen Besatzer eine brutale Gewaltherrschaft, und auch die westeuropäischen Nachbarn stehen unter ihrer Kontrolle. Deportationszüge bringen die Juden Europas in die Gettos und Vernichtungslager. Solange die Siegeswelle anhält, bleibt das Regime in Deutschland populär, woran auch der Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion zunächst nichts ändert.

    Einleitung
    Der Krieg gegen Polen wurde von Anfang an mit besonderer Brutalität geführt. Die Luftwaffe bombardierte polnische Ortschaften und machte sie dem Erdboden gleich. Auch Warschau wurde schwer von Luftangriffen zerstört, sodass die militärische Führung Polens am 27. September angesichts der deutschen Übermacht kapitulierte, nicht zuletzt, um die Hauptstadt vor weiterer Verwüstung zu retten. Die polnische Regierung war schon am 17. September ins Exil gegangen. Am selben Tag gab die sowjetische Führung den Befehl, gemäß dem mit Hitler geschlossenen Pakt in Ostpolen einzumarschieren und dieses Gebiet zu annektieren. Am 28. September schlossen Deutschland und die Sowjetunion einen Grenz- und Freundschaftsvertrag, der die Teilung Polens besiegelte.
    Aus: http://www.bpb.de/izpb/151934/krieg-und-besatzung-in-ost-und-westeuropa?p=0 (17.3.2016)

6. Driften. Flucht und Migration – 14 Menschen im Porträt

, hrsg. vom LWL-Medienzentrum für Westfalen, DVD, Münster 2016
Vierzehn Flüchtlinge und Migranten werden interviewt und berichten über die Gründe ihrer Flucht oder ihrer Auswanderung, ihrer Situation in Deutschland und ihren Empfindungen. Sieben der Flüchtlinge und Migranten waren oder sind Schüler der Hauptschule auf der Geist, eine Gemeinschaftsschule mit Ganztagsangebot (bei 50% Ausländeranteil). Es hat hier eine lange Tradition, dass die jeweiligen Schüler in speziellen Förderklassen auf den Wechsel in die Regelklassen und auf das Leben in Deutschland vorbereitet werden. Die DVD ist erhältlich beim LWL-Medienzentrum für Westfalen (Münster). Vgl. www.westfalen-medien.lwl.org


Zusammenstellung: Wolfgang Sander (Münster, März 2016)


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GrafStat ist ein wichtiges und vielfach bewährtes Werkzeug für eine teilnehmer-aktive politische Bildungsarbeit in Schule, Jugend- und Erwachsenenbildung. An ausgewählten Themen wird exemplarisch gezeigt, wie GrafStat in der Praxis eingesetzt werden kann. GrafStat ermöglicht den fachspezifischen Einsatz Neuer Medien an praxisnahen, für Jugendliche interessanten Beispielen.

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