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Gleitender Ruhestand Flexible Altersübergänge beim Renteneintritt

Gerhard Bäcker Ernst Kistler

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Aus verschiedenen Blickwinkeln spricht viel für einen gleitenden Übergang in den Ruhestand mit schrittweise reduzierter Arbeitszeit.

Ein Installateur repariert eine Mischbatterie. Durch ein langsames "Hinübergleiten" in den Ruhestand wird ein "Verrentungsschock" vermieden. (© picture-alliance, imageBROKER)

Gesundheitliche Aspekte

Der zentrale Gedanke bei solchen Forderungen ist einerseits, den älteren Beschäftigten mehr Wahlfreiheit hinsichtlich des Altersübergangs zu gewähren, andererseits steht dahinter auch der Gedanke, dass ein reduzierter Arbeitszeitumfang eventuellen Verschleißerscheinungen und Belastungsfolgen Rechnung tragen kann und die/der Beschäftigte so einigermaßen gesund das nicht mehr ganz so fixe Rentenalter erreichen kann. Aber auch für die Lebenssituation nach dem Ausscheiden aus der Erwerbstätigkeit wird in einem gleitenden Übergang ein Vorteil gesehen (vgl. Kasten).

Durch ein langsames "Hinübergleiten" in den Ruhestand wird ein "Verrentungsschock" vermieden. Das trägt der Tatsache Rechnung, dass Arbeit dem Leben auch Inhalt gibt und das Leben bzw. den Alltag strukturiert und dass im Ruhestand neue Betätigungen gefunden werden müssen. Psychologen empfehlen sogar – und vereinzelt gibt es das auch – Wochenendseminare etc., in denen diesbezügliche Ratschläge erteilt und in Rollenspielen gelernt wird (evtl. sogar − Loriot's "Papa ante portas" lässt grüßen – zusammen mit dem Partner).

Betriebliche Aspekte

Schließlich und nicht zuletzt wird gleitenden Übergängen in der Theorie auch ein Vorteil für die Betriebe zugeschrieben. Diesen ermöglichen es solche Altersübergänge vor allem, den Transfer des Erfahrungswissens absehbar ausscheidender Mitarbeiter:innen an Jüngere gezielter anzugehen. Die Organisation von Tandems, Patenmodellen etc. gehört demgemäß auch zum Standardwerkzeug von Maßnahmen, mit denen Betriebe für den demografischen Wandel fit gemacht werden sollen. Dabei spielt selbstverständlich auch die Überlegung eine Rolle, dass bei einer reduzierten Arbeitszeit eventuell gesundheitlich eingeschränkter Beschäftigter die Belastungen noch eher getragen werden können und so die Produktivität gehalten werden kann.

Genereller gesehen sind solche gleitenden Übergänge durch reduzierte Arbeitszeiten Teil der für alle Altersgruppen geforderten flexiblen Arbeitszeitmodelle, um die berufliche Tätigkeit besser mit Familie bzw. Privatleben vereinbaren zu können (von der Geburt von Kindern und deren Erziehung über Weiterbildungszeiten oder Auszeiten – so genannte Sabbaticals – bis hin zur in einer alternden Gesellschaft immer wichtiger werdenden Pflege von Angehörigen). Zentral ist dabei der Hinweis, dass solche Vereinbarkeitsmaßnahmen sich geschlechterneutral darstellen sollten, um zu vermeiden, dass die Vereinbarkeitslösungen nicht einseitig auf die Frauen zielen und so wiederum eine Geschlechterlücke bei Karrieremöglichkeiten, Einkommen und schließlich den Renten entsteht.

Zunächst unbenommen der Frage wie ein gleitender Übergang in den Ruhestand konkret ausgestaltet wird, ob über eine wirkliche langsame Reduzierung der Arbeitszeit oder in Form des Übergangs von Vollzeit- in Teilzeitarbeit, über Arbeitszeitkonten etc., ist festzuhalten: Einschlägige Umfragen zeigen, dass solche Maßnahmen auf abstrakter Ebene durchaus eine große Befürwortung bei den Beschäftigten finden (vgl. Kasten).

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