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Dossierbild Geschichte im Fluss

27.8.2012

Die Memel im Lauf der Geschichte

Luftaufnahme des Kurischen Haffs. Auf der Ostseeseite münden Ruß und Gilge, die Mündungsströme der Memel, ins Haff.Luftaufnahme des Kurischen Haffs. Auf der Ostseeseite münden Ruß und Gilge, die Mündungsströme der Memel, ins Haff. Lizenz: cc publicdomain/zero/1.0/deed.de (Landsat (NASA), Wikimedia Commons)
28. August 1941: SS-Standartenführer Karl Jäger verkündet in seinem Report: "In Litauen gibt es keine Juden mehr".

2. August 1945: Auf der Potsdamer Konferenz wird beschlossen, dass das nördliche Ostpreußen bis zur Memel zur Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR) kommt. Das ehemalige Memelland wird Teil der Litauischen Sowjetrepublik (LSSR). Grodno und der Oberlauf der Memel kommt zur Weißrussischen Sowjetrepublik (BSSR). Der gesamte Memellauf ist nun sowjetisch.

1945-1953: Litauische Partisanen, die so genannten "Waldbrüder" kämpfen gegen die erneute Sowjetisierung des Landes.

4. Juli 1946: Königsberg wird in Kaliningrad umbenannt.

1947: Im Pariser Exil wird die polnische Kulturzeitschrift Kultura gegründet. Das Konzept von Mitteleuropa avanciert zur Alternative zwischen dem Westen und dem Ostblock.

1947: Im Kaliningrader Gebiet bekommen Orte und Flüsse sowjetische Namen. Tilsit war bereits 1946 Sowjetsk geworden.

1958: Der 19-Jährige Czesław Wydrzycki verlässt sein Dorf Stare Wasilischki. In Polen wird er als Czesław Niemen eine Rocklegende.

1961: Erscheinen des Gedichtbändchens Sarmatische Zeit von Johannes Bobrowski. In ihm befindet sich auch das Gedicht Die Memel. Bobrowski stirbt 1965 kurz nach Vollendung seines Romans Litauische Claviere.

14. Mai 1972: In Kaunas verbrennt sich der Schüler Romas Kalanta aus Protest gegen die Sowjetmacht. Tagelange Straßenschlachten zwischen rebellischen Jugendlichen und der Miliz folgen.

1988: Gründung des oppositionellen Bündnisses Sajūdis in Litauen.

23. August 1989: Zum 50sten Jahrestag des Hitler-Stalin-Paktes bilden 2,5 Millionen Menschen eine Kette zwischen Tallinn, Riga und Wilna.

11. März 1990: Litauen erklärt seine Unabhängigkeit.

8. Dezember 1991: Im weißrussischen Wiskuli wird die Auflösung der Sowjetunion beschlossen.

1. Mai 2004: Litauen und Polen treten der Europäischen Union bei. Die Grenze zum Kaliningrader Gebiet und zu Weißrussland wird EU-Außengrenze.

Juli 2005: Feierlichkeiten anlässlich des 750sten Jahrestags der Gründung von Königsberg in Kaliningrad.

Juli 2007: Feierlichkeiten anlässlich des 200sten Jahrestags des Tilsiter Friedens in Sowjetsk. Die Königin-Luise-Brücke über die Memel bekommt ihren Namen zurück.

2007: Fertigstellung der Sanierung des Augustowski-Kanals in Weißrussland und Polen. Warschau beauftragt die Aufnahme in die Welterbeliste der UNESCO.

Februar 2010: Weißrussland und Polen unterzeichnen das Abkommen über einen kleinen Grenzverkehr. Nach der Ratifizierung dürfen Bürger aus dem 30 Kilometer breiten Grenzstreifen visafrei ins Nachbarland reisen.

Dezember 2010: Weißrusslands Staatschef Alexander Lukaschenko geht mit Gewalt gegen Demonstranten vor, die gegen den Ausgang der Präsidentschaftswahl protestierten.


Zum Weiterlesen

Die Memel

  • Uwe Rada: Die Memel. Kulturgeschichte eines europäischen Stromes. Siedler Verlag (2010). Ein Buch, das einen vergessenen Strom im östlichen Mitteleuropa wieder zum Leben erweckt. "Uwe Rada rehabilitiert die Memel als Zukunftsort eines Europas der Völker – nicht der Nationen." (Der Tagesspiegel)

  • Ulla Lachauer: Paradiesstraße. Rowohlt Verlag (2007). Ein wunderbares Porträt der ostpreußischen Bäuerin Lena Grigoleit und mit ihr des Memellandes. "Wer diese Seiten liest, hat eine andere Welt kennengelernt." (Die Zeit)

  • Ulla Lachauer: Die Brücke von Tilsit. Begegnungen mit Preußens Osten und Russlands Westen. Rowohlt (1995). Mit diesem Reiseessay wurde Lachauer zur Pionierin der Wiederentdeckung des ehemaligen Ostpreußen.

  • Martin Rosswog/Ulla Lachauer: Menschen an der Memel. Edition Braus (2009). Einfühlsame Porträts von Menschen im Memelland durch die Autorin Ulla Lachauer und den Fotografen Martin Rosswog.

  • Andreas Kossert: Ostpreußen. Geschichte und Mythos. Pantheon Verlag (2007). Kossert beschreibt Ostpreußen als multikulturelles Grenzland zwischen Polen, Deutschen und Litauern. "Kossert wirft einen ganz neuen und für viele überraschenden Blick auf das Land der dunklen Wälder und kristallnen Seen." (Die Zeit)

  • Ruth Leiserowitz: Sabbatleuchter und Kriegerverein. Juden in der ostpreußisch-litauischen Grenzregion 1812-1942. Fibre Verlag (2010). Die Autorin, bekannt über ihre Studien zu Ostpreußen und den Wolfskindern, berichtet über den Beginn und das Ende jüdischen Lebens im Memelland.