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Die Weichsel im Lauf der Geschichte

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Die Weichsel im Lauf der Geschichte

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Die Weichsel, an der seit der Völkerwanderung Slawen siedelten, ist eng mit der Geschichte von Polen und Deutschen verbunden. Beispiele dafür sind Danzig und Krakau. Das Beispiel Warschau zeigt aber auch die dunklen Seiten dieser Geschichte. Nach der endgültigen Teilung Polens marschierte Preußen 1796 in Warschau ein. Im Ersten Weltkrieg folgte 1915 der Militärstaat Ober Ost. 1939 kamen Wehrmacht und SS und mit ihnen die Vernichtung. Heute ist die Weichsel ein polnischer und ein europäischer Strom.

Ansicht Danzigs um 1850. (B. Peters, H. Winkles; Externer Link: Wikimedia Commons) Lizenz: cc publicdomain/zero/1.0/deed.de

98: Tacitus nennt in seiner Germania die Weichsel. Hinter ihr beginne das Gebiet der Aesten. Gemeint sind baltische Stämme.

5. bis 6. Jahrhundert: Beginn der slawischen Siedlungen an der Weichsel.

929: Erste Erwähnung von Danzig.

966: Der piastische Herzig Mieszko nimmt das Christentum an. Polen wird Teil des Heiligen Römischen Reiches.

979: Mieszko erobert Pommern. Auch die untere Weichsel mit Kulm und Danzig gehören zu Polen.

1025: Krönung von Bolesław I. zum König von Polen.

12.-14. Jahrhundert: Europäische Ostsiedlung. Deutsche Kaufleute kommen nach Danzig.

1226: Der polnische Herzog Konrad von Masowien bittet den Deutschen Orden um Hilfe im Kampf gegen die heidnischen Pruzzen. Der Ordensstaat setzt sich an der unteren Weichsel fest.

1234: Der Papst stellt die Gebiete, die die Ordensritter eroberten, unter seine Herrschaft. Damit sind sie der Kontrolle der polnischen Krone entzogen.

1257: Krakau wird als deutschrechtliche Gründung erwähnt. Zuvor wurden an der Weichsel bereits Sandomir 1244, Płock 1237 und Thorn 1231 gegründet.

1283: Nach dem Sieg über die Prußen beginnt der mehr als hundertfünzigjährige Krieg des Deutschen Ordens gegen die Litauer.

1308: Der polnische Herzog Władysław Łokietek ruft erneut den Deutschen Orden zu Hilfe, diesmal gegen die Brandenburger, die Danzig belagerten. Der Deutsche Orden besetzt die Stadt.

1309: Die Marienburg an der Nogat wird Sitz der Hochmeister des Deutschen Ordens.

1335: Der polnische König Kasimir III. gründet in Krakau einen jüdischen Stadtteil, der als Kazimierz nach ihm benannt wird.

1343: Kasimir verzichtet auf Danzig, indem er die Herrschaft des Deutschen Ordens anerkennt. Ausbau der Marienkirche, heute die größte Backsteinkirche im Ostseeraum.

1350: Beitritt Danzigs zur Hanse.

1371: Durch ein Hochwasser wird die Nogat, an deren Ufer die Marienburg liegt, wieder zu einem Mündungsarm der Weichsel.

1380: Am Langen Markt entsteht das Danziger Rathaus.

15. Jahrhundert: Ausbau der Festung Weichselmünde nördlich vomn Danzig zum Fort.

1410: Ein polnisch-litauisches Heer siegt gegen den Deutschen Orden bei Grundwald/Tannenberg.

1422: Frieden vom Melnosee. Festlegung der Grenzen zwischen dem Ordensstaat und Litauen.

1440: Danzig wird Mitglied im Preußischen Bund, zu dem sich Städte und Adlige gegen den Deutschen Orden zusammengeschlossen haben.

1454: Als der Preußische Bund den Polnischen König gegen den Deutschen Orden um Hilfe bittet, beginnt der Dreizehnjährige Krieg. Der Ordensstaat wird erneut geschwächt.

1466: Im Zweiten Thorner Frieden muss der Orden Pommerellen, das Kulmer Land und das Ermland samt seinen Städten an das polnische Königreich abtreten. Die Weichsel wird zum wichtigsten Transportweg des Königreiches. Überall entstehen Speichergebäude. Damit setzte das Goldene Zeitalter der Weichsel ein.

1477: Der Nürnberger Bildhauer Veit Stoß beginnt mit dem Bau des Hochaltars in der Krakauer Marienkirche.

1525: Auflösung des Ordensstaats und Gründung des weltlichen Herzogtums Preußen unter Herzog Albrecht I. Albrecht huldigt der polnischen Krone.

1596: Nach einem Brand im Wawel, dem Königsschloss in Krakau, beschließt der polnische König Sigismund III. Wasa, die Hauptstadt stromabwärts nach Warschau zu verlegen. Die Sigismundsäule auf dem Schlossplatz erinnert noch heute daran.

1598: Beginn des Ausbaus des Schlosses der masowischen Herzöge zum Warschauer Königsschloss.

1600-1629: Der polnisch-schwedische Krieg verursacht den Einbruch im Getreidehandel an der Weichsel. Ende des Goldenen Zeitalters.

1697: Der sächsische Kurfürst Friedrich August II. wird von der Adelsversammlung der polnisch-litauischen Adelsrepublik zum polnischen König gewählt. Beginn der sächsischen Zeit in Warschau.

1700: Errichtung des sächischen Gartens in Warschau im barocken Stil.

1764: August III., Sohn Augusts des Starken, stirbt. Die Polnische Krone geht mit Stanislaus II. August Poniatowski an einen Polen.

1772: Erste Teilung Polens zwischen Preußen, Russland und Österreich.

1774: Fertigstellung des Bromberger Kanals unter Friedrich II. Er verbindet die Weichsel mit der Netze, der Warthe und der Oder.

1794: Der Hafen von Odessa entsteht. Das Getreide aus der Ukraine wird nun nicht mehr über Danzig exportiert, sondern über das Schwarze Meer.

1795: Dritte und letzte Teilung Polens. Warschau wird preußisch.

1796: Einmarsch der preußischen Truppen in Warschau.

1806: Napoleon gründet das Großherzogtum Warschau. Die Hoffnung der Polen auf eine Unabhängigkeit erfüllen sich nicht.

1815: Nach dem Wiener Kongress entsteht das Königreich Polen, auch Kongresspolen genannt. Abhängig ist das Scheinkönigtum vom russischen Zarenreich. Damit ist nun auch die Weichsel dreigeteilt. Der Oberlauf gehört zu Österreich, der Mittellauf zu Russland und der Unterlauf zu Preußen.

1840: Erster Weichseldurchstich östliche von Danzig, um Danzig vor dem Hochwasser zu schützen.

1857: Fertigstellung der Weichselbrücke in Dirschau. Die Ostbahn verbindet Berlin mit Königsberg.

1862: Eröffnung der Warschau-Sankt Petersburger Eisenbahn. Die Binnenschiffahrt auf der Weichsel kommt in die Krise.

1895: Fertigstellung des Weichseldurchstichs an der heutigen Mündung. Die Danziger Weichsel beginnt zu versanden und heißt bald tote Weichsel.

1907: Gründung des Bismarckturms am Dreikaisereck an der oberen Weichsel.

1915: Ein Jahr nach Beginn des Ersten Weltkriegs rücken deutsche Soldaten zum zweiten Mal nach 1796 in Warschau ein. Beginn des Militärstaates Ober Ost unter Ludendorff.

1918: Nach der deutschen Kapitulation wird Polen unabhängig. Marschall Józef Piłsudski wird Staatsoberhaupt und gestattet den Deutschen den freien Abzug.

1920: Wunder an der Weichsel. Unter Marschall Józef Piłsudski schlägt Polen die Rote Armee zurück und erobert Teile der Sowjetunion. Die zweite polnische Republik liegt mehrheitlich östlich der Weichsel. Ausbau von Gdynia zum polnischen Seehafen.

1927: "Dąbrowskis Mazurka" wird zur offiziellen Nationalhymne. Das Lied, in dem auch die Weichsel genannt wird, wurde von polnischen Legionen gesungen, die mit Napoleon in Norditalien kämpften.

1939: Am 1. September eröffnet das Schulschiff "Schleswig-Holstein" das Feuer auf die Westerplatte, auf der sich eine polnische Kaserne befand, und gibt das Signal zum Zweiten Weltkrieg.

1939: Gründung des Generalgouvernements für die besetzten Gebiete am 26. Oktober. Der Generalgouverneur Hans Frank residiert auf der Wawel, der Königsburg in Krakau. Später wird er der "Schlächter von Krakau" genannt.

1941: Errichtung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau in der Nähe der Weichsel.

1943: Aufstand im jüdischen Ghetto in Warschau wird von den Nazis niedergeschlagen.

1944: Warschauer Aufstand gegen die deutsche Besatzung. Auch er wird niedergeschlagen, weil die Rote Armee, die in Praga auf dem rechten Weichselufer steht, nicht eingreift. Bis zu 150.000 Menschen starben. Warschau wird dem Erdboden gleichgemacht. Krakau entgeht diesem Schicksal.

1945: Auf der Potsdamer Konferenz werden Polens Grenzen nach Westen, bis zur Oder, verschoben. Die Weichsel ist in der Volksrepublik Polen ein östlicher Fluss.

1949: Um die bürgerliche Mehrheit in Krakau zu brechen, gründet die kommunistische Partei das Stahlwerk und den Stadtteil Nowa Huta.

1953: Wiederaufbau der Warschauer Alstadt als nationales Projekt.

1972: Wiederaufbau des Warschauer Königsschlosses.

1980: Auf der Danziger Leninwerft kommt es am 14. August zum Streik. Zwei Wochen später wird die unabhängige Gewerkschaft Solidarność zugelassen. Gründung des Weichselmuseums in Tczew/Dirschau.

1981: Verhängung des Kriegsrechts in Polen.

1982: Unter der Redaktion von Andrzej Piskozub erscheint die "Weichselmonografie".

1988: Runder Tisch zwischen der Solidarność und der Regierung in Polen. Erstes jüdisches Kulturfestival in Krakau.

1989: Erneute Zulassung der Solidarność und erste freie Wahlen in Polen. Die Solidarność bekommt ein Drittel der Sitze im Sejm, die zur Wahl standen. Tadeusz Mazowiecki wird der erste nichtkommunistische Ministerpräsident in Polen.

1993: Der Schriftsteller und spätere Literaturnobelpreisträger Günter Grass wird Ehrenbürger seiner Geburtsstadt Danzig.

1999: Neuordnung der polnischen Woiwodschaften und Reduzierung auf 16. Fünf von ihnen liegen östlich der Weichsel und bilden „Polen B“.

2000: Krakau ist europäische Kulturhauptstadt.

2004: EU-Beitritt Polens.

2010: Jahrhunderthochwasser an der Weichsel. In Polen sterben 25 Menschen.

2012: Zur Fußball Europameisterschaft wird das neue Nationalstadion am rechten Weichselufer in Warschau-Praga eingeweiht.

Fussnoten

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