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Migration – ein Überblick in Grafiken | Migration weltweit: Daten - Geschichte - Politik | bpb.de

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Migration – ein Überblick in Grafiken

Christina Mecke

/ 8 Minuten zu lesen

Migration ist eine Normalität – dieser Überblick in Grafiken stellt aktuelle Zahlen zur Migration in Deutschland, der EU und weltweit dar.

Migration nach Deutschland

Deutschland ist ein Einwanderungsland. Die Grafik zeigt die Zu- und Abwanderung nach und aus Deutschland seit 1991. In jedem Jahr hat es mehr Zu- als Fortzüge gegeben. Ausnahmen sind nur die Jahre 2008/09, in denen die Zahl der Fortzüge leicht über der der Zuzüge lag. Der Interner Link: Wanderungssaldo, der sich aus der Zahl der Zuzüge abzüglich der der Fortzüge ergibt, ist entsprechend in den meisten Jahren positiv und wird in der Grafik als blaue Fläche gezeigt. Besonders hoch war er in den Jahren, in denen neben vielen anderen Migrant:innen (z.B. Interner Link: Aussiedler:innen Anfang der 1990er Jahre, Menschen aus der EU Mitte der 2000er und 2010er Jahre) ungewöhnlich viele Schutzsuchende nach Deutschland gekommen sind.

Aus welchen Herkunftsländern Menschen nach Deutschland kommen und wie sich der Interner Link: Wanderungssaldo pro Herkunftsland entsprechend verändert, variiert je nach Jahr teils erheblich. Die Grafik zeigt das Wanderungssaldo seit 2010, indem über das Drop-Down-Menü die verschiedenen Herkunftsländer ausgewählt und einzeln betrachtet werden können. So zeigt sich etwa, dass die Nettozuwanderung aus Afghanistan in den Jahren 2015/16 und 2021 bis 2024 besonders hoch war, dazwischen jedoch stark zurückging. Gleichzeitig war die Nettozuwanderung aus Albanien zwar 2015 auch auf einem Rekordwert, 2016/17 gab es jedoch sogar mehr Abwanderung von albanischen Staatsangehörigen als Zuwanderung.

Migrant:innen kommen aus vielen verschiedenen Gründen nach Deutschland. Die Suche nach Schutz vor Krieg, Gewalt und Verfolgung (Interner Link: Fluchtmigration) ist nur einer davon. Daneben ziehen Menschen in den letzten Jahren auch vermehrt über familiäre Aufenthaltszwecke (Interner Link: Familienmigration) nach Deutschland oder um hier zu arbeiten (Interner Link: Erwerbsmigration), zu studieren oder eine Ausbildung zu machen (Interner Link: Bildungsmigration). Gleichzeitig geht die Bedeutung der EU-Interner Link: Binnenmigration seit 2015 stetig zurück: EU-Bürger:innen sind nicht mehr die größte Gruppe der neu zuziehenden Migrant:innen in Deutschland.

Werden Aufenthaltszwecke betrachtet, stellen EU-Bürger:innen die größte Gruppe dar. Wie aus der Grafik hervorgeht, benötigen mehr als 5,3 Millionen Interner Link: ausländische Staatsangehörige keinen Aufenthaltstitel nach nationalem Recht, um legal in Deutschland leben zu dürfen. Das sind vor allem EU-Bürger:innen, die von der Freizügigkeit in der EU profitieren (Mitte 2024 lebten insgesamt rund 5,1 Millionen Bürger:innen anderer EU-Mitgliedsländer in Deutschland). Weitere 2,6 Millionen Ausländer:innen hatten im Jahr 2024 eine Interner Link: Niederlassungserlaubnis, verfügten also über ein unbefristetes Aufenthaltsrecht. 2,4 Millionen Menschen hielten sich aus völkerrechtlichen, humanitären und politischen Gründen in Deutschland auf. Es handelt sich um Menschen, die nach Deutschland geflüchtet sind und denen zum Beispiel im Interner Link: Asylverfahren oder im Rahmen der für ukrainische Staatsangehörige geltenden „Interner Link: Massenzustromrichtlinie“ der EU Schutz und damit ein Aufenthaltsrecht gewährt worden ist. Gut eine Million Ausländer:innen hatten 2024 ein Aufenthaltsrecht aus familiären Gründen. Rund 451.000 ausländische Staatsangehörige hielten sich mit einer Interner Link: Aufenthaltserlaubnis zum Arbeiten in Deutschland auf, weitere 266.000, um hier eine Berufsausbildung oder ein Studium zu absolvieren. 173.000 Menschen besaßen besondere Aufenthaltsrechte – zum Beispiel Interner Link: Drittstaatsangehörige, die in einem anderen EU-Mitgliedsland über eine langfristige Aufenthaltsberechtigung verfügen – und nationale Visa. Schließlich gab es 2024 auch gut eine Million Menschen in Deutschland, die keinen Aufenthaltstitel hatten. Das bedeutet nicht automatisch, dass sie sich illegal in Deutschland aufhielten. Manche besaßen eine Interner Link: Duldung (177.610), andere hatten eine Interner Link: Aufenthaltsgestattung (349.215), befanden sich also im Asylverfahren.

Deutschlands Bevölkerung ist stark von Einwanderung geprägt. In Deutschland lebten 2024 rund 21,2 Millionen Menschen mit Interner Link: Einwanderungsgeschichte: Es handelt sich um Menschen, die entweder selbst nach Deutschland eingewandert sind, oder die zwei Elternteile haben, auf die dies zutrifft. Mehr als ein Drittel (35 Prozent) kommt aus europäischen Nicht-EU-Staaten, wie etwa aus den Westbalkan-Staaten oder der Ukraine. Weitere 30 Prozent der Menschen mit Einwanderungsgeschichte stammen aus EU-Staaten. Das restliche Drittel entfällt vor allem auf Asien und Afrika.

Die Bevölkerung mit Einwanderungsgeschichte ist in Deutschland sehr ungleich auf die 16 Bundesländer verteilt. Am größten war ihr Bevölkerungsanteil 2024 in den Stadtstaaten Bremen (39 Prozent), Berlin (34 Prozent) und Hamburg (34 Prozent). Danach folgen die Flächenländer Hessen (33 Prozent) und Baden-Württemberg (32 Prozent). Tendenziell ist der Bevölkerungsanteil mit Einwanderungsgeschichte in Süddeutschland größer als in Norddeutschland und in den westdeutschen Bundesländern deutlich größer als in den ostdeutschen. In Mecklenburg-Vorpommern lag der Wert mit neun Prozent der Bevölkerung 2024 am niedrigsten.

Integration in Deutschland

Der Begriff Interner Link: Integration bezeichnet die Möglichkeiten sowie das Ausmaß der Teilhabe an zentralen gesellschaftlichen Bereichen wie dem Arbeitsmarkt, dem Bildungs- und Ausbildungssystem oder dem Wohnungsmarkt für alle Mitglieder einer Gesellschaft. Im Kontext von Zuwanderung wird der Integrationsbegriff jedoch meist auf Migrant:innen sowie deren Nachkommen bezogen und beschreibt allgemein deren Einbindung in die Gesellschaft.

Integration selbst kann nicht exakt gemessen werden, sondern nur durch einzelne Indikatoren, die unterschiedliche Dimensionen gesellschaftlicher Teilhabe und Einbindung erfassen. Die Zahlen allein können die komplexen Lebensrealitäten nicht abbilden. Korrelationen zwischen Merkmalen stellen keine Kausalzusammenhänge dar. Das bedeutet, dass zum Beispiel die beobachteten Unterschiede mit Blick auf den Bildungsabschluss mit verschiedenen Faktoren in Zusammenhang stehen können und nicht automatisch auf etwa den Migrationshintergrund zurückzuführen sind.

Bevölkerung mit und ohne Migrationshintergrund. (© bpb)

Im Jahr 2024 lebten in Deutschland circa 57,6 Millionen Menschen ohne Interner Link: Migrationshintergrund (69,6 Prozent) und 25,2 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund (30,4 Prozent). Als eine Person „mit Migrationshintergrund“ definiert das Statistische Bundesamt eine Person, die „selbst oder mindestens ein Elternteil die deutsche Staatsangehörigkeit nicht durch Geburt besitzt.“

30,2 Prozent der Personen mit Migrationshintergrund machten Abitur, bei Personen ohne Migrationshintergrund waren es 28,2 Prozent. Der Anteil an Personen, die einen Universitätsabschluss haben, liegt bei Menschen in Deutschland mit Migrationshintergrund bei 14,2 Prozent, ohne Migrationshintergrund bei 13,3 Prozent. 50,3 Prozent der Menschen ohne Migrationshintergrund haben eine Lehre abgeschlossen, während der Anteil bei Personen mit Migrationshintergrund 28,6 Prozent beträgt.

Hinsichtlich der Sicherung des Lebensunterhalts liegt der Anteil an erwerbstätigen Personen mit Migrationshintergrund, die als Angestellte tätig sind, bei 86 Prozent, bei Menschen ohne Migrationshintergrund beträgt der Anteil 81,5 Prozent. Auf Sozialleistungen sind 11,4 Prozent der Menschen mit und 3,6 Prozent ohne Migrationshintergrund angewiesen. Darin enthalten sind Leistungen wie Arbeitslosengeld I, Interner Link: Bürgergeld und das Interner Link: Asylbewerberleistungsgesetz. Von den Personen ohne Migrationshintergrund beziehen 27,3 Prozent Rente oder Pension, während dieser Anteil bei Personen mit Migrationshintergrund 9,7 Prozent ausmacht.

Ein Unterschied fällt auf, wenn man die Anteile an Personen betrachtet, die keinen Abschluss haben. Sowohl in Bezug auf den schulischen als auch den beruflichen Abschluss haben Personen mit Migrationshintergrund (16,6 Prozent bzw. 39,9 Prozent) häufiger keinen schulischen oder berufsqualifizierenden Abschluss als Personen ohne Migrationsgeschichte (2,1 Prozent bzw. 13 Prozent).

Nach dem Jahr 2000 ging die Zahl der Interner Link: Einbürgerungen in Deutschland zurück und pendelte sich bis 2020 konstant bei etwas mehr als 100.000 Einbürgerungen pro Jahr ein. Seitdem steigen die Einbürgerungszahlen kontinuierlich an: Im Jahr 2024 gab es fast 300.000 Einbürgerungen.

Hintergründe der Entwicklung: Die große Zahl der Einbürgerungen im Jahr 2000 ist auf das damals in Kraft getretene reformierte Staatsangehörigkeitsgesetz zurückzuführen. Es senkte die Hürden für eine Einbürgerung, sodass im Jahr des Inkrafttretens mit einem Mal viele in Deutschland lebende Ausländer:innen gleichzeitig die Voraussetzungen für eine Einbürgerung erfüllten. Außerdem ermöglichte das neue Gesetz in Deutschland geborenen Kindern mit zwei ausländischen Elternteilen erstmals, unter bestimmten Bedingungen die deutsche Interner Link: Staatsangehörigkeit durch Geburt zu erhalten, sie mussten sich also nicht mehr einbürgern lassen. Der Anstieg ab 2020 ist vor allem auf die umfangreiche Fluchtzuwanderung Mitte der 2010er Jahre insbesondere aus Syrien zurückzuführen: Eine zunehmende Zahl der in Deutschland lebenden syrischen Staatsangehörigen erfüllte ab 2020 die Bedingungen, um sich einbürgern zu lassen, was maßgeblich zum Anstieg der Einbürgerungszahlen beitrug. 2023 wurden die Hürden für eine Einbürgerung dann weiter gesenkt: Eingewanderte können nun nach fünf Jahren Aufenthalt in Deutschland statt wie bis dahin nach acht Jahren den deutschen Pass beantragen. Zudem müssen sie ihre bisherige Staatsangehörigkeit nicht mehr mit der Einbürgerung aufgeben. Dies trägt ebenfalls dazu bei, dass sich mehr Menschen einbürgern lassen.

Migration in die EU

In der EU unterscheiden sich die Mitgliedstaaten stark darin, wie groß der Anteil der im Ausland geborenen Bevölkerung ist. Besonders in vielen östlichen Mitgliedstaaten ist der Anteil eher gering: In Polen waren im Jahr 2023 beispielsweise 2,6 Prozent der Bevölkerung Menschen, die im Ausland geboren worden waren. Den höchsten Anteil an Migrant:innen hatte im selben Jahr Luxemburg, wo 51 Prozent der Bevölkerung im Ausland geboren worden war. Darauf folgten mit großem Abstand Malta (30,8 Prozent), Zypern (26,9 Prozent), Irland (22,6 Prozent), Schweden (20,6 Prozent) und Deutschland (20,2 Prozent) mit jeweils ungefähr einem Viertel bis einem Fünftel ihrer Gesamtbevölkerung. Diese Anteile geben jedoch kein vollständiges Bild der migrationsbedingten Heterogenität in den EU-Staaten. Berücksichtigt werden in diesen Daten nämlich nur Eingewanderte der ersten Generation, nicht aber nachfolgende Generationen, die bereits in den jeweiligen EU-Staaten geboren worden sind. Gerade weit zurückliegende Zuwanderungsbewegungen werden durch die Zahl der im Ausland geborenen Bevölkerung nicht oder kaum abgebildet.

In einigen EU-Staaten ist der Anteil der im Ausland geborenen Bevölkerung in den letzten Jahren gestiegen. Das hängt auch mit der Fluchtmigration zusammen. Diese kann sehr stark und relativ plötzlich ansteigen oder sinken, weil sie oft die Folge von Kriegen und gewaltvollen Konflikten ist. Dies lässt sich auch an der Zahl der Interner Link: Asylerstanträge in der EU ablesen: Die meisten Asylerstanträge wurden 2015/16 gestellt. Grund hierfür ist vor allem der syrische Bürgerkrieg, aber auch weitere Konflikte in Asien und Afrika.

Migration weltweit

2024 gab es nach Angaben der Vereinten Nationen weltweit rund 304 Millionen internationale Migrant:innen. Dabei handelt es sich um Menschen, die nicht in dem Land leben, in dem sie geboren worden sind oder dessen Staatsangehörigkeit sie besitzen. Die absolute Zahl der internationalen Migrant:innen hat sich seit 1990 (154 Millionen) fast verdoppelt. Da parallel aber auch die Weltbevölkerung wuchs, ist der prozentuale Anteil der Migrant:innen jedoch nur moderat von 2,9 Prozent im Jahr 1990 auf 3,7 Prozent im Jahr 2024 gestiegen. In den Zahlen zu internationalen Migrant:innen sind auch Menschen inbegriffen, die aus ihren Herkunftsländern geflüchtet sind.

Die internationalen Migrant:innen verteilen sich sehr ungleich über die Staaten und Gebiete der Welt. Besonders hoch ist ihre Zahl in Nordamerika, Zentral- und Westeuropa sowie auf der Arabischen Halbinsel. Spitzenreiterinnen sind die Vereinigten Staaten mit 52 Millionen Migrant:innen, gefolgt von Deutschland (17 Millionen) und Saudi-Arabien (14 Millionen).

Schaut man nicht auf die absolute Zahl der Migrant:innen, sondern ihren Anteil an der Bevölkerung der einzelnen Länder, ergibt sich ein anderes Bild. Dann zählen vor allem die Golfstaaten zu den Spitzenreitern: In Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Kuwait sind jeweils mehr als 70 Prozent der Bevölkerung Migrant:innen. In Neuseeland und Australien sind rund 30 Prozent der Einwohner:innen Zugewanderte. In Europa haben unter anderem Luxemburg (51 Prozent), die Schweiz (31 Prozent) und Österreich (26 Prozent) einen höheren Anteil von Migrant:innen an der Gesamtbevölkerung als Deutschland (20 Prozent).

Die Zahl der Menschen auf der Flucht ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. 2024 waren es erstmals mehr als 120 Millionen Menschen. Der Großteil von ihnen sindInterner Link: Binnenvertriebene, sie verlassen also die Grenzen des Staates, in dem sie leben, nicht und zählen somit auch nicht zu den internationalen Migrant:innen. Anders verhält es sich mit Interner Link: Flüchtlingen, Interner Link: Asylsuchenden und Menschen mit Bedarf an internationalem Schutz. 2024 standen 32 Millionen Flüchtlinge unter dem Mandat des Interner Link: UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR), weitere sechs Millionen Menschen waren palästinensische Flüchtlinge unter dem Mandat des Interner Link: UN-Hilfswerks für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA). Darüber hinaus gab es acht Millionen Asylsuchende – Menschen also, die aus ihren Herkunftsländern geflohen und in einem anderen Land einen Asylantrag gestellt hatten, über den aber noch nicht entschieden worden war. Schließlich galten 2024 weitere knapp sechs Millionen Personen als „Andere Menschen mit Bedarf an internationalem Schutz“. Es handelt sich dabei vor allem um Geflüchtete aus Venezuela.

Wer gilt als Person mit Bedarf an internationalem Schutz?

Als Personen mit Bedarf an internationalem Schutz Externer Link: gelten laut UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) Menschen, die sich außerhalb ihres Herkunftslandes befinden, in welches sie nicht zurückkehren können, weil sie dort bedroht wären und der Staat sie nicht schützen kann oder will. Die Risiken reichen von Verfolgung, über Bedrohungen für Leben, Freiheit und körperliche Unversehrtheit aufgrund von bewaffneten Konflikten, öffentlichen Unruhen aber auch von Hungersnöten und Naturkatastrophen. Nicht alle davon betroffenen Menschen erfüllen jedoch die Kriterien, um einen Schutzstatus nach der Genfer Flüchtlingskonvention oder nationalen bzw. regionalen asylrechtlichen Regelungen zu erhalten. Dennoch können sie Schutzbedarfe haben, wie etwa den Schutz vor einer Rückführung ins Herkunftsland oder den Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen. Vor diesem Hintergrund hat UNHCR Mitte 2022 die Kategorie „andere Personen mit Bedarf an internationalem Schutz“ (other people in need of international protection) eingeführt. In diese Kategorie fallen in der UNHCR-Statistik all jene Externer Link: Personen, die nicht als Asylsuchende, Flüchtlinge oder Menschen in flüchtlingsähnlichen Situationen erfasst werden. Dies betrifft fast ausnahmslos venezolanische Staatsangehörige. Die 2018 von UNHCR dafür zunächst eingeführte Kategorie „ins Ausland vertriebene Venezolaner:innen“ (Venezuelans displaced abroad) wird heute nicht mehr genutzt.

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ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück.