30 Jahre Mauerfall Mehr erfahren
Dossierbild Geschichte im Fluss

21.1.2019 | Von:
Merve Bedir

Der ungewöhnliche Fluss

Das Manifest

Die Maritsa verlangt heute nach einem ganzheitlichen Zugang, der weder an nationale Politiken, noch an radikale lokale Vorstellungen geknüpft ist. Der Fluss hat ein ganz besonderes ökologisches Gleichgewicht hervorgebracht, zu dem seine Regeln und Technologien ebenso gehören wie Lebensweisheiten und menschliche Erfahrung. Können wir uns die Maritsa jenseits nationaler und individueller Zugehörigkeiten vorstellen? Können wir uns vorstellen, dass der Fluss allen gehört? Können wir uns einen Fluss als Gemeinwohl vorstellen?

Mit diesen Fragen will ich meinen Text beenden und das letzte Wort dem Manifest lassen, das während der Architekturwoche in Plovdiv 2015 veröffentlicht wurde:

"Dies ist ein Experiment der Vergemeinschaftung der Maritsa. Vergemeinschaftung im Sinne einer Hinterfragung der Behauptung, dass es die Natur des Flusses sei, Grenzen zu bilden. Eine Grenze zwischen Natur und Kultur, zwischen dem Norden und dem Süden, zwischen "europäisch" und "nichteuropäisch", privat und öffentlich. Vergemeinschaftung als Akt des Zusammenbringens, Teilens, Machens, Öffnens, Verbindens und gemeinsamer Arbeit. Vergemeinschaftung als Erkundung neuer Formen der Ko-Existenz und nicht als der Versuch, einen neuen Begriff für das Bestehende zu finden. (...)

Die 'One Architecture Week'‘ hat das Ziel, den Fluss Maritsa über diese Form der Vergemeinschaftung mit anderen Augen zu sehen. Das Festival hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Fluss, als ein vergessenes Element von Plovdiv, wieder an die Stadt heranzuführen. Es soll die Wahrnehmung der Stadt, des Flusses und aller, die sich den Fluss teilen, an seinen Ufern wieder zusammenbringen."

Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/4.0
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.


Interaktive Karte

Evros - Meriç - Maritsa

Evros heißt er auf Griechisch, Meriç auf Türkisch und Maritsa auf Bulgarisch. Einst war dieser nur 515 Kilometer lange Fluss die Verbindung Europas zum Osmanischen Reich. Davon kündet zum Beispiel die Architektur im bulgarischen Plovdiv. Heute aber ist der Fluss vor allem eines: die Außengrenze der Europäischen Union.

Mehr lesen auf bpb.de