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Europäische Wirtschaftspolitik Corona-Krise in Europas Wirtschaft Europas neue Wege aus der Krise Europäische Solidarität aus der Not heraus Stürzt Corona Europa in eine neue "Große Depression"? Bedeutet Corona das Ende der Globalisierung? Weiterhin kein Exit der EZB Videos: 4x4 Fragen zur Corona-Krise Wie hat sich die EU in der Corona-Krise bis jetzt geschlagen? Wie wird sich die Pandemie auf Europas Wirtschaft auswirken? Sollte man die Krise nutzen, um die EU klimagerechter umzubauen? Gefährden die Rettungsmaßnahmen die Geldwertstabilität? Herausforderungen der Währungsunion (2014-2018) Einleitung: Sparen oder Investieren? Braucht die Eurozone ein gemeinsames Finanzministerium? Es ist nicht die Zeit für einen Magier Das Ende des europäischen Dilemmas Soll der Euro auf alle Länder der EU ausgeweitet werden? Der Euro schafft größeren Wohlstand Ohne klare Richtung keine neuen Mitglieder Wann kommt die Zinswende in Europa? Es gibt kein Menschenrecht auf Zinsen Ein Lamento, das in die Irre führt Ist der Brexit Fluch oder Segen für Europa? Der ausgleichende Faktor wird fehlen Ein hoffentlich heilsamer Warnschuss Ist die Bankenunion ein Erfolg? Eine gute Idee – eigentlich Nur bedingt einsatzbereit Sollten unterschiedlich starke Volkswirtschaften eine Währungsgemeinschaft bilden? Ökonomische Zwänge und politische Illusionen der Währungsunion Auch die D-Mark galt von Bayern bis Mecklenburg-Vorpommern Droht der Eurozone die Gefahr einer Deflation? Schon "Lowflation" ist problematisch Eine negative Inflationsrate ist noch lange keine Deflation Ist das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank sinnvoll? Die Konstruktion der Währungsunion fördert Panikattacken Die EZB handelt gegen die Interessen der Bürger Kann eine Vermögensabgabe helfen, die Überschuldung von Staaten zu lindern? Nur eine Staatsinsolvenz ist moralisch vertretbar Die Politik muss es nur wollen Ist die Euro-Krise schon vorbei? Noch ist kein Normalzustand erreicht Falsche Medizin, falsche Symptome Ginge es Europa ohne den Euro besser? Es ist nicht der Euro, es ist der Binnenmarkt Eine Währungsunion ist einem System flexibler Wechselkurse überlegen Zur Lage der Krisenländer (2014-2017) Kann sich Frankreich von der Krise erholen? Yes, he can Frankreichs europäische Aufgabe Vor der Generalüberholung Frankreich als Zivilisationsthermometer Wird Italien wieder auf die Beine kommen? Der Fall Italien(s) Volk der letzten Minute Je südlicher, desto schlimmer Solider als viele denken Gingen die Reformen in Griechenland zu weit? Ohne Strukturreformen ist alles nichts Der Aderlass hat Griechenland geschadet Was hat Portugal der Sparkurs gebracht? Die Leiden des lusitanischen Musterschülers Sparen unvermeidbar Zeigen Spanien, Irland und Portugal, dass die angebotsorientierte Politik sich auszahlt? Es schmerzt, aber die Reformen wirken Crash-Kurs mit jeder Menge Kollateralschäden Ist Spanien über den Berg? Von Gesundung kann keine Rede sein Rückkehr zum Normalzustand Hat die Sparpolitik Irland aus der Krise geholfen? Via Dolorosa ohne Alternative Die Generation der stillen Verzweiflung Hat die Politik der Troika Griechenland genutzt? Die Schrumpfpolitik ist gescheitert Griechenland hat alle Möglichkeiten Zur Rolle Deutschlands in der Schuldenkrise (2014) Ist Deutschland ein Modell für Europa? Die Mär vom gesunden Staat Marktkonform und doch sozial gerecht Hat Deutschlands Bilanzüberschuss die Krise beschleunigt? Die Eurokrise ist eine Zahlungsbilanzkrise Europa braucht Deutschland, Deutschland braucht Europa Bedrohen unterschiedliche Lohnkosten die Stabilität der Eurozone? Löhne und Produktivität müssen sich gleich entwickeln Konsum und Löhne in Deutschland müssen anziehen Videos: 6x6 Fragen zur Euro-Krise Hat die Eurozone in ihrer derzeitigen Form eine Zukunft? Sparen oder Investieren - wie sollte die Schuldenkrise überwunden werden? Wie kann Deutschland dazu beitragen, die Euro-Krise zu beenden? Handelt die EZB ohne demokratische Legitimation? In welchen Ländern lauern neue Gefahren für den Euro? Wie kann die Eurozone künftig Krisen besser vermeiden? 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AEUV

Der Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) ist eine wichtige Rechtsgrundlage der Interner Link: Europäischen Union. Basis des AEUV sind die Römischen Verträge von 1957. Geändert wurde er durch den Vertrag von Maastricht, den Vertrag von Nizza und den Vertrag von Lissabon. Seinen heutigen Namen erhielt der AEUV mit Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon am 1. Dezember 2009. Der AEUV umfasst 358 Artikel und existiert in 23 gleichwertigen Sprachversionen. (Externer Link: http://www.aeuv.de)

Anleihen

Der Bund, die Länder und bestimmte öffentliche Körperschaften, Sonderkreditinstitute sowie Aktiengesellschaften können zur Beschaffung von Finanzierungsmitteln Anleihen auf dem Kapitalmarkt auflegen, d.h. Interner Link: Schuldverschreibungen ausgeben und über Banken verkaufen. Jede Anleihe lautet über einen festen Gesamtbetrag, der in Teilbeträge in Euro unterteilt ist. Jeder Sparer kann einen Teil dieser Anleihe kaufen. Anleihen haben als Interner Link: festverzinsliche Wertpapiere eine bestimmte Verzinsung, eine bestimmte Laufzeit sowie eine vertraglich fixierte Tilgung. Es gibt auch variabel verzinsliche Anleihen (Floating-Rate-Notes).Die Rendite ist abhängig vom Zinssatz, vom Ausgabekurs und vom Rückzahlungskurs. Die Zinsen werden meist halbjährlich oder jährlich gezahlt. Anleihen werden am Rentenmarkt gehandelt; ihre Kurse schwanken deutlich geringer als Aktienkurse.

Je nach Schuldner unterscheidet man öffentliche Anleihen, z.B. Interner Link: Bundesanleihen, Interner Link: Bundesobligationen, Anleihen der Länder oder Gemeinden (Kommunalobligationen), Industrieanleihen (Industrieobligationen) und Anleihen öffentlich-rechtlicher Kreditanstalten. Auch ausländische Emittenten können in Deutschland Anleihen auflegen (Auslandsanleihen).

Quelle: Duden Wirtschaft von A bis Z: Grundlagenwissen für Schule und Studium, Beruf und Alltag. 5. Aufl. Mannheim: Bibliographisches Institut 2013. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2013.

Asset Backed Securities (ABS, engl., etwa "forderungsbesicherte Wertpapiere")

ABS sind ein Instrument für die Finanzierung von Unternehmen. ABS sind über Vermögenswerte, also zum Beispiel über Hypotheken- oder Automobilkredite abgesicherte verbriefte Interner Link: Anleihen. Um das Risiko einer dieser Anleihen zu verringern, werden darin mehrere dieser Papiere gebündelt. In der Finanzkrise 2007/2008 erwiesen sich ABS als "Brandbeschleuniger", da die Risiken durch die Bündelung nicht nur breiter gestreut, sondern auch verschleiert worden waren. Beim Platzen der US-Kreditblase verloren viele ABS unerwartet stark an Wert. Die US-amerikanische Notenbank Fed kaufte diese im großen Stil auf, um die Banken zu entlasten. In Europa sind ABS weniger verbreitet. Trotzdem kauft die Interner Link: Europäische Zentralbank sie seit Oktober 2014 genauso wie sogenannte Interner Link: Covered Bonds an. Damit sollen in den Bankbilanzen Risiken minimiert, Platz für die Vergabe neuer Kredite an Unternehmen geschaffen und so letztlich das Wirtschaftswachstum angekurbelt werden.

Austeritätspolitik (von lat. austeritas, Herbheit, Strenge)

Wurde erstmals im Zweiten Weltkrieg in Großbritannien angewandt und bezeichnet die strikte Ausgabendisziplin eines Staates, um in Krisenzeiten die Handlungsfähigkeit des Staatswesens zu erhalten. Die Reduzierung staatlicher Ausgaben auf das Notwendige soll einen schlanken und ausgeglichenen Etat herbeiführen und die gesamtwirtschaftliche Situation verbessern. Befürworter betonen, dass striktes Sparen und eine rigide nachhaltige Haushaltspolitik das Vertrauen von Investoren in die Solidität eines Staates stärkt und so tendenziell zu sinkenden Zinsen führt. Das erleichtere wiederum den Abbau von Schulden. Kritiker der Austeritätspolitik bestreiten den Zinseffekt: Sie betonen, dass Personalabbau, Einschnitte in den Sozialhaushalten und eine geringe Investitionstätigkeit des Staates gerade in Krisenzeiten die Wirtschaft bremsen.

Bad Bank (engl., "schlechte Bank")

Ein Institut, das aus einer angeschlagenen Bank geschaffen wird, um deren Risiken aufzunehmen. Die Bad Bank wird zur Abwicklung nicht oder nur schwer einlösbarer Forderungen gegründet, die bei Nichtzahlung die Bonität des betroffenen Geldinstituts gefährden könnten. Nach dem deutschen Externer Link: Gesetz zur Fortentwicklung der Finanzmarktstabilisierung kann das angeschlagene Geldinstitut unter bestimmten Auflagen abschreibungsgefährdete (auch "faul" oder "toxisch" genannte) Posten auf die Bad Bank übertragen. Im Gegenzug erhält die Bank von der Bad Bank eine Schuldverschreibung in gleicher Höhe. In Deutschland garantiert der Staat über den Bankenrettungsfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) für diese Schuldverschreibung, die Bank zahlt dafür eine Gebühr an den SoFFin. Beispiele: Die Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung gründete 2009 die Erste Abwicklungsanstalt (EAA), um die riskanten Papiere der angeschlagenen Landesbank WestLB zu übernehmen und bis 2028 abzuwickeln. 2010 übertrug die verstaatlichte Hypo Real Estate (HRE) Wertpapiere und Kredite im Wert von rund 173 Milliarden Euro in die neugegründete Bad Bank FMS Wertmanagement – davon entfielen etwa 7,4 Milliarden Euro auf griechische Staatsanleihen.

Bail Out (von engl. to bail out, "jemandem aus der Klemme helfen")

Laut Maastricht-Vertrag (ursprünglich Artikel 104 b, im aktuellen Lissabon-Vertrag Artikel 125 Interner Link: AEUV) darf kein EU-Mitgliedsland zum Beistand für die Finanzierung der Staatsschuld eines anderen Mitgliedslandes verpflichtet werden (No-bail-out-Klausel). Kritiker halten die Rettungspakete sowie die Einrichtung der Euro-Rettungsschirme Interner Link: EFSF und ESM für einen Verstoß gegen das Bail-Out-Verbot. Befürworter des Bail Out verweisen hingegen auf Artikel 122 AEUV, der Hilfe für Krisenstaaten erlaubt "aufgrund von Naturkatastrophen oder außergewöhnlichen Ereignissen, die sich seiner Kontrolle entziehen". In der Finanzkrise ab 2007/08 wurde der Begriff Bail Out dafür benutzt, dass einzelne Staaten ihre Banken vor der Pleite bewahrten. Diese Geldinstitute galten als "systemrelevant": Man fürchtete, ihr Bankrott würde das ganze Finanzsystem und mit ihm die Wirtschaft in den Abgrund ziehen.

Bankenabgabe

Seit September 2011 müssen Banken in Deutschland eine Bankenabgabe zahlen, die sie an den Kosten künftiger Krisen beteiligen soll. Die Abgabe fließt in den Restrukturierungsfonds SoFFin (Interner Link: Bad Bank), der angeschlagenen Geldhäusern helfen soll, damit diese Banken in der Krise nicht auf Kosten der Steuerzahler gerettet werden müssen. Die Bankenabgabe wird von der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (FMSA) erhoben. Die Zielgröße für das Gesamtvolumen des Fonds beträgt 70 Milliarden Euro.

Bankenunion

Bezeichnung für den Plan, die Kontrolle und die Regulierung von Europas Banken zu vergemeinschaften. Ziel ist es, dass nicht die Steuerzahler, sondern die Gläubiger und Eigentümer von Geldinstituten haften, wenn letztere Beihilfen zum Überleben benötigen. Ab 4. November 2014 hat die Europäische Zentralbank die Aufsicht über die größten Banken im Euro-Gebiet übernommen. Dabei handelt es sich um 130 für die einzelnen Länder wichtige, sogenannte systemrelevante Institute, deren Bilanzsumme über 30 Milliarden Euro im Jahr oder 20 Prozent der Wirtschaftsleistung eines Landes ausmacht. Die zuständigen nationalen Behörden sollen weiterhin die Aufsicht über die übrigen insgesamt fast 6000 Banken im Euroraum ausüben. Dafür sollen 2016 die Einnahmen aus der Interner Link: Bankenabgabe aus den nationalen Töpfen in einen einheitlichen europäischen Abwicklungsfonds überführt werden.

Covered Bonds (engl., "gedeckte Schuldverschreibungen")

Eine gedeckte Schuldverschreibung bietet den Anlegern einen doppelten Ausfallschutz: Für Coverd Bonds haften zum einen die ausgebende Bank, zum anderen schützt die Gläubiger ein Bestand an Sicherheiten, auf den sie bevorrechtigt zugreifen können. Diese Sicherheiten bestehen häufig aus besonders sicheren Hypotheken oder Anleihen des öffentlichen Sektors. Damit unterscheiden sich Covered Bonds sowohl von vorrangigen, aber unbesicherten Schuldtiteln als auch von forderungsbesicherten Wertpapieren (Interner Link: ABS), die über keine Haftung durch die herausgebende Institution verfügen. Eine wichtige Form von Covered Bonds sind Pfandbriefe. Über Covered Bonds können sich Banken aktuell extrem günstig refinanzieren. Um die Kreditvergabe im Euroraum anzukurbeln, kauft die Interner Link: Europäische Zentralbank seit Oktober 2014 neben Covered Bonds auch Interner Link: ABS im großen Stil an.

Credit Default Swap (CDS, von engl. to swap, tauschen, etwa "Kreditausfall-Swap")

CDS sind eine bestimmte Art von Kreditausfallversicherung. Ein Kreditgeber schließt sie ab, indem er seiner Bank eine Prämie zahlt. Die Höhe der Prämie, auch Interner Link: Swap genannt, zeigt, wie die Investoren das Ausfallrisiko des Emittenten einschätzen. Der Interner Link: Swap ist damit ein Indiz für das Vertrauen der Anleger. Der Kreditausfallversicherer springt ein, wenn der Schuldner zahlungsunfähig wird. Der Kreditgeber minimiert so sein Risiko. Kann der Schuldner den Kredit wie vorgesehen tilgen, kassiert die Bank die Prämie und zahlt nichts. Anleger handeln außerbörslich mit CDS, selbst wenn diese mit dem ursprünglich versicherten Kredit nichts zu tun haben. So können sie beispielsweise darauf wetten, dass ein Kredit nicht bedient wird und damit den Schuldner in Bedrängnis bringen. In der Finanzkrise ab 2007 spielten die CDS eine wesentliche Rolle. Scheinbar minimierten sie das Spekulationsrisiko auf dem US-Immobilienmarkt. Die US-Bank Lehman Brothers war ein großer Anbieter des Versicherungsschutzes, dessen Marktwert im September 2008 auf ein Volumen von weltweit rund 62 Billionen US-Dollar angeschwollen war. Als Lehman am 15. September 2008 pleiteging, wurden die CDS-Policen der Investmentbank wertlos. Dies führte weltweit zu enormer Unsicherheit auf den Finanzmärkten. Kurze Zeit später musste der damals weltgrößte CDS-Versicherer AIG von der US-Regierung gerettet werden. Auf dem Höhepunkt der Eurokrise setzten Investoren mit CDS auf eine Insolvenz Griechenlands. So kostete im September 2011 eine Versicherung über zehn Millionen Euro an griechischen Staatsanleihen mit fünfjähriger Laufzeit die unverhältnismäßig hohe Summe von fast vier Millionen Euro. In Deutschland sind sogenannte ungedeckte CDS seit 2010 verboten, auf EU-Ebene ist der Handel mit ihnen seit 2012 nicht mehr erlaubt. Investoren sollen sich nur noch Schutz über CDS kaufen können, wenn sie auch die entsprechenden Staatsanleihen halten.

Deflation

Prozess stetiger Preissenkungen in der Volkswirtschaft, d.h., Waren und Dienstleitungen werden fortwährend billiger. Deflation liegt vor, wenn der gesamtwirtschaftlichen Gütermenge eine zu geringe Geldmenge gegenübersteht, die Gesamtnachfrage also geringer ist als das volkswirtschaftliche Gesamtangebot. Die Deflation entsteht z.B. als Folge einer übermäßigen Verringerung der Geldmenge durch einschränkende, geldpolitische Maßnahmen der Zentralbank, durch hohe Einfuhrüberschüsse, die mit dem Abfluss von Geldmitteln in das Ausland verbunden sind, oder durch die Überproduktion von Gütern. Die Folge ständiger Preissenkungen sind geringere Gewinnerwartungen der Unternehmen, deren Investitionsbereitschaft nachlässt und die Senkung der Güterproduktion z.B. durch Betriebseinschränkungen wie Kurzarbeit oder durch die Schließung ganzer Standorte bewirkt. Die Arbeitslosigkeit steigt und führt zu Einkommensverlusten, die Nachfrage nach Konsumgütern schrumpft und die Steuereinnahmen des Staates sinken. Die gesamte Wirtschaftsleistung verringert sich zunehmend. Eine Deflation tritt meist zusammen mit einer wirtschaftlichen Depression auf und verlangt somit grundsätzlich wirtschaftspolitische Gegenmaßnahmen, d.h. Maßnahmen zur Steigerung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage. Deflationäre Tendenzen sind viel seltener als inflationäre Tendenzen.

Quelle: Duden Wirtschaft von A bis Z: Grundlagenwissen für Schule und Studium, Beruf und Alltag. 5. Aufl. Mannheim: Bibliographisches Institut 2013. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2013.

EU-Konvergenzkriterien, Maastricht-Kriterien

Die Konvergenzkriterien sollen gewährleisten, dass die wirtschaftliche Entwicklung innerhalb der EU, noch stärker jedoch innerhalb der Eurozone, ohne Spannungen zwischen den Mitgliedstaaten verläuft. Damit eine Angleichung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse stattfindet, sollen alle Mitgliedsländer vier Kriterien erfüllen:

  1. Die jährliche Neuverschuldung eines Staates darf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nicht überschreiten, der Stand aller Schulden der öffentlichen Hand darf nicht mehr als 60 Prozent des BIP betragen.

  2. Der Grad an Preisstabilität muss anhaltend hoch sein, und die durchschnittliche Inflationsrate darf nicht um mehr als 1,5 Prozentpunkte über der Inflationsrate der drei Mitgliedstaaten mit der höchsten Preisstabilität liegen.

  3. Langfristige Zinssätze: Der Nominalzins langfristiger Staatsanleihen eines Mitgliedstaates darf den der drei Mitgliedstaaten mit der höchsten Preisstabilität um nicht mehr als zwei Prozentpunkte übertreffen.

  4. Der Wechselkurs der eigenen Landeswährung darf zumindest in den letzten zwei Jahren vor der für den Beitritt nötigen Prüfung keine starken Schwankungen aufweisen.

Die Kriterien wurden 1992 durch den Vertrag von Maastricht festgelegt. Die meisten befinden sich heute in Art. 126 und Art. 140 Interner Link: AEUV. Ob die Konvergenzkriterien tatsächlich zu homogeneren Lebensverhältnissen in der EU führen, ist umstritten. Im Rahmen der Staatsschuldenkrise wurden die Konvergenzkriterien gleich von mehreren Staaten der EU und der Eurozone über einen längeren Zeitraum nicht eingehalten, unter ihnen auch Deutschland.

Eurobonds

Europäische Staatsanleihen, bei denen die Staaten der Eurozone gemeinsam Geld an internationalen Finanzmärkten aufnehmen und für diese Schulden gemeinschaftlich für Zinsen und Rückzahlung haften würden. Hoch verschuldete Eurostaaten wie Griechenland oder Italien könnten durch die gemeinsame Ausgabe von Eurobonds aller Eurostaaten Geld am Finanzmarkt zu erheblich günstigeren Konditionen erhalten als durch die Ausgabe eigener Staatsanleihen, da sie für eigene Staatsanleihen aufgrund ihrer Bonität wesentlich höhere Zinsen zahlen müssten. Umgekehrt müssten relativ stabile Euroländer wie Deutschland höhere Zinsen zahlen als bei der Ausgabe eigener, deutscher Staatsanleihen. Aus diesem Grund ist die Einführung von Eurobonds zur Bewältigung der Interner Link: Europäischen Schuldenkrise umstritten.

Quelle: Duden Wirtschaft von A bis Z: Grundlagenwissen für Schule und Studium, Beruf und Alltag. 5. Aufl. Mannheim: Bibliographisches Institut 2013. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2013.

Euro-Rettungsschirm, EFSF, ESM, Europäischer Stabilitätsmechanismus

2011 durch die Regierungschefs der Eurozone beschlossener und am 27.9. 2012 in Kaft getretener dauerhafter Rettungsschirm zur Verhinderung von Staatsbankrotten überschuldeter Euro-Mitgliedsländer. Der ESM sollte ursprünglich erst ab 2013 dem provisorischen Rettungsschirm, der Europäischen Finanzstabilisierungsfaszilität (Abkürzung EFSF) folgen, der angesichts der Staatsschuldenkrise einiger Eurostaaten wie Griechenland im Mai 2010 beschlossen worden war.

Der ESM soll die Zahlungsunfähigkeit von Euroländern aufgrund übermäßiger Staatsschulden verhindern. Dazu können überschuldete Eurostaaten Kredite mit günstigen Konditionen aus dem ESM erhalten, um einen Staatsbankrott abzuwenden. Um Haftungsgarantien oder subventionierte Kredite zu erhalten, müssen die Empfängerstaaten der Eurozone aber entsprechende Maßnahmen zur Entschuldung und Sanierung ihrer Staatshaushalte im eigenen Land vorlegen und umsetzen.

Der ESM ist eine internationale Finanzinstitution mit Sitz in Luxemburg. Er verfügt über Stammkapital von 700 Milliarden €; der Anteil Deutschlands beträgt 190 Milliarden €. Der ESM soll vom Gesamtvolumen bis zu 500 Milliarden € durch Ausgabe eigener Anleihen am Kapitalmarkt ausgeben können und auch Staatsanleihen von Euroländern aufkaufen können. Er ergänzt den Interner Link: Fiskalpakt und ist ein wesentliches Element zur Bekämpfung der Interner Link: europäischen Schuldenkrise.

Quelle: Duden Wirtschaft von A bis Z: Grundlagenwissen für Schule und Studium, Beruf und Alltag. 5. Aufl. Mannheim: Bibliographisches Institut 2013. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2013.

EZB

Die Zentralbank der an der Europäischen Währungsunion teilnehmenden Staaten. Die EZB bildet zusammen mit den nationalen Zentralbanken das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) und nahm am 1.6. 1998 ihre Arbeit auf (Sitz: Frankfurt am Main). Sie ging aus dem Europäischen Währungsinstitut hervor, das bis dahin die Vorarbeiten für die einheitliche europäische Geldpolitik koordinierte.

Das vorrangige Ziel des ESZB ist nach dem Maastrichter Vertrag, die Preisstabilität zu gewährleisten. Soweit dies ohne Beeinträchtigung des Ziels der Preisstabilität möglich ist, unterstützt die EZB die allgemeine Wirtschaftspolitik in der Gemeinschaft. Die Verantwortung für die Interner Link: Geldpolitik liegt nunmehr bei der EZB und nicht mehr bei den nationalen Zentralbanken. Die EZB ist von den Organen der EU und den nationalen Regierungen unabhängig und hat das alleinige Recht, Banknoten auszugeben. Die EZB spielt eine wesentliche Rolle bei der Bewältigung der europäischen Schuldenkrise.

Zentrales Entscheidungsorgan des Europäischen Zentralbanksystems ist der EZB-Rat. Er tagt alle vierzehn Tage. Das Direktorium besteht aus dem Präsidenten und Vizepräsidenten der EZB sowie weiteren vier Direktoriumsmitgliedern, führt die laufenden Geschäfte und bereitet die Sitzungen des EZB-Rats vor. Der EZB-Rat setzt sich zusammen aus den sechs Direktoriumsmitgliedern und den Zentralbankpräsidenten der EU-Staaten, die an der Europäischen Währungsunion (EWU) teilnehmen. Zum erweiterten Rat der EZB gehören auch die Zentralbankpräsidenten der zunächst nicht an der EWU teilnehmenden EU-Mitglieder. Anschrift: Postfach 160319, 60066 Frankfurt am Main; Telefon: 069 13446000; Externer Link: www.ecb.int.

Quelle: Duden Wirtschaft von A bis Z: Grundlagenwissen für Schule und Studium, Beruf und Alltag. 5. Aufl. Mannheim: Bibliographisches Institut 2013. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2013.

Finanztransaktionssteuer

Um den Finanzsektor an den Kosten der Finanzkrise zu beteiligen, wird neben der Interner Link: Bankenabgabe auch eine Finanztransaktionssteuer diskutiert. Einer ihrer historischen Vorläufer ist die sogenannte Tobin-Steuer nach James Tobin, die jedoch nie umgesetzt wurde. Der Wirtschaftsnobelpreisträger hatte1972 eine Steuer auf internationale Devisengeschäfte vorgeschlagen, um kurzfristige Spekulationen einzudämmen. Diese würde auf alle Börsenumsätze anfallen – und die Banken damit nicht direkt belasten. Im September 2011 legte die EU-Kommission einen Gesetzentwurf zur Einführung einer Finanztransaktionssteuer vor. Ihre Begründung: Der Finanzsektor würde kaum besteuert, sei aber im Zuge der Finanzkrise 2007/08 mit insgesamt 4.600 Milliarden Euro an staatlichen Hilfen unterstützt worden. 2013 legte die Kommission einen Richtlinienentwurf vor, nach dem in den teilnehmenden Staaten ansässige Institute und dort emittierte Finanzinstrumente der Steuer unterliegen. Aktien und Anleihen sollen demnach mit 0,1 Prozent des Handelsvolumens, Derivate mit 0,01 Prozent des Nennwertes besteuert werden. Elf EU-Staaten haben eine Finanztransaktionssteuer nach diesem Muster eingeführt oder planen dies noch.

Fiskalpakt

Das Maßnahmenpaket, das von den Staats- und Regierungschefs der EU im Januar 2012 zur Haushaltsdisziplin der Mitgliedstaaten beschlossen wurde, um das Vertrauen der internationalen Finanzmärkte im Zusammenhang mit der Interner Link: europäischen Schuldenkrise wieder herzustellen. Zum Inhalt des Europäischen Fiskalpakts, der im Januar 2013 in Kraft tritt, gehört, dass die EU-Staaten möglichst ausgeglichene Staatshaushalte anstreben. So darf das jährliche Defizit höchstens 0,5% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) betragen. Daneben müssen die einzelnen Staaten Schuldenbremsen einführen und diese bis 2018 in nationales Recht umsetzen. Werden die Defizitgrenzen überschritten, kann die EU-Kommission automatisch Sanktionen gegen das entsprechende Land verhängen und Geldstrafen bis zu 0,1% der Wirtschaftsleistung festlegen, die in den Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM eingezahlt werden. Der Fiskalpakt stellt eine Verschärfung des Interner Link: Stabilitäts- und Wachstumspakts auf dem Weg zu einer Fiskalunion dar.

Quelle: Duden Wirtschaft von A bis Z: Grundlagenwissen für Schule und Studium, Beruf und Alltag. 5. Aufl. Mannheim: Bibliographisches Institut 2013. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2013.

GIPS

Abkürzung für die Krisenstaaten Griechenland, Irland (wahlweise Italien), Portugal und Spanien. Ursprünglich in anderer Reihenfolge auch PIGS genannt.

Gläubiger

Jemand, der berechtigt ist, von einem andern (dem Schuldner) eine Leistung zu fordern.

Quelle: Duden Wirtschaft von A bis Z: Grundlagenwissen für Schule und Studium, Beruf und Alltag. 5. Aufl. Mannheim: Bibliographisches Institut 2013. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2013.

Haircut (engl., Haarschnitt, Synonym für Schuldenschnitt)

Steht in der Börsensprache allgemein für einen Abschlag, auch Schuldenschnitt genannt. Bei Anleihen oder Krediten bezeichnet der Schuldenschnitt eine nachträgliche Verringerung des ursprünglich vereinbarten Rückzahlungsbetrags. Beispiel: Wenn Gläubiger und Schuldner einen Haircut in Höhe von 20 Prozent vereinbaren, würden Gläubiger bei einer Anleihe im Wert von 100 Euro nur 80 Euro zurückerhalten. Ende des Jahres 2011 beliefen sich Griechenlands Schulden auf eine Höhe von 375 Milliarden Euro. Dies entsprach 160 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, erlaubt sind laut Interner Link: EU-Konvergenzkriterien aber nur 60 Prozent. Da Griechenland die Schulden nicht mehr bedienen konnte, wurde eine Neubewertung der Staatsanleihen des Landes mit privaten Gläubigern – also Banken, Versicherern und Fonds – vereinbart. Die griechische Schuldenlast sollte dadurch um 107 Milliarden Euro sinken, die Gläubiger mussten auf 53,5 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Tatsächlich waren es sogar noch mehr, da in Folge des Haircut die Zinssätze auf die Staatsanleihen sanken. Auch der größte deutsche Gläubiger stimmte dem Schuldenschnitt zu. Die aus der verstaatlichten Hypo Real Estate hervorgegangene Interner Link: Bad Bank FMS Wertmanagement war am Schuldenschnitt über Anleihen und Kredite mit einem Nominalwert von rund 8,2 Milliarden Euro beteiligt. Für die Verluste, die der FMS so entstanden, musste der staatliche Bankenrettungsfonds SoFFin aufkommen – also letztlich der deutsche Steuerzahler.

Inflation

Anhaltender Prozess der Geldentwertung, der sich durch allgemeine Preiserhöhungen bemerkbar macht. Mit einer Geldeinheit kann dann ständig weniger gekauft werden, d.h., die Interner Link: Kaufkraft des Geldes vermindert sich dauernd. Nicht als Inflation gelten einmalige, vorübergehende, durch ungewöhnliche Vorkommnisse (z.B. Missernten, Streiks) verursachte Preisniveauerhöhungen sowie Preissteigerungen für bestimmte Güter oder Produktionsfaktoren. Die Inflation wird gemessen am Anstieg eines das allgemeine Preisniveau am besten widerspiegelnden Interner Link: Preisindexes wie z.B. des Verbraucherpreisindexes für Deutschland. Der prozentuale Anstieg des Preisindexes in einem bestimmten Zeitraum wird als Interner Link: Inflationsrate bezeichnet.

Beim Entstehen einer Inflation spielt besonders die Geldmenge in der Volkswirtschaft eine große Rolle. Steht der gesamtwirtschaftlichen Gütermenge eine zu große Geldmenge gegenüber (Aufblähung der Geldmenge), ist eine Bedingung für die Inflation gegeben. Übersteigt die gesamtwirtschaftliche Güternachfrage das gesamtwirtschaftliche Güterangebot, das kurzfristig nicht erhöht werden kann, sind steigende Preise die Folge, die Inflation setzt ein. Die Preissteigerungen lösen steigende Löhne aus, wegen des höheren Einkommens steigt die Nachfrage nach Gütern an. Die höheren Löhne bewirken jedoch auch steigende Kosten der Unternehmen, was wiederum zu Preissteigerungen für Güter führt. Außerdem wird der Preisauftrieb durch die gestiegene Nachfrage zusätzlich verstärkt. Als Folge steigen die Löhne und anschließend wiederum die Preise. Es entsteht eine Interner Link: Lohn-Preis-Spirale. Da in einer solchen Situation in der Bevölkerung die Angst vor weiteren Preissteigerungen und dem Verlust der gesparten Gelder ständig wächst, geben viele ihr Geld möglichst schnell für den Kauf von Gütern aus oder legen Geld zur Werterhaltung in Sachwerten an (Flucht in die Sachwerte), bevor neue Preiserhöhungen zu weiteren Kaufkraftverlusten führen. Eine Inflation kann sich deshalb dauernd selbst verstärken.

Nach der Geschwindigkeit des Prozesses der Geldentwertung (Inflationstempo) unterscheidet man zwischen Interner Link: schleichender Inflation, Interner Link: trabender Inflation, Interner Link: galoppierender Inflation und Interner Link: Hyperinflation (siehe dort). Nach der Erkennbarkeit wird zwischen Interner Link: offener Inflation und versteckter oder Interner Link: zurückgestauter Inflation unterschieden, nach dem Auslöser für die Preissteigerungen Interner Link: angebotsbedingte Inflation und Interner Link: nachfragebedingte Inflation.

Eine Inflation führt zur Entwertung von Ersparnissen mit der Folge, dass die Sparneigung in der Bevölkerung zurückgeht oder gespartes Geld in Sachwerten angelegt wird. Das schränkt die Möglichkeiten der Banken ein, Kredite an Unternehmen zur Finanzierung von Investitionen zu vergeben. Produktionseinschränkungen und Arbeitslosigkeit sind die Folge.

Von einer Inflation sind besonders solche Personen betroffen, die ihr Einkommen nicht an die steigenden Preise anpassen können, z.B. Arbeitslose oder Rentner. Die Verhinderung einer Inflation ist ein wichtiges Ziel der Wirtschaftspolitik.

Quelle: Duden Wirtschaft von A bis Z: Grundlagenwissen für Schule und Studium, Beruf und Alltag. 5. Aufl. Mannheim: Bibliographisches Institut 2013. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2013.

IWF

Sonderorganisation der UNO, am 27. Dezember 1945 auf der Grundlage des Abkommens von Bretton Woods zusammen mit der Weltbank errichtet (Aufnahme der Geschäftstätigkeit: 1. März 1947); Sitz: Washington (USA). Dem IWF, englische Bezeichnung International Monetary Fund, gehören 187 Länder an.

Ziele: Förderung der internationalen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Währungspolitik, Unterstützung eines ausgewogenen Wirtschaftswachstums sowie eines hohen Beschäftigungsgrades, Förderung der Stabilität der Währungen durch Sicherung geordneter Währungsbeziehungen, Errichtung eines multilateralen Zahlungssystems und Beseitigung von Beschränkungen im Devisenverkehr, Kreditgewährung an Mitgliedsländer zur Erleichterung von Zahlungsbilanzanpassungen. Diese kurzfristigen Kredite werden häufig an Auflagen zur Sanierung der Wirtschaft des Empfängerlandes geknüpft. Kredite finanziert der IWF aus den Kapitaleinlagen der Mitgliedsländer. Diese Quote und die Stimmrechte richten sich nach der Finanzkraft der Länder. Daher haben die Industrieländer in den IWF-Gremien meist die Mehrheit. Wichtige Beschlüsse bedürfen einer Mehrheit von 85 Prozent. Die Stimmrechtsanteile der USA betragen (2010) 16,75 Prozent, Japans 6,23 Prozent, Deutschlands 5,81 Prozent, Frankreichs und Großbritanniens je 4,29 Prozent. Seit der Gründung gilt die Regel, dass die USA das Vorschlagsrecht für den Präsidenten der Weltbank haben und die Westeuropäer den Generaldirektor des IWF nominieren. Eine Wahl gegen den Willen der USA ist wegen deren Sperrminorität unmöglich.

Das IWF-Abkommen, das auf der Reservewährung US-Dollar, auf Gold sowie auf festen Wechselkursen basierte, wurde zweimal wesentlich geändert: 1969 wurde mit den Sonderziehungsrechten eine neue künstliche Reservewährung geschaffen, die als Zahlungsmittel zwischen den Währungsbehörden dient. Seit 1978 ist den Mitgliedstaaten die Wahl ihres Wechselkurssystems freigestellt. Im Zuge der Bekämpfung der Ende 2007 ausgebrochenen internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise wird eine Erweiterung der IWF-Aufgaben bei der Überwachung der internationalen Finanzmärkte diskutiert.

Quelle: Duden Wirtschaft von A bis Z: Grundlagenwissen für Schule und Studium, Beruf und Alltag. 5. Aufl. Mannheim: Bibliographisches Institut 2013. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2013.

Leerverkäufe

Verkauf von Wertpapieren an der Börse, die der Verkäufer zum Zeitpunkt des Abschlusses noch nicht besitzt. Der Leerverkäufer spekuliert darauf, dass die Kurse bis zum Erfüllungstermin sinken und er sich dann billiger mit den entsprechenden Wertpapieren eindecken kann. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Einkaufskurs ist sein Gewinn bzw. Verlust. Leerverkäufe gelten als hochspekulativ. In Deutschland sind Aktien-Leerverkäufe ohne Besitz der Basis-Wertpapiere seit 2010 untersagt. Auch ungedeckte Leerverkäufe von Staatsanleihen von Ländern der Eurozone sowie Kreditausfallversicherungen (Interner Link: CDS) auf diese Bonds sind verboten. Seit November 2012 ist auch eine entsprechende EU-Richtlinie in Kraft.

Outright Monetary Transactions (OMT, engl., etwa "eindeutige geldpolitische Geschäfte")

Anleihekaufprogramm der EZB: Das im September 2012 beschlossene Programm macht unbegrenzte Anleihekäufe am Sekundärmarkt möglich, wenn die begünstigten Staaten sich an bestimmte Auflagen halten. Die Anleihekäufe dürfen nur am sogenannten Sekundärmarkt getätigt werden. Die EZB kauft sie also nicht direkt bei den Staaten, sondern von privaten Marktteilnehmern. Damit nimmt die EZB vor allem Banken einen Teil ihrer Risiken ab. Das OMT-Programm hat zum Ziel, bis Ende September 2016 Staatsanleihen aller Euro-Staaten im Wert von bis zu einer Billion anzukaufen. Durch ein Vorläuferprogramm zum Kauf von Staatsanleihen war die EZB schon vor Start des Programms in den Besitz griechischer, portugiesischer, irischer, italienischer und spanischer Staatsanleihen im Wert von etwa 149 Milliarden Euro gelangt. Bereits am 26. Juli 2012 hatte EZB-Präsident Mario Draghi angekündigt, die EZB werde "innerhalb ihres Mandates alles Erforderliche tun, um den Euro zu erhalten".

Infolge des OMT sanken die Zinsen für die meisten Staatsanleihen von Krisenstaaten. Für diese Länder wurde es so günstiger, ihre Staatsausgaben zu finanzieren. Das OMT-Programm war Gegenstand mehrerer Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht. Von Oktober 2014 bis Juni 2015 wurde beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) verhandelt, ob die EZB mit dem Anleihekaufprogramm gegen EU-Recht verstößt. Kernfrage war die Vereinbarkeit des OMT mit den Statuten der Europäischen Zentralbank, die eine direkte Staatsfinanzierung verbieten. Am 16. Juni 2015 entschied der EuGH, dass die EZB mit dem OMT nicht ihre währungspolitischen Befugnisse überschreitet und nicht gegen das Verbot der monetären Finanzierung von Mitgliedstaaten verstößt und das Anleihekaufprogramm entsprechend fortführen darf. (Interner Link: Bail Out).

PI(I)GS

Mit der Abkürzung wurden die Krisenländer Portugal, Italien (Irland), Griechenland und Spanien auf dem Höhepunkt der Krise von einigen Medien zusammengefasst, womit Assoziationen zu dem englischen Wort "pigs" ("Schweine") geweckt wurden. Das politisch korrektere Interner Link: GIPS hat sich inzwischen durchgesetzt.

Rating

Aussage über die Fähigkeit (Bonität) eines Schuldners (Emittenten), die Zins- und Tilgungsleistungen auf die von ihm emittierten Wertpapiere jederzeit fristgerecht und in vollem Umfang zu leisten. Ratings werden von privaten, unabhängigen Ratingagenturen wie Moody's, Standard& Poor's (S&P) oder Fitch, die gewerbsmäßig Schuldnerbonität und Kreditausfallrisiken bewerten, nach bestimmten Prüfkriterien vergeben und basieren meist auf einem abgestuften Buchstabensystem. Für den Kapitalanleger eröffnet das Rating somit die Möglichkeit, eine möglichst hohe Markttransparenz hinsichtlich der Bonität der auf den Märkten befindlichen Anleihen vorzunehmen. Im weiteren Sinn zählt zum Rating auch die Bonitätsbeurteilung von meist multinationalen Unternehmen, international tätigen Banken oder Staaten (Länderrating).

Ratingagenturen sind im Zusammenhang mit der Interner Link: europäischen Schuldenkrise wegen umstrittener Länderbewertungen in die Kritik geraten.

Quelle: Duden Wirtschaft von A bis Z: Grundlagenwissen für Schule und Studium, Beruf und Alltag. 5. Aufl. Mannheim: Bibliographisches Institut 2013. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2013.

Rezession (von lat. rezessio, das Zurückgehen)

Konjunkturphase mit einem Abschwung der Wirtschaft. Nach gängiger Definition liegt eine Rezession vor, wenn die Wirtschaftsleistung eines Landes in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen im Vergleich zum Vorquartal nicht wächst oder sogar schrumpft. Dauert eine Rezession länger und wird sie etwa von hoher Arbeitslosigkeit begleitet, befindet sich die Volkswirtschaft in einer Depression.

Schuldenschnitt

Spread (engl., Spanne)

Auf Staatsanleihen bezogen der Unterschied zwischen dem Zinssatz einer riskanten und dem einer weitgehend risikoarmen Anleihe mit gleicher Laufzeit. In Europa ist es üblich, die als solide geltenden deutschen Staatsanleihen als Basis zu nehmen. Im Vergleich dazu sind die Zinsen griechischer oder spanischer Staatsanleihen in der Regel hoch. Auf dem Höhepunkt der Eurokrise lag die Rendite für zehnjährige griechische Staatsanleihen bei über 30 Prozent, die für gleich lang laufende deutsche Papiere betrug etwa zwei Prozent, der Spread lag also bei 28 Prozent. Der Spread ist folglich eine Art Risikoaufschlag für Investoren.

Staatsinsolvenz (Staatsbankrott)

Eine Staatsinsolvenz liegt vor, wenn ein Land seine Außenstände nicht oder nur noch teilweise wie vereinbart abbauen kann. Wenn ein Staat eine eigene Währung hat, kann er über seine Zentralbank unbegrenzt Geld in Umlauf bringen, um seine Schulden zu bezahlen, das heißt: Für viele Länder ist ein Staatsbankrott eigentlich unmöglich. Dennoch gab es seit Beginn des 19. Jahrhunderts weltweit über 200 Staatsinsolvenzen. Denn ein Staat kommt dennoch in Turbulenzen, wenn das Geld in den Augen der mit ihm Handelnden rapide an Wert verliert. Deshalb ging Deutschland in den 1920er Jahren im Lauf der Hyperinflation bankrott: Das massenweise nachgedruckte Geld genoss unter den Bürgerinnen und Bürgern, aber auch an den Devisenmärkten keinerlei Vertrauen mehr und war deshalb wertlos. Die Mitgliedsländer der Eurozone können ihre Landeswährung nicht nachdrucken, weil sie die Hoheit über die Währungspolitik an die Interner Link: Europäische Zentralbank abgegeben haben. Um die Risiken einer Anlage und damit eines etwaigen Zahlungsausfalls durch einen bevorstehenden Staatsbankrott einzuschätzen, vertrauen Kapitalgeber heute weltweit auf die Einschätzung von Interner Link: Ratings durch Agenturen.

Swapgeschäft

Besondere Form des Devisenaustauschgeschäfts, bei dem ein Partner einem anderen sofort Devisen zur Verfügung stellt (Kassageschäft) und gleichzeitig der Rückkauf zu festem Termin und Kurs vereinbart wird (Termingeschäft). Der gegenseitige Austausch zweier Währungen für einen bestimmten Zeitraum wird durch das Swapgeschäft vor Verlusten geschützt, die etwa durch Kursschwankungen oder Ab- bzw. Aufwertungen eintreten könnten. Da zu einem bestimmten Zeitpunkt die Kurse für zukünftig, z.B. in drei Monaten, zur Verfügung stehende Devisen (Terminkurse) in der Regel vom Tageskurs abweichen, hat der Kursunterschied einen großen Einfluss auf die Devisengeschäfte.

Wenn ein Kunde einen bestimmten Betrag in Fremdwährung anlegen möchte, ohne ein Währungsrisiko einzugehen, kauft er die Devisen bei seiner Bank zunächst an der Kasse. Zugleich verkauft er die Devisen seiner Bank jedoch wieder, und zwar zum Fälligkeitstag der Währungsanlage mit dem Ziel, Kursschwankungen kalkulierbar zu machen.

Der Swapsatz ist die Differenz zwischen dem Termin- und Kassakurs einer Währung. Währungen mit positiver Differenz (Terminkurs minus Kassakurs) weisen einen Report, solche mit negativer Differenz einen Deport auf.

Quelle: Duden Wirtschaft von A bis Z: Grundlagenwissen für Schule und Studium, Beruf und Alltag. 5. Aufl. Mannheim: Bibliographisches Institut 2013. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2013.

Troika (russ., Dreigespann)

In der Europäischen Schuldenkrise Bezeichnung für das Kontrollgremium aus Vertretern des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Europäischen Kommission. Das Gremium überprüft, ob im Gegenzug für die gewährten Hilfen der drei Geldgeber Reformprogramme in bedürftigen Empfängerländern umgesetzt werden. Im Zuge von Verhandlungen zwischen dem Empfängerland Griechenland und den Finanzministern der Euro-Gruppe im Februar 2015 über eine Verlängerung der EU-Hilfsprogramme wurde beschlossen, die Bezeichnung nicht mehr zu verwenden.

Umschuldung

Zahlungsbilanz

Nach den Grundsätzen der doppelten Buchführung erfolgende Darstellung sämtlicher das Ausland berührender Wirtschaftsaktivitäten eines Landes. In der Zahlungsbilanz werden systematisch alle ökonomischen Transaktionen zwischen Inländern und Ausländern in einem bestimmten Zeitraum aufgezeichnet. Mit ihrer Hilfe lässt sich ein Überblick über die Leistungen und Zahlungen während eines Monats oder Jahres gewinnen. Transaktionen oder Leistungen, die zu Zahlungseingängen (Einnahmen) im Inland führen, werden auf der Habenseite, Transaktionen oder Leistungen, die zu Zahlungsausgängen (Ausnahmen) führen, werden auf der Sollseite gebucht. Die Zahlungsbilanz stellt eine wichtige Unterlage für wirtschaftspolitische Entscheidungen der Regierungen und der Zentralbanken dar. Ferner dient sie als Konjunkturindikator.

Die Zahlungsbilanz besteht aus verschiedenen Teilbilanzen. Die Aktivseite (linke Seite) der Zahlungsbilanz setzt sich aus Leistungsbilanz und der Bilanz der Vermögensübertragungen zusammen. Die Leistungsbilanz beinhaltet den Warenaustausch (Export und Import), die Lohnveredelung, bestimmte Reparaturen sowie die Lieferungen von Schiffs- und Flugzeugteilen. Die Gegenüberstellung der Einfuhren und Ausfuhren wird auch als Handelsbilanz bezeichnet. In der Dienstleistungsbilanz werden z.B. Auslandsreiseverkehr, Transport- und Telekommunikationsleistungen, die Wertschöpfung der Versicherungen sowie der Transithandel erfasst. In der Bilanz der Erwerbs- und Vermögenseinkommen finden sich die Arbeitseinkommen und Kapitalerträge, die Inländern aus dem Ausland zufließen bzw. Ausländer aus dem Inland beziehen. Laufende Übertragungen sind Geld- und Sachleistungen an das Ausland bzw. vom Ausland, denen keine unmittelbaren Gegenleistungen gegenüberstehen. Des Weiteren werden auch Heimatüberweisungen ausländischer Arbeitnehmer sowie Zahlungen an internationale Organisationen wie z.B. an die EU und die UNO in der Übertragungsbilanz erfasst. Einmalige Transfers (Übertragungen) wie Schuldenerlasse, Erbschaften und Schenkungen sowie Vermögensmitnahmen von Ein- und Auswanderern werden in der Bilanz der Vermögensübertragung ausgewiesen.

Die Passivseite (rechte Seite) der Zahlungsbilanz setzt sich aus der Kapitalbilanz, einschließlich der Devisenbilanz, zusammen. Deswegen werden Einnahmen (Kapitalimporte) auf der rechten Seite und die Ausgaben (Kapitalexporte) auf der linken Seite gebucht. Zu den Ausgaben rechnen zunächst die kurzfristigen Zahlungen an das Ausland, Schecks, Wechsel und Zahlungsanweisungen.
Zu den Einnahmen gehören die kurzfristigen Zahlungen aus dem Ausland und die Forderungen gegenüber dem Ausland. Außerdem zählen zu den Einnahmen de Zunahme an Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland. Die Direktinvestitionen umfassen z.B. Beteiligungen (Aktien und andere Kapitalanteile) und langfristige Darlehen. Unter der Kategorie Wertpapiere werden Aktien bzw. Wertpapieranlagen (Investment- und Geldmarktfonds) eingeordnet. Der Kreditverkehr enthält kurz- und langfristige Finanzbeziehungen inländischer Unternehmen und Privatpersonen zum Ausland. In der Devisenbilanz als Teil der Kapitalbilanz schlagen sich die Veränderungen der Währungsreserven bei der Zentralbank nieder.

Die Zahlungsbilanz wird durch einen statistisch nicht aufgliederbaren Teil buchungstechnisch ausgeglichen. Wenn man von Zahlungsbilanzungleichgewichten (Überschuss und Defizit) im Sinne einer Verletzung des Ziels Interner Link: außenwirtschaftlichen Gleichgewichts spricht, meint man immer unausgeglichene Teilbilanzen. Ein Zahlungsbilanzüberschuss kann auftreten, wenn die Exporte wertmäßig größer als die Importe sind. Ein Zahlungsbilanzdefizit tritt auf, wenn die Exporte wertmäßig geringer als die Importe sind. Aber auch zu hohe unentgeltliche Leistungen an das Ausland, z.B. durch Beschäftigung von ausländischen Arbeitnehmern oder Zahlungen an internationale Organisationen, können dazu führen.

Quelle: Duden Wirtschaft von A bis Z: Grundlagenwissen für Schule und Studium, Beruf und Alltag. 5. Aufl. Mannheim: Bibliographisches Institut 2013. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2013.

Fussnoten