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François Fillon

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François Fillon Tradition trifft Liberalismus

Katja Borck

/ 3 Minuten zu lesen

Mit François Fillon setzten die französischen Konservativen auf eine bewährte Parteigröße: In der Vergangenheit bekleidete er bereits mehrere Ministerämter, zuletzt war Fillon Premierminister unter Sarkozy. Trotzdem überraschte sein eindeutiger Sieg bei den Vorwahlen viele Beobachter.

Nach dem Sieg: François Fillon hält eine Rede, nachdem er die Vorwahlen der Konservativen für sich entscheiden konnte. Sein Wahlprogramm stützt sich vor allem auf traditionelle und liberale Werte. (© picture-alliance/dpa)

"Frankreich ist es sich schuldig, großartig zu sein." (La France se doit d’être grande.) (François Fillon)

Überraschend hatte François Fillon die Vorwahlen der Konservativen am 27. November 2016 mit Vorsprung gewonnen. Von seinen Gegnern als zu liberal und rückschrittlich verschrien, sieht er sich als pragmatischen Reformer, der als guter Katholik die traditionellen Werte schützen will. Dafür gibt es in Frankreich viele Stimmen.

Fillon ist 1954 in der Sarthe geboren, verheiratet und hat fünf Kinder. Er ist Amateurrennfahrer und trägt mit Vorliebe italienische rote Socken.

Eine klare gaullistische Ausrichtung

Durch einen Familienfreund kam der studierte Jurist und angehende Journalist als parlamentarischer Assistent zur Politik. Er zog mit 27 Jahren als jüngster Abgeordneter in die französische Nationalversammlung ein und bekleidete mehrere Ministerämter. Mit einer umstrittenen Rentenreform machte er sich 2003 als Minister für Arbeit und Soziales einen Namen. Von 2007 bis 2012 war er Sarkozys Premierminister.

Geprägt wurde Fillon insbesondere vom sozialen Gaullismus Philippe Séguins. Er war lange Zeit für die gaullistische RPR und gegen die Gründung einer Partei, die sowohl das Zentrum als auch die verschiedenen Strömungen der Konservativen vereinen sollte. Schließlich unterstütze er jedoch die Bildung der UMP und bekam dadurch 2002 politischen Aufwind. 1993 noch gegen den Vertrag von Maastricht, warb er 2005 für die europäische Verfassung. Europa sei unumgänglich für Frankreichs Einfluss in der Welt.

Ein minutiös vorbereiteter Wahlkampf

Fillons Wahlprogramm ist im Vergleich zu denen anderer Kandidaten ausführlich und über viele Jahre hinweg gereift. Es zeichnet sich durch seinen Wirtschaftsliberalismus und Wertekonservatismus aus. In seinem Buch "Faire" (dt. Machen/Handeln) von 2015 pocht er darauf, "par ordre et avec mesure" (dt. geordnet und bedacht) zu handeln. Er ist in seiner Wählerschaft für sein seriöses Auftreten beliebt und von Affären größtenteils verschont geblieben.

Sein Wahlkampf-Team bezieht seit den Vorwahlen die verschiedenen Lager der Partei mit ein. Größter Widersacher Fillons ist Marine Le Pen, Vorsitzende des extremrechten Front National (FN).

Freiheit der Wirtschaft und Aufgaben der Bürger

Fillon möchte "den Unternehmen ihre Freiheit zurückgeben". Dafür wirbt er mit dem Ende der 35-Stunden-Woche, der Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 65 Jahre und einer Vereinfachung des Arbeitsrechts. Steuererleichterungen sollen den Unternehmen Spielraum geben und den öffentlichen Haushalt sowie Privathaushalte entlasten.

Eine Einheitssozialleistung, ein reformiertes Gesundheitssystem sowie regressive Leistungen für Arbeitslose sollen wiederum den Staat entlasten. Denn "ein Bürger habe Rechte, aber auch Aufgaben", so Fillon. Er möchte einen sparsamen Staat, ein verkleinertes Kabinett (15 Fachminister) und 500.000 Beamtenstellen streichen.

Gesellschaftlich schlägt er einen konservativen Ton an. Adoption und künstliche Befruchtung würden nur heterosexuellen Paaren erlaubt, Familien wieder unabhängig ihres Einkommens unterstützt.

Priorität Sicherheit und ein pro-europäischer Kurs mit Fragezeichen

Für "die wichtigste Freiheit, die Sicherheit" verspricht Fillon mehr Plätze in Strafanstalten, Bewaffnung der Kommunalpolizei und Videoüberwachung. Erst im September 2016 hat er ein ganzes Buch zur Bekämpfung des islamischen Totalitarismus herausgebracht.

Er schlägt ein "neues Europa, das die einzelnen Staaten respektiert" vor, eine EU mit reduzierten Kompetenzen. Auf der anderen Seite möchte er eine EU-Regierung und ein Sekretariat für Finanzpolitik der Euro-Staaten ins Leben rufen, sowie eine Vergemeinschaftung der öffentlichen Schulden.

Außenpolitisch wirbt er mit einer Annäherung an Russland (Ende der Sanktionen), Syriens Machthaber und den Iran.

Fussnoten

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Katja Borck arbeitet als Projektmanagerin beim Institut français des relations internationales (Ifri) in Paris und ist dort zuständig für den Deutsch-französischen Zukunftsdialog.