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8.2.2021

Ranking: Das Elite-Ranking der "Nesawisimaja gaseta"

Das Ranking dokumentiert die Wahrnehmung politischer »Wichtigkeit«.

Zur Bedeutung des Rankings

Das Ranking, das die "Nesawisimaja gaseta" monatlich publiziert und dann einmal im Jahr zusammenfasst, misst nicht reale Macht. Es gibt lediglich Einschätzungen der befragten Politiker und Experten wieder. Dokumentiert wird also die Wahrnehmung politischer "Wichtigkeit". So wird die russische Führungselite über die Reputation identifiziert, nicht aufgrund der Position im Staat oder des – ohnehin nur sehr schwer messbaren – Einflusses einer Person auf Entscheidungsprozesse.
Die Rankings, die erstmal 1993 publiziert wurden, geben also die Wahrnehmungen der politischen Klasse wieder und erlauben – mit der gebührenden Vorsicht – Rückschlüsse auf die Entwicklung des politischen Systems. Gruppiert man wie in Grafik 1 die Politiker nach ihren Funktionen, dann wird deutlich, dass sich die Gewichte innerhalb der Führungsebene durchaus verschieben können – am deutlichsten zwischen 1993 und 1999. Zugleich zeigt sich aber auch, dass sich seit dem Amtsantritt Putins als Präsident im Jahr 2000 eine stabile Mehrheit von Vertretern der Exekutive (Präsidialadministration, Regierung, Wirtschaftspolitiker, Machtapparate) herausgebildet hat. Die zweitwichtigste Gruppe sind die Wirtschaftsakteure, die staatliche oder private Großunternehmen und Banken leiten. Es ist diese Partnerschaft von Exekutive und Kapital, die die politische Realität Russlands seit 20 Jahren bestimmt.



Zur Methodik

Ermittelt wird das Ranking durch die Befragung von Politikern bzw. Politikexperten (monatlich schwankend zwischen 24 und 27), die eine Liste ausgewählter Akteure auf einer 10-Punkte-Skala bewerten. Sie können auch ihrerseits Personen benennen, die dann der Liste hinzugefügt werden. Drei Punkte sind für die Einordnung wichtig: Erstens werden in dem Zeitungsranking für gewöhnlich Personen als wichtig eingestuft, die oft im Scheinwerferlicht stehen, etwa Pressesprecher Dmitrij Peskow (Platz 16) und Außenminister Sergej Lawrow (Platz 9). Zweitens ist eine Befragung von Politikern und Experten Grundlage der Rangliste. Bei der Interpretation des Rankings muss man sich der speziellen Perspektive der Juroren bewusst sein. Zu den Experten zählt zum Beispiel auch Sergej Briljow vom Staatssender Rossija, der verantwortliche Redakteur Dmitrij Orlow ist Funktionär bei der Partei "Einiges Russland". Drittens ergibt sich das 2020-Ranking aus dem Mittelwert der einzelnen Monate. Allerdings werden nur Personen berücksichtigt, die mindestens sechs Monate in den Top 100 vertreten waren. Manche Verschiebungen, wie die Kabinettsumbildung im November, bildet die Rangliste daher nicht vollständig ab.
Die Auswahl der Eliteakteure beschränkt sich nicht auf Inhaber von Regierungsämtern, Abgeordnete und Parteipolitiker, sie bezieht auch Regionalvertreter, Juristen, Medienvertreter, Kirchenleute und Wirtschaftsakteure mit ein. Das Ranking ist also tatsächlich der Versuch, eine Liste der mächtigsten Russen zu erstellen. Aus den Punktewertungen werden Durchschnittswerte ermittelt. Die Punktzahl entscheidet schließlich über den Platz im Ranking. Am Ende des Jahres werden aus den Monatsrankings Durchschnittswerte ermittelt, aus denen sich dann das Jahresranking der "100 führenden Politiker" ergibt. In Tabelle 1 auf Seite 17–19 sind Vertreter der politischen Elite der Plätze 1 bis 20 mit sehr hohem Einfluss und der Plätze 21 bis 50 mit hohem Einfluss abgebildet.

Die Redaktion der Russland-Analysen

Gemeinsam herausgegeben werden die Russland-Analysen von der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e.V., dem Deutschen Polen-Institut, dem Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien, dem Leibniz- Institut für Ost- und Südosteuropaforschung und dem Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) gGmbH. Die bpb veröffentlicht sie als Lizenzausgabe.

Russland

Opposition activists carry the Ukrainian national flag during an action of protest against the current regime in Kiev, Ukraine, Saturday, May 18, 2013. (AP Photo/Efrem Lukatsky)
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