Soziale Schere, Kluft zwischen Arm und Reich
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Caption: Soziale Schere, Kluft zwischen Arm und Reich

1.10.2021 | Von:
Gerhard Bäcker
Ernst Kistler

Arbeitseinkommen

Die individuellen Arbeitseinkommen (Arbeitnehmerentgelte) geben Auskunft über die Verdienste von Arbeitern, Angestellten, Beamten und Auszubildenden. Zu unterscheiden ist dabei zwischen Jahres-, Monats- und Stundenverdiensten. Von besonderem Interesse ist die Frage nach der Verbreitung von Niedriglöhnen.

Maurer-Azubi auf dem Rohbau eines Hauses. Die individuellen Arbeitnehmeentgelte geben Auskunft über die Verdienste von Arbeitern, Angestellten, Beamten und Auszubildenden.Maurer-Azubi auf dem Rohbau eines Hauses. Die individuellen Arbeitnehmeentgelte geben Auskunft über die Verdienste von Arbeitern, Angestellten, Beamten und Auszubildenden. (© picture-alliance/dpa, Boris Roessler)
Um zwischen einzelnen Beschäftigten bzw. Beschäftigtengruppen vergleichen zu können, ist es wichtig, die Dauer der geleisteten Arbeitszeit (Vollzeit- oder Teilzeitbeschäftigung) zu berücksichtigen. Denn bei einer längeren Arbeitszeit erhöht sich der Jahres- und Monatsverdienst. Deshalb ist es erforderlich, von Stundenverdiensten auszugehen bzw. diese zu errechnen.

Stundenverdienste, die einen bestimmten Schwellenwert unterschreiten, werden als Niedriglöhne bezeichnet (vgl. Niedriglöhne). Es ist üblich diese Schwelle bei zwei Dritteln des Medianverdienstes anzusetzen. Der Medianverdienst wird berechnet, indem die betrachteten Verdienste in genau zwei Hälften geteilt werden, das heißt, die eine Hälfte der Beschäftigten verdient weniger und die andere Hälfte mehr als diesen Wert.

Ausschlaggebend für die Lohnspreizung, d.h. für die Unterschiede zwischen hohen und niedrigen Verdiensten, sowie für das Ausmaß von Niedriglöhnen sind die tatsächlich gezahlten Verdienste. Diese Effektivverdienste umfassen neben den Grundlöhnen, d.h. den regulären Monatsverdiensten, auch Leistungszulagen, Zuschläge (bei Arbeitserschwernissen, Überstunden, Schicht-, Nacht- und Sonntagsarbeit/Feiertagsarbeit) und Sonderzahlungen (Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Prämien).

Effektivverdienste sind nicht automatisch mit den Tarifverdiensten identisch. Nach Tarif werden nämlich nur etwa 60 Prozent der Beschäftigten bezahlt; die nicht-tarifgebundene Vergütung liegt in aller Regel niedriger. Auf der anderen Seite sind manche tarifgebundenen Unternehmen bereit, übertarifliche Lohnbestandteile zu zahlen. In diesem Fall übersteigen die Effektiv- die Tariflöhne.

Effektiv- wie Tarifverdienste variieren sehr stark, wenn man nach demografischen, ökonomischen und regionalen Merkmalen unterscheidet:
  • Alter
  • Geschlecht
  • Nationalität, Migrationshintergrund
  • Qualifikation
  • Beschäftigungsverhältnis (u.a. Vollzeit/Teilzeit, Minjobs, Leiharbeit)
  • Betriebszugehörigkeit
  • Wirtschaftszweig
  • Regionen, Bundesländer
Bei der Unterscheidung nach Geschlecht ist es üblich geworden, einen sog. gender pay-gap zu berechnen.

Quellentext

Unbereinigter Gender Pay Gap

"Der jährlich ermittelte unbereinigte Gender Pay Gap betrachtet den geschlechtsspezifischen Verdienstunterschied in allgemeiner Form, das heißt ohne Berücksichtigung struktureller Unterschiede in den Beschäftigungsverhältnissen von Männern und Frauen.
Auf diese Weise wird auch der Teil des Lohnabstands erfasst, der zum Beispiel durch unterschiedliche Zugangschancen beider Geschlechtergruppen auf bestimmte Tätigkeitsfelder oder Leistungsgruppen verursacht wird, die möglicherweise ebenfalls das Ergebnis benachteiligender Strukturen sind. In den vergangenen Jahren lag der unbereinigte Gender Pay Gap in Deutschland bei 22 %, das heißt der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen fiel um 22 % geringer aus als der von Männern."

Quelle: Klemt, Lenz 2016, S. 145.

Neben dem Gender Pay Gap, der auch aktuell unbereinigt bei über 20 Prozent liegt, werden in der Wissenschaft und Politik noch weitere Kennziffern diskutiert, die andere verteilungspolitisch relevante Aspekte der Gender-Problematik beleuchten. Die Abbildung "Ausgewählte Aspekte geschlechtsspezifischer Ungleichheit in Deutschland" zeigt auf Basis einer Zusammenstellung von Daten des BMFSFJ durch OXFAM einige davon.
Ausgewählte Aspekte geschlechtsspezifischer Ungleichheit in DeutschlandAusgewählte Aspekte geschlechtsspezifischer Ungleichheit in Deutschland (PDF-Icon Grafik zum Download) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Danach bleiben die simulierten Lebenseinkommen von Frauen durchschnittlich um 49 Prozent hinter denen der Männer zurück. Ihre Versichertenrenten sind um 53 Prozent niedriger. Dagegen leisten sie um 52 Prozent mehr Care-Arbeit (Pflege- und Betreuungsaufgaben außerhalb der Erwerbsarbeit) als Männer.

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