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Ebenen der Einkommensverteilung

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Ebenen der Einkommensverteilung

Gerhard Bäcker Ernst Kistler

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Der Sozialstaat zielt mit seinen Maßnahmen auf die Umverteilung der Bruttoeinkommen – auf personaler Ebene und auf Haushaltsebene. Die funktionelle Einkommensverteilung spiegelt den Grundkonflikt zwischen Kapital und Arbeit wider. Wie setzen sich die personellen Einkommen zusammen? Was bewirkt die Sekundärverteilung durch den Staat?

Logistikzentrum für Baustoffe: Bei der funktionellen Einkommensverteilung wird betrachtet, wie sich das Verhältnis von Kapitaleinkommen und Arbeitseinkommen gestaltet. (© picture-alliance, imageBROKER)

Analysen und Debatten über die Einkommensverteilung beziehen sich auf grundsätzlich zu unterscheidende Ebenen: Abzugrenzen ist zwischen der funktionellen Verteilung und der personellen Verteilung. Geht man einen Schritt weiter, so ist nach den Haushaltseinkommen zu fragen. Des Weiteren ist zu unterscheiden zwischen der Primärverteilung (wie sie sich am Markt ergibt) und der Sekundärverteilung. Denn im Rahmen der staatlichen Umverteilung werden die Brutto-Einkommen durch Steuern und Beiträge vermindert und durch Zahlung von Sozialleistungen erhöht.

Funktionelle Einkommensverteilung

Betrachtet man Höhe und Verteilung des Volkseinkommens einer Gesellschaft aus gesamtwirtschaftlicher Sicht, dann zeigt sich eine untrennbare Verknüpfung zwischen der Erstellung des Bruttoinlandsprodukts und der Generierung von Einkommen: Zur Erstellung von Gütern und Dienstleistungen werden Produktionsfaktoren eingesetzt, nämlich Arbeit und Kapital. Einkommen des Faktors Arbeit sind Löhne und Gehälter, Einkommen des Faktors Kapital sind Zinsen, Mieten und Gewinne. Diese Markteinkommen sind ein Spiegelbild der am Markt erstellten und mit Preisen bewerteten Güter und Dienstleistungen. Es kann dabei nur das an Einkommen erzielt und verteilt werden, was zeitgleich an Gütern und Dienstleistungen hergestellt worden ist.

Bei der funktionellen Einkommensverteilung wird deshalb betrachtet, wie sich das Verhältnis von Kapitaleinkommen und Arbeitseinkommen gestaltet. Wie hoch sind deren Anteile am Volkseinkommen und wie haben sich die Anteilswerte im Zeitverlauf entwickelt? Die funktionelle Einkommensverteilung spiegelt den Grundkonflikt zwischen Kapital und Arbeit wider.

Personelle Einkommensverteilung

Bezieht man sich allerdings nicht allein auf die Zuordnung zu abstrakten Produktionsfaktoren, sondern auf die Einkommen, die den einzelnen Menschen zufließen, dann werden die Verhältnisse komplizierter: Bereits eine einzelne Person kann sowohl Einkommen aus abhängiger Arbeit als auch Einkommen aus Kapital erhalten. Zwar sind für die weit überwiegende Zahl der erwerbstätigen Bevölkerung Löhne und Gehälter die mit Abstand wichtigste Einkommensquelle, aber auch die Zinsen aus Kapitalanlagen können ein – wenn auch bei den meisten Personen kleiner – Anteil des persönlichen Einkommens sein. Für eine wachsende Zahl von Arbeitnehmer*innen ist es auch üblich geworden , Arbeitseinkommen aus zwei Beschäftigungsverhältnissen zu beziehen (Hauptjob und Nebenjobs).

Richtet man bei den personellen Einkommen den Blick auf die Arbeitsentgelte (Löhne und Gehälter) aus einem jeweiligen Beschäftigungsverhältnis, so ist zu unterscheiden zwischen Monatsverdiensten und Stundenentgelten (bei denen die Dauer die Arbeitszeit ausgeklammert wird) sowie zwischen Tarifverdiensten und effektiv gezahlten Verdiensten.

Haushaltseinkommen

Die weit überwiegende Zahl der Menschen lebt in Mehrpersonenhaushalten, d.h. mit anderen Familienmitgliedern bzw. Personen zusammen. In aller Regel wird hier zum täglichen Wirtschaften das gemeinsame Einkommen eingesetzt. In das Haushaltseinkommen fließen alle Einkommen bzw. Einkommensarten der Haushaltsmitglieder ein. Deswegen reicht es zur Beurteilung der materiellen Situation von Menschen nicht aus, sich allein auf das individuelle Einkommen zu beziehen.

Um die Höhe und Verteilung der Haushaltseinkommen zwischen einzelnen sozialen Gruppen unterscheiden zu können, muss aber die Zahl der Haushaltsmitglieder berücksichtigt werden. Aussagekräftige Vergleiche müssen deshalb auf das pro-Kopf Haushaltseinkommen abstellen. Gleichzeitig ist aber auch zu berücksichtigen, dass Kinder einen geringeren Bedarf haben als Erwachsene und dass in größeren Haushalten sparsamer gewirtschaftet werden kann. . Zur Abbildung dieser Zusammenhänge dienen die so genannten Äquivalenzeinkommen.

Bruttoeinkommen, Nettoeinkommen und verfügbare Einkommen

Die genannten unterschiedlichen Ebenen einer Verteilungsanalyse gehen zunächst von den Bruttoeinkommen aus. Es handelt sich um die Einkommen, wie sie sich am Markt vor den Eingriffen des Staates ergeben. Zu sprechen ist hier von der Primärverteilung.

Der Staat als Sozialstaat zielt jedoch mit seinen Maßnahmen auf die Umverteilung der Bruttoeinkommen – auf personaler Ebene und auf Haushaltsebene. Diese Sekundärverteilung führt dazu, dass durch Abzüge von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen das übrig bleibende Nettoeinkommen niedriger ausfällt als das Bruttoeinkommen. Die Höhe der Spanne zwischen brutto und netto variiert dabei nach der Einkommenshöhe und hängt im Wesentlichen von der Ausgestaltung der staatlichen Abgaben ab. Auf der anderen Seite werden bei vielen Menschen die Einkommen durch Zahlung von Sozialleistungen (z.B. Kindergeld, Hartz IV) wieder erhöht. Rentner bzw. Rentnerhaushalte beziehen ihr Einkommen nahezu ausschließlich aus Leistungen der Alterssicherungssysteme. Entscheidende Maßgröße ist hier das tatsächlich verfügbare Einkommen, das für Konsumzwecke eingesetzt werden kann.

Fussnoten

Fußnoten

  1. Vgl. Bundesagentur für Arbeit 2020.

Lizenz

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Weitere Inhalte

Gerhard Bäcker, Prof. Dr., geboren 1947 in Wülfrath ist Senior Professor im Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen. Bis zur Emeritierung Inhaber des Lehrstuhls "Soziologie des Sozialstaates" in der Fakultät für Gesellschaftswissenschaften der Universität Duisburg-Essen. Forschungsschwerpunkte: Theorie und Empirie des Wohlfahrtsstaates in Deutschland und im internationalen Vergleich, Ökonomische Grundlagen und Finanzierung des Sozialstaates, Systeme der sozialen Sicherung, insbesondere Alterssicherung, Arbeitsmarkt und Arbeitsmarktpolitik, Lebenslagen- und Armutsforschung.

Ernst Kistler, Prof. Dr., geboren 1952 in Windach/Ammersee ist Direktor des Internationalen Instituts für Empirische Sozialökonomie, INIFES gGmbH in Stadtbergen bei Augsburg. Forschungsschwerpunkte: Sozial- und Arbeitsmarktberichterstattung, Demografie, Sozialpolitik, Armutsforschung.