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Funktionelle Einkommensverteilung

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Funktionelle Einkommensverteilung

Gerhard Bäcker Ernst Kistler

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Das Volkseinkommen setzt sich aus dem Arbeitnehmerentgelt sowie den Unternehmens- und Vermögenseinkommen zusammen. Wie wird die funktionelle Einkommensverteilung dargestellt?

Fensterputzer spiegeln sich in der Scheibe. Setzt man die Bruttoeinkommen aus unselbstständiger Arbeit ins Verhältnis zum Volkseinkommen, so errechnet sich die Lohnquote. Ihr Spiegelbild ist die Unternehmens- und Vermögenseinkommensquote. (© dpa)

Die in einer Volkswirtschaft in einer Periode, d. h. in einem Jahr, erzeugten Güter und Dienstleistungen sind das, was (ohne Berücksichtigung der Außenverflechtung) für Investitionen und für Konsumzwecke zur Verfügung steht. Bewertet man die Summe dieser Güter und Dienstleistungen mit Preisen, so errechnet sich das Sozialprodukt. Durch die Produktion von Gütern und die Erstellung von Dienstleistungen entstehen zugleich Einkommen, die den beteiligten Faktoren Arbeit und Kapital zufließen und sich zum Volkseinkommen summieren.

Die Zuordnung des Volkseinkommens auf Kapital und Arbeit lässt sich als funktionelle Primärverteilung beschreiben. Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung unterscheidet also zwischen

  • Einkommen aus unselbstständiger Arbeit (Arbeitnehmerentgelte) und

  • Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen.

Die Arbeitnehmerentgelte umfassen die Bruttolöhne und -gehälter sowie die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung. Berücksichtigt werden die Entgelte aller Arbeitnehmergruppen und alle Einkommensbestandteile.

Setzt man die Bruttoeinkommen aus unselbstständiger Arbeit (Arbeitnehmerentgelt) ins Verhältnis zum Volkseinkommen, so errechnet sich die Lohnquote. Ihr Spiegelbild ist die Unternehmens- und Vermögenseinkommensquote; gängig sind auch die synonymen Begriffe Gewinnquote bzw. Profitquote. Lohn- und Gewinnquote ergänzen sich algebraisch zu 1 bzw. 100 Prozent.

Die Lohnquote liegt aktuell (2019) bei 72,3 Prozent. Von Bedeutung ist die Entwicklung der Lohnquote im Zeitverlauf. Sinkt sie, dann heißt dies, dass die Bezieher von Unternehmens- und Vermögenseinkommen überproportional vom Wohlstandszuwachs profitieren. Zu berücksichtigen ist dabei zugleich, wie groß die Zahl der Bezieher von Arbeitnehmerentgelten ist und ob sich die Zahl verändert hat.

In den Jahren 2017 bis 2019 hat sich das Volkseinkommen von 2,43 auf 2,56 Billionen erhöht (= plus 5,4 Prozent). Die Lohnquote ist von 69,7 auf 72,3 Prozent gestiegen (vgl. Tabelle "Volkseinkommen und Lohnquote in Deutschland 2017 bis 2019").

Volkseinkommen und Lohnquote in Deutschland 2017 bis 2019

201720182019
Volkseinkommen (in Mrd. Euro)2.430,62.503,12.561,6
Lohnquote (in Prozent)69,770,872,3

Quelle: Statistisches Bundesamt 2020 (VGR).

QuellentextLohnquote

"Durch die Lohnquote wird ausgedrückt, wie sich gesamtwirtschaftlich betrachtet das erwirtschaftete Einkommen auf die Arbeitnehmer und die Bezieher von Unternehmens- und Vermögenseinkommen aufteilt. Bei der Interpretation dieser Zahlen muss beachtet werden, dass auch Arbeitnehmer und ihre Angehörigen Vermögenseinkommen – beispielsweise in Form von Zinsen und Dividenden – erhalten können und dass der Arbeitslohn von Unternehmern Teil der Unternehmenseinkommen ist".

Statistisches Bundesamt 2016

Von der Entwicklung der Lohnquote (Absenkung, Konstanz oder Erhöhung) lässt sich allerdings nicht unmittelbar auf eine Verschlechterung oder Verbesserung des Lebensstandards der Arbeitnehmer schließen (vgl. zur langfristigen Entwicklung "Interner Link: Gesamtwirtschaftliche Einkommensverteilung"). Bei einem insgesamt steigenden Volkseinkommen kann auch bei einer sinkenden Lohnquote noch ein Zuwachs bei den Bruttoeinkommen aus unselbstständiger Arbeit entstehen. In diesem Fall verschlechtert sich aber notwendigerweise die relative Einkommensposition gegenüber den Unternehmens- und Vermögenseinkommen. Eine gestiegene Lohnquote kann auch durch einen gewachsenen Anteil unselbstständiger Beschäftigter, z.B. im Gefolge von Zuwanderung, begründet sein.

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Gerhard Bäcker, Prof. Dr., geboren 1947 in Wülfrath ist Senior Professor im Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen. Bis zur Emeritierung Inhaber des Lehrstuhls "Soziologie des Sozialstaates" in der Fakultät für Gesellschaftswissenschaften der Universität Duisburg-Essen. Forschungsschwerpunkte: Theorie und Empirie des Wohlfahrtsstaates in Deutschland und im internationalen Vergleich, Ökonomische Grundlagen und Finanzierung des Sozialstaates, Systeme der sozialen Sicherung, insbesondere Alterssicherung, Arbeitsmarkt und Arbeitsmarktpolitik, Lebenslagen- und Armutsforschung.

Ernst Kistler, Prof. Dr., geboren 1952 in Windach/Ammersee ist Direktor des Internationalen Instituts für Empirische Sozialökonomie, INIFES gGmbH in Stadtbergen bei Augsburg. Forschungsschwerpunkte: Sozial- und Arbeitsmarktberichterstattung, Demografie, Sozialpolitik, Armutsforschung.