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Erosion der Mittelschicht?

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Erosion der Mittelschicht?

Gerhard Bäcker Ernst Kistler

/ 5 Minuten zu lesen

Die Verteilung von Einkommen und Vermögen belegt, dass die Spreizung zwischen den Extremen zugenommen hat. Schrumpft die Mittelschicht?

Bettler in der Einkaufsstraße (Bildmontage). Immer mehr Menschen werden in Deutschland dauerhaft an den Rand der Gesellschaft gedrängt. (© picture-alliance, imageBROKER)

In einer ausdifferenzierten Marktgesellschaft, die durch plurale Erwerbs- und Lebensformen gekennzeichnet ist, unterscheiden sich die Lebenslagen der Menschen in einem hohen Maße. Dies betrifft auch und gerade die Verteilung von Einkommen und Vermögen. Diese Unterschiede, die auch als soziale Schichtung der Gesellschaft bezeichnet werden können und die ein "oben" und "unten" aufweisen, sind, so lange sie nicht zu extrem ausfallen bzw. dysfunktional werden, kein Problem an sich.

Eine Gleichverteilung kann es nicht geben, da sich die Qualifikationen, Arbeitsmarktchancen, Altersgruppen, Familienformen usw. unterscheiden. Als problematisch erweisen sich diese Ungleichverteilungen aber dann, wenn sie ein bestimmtes (allerdings nicht exakt definierbares) Maß überschreiten, und insbesondere dann, wenn sie sich im Zeitverlauf immer mehr vergrößern. Spätestens dann stellt sich die Frage, ob und in welchem Maße die Spreizung von Einkommen und Vermögen noch etwas mit der individuellen "Leistung" der Menschen zu tun hat. Vielmehr deutet viel darauf hin, dass es sich eben nicht um Leistungsunterschiede handelt, sondern dass die Einkommens-, Vermögens- und Lebenslagen im hohen Maße von der sozialen Herkunft (Stichworte: Bildungsniveau der Eltern, Erbschaften), von der schulischen und beruflichen Ausbildung, von der Nationalität, vom Geschlecht, von der Machtposition und weiteren Faktoren abhängen.

QuellentextWohlstand in Deutschland: Die Mittelschicht schrumpft

"Ein Auto. Mehrmals im Jahr in den Urlaub fahren. Ein Haus im Grünen. Die Kinder studieren lassen. Es sind Ziele wie diese, die den Lebensplan vieler Millionen Deutscher charakterisieren. Alle diese Ziele lassen sich unter einem Dach zusammenfassen: Die Menschen wollen einen Platz in der Mittelschicht. Zur Mittelschicht zu gehören war in der Bundesrepublik stets der Wunsch der Mehrheit. Und damit zugleich der Kitt, der die Gesellschaft zusammenhielt.
(…)
Abermillionen Deutsche hatten ein Ziel vor Augen, das sich realistisch erreichen ließ. Das bedeutete, traditionelle Klassengegensätze zwischen Kapitalisten und Arbeitern mussten nicht mehr so scharf gesehen werden. Das bedeutete im Vergleich zu gegensätzlicheren Ländern wie Großbritannien, Frankreich oder Italien mehr Wachstum, da weniger Streiks und andere Auseinandersetzungen. Es bedeutete sozialen Frieden, von dem alle profitierten, ganz besonders aber die Besitzenden.
(…)
Die Mittelschicht war stets behaglich größer als in anderen europäischen Ländern, als in Großbritannien oder Italien. Dazu trugen vor allem zwei Faktoren bei, erkennen Gerhard Bosch und Thorsten Kalina von der Universität Duisburg-Essen: ein Sozialsystem, das die breite Mehrheit vor Risiken schützte, bis hin zum Alter. Und Flächentarifverträge, die nahezu alle Betriebe erfassten und so die Lohnunterschiede verringerten – schwächere oder weniger qualifizierte Arbeitnehmer profitierten von der Verhandlungsmacht der Stärkeren.
(…)
Die Mittelschicht hält die Gesellschaft nicht nur mit ihrem Geld zusammen, sondern auch mit ihrem Wahlverhalten. Sie ist mit ihrer bisherigen Präferenz für moderate Parteien das Fundament einer Demokratie, die Lösungen produziert statt Dauerstreit. Financier und Garant von Wachstum und Demokratie – wie kann es sein, dass die deutsche Politik zulässt, dass die Mittelschicht schrumpft und ihr Einkommen noch dazu?"

Hagelüken, A., Die Mittelschicht schrumpft, die Politik schaut zu, in: Die Zeit, 21.03.2017

In den vorangegangenen Kapiteln ist deutlich geworden, dass die Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen in den zurückliegenden Jahren deutlich zugenommen hat – nicht nur in Deutschland, sondern in den entwickelten Marktgesellschaften insgesamt. Vom in der Zeit des Wiederaufbaus und "Wirtschaftswunders" skizzierten Bild einer "nivellierten Mittelstandgesellschaft" hat sich Deutschland immer mehr entfernt. Es kommt zu einem Auseinanderdriften zwischen oben und unten. Die Schere öffnet sich. Die von Ludwig Erhard (2009) verbreitete und das Massenbewusstsein prägende Losung "Wohlstand für alle" hat sich in ihr Gegenteil verkehrt.

Fratzscher listet neun negative Konsequenzen dieser Entwicklung auf:

  • Verringerung des Wirtschaftswachstums;

  • Vertiefung von Ungleichgewichten bei Schulden und Sparen;

  • Verschärfung des gesellschaftlichen Verteilungskampfes;

  • Minderung des Humankapitals;

  • Mitverursachung der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise;

  • Verschärfung des Armutsproblems;

  • Beeinträchtigung der Gesundheit;

  • Schaffung von Abhängigkeiten vom Staat und Einschränkung Individueller Freiheiten;

  • Schädigung von sozialer und politischer Teilhabe.

Von entscheidender Bedeutung ist dabei, ob diese Auseinanderentwicklung auch bedeutet, dass die soziale Mobilität in der Gesellschaft schrumpft, ob also die Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht für die betroffenen Bevölkerung von Dauer oder nur ein Zwischenstadium ist: Konkret: Schaffen es die Menschen, die sich im unteren Segment befinden, im Laufe der Jahre aufzusteigen? Dies muss nicht gleich die Entwicklung vom "Tellerwäscher zum Millionär" sein – aber wie groß ist die Mobilität nach "oben" und "unten"? Dabei ist immer zu beachten, dass das Einkommen nur eine besonders wichtige, aber bei weitem nicht die alleinige Dimension ist, um eine soziale Schichtung zu definieren!

QuellentextSoziale Mobilität nimmt weiter ab

"Zwischen 1991 und 1995 schafften es in Gesamtdeutschland rund 47 Prozent der Armen, in die untere Mitte aufzusteigen. Von 2009 bis 2013 gelang dies nur noch 36 Prozent. Auch für Personen direkt oberhalb der Armutsgrenze sind die Aufstiegschancen gesunken, während ihr Risiko, in Armut abzurutschen, gewachsen ist – und zwar ungeachtet der guten Konjunktur, der Reallohnzuwächse und der Rekordbeschäftigung. Die Absteiger gehören den bekannten Risikogruppen an: niedrig gebildet, geringfügig beschäftigt oder arbeitslos. Unter den Aufsteigern ist der Anteil der Vollzeitbeschäftigten und der Angestellten größer. Mit zunehmender formaler Qualifikation nimmt der Anteil der Aufsteiger deutlich zu.
(…)
Reiche bleiben mit hoher Wahrscheinlichkeit reich: Zwischen 1991 und 1995 konnten sich rund 50 Prozent der sehr Reichen in der obersten Einkommensklasse halten, von 2009 bis 2013 stieg der Anteil derer, die sich behaupten konnten, auf fast 60 Prozent."

Spannagel 2016, S. 1.

"Die Analysen belegen: Vor allem Armut hat in sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verfestigt, aber auch Reichtum wird immer dauerhafter. Besonders ausgeprägt sind diese Prozesse in Ostdeutschland. Die Verfestigung von Armut und Reichtum hat gravierende gesellschaftspolitische Folgen. Wer dauerhaft in Armut lebt, läuft Gefahr, massiv in seiner sozialen Teilhabe eingeschränkt zu sein. Verfestigter Reichtum wiederum droht zu einem geschlossenen Zirkel zu werden, der sich zunehmend von der Mitte der Gesellschaft entfernt.

Immer mehr Menschen werden dauerhaft an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Diese Verfestigung ist deswegen besonders problematisch, da eine langandauernde Situation von Armut nachhaltig auf die Lebensführung und Lebenslage durchschlägt und selbst wiederum dazu beiträgt, dass es – gegebenenfalls auch für die betroffenen Kinder – keinen Aufstieg mehr gibt."

Spannagel, D. 2018, S. 1

Bezieht man sich nur auf die Einkommensverteilung, dann zeigen die vorliegenden empirischen Befunde, dass die Einkommensmobilität nicht nur begrenzt ist, sondern über die Zeit sogar abgenommen hat. Die Einkommensreichen können sich ihrer gehobenen sozialen Lage immer sicherer sein, während auf der anderen Seite der Einkommenspyramide es für die armutsgefährdete Bevölkerung immer schwieriger wird, diese prekäre Situation zu überwinden. Das Versprechen von Aufstieg durch Leistung wird für diese Personengruppe nicht mehr eingelöst (vgl. Kasten "Geringe Einkommensmobilität").

Einen weiteren einschlägigen Befund liefern Goebel und Krause (2016) "Arm bleibt arm und Reich bleibt reich").

QuellentextArm bleibt arm und Reich bleibt reich

"Das Risiko, während der vier Folgejahre im untersten Quintil zu verbleiben, erhöhte sich deutlich... Der Übergang von der untersten in gehobene Einkommenslagen verringerte sich entsprechend. Auch der Verbleib im zweiten und dritten Quintil erhöhte sich... Der Verbleib in den obersten Einkommensquintilen erhöhte sich ebenfalls, die Risiken des Abstiegs in untere Einkommenslagen sanken. (Außerdem)... verringerten sich im Verlauf der letzten beiden Dekaden die Aufstiegschancen der untersten Einkommensgruppen insgesamt eher, während sich die Einkommensrisiken im unteren Einkommensbereich erhöhten. Im oberen Einkommensbereich verringerten sich hingegen die Abstiegsrisiken und der Verbleib in den oberen Einkommensschichten nahm zu."

Goebel, Krause 2016, S. 189.

Dieser Befund bezieht sich auf die Einkommen nach der sozialstaatlichen Umverteilung. Für die "bekämpfte Armut" zeigen auch die Daten des Bezugs der Grundsicherung (Hartz IV), dass ein Großteil der Hilfeempfänger über Jahre hinweg im Bezug von ALG II (vgl. Kapitel "Interner Link: Grundsicherung als Einkommensminimum") verbleibt − bei ausgeprägten regionalen Unterschieden (vgl. Abbildung "Verweildauern im SGB II-Bezug"). Die Daten zeigen, dass im Bundesdurchschnitt rund 40 Prozent der Hartz-Empfänger länger als vier Jahre auf diese Leistung angewiesen sind. Im Osten der Republik sind es mehr als die Hälfte (vgl. Verweildauer im SGB II nach 4 Jahren nach Bundesländern).

Bezogen auf die Kinderarmut stellt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung (Bertelsmann Stiftung 2020) fest, dass 32 Prozent aller Kinder im Zeitraum von 5 Jahren Armutserfahrungen machen. Nur für ein Drittel dieser Kinder erweist sich Armut als einmalige Episode, für zwei Drittel dieser Kinder dauert die Armut in diesem Zeitraum an oder wird nur kurzfristig unterbrochen.

Diese Daten berücksichtigen die Einkommen nach Abzug von Steuern und Beiträgen und nach Übertragung von Sozialleistungen aller Art. Der Sozialstaat verteilt die Primäreinkommen also um –aber: diese Ausgleichsfunktion des Sozialstaates ist in den zurückliegenden Jahren unter Druck geraten. Denn wenn die Ungleichheit der Bruttoeinkommen größer wird, wird es immer aufwändiger, einen nachträglichen Ausgleich zu erreichen ("Interner Link: Verringerung von Einkommensungleichheit und Armutsrisiken - aber wie?").

Verweildauer im SGB II nach 4 Jahren nach Bundesländern, Dezember 2019 (Interner Link: Grafik zum Download) (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

In einer Veröffentlichung der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen/Eurofound , die sich speziell mit der Wirkung der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 auf die Entwicklung der mittleren Einkommensgruppe auseinandersetzt, wird festgestellt: Vor der Krise, d. h. zwischen 2004 und 2008, ist die mittlere Einkommensgruppe in Zweidrittel der untersuchten 24 EU-Ländern größer geworden − vor allem in Staaten an der Peripherie der EU. Dieser Befund deckt sich im Übrigen mit längerfristigen Beobachtungen für viele Entwicklungs- und Schwellenländer weltweit

Für Deutschland und einige andere Länder wird dagegen von einer Abnahme der mittleren Einkommensgruppe berichtet, die in Deutschland und Schweden 2004 bis 2008 auf eine größer gewordene untere Einkommensklasse zurückging. Aus der Wirtschafts- und Finanzkrise resultierte danach in 20 der 24 Länder für die Jahre 2008 bis 2013 eine Verkleinerung der mittleren Einkommensgruppe, auch in Deutschland. Deutschland gehört damit − neben Österreich und Schweden − zu den Ländern, in denen die mittlere Einkommensgruppe sowohl vor als auch nach der Krise kleiner geworden ist.

Auch der Fünfte Armuts- und Reichtumsbericht kommt auf Grundlage der Daten des Sozio-oekonomischen Panels zu dem Ergebnis, dass vor 2005 die mittlere Einkommensgruppe kleiner geworden sei. Seither bleibe das Niveau, abgesehen von stichprobenbedingten Schwankungen, aber auf einem stabilen Niveau. Dass die Befunde zu diesen Problemen im Detail durchaus strittig sind, kann nicht verwundern . So kommt es zum einen darauf an, ob neben dem Einkommen auch das Vermögen und weitere Tatbestände (Bildungsabschluss, Erwerbsteilhabe, Verschuldung, sozio-kulturelles Milieu) berücksichtigt werden. Und ganz entscheidend ist bei der Analyse der Einkommensverteilung, wie die mittlere Einkommensgruppe/Mittelschicht abgegrenzt wird (in der Regel zwischen 80 und 150 Prozent des mittleren Einkommens), welche Zeiträume beobachtet werden und welche Datenquelle verwendet wird.

Diese Befunde sind neben vielen anderen Einflüssen ein Erklärungsfaktor für die verbreiteten Abstiegsängste der Mittelschicht – nicht nur in Bezug auf die eigene Betroffenheit, sondern auch in Bezug auf die Erwartung, dass es ihren Kindern nicht mehr so gut geht wie ihnen selbst . Die die Nachkriegsgeneration prägende Erfahrung von sozialem Aufstieg durch Bildung und Leistung ("Meine Kinder sollen und werden es besser haben als ich") ist umgeschlagen. Abstiegsängste sind auch dort verbreitet, wo man sie eventuell gar nicht haben müsste bzw. wo man sie nicht vermutet. Eine zentrale Bedeutung hat dabei die Sorge vor dem Verlust des Arbeitsplatzes – in Folge ökonomischer Krisen und technologischer Umbrüche (Digitalisierung).

Fussnoten

Fußnoten

  1. Fratzscher, 2016, S. 80 ff.

  2. Vacas-Soriano/Fernandes 2017.

  3. Bundesregierung 2017.

  4. Vgl. u.a. Bosch/Kalina 2015; Burkhardt u.a. 2013; Niehues 2019.

  5. Vgl. Lengfeld/Ordemann 2016; Burzan 2014.

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Weitere Inhalte

Gerhard Bäcker, Prof. Dr., geboren 1947 in Wülfrath ist Senior Professor im Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen. Bis zur Emeritierung Inhaber des Lehrstuhls "Soziologie des Sozialstaates" in der Fakultät für Gesellschaftswissenschaften der Universität Duisburg-Essen. Forschungsschwerpunkte: Theorie und Empirie des Wohlfahrtsstaates in Deutschland und im internationalen Vergleich, Ökonomische Grundlagen und Finanzierung des Sozialstaates, Systeme der sozialen Sicherung, insbesondere Alterssicherung, Arbeitsmarkt und Arbeitsmarktpolitik, Lebenslagen- und Armutsforschung.

Ernst Kistler, Prof. Dr., geboren 1952 in Windach/Ammersee ist Direktor des Internationalen Instituts für Empirische Sozialökonomie, INIFES gGmbH in Stadtbergen bei Augsburg. Forschungsschwerpunkte: Sozial- und Arbeitsmarktberichterstattung, Demografie, Sozialpolitik, Armutsforschung.