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Armutsrisikoquoten im Zeitverlauf

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Armutsrisikoquoten im Zeitverlauf

Gerhard Bäcker Ernst Kistler

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Im Vergleich der Jahre 2005 und 2019 ist die bundesweite Armutsrisikoquote von 14,7 auf 15,9 Prozent leicht angestiegen. Bei Verwendung des jeweiligen regionalen Medians zeigt sich, dass die Ungleichheit der Nettoäquivalenzeinkommen in Ostdeutschland immer noch etwas geringer ausgeprägt ist als in Westdeutschland.

Suppenküche für Bedürftige in Bonn (© picture-alliance)

Ergebnisse des Mikrozensus

Nach den Zahlen des Mikrozensus, der mit Abstand größten Haushaltsbefragung in Deutschland (mit einer jährlichen Stichprobe von rund einem Prozent aller Haushalte), hat sich die Armutsrisikoquote mit leichten Schwankungen seit 2005 und speziell nach 2010 leicht, aber kontinuierlich erhöht (vgl. Abbildung "Armutsgefährdungsquoten in Deutschland, Ost- und Westdeutschland 2005 bis 2019").

Unterscheidet man zwischen den alten und den neuen Bundesländern, so weisen – bezogen auf den bundesdurchschnittlichen Schwellenwert – die neuen Länder durchgängig höhere Quoten auf. Das Einkommensniveau ist hier niedriger als im Westen. Zwar ist in den zurückliegenden Jahren ein Trend zur allmählichen Einkommensangleichung feststellbar, dennoch hat sich der Abstand der Armutsrisikoquoten nur wenig verändert.

Armutsgefährdungsquoten gemessen am Bundesmedian in Ost- und Westdeutschland 2005-2019 (Interner Link: Grafik zum Download) (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Benutzt man den jeweiligen regionalen Median als Schwellenwert (vgl. Abbildung "Armutsgefährdungsquoten gemessen am jeweiligen regionalen Median in Ost- und Westdeutschland 2005 bis 2019"), ändert sich das Bild. Differenziert nach Westdeutschland (ohne Westberlin) und Ostdeutschland (mit ganz Berlin) ergibt sich im Jahr 2018 für Westdeutschland eine höhere Armutsrisikoquote von 16,1 Prozent als in Ostdeutschland (13,4 Prozent). Während die Quote im Westen seit 2005 leicht angestiegen ist, ist sie im Osten etwas kleiner geworden. Dieser Befund passt zu dem Ergebnis, dass die Einkommensungleichheit in Ostdeutschland gemessen am Gini-Koeffizienten immer noch etwas geringer ausgeprägt ist, mit Werten im Westen bei 0,30 und im Osten bei 0,27 (Werte jeweils 2005 wie 2015). Auch andere Quellen kommen zu vergleichbaren Ergebnissen (vgl. Kasten), zumindest wenn man das "Statistische Rauschen" (Konfidenzintervalle) berücksichtigt.

Armutsgefährdungsquoten gemessen am jeweiligen regionalen Median in Ost- und Westdeutschland 2005-2019 (Interner Link: Grafik zum Download) (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

QuellentextEin vergleichbarer Befund auf der Datenbasis SOEP

"Die längerfristige Entwicklung belegt eine deutliche Zunahme der Armutsrisiken im Vergleich zu den 1990er Jahren. (…) Alle Armuts-Indizes erhöhten sich in der letzten Dekade, das Ausmaß an Niedrigeinkommen und Armut stieg zum Ende der letzten Dekade auf eines der höchsten Niveaus der letzten beiden Jahrzehnte an. Zugleich entfernten sich die Einkommen der Armen immer weiter von der Armutsschwelle und die Intensität der Armut verstärkte sich. Nach 2010 setzte sich dieser Trend indes nicht in gleicher Weise fort: Armuts- und Ungleichheitsziffern stagnieren derzeit – allerdings auf höherem Niveau als noch in den beiden Jahrzehnten zuvor."

Quelle: Goebel/Krause 2016, Seite 182 f.

Weitere Inhalte

Gerhard Bäcker, Prof. Dr., geboren 1947 in Wülfrath ist Senior Professor im Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen. Bis zur Emeritierung Inhaber des Lehrstuhls "Soziologie des Sozialstaates" in der Fakultät für Gesellschaftswissenschaften der Universität Duisburg-Essen. Forschungsschwerpunkte: Theorie und Empirie des Wohlfahrtsstaates in Deutschland und im internationalen Vergleich, Ökonomische Grundlagen und Finanzierung des Sozialstaates, Systeme der sozialen Sicherung, insbesondere Alterssicherung, Arbeitsmarkt und Arbeitsmarktpolitik, Lebenslagen- und Armutsforschung.

Ernst Kistler, Prof. Dr., geboren 1952 in Windach/Ammersee ist Direktor des Internationalen Instituts für Empirische Sozialökonomie, INIFES gGmbH in Stadtbergen bei Augsburg. Forschungsschwerpunkte: Sozial- und Arbeitsmarktberichterstattung, Demografie, Sozialpolitik, Armutsforschung.