Denkmal für die Berliner Mauer

30.3.2010 | Von:
Ronald Gebauer

Wohnen

Die Entwicklung seit der Einigung

Was tun mit dem Alteigentum? – Privatisierung der Wohnungsbestände in OstdeutschlandIn Folge der Einigung kam es nach 1990 auf dem ostdeutschen Wohnungsmarkt sowohl auf der Angebots- wie auf der Nachfrageseite zu tiefgreifenden Veränderungen, die teils das Ergebnis der neuen Rechtslage ("Normentransfer") waren, teils durch die gesamtdeutsche Angleichung von Wohnvorlieben und Lebensstilen herbeigeführt wurden. Die Privatisierung der Eigentumsverhältnisse war eines der Hauptanliegen bundesdeutscher Politik nach der Wende. Per Gesetz wurde hier der Weg der Naturalrestitution (Prinzip der Rückgabe vor Entschädigung) eingeschlagen. An sich hätten alle Fraktionen der letzten DDR-Volkskammer eine andere Regelung (Entschädigung statt Rückgabe) bevorzugt; die bürgerlichen Parteien und die SDP/SPD vor allem deshalb, weil sie damals bereits langwierige juristische Auseinandersetzungen befürchteten, welche die zügige Sanierung und Modernisierung von Altbauten beeinträchtigen würden. 15 Prozent des gesamten Wohnungsbestandes wurden von ehemaligen Eigentümern zurückgefordert. Dabei lag die Wahrscheinlichkeit einer Rückübertragung weit unter 100 Prozent. Tatsächlich wurde – und wird fallweise noch bis heute – die Stadtentwicklung in ostdeutschen Innenstädten durch konkurrierende Rückübertragungsansprüche verzögert. Nach Ansicht vieler Wissenschaftler war es im Rückblick eine Fehlentscheidung des Gesetzgebers, der Restitution der Besitztitel von Alteigentümern den Vorrang zu geben.
Anteil der vom Eigentümer selbst bewohnten Wohneinheiten.Anteil der vom Eigentümer selbst bewohnten Wohneinheiten. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Das rasche Ende des einigungsbedingten Baubooms und anhaltende Strukturprobleme: Suburbanisierung, Abwanderung, Leerstand und Rückbau

Nach der Wende erlebte die Bautätigkeit in beiden Landesteilen zunächst kurzfristig einen spürbaren Aufschwung. 1994 gipfelte dieser Boom in den westlichen Ländern (505.200 Wohnungen) und 1997 in den östlichen Ländern (177.800 Wohnungen). Danach sank die Bautätigkeit auf Werte ab, die mit denen der 1950er Jahre vergleichbar sind. Die Entwicklung der Wohnsituation in den östlichen Bundesländern nach 1990 hat viel damit zu tun, dass kein weiterer Bedarf an Plattenbauten mehr bestand, und das hauptsächlich deshalb, weil attraktivere Alternativen bestanden. Der Traum vieler, ein Eigenheim im Grünen zu beziehen, drängte auf rasche Realisierung. Mit den neuen Förderprogrammen und technischen Möglichkeiten (Wohnungsbauprämie, ausreichende Kapazitäten im Fertigbausektor) konnte diese Nachfrage rasch befriedigt werden. Infolge der instabilen wirtschaftlichen Lage und des Bevölkerungsrückgangs verwandelte sich indes innerhalb relativ kurzer Zeit die Situation des Wohnungsmangels in eine des Überschusses.
Anteil der Eigentümer, die ihre Wohneinheit selbst bewohnen.Anteil der Eigentümer, die ihre Wohneinheit selbst bewohnen. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Insgesamt wird die Entwicklung in Ostdeutschland und ebenso in Teilen Westdeutschlands durch zwei Prozesse gekennzeichnet:
  1. Schrumpfung der Städte, bewirkt durch bzw. sichtbar als a) Suburbanisierung und Bau von Eigenheimen, und b) demographischer Wandel und Wegzug in prosperierende Bundesländer, sowie
  2. Modernisierung bzw. Sanierung des Wohnungsbestandes, verbunden mit der Beseitigung des Leerstandes durch den Rückbau städtischer Quartiere.

Schrumpfung der Städte

Ostdeutsche Großstädte haben seit der Wiedervereinigung einen teilweise dramatischen Bevölkerungsverlust erlitten. Magdeburg und Suhl verloren beispielsweise bis kurz nach Beginn des neuen Jahrtausends jeweils je 16 Prozent, Schwerin Prozent, Hoyerswerda Prozent, Wolfen sogar 26 Prozent ihrer Bevölkerung. Auch in Westdeutschland sind solche Schrumpfungsprozesse nicht unbekannt. Dort betreffen sie vor allem altindustriell geprägte Gegenden in Norddeutschland (Bremen), im Ruhrgebiet und im Saarland.

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