Denkmal für die Berliner Mauer

30.3.2010 | Von:
Ronald Gebauer

Wohnen

Suburbanisierung

Ein nicht unwesentlicher Teil des Einwohnerverlusts ostdeutscher Kommunen war nach der Wende eine Folge des Suburbanisierungsprozesses, durch den erwähnten Bau von Eigenheimsiedlungen auf der grünen Wiese. Ursachen für den anhaltenden Trend zur Suburbanisierung sind die Umstrukturierung der Arbeits- und Berufswelt (Zunahme gut ausgebildeter Mittelschichten) und die Individualisierung der Lebensstile, die sich als zunehmende Mobilität in Beruf und Freizeit ausdrückt.
Bei Betrachtung von Stadt-Umland-Wanderungen fällt auf, dass die Bilanz aller großen ostdeutschen Städte (neuestens mit Ausnahme Potsdams) seit Anfang der 1990er Jahre negativ ist. In einer gesamtdeutschen Rangliste belegten insgesamt 15 ostdeutsche Kommunen geschlossen das Ende der Tabelle mit negativen Wanderungssalden. Der Suburbanisierungsanteil am Schrumpfen der Bevölkerung wird für einige ostdeutsche Städte auf über 60 Prozent geschätzt (z. B. Zwickau, Meißen, Chemnitz). Inzwischen scheint der Suburbanisierungsprozess weitgehend abgeschlossen. Auch suburbane Räume sind jetzt von Wanderungsverlusten betroffen.

Demographischer Wandel

Der größte Teil der Schrumpfung deutscher Städte ist jedoch dem demographischen Wandel und hier insbesondere der Abwanderung in prosperierende Regionen geschuldet. Die geringe Geburtenrate hat zur Folge, dass laut der 11. Koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamts sich die Wohnbevölkerung Deutschlands im Falle geringer Zuwanderung (100.000 Personen jährlich) langfristig auf ca. 77 Mio. Personen im Jahr 2030 und 68,7 Mio. Personen im Jahr 2050 verringern wird. Während die wirtschaftlich prosperierenden Regionen in der Bundesrepublik den demographischen Wandel durch Zuwanderung aus anderen Regionen abfedern können, wird für die Abwanderungsgebiete in Deutschland diese Entwicklung nicht nur quantitativ, sondern infolge des überdurchschnittlichen Wegzugs jüngerer, gut qualifizierter weiblicher Personen auch qualitativ besonders stark spürbar. Die damit einhergehende niedrigere Häufigkeit der Familiengründung dämpft die Wohnungsnachfrage. In den 1990er Jahren haben bereits zwei Millionen Menschen Ostdeutschland verlassen, während es im gleichen Zeitraum lediglich 1,2 Mio. Zuzüge gab. Diese Abwanderungswelle wird sich in den nächsten Jahren fortsetzen, jedoch nicht flächendeckend. Einige Wachstumszentren, wie Berlin, Leipzig, Dresden und der Raum Jena-Weimar-Erfurt, können immerhin in den letzten Jahren auf Bevölkerungswachstum verweisen.
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Modernisierung und Sanierung des Wohnungsbestandes

Nach einem erstaunlich kurzen Verwaltungsvorlauf kam es in Ostdeutschland bereits Anfang der 1990er Jahre zu umfangreichen Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen, die besonders die Attraktivität der Stadtkerne erhöhten. Finanziert wurden diese Maßnahmen bis zur Jahrtausendwende mit 15 Mrd. DM durch Bund, Länder und EU sowie auch aus privaten Quellen. Die Kehrseite der oben aufgezeigten Prozesse (vor allem Suburbanisierung und Abwanderung) zeigt einen erheblichen Leerstand von Wohnungen in den Kernstädten, der im Jahr 1998 zwischen etwa neun und 17 Prozent lag. Auf der Grundlage des Abschlussberichts der Kommission "Wohnungswirtschaftlicher Strukturwandel in den neuen Ländern" hat die Bundesregierung im Jahr 2001 ein Programm für den Umbau ostdeutscher Städte und Gemeinden aufgelegt. Dieses soll bis 2009 die Kommunen bei der Bewältigung des Bevölkerungsrückgangs und seiner Folgen unterstützen (Stadtentwicklungskonzepte). 250 ostdeutsche Kommunen und einige Stadtteile Berlins nehmen daran teil. Als erfolgreiches Zwischenergebnis kann dieses Förderprogramm mittlerweile auf eine hohe Sanierungsquote (ca. 70 Prozent des Altbaubestands dieser Städte sind inzwischen saniert) und auf umgekehrte Tendenzen einer Reurbanisierung dank gewachsener Attraktivität einiger ostdeutscher Städte verweisen.

Ausblick

Differenzierte Wohnbedürfnisse, alternde Gesellschaft, weiterhin in Ost und West gespaltener Wohnungsmarkt

Die künftige Entwicklung des Wohnungsmarktes wird gesamtdeutsch durch eine weitere Berücksichtigung der besonderen Wohnbedürfnisse bestimmter Bevölkerungsgruppen (z.B. alten- und behindertengerechte Wohnungen), eine weiterhin angespannte Angebotssituation für benachteiligte Nutzergruppen (Alleinerziehende, Migranten, sozial schwache Haushalte, Haushalte mit niedrigem Einkommen) sowie die infrastrukturellen Folgewirkungen der Suburbanisierung (u.a. Umweltbelastungen, Aus- und Einpendeln, räumliche Trennung von Arbeits- und Wohnort) gekennzeichnet sein. Darüber hinaus wird es auf absehbare Zeit einen "gespaltenen" Wohnungsmarkt geben: Während in vielen westdeutschen Großstädten preiswerter Wohnraum eine Mangelware ist, gibt es in den meisten Innenstadtlagen Ostdeutschlands ein Überangebot an preisgünstigen Wohnungen.

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