bpb.de: Derzeit wird viel über das deutsche Rentensystem diskutiert und wie es reformiert werden könnte. Worin sehen Sie das größte Problem?
Jochen Pimpertz: Wir haben seit über 50 Jahren eine anhaltend niedrige Geburtenziffer, die dazu führt, dass die ausscheidenden Jahrgänge in den hochbetagten Altersstufen ab jetzt nicht mehr in gleichem Maße am Arbeitsmarkt mit jungen Erwerbstätigen ersetzt werden können. Schon in dieser Legislaturperiode werden in Deutschland 5,2 Millionen Menschen das Renteneintrittsalter von derzeit rund 66 Jahren erreichen. Zugleich werden aber nur noch 3,1 Millionen Menschen in das erwerbsfähige Alter ab 20 Jahren folgen.
Das heißt, es stehen weniger Menschen zur Verfügung, die das Einkommen und den Wohlstand in Deutschland erwirtschaften können. Teilweise hilft uns die Migration. Aber wenn die Lebenserwartung weiter steigt und zugleich die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand gehen, entsteht ein großer Druck. Mit der steigenden Rentnerzahl erhöht sich der Finanzierungsbedarf, aber das Potenzial an Erwerbspersonen schrumpft. Das führt langfristig zu einer unterfinanzierten Rentenversicherung beziehungsweise zu immer höheren Beitragslasten für die aktiven Arbeitskräfte.
Marcel Fratzscher: Vor allem führt das zu einer immer stärkeren Umverteilung von Jung zu Alt. Wenn es immer mehr Menschen im Ruhestand gibt und weniger junge Menschen, die arbeiten, müssen diejenigen, die arbeiten, einen immer größeren Teil ihres Einkommens und ihrer Steuern für die Rente der Älteren zahlen. Dadurch wird die junge Generation derzeit übermäßig belastet. Diese zu starke Umverteilung führt zu wirtschaftlichem Schaden und reduziertem Wohlstand. Steigen die Abgaben für die arbeitende Bevölkerung immer weiter, lohnt sich Arbeit insgesamt weniger. Unternehmen gehen ins Ausland, Menschen reduzieren ihre Arbeitszeit oder arbeiten gar nicht mehr.
V.l.n.r. Prof. Marcel Fratzscher (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) und Dr. Jochen Pimpertz (Institut der Deutschen Wirtschaft) (© DIW / IW)
V.l.n.r. Prof. Marcel Fratzscher (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) und Dr. Jochen Pimpertz (Institut der Deutschen Wirtschaft) (© DIW / IW)
bpb.de: Eine mögliche Lösung für eine Reform des Rentensystems ist die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung. Für wie sinnvoll halten Sie diese Idee?
Marcel Fratzscher: Aufgrund der eben genannten Problematik halte ich es für sehr sinnvoll. Für jedes Jahr, um das sich die Lebenserwartung in Deutschland erhöht, müsste die Lebensarbeitszeit, grob betrachtet, um knapp acht Monate steigen, damit die derzeitige Rente so finanzierbar bleibt. In den vergangenen 50 bis 60 Jahren ist die Lebenserwartung massiv angestiegen, die Lebensarbeitszeit aber kaum. Zugleich haben wir in diesem System einen steigenden Anteil älterer Menschen, vor allem Frauen, die in Altersarmut leben. Daher müssen wir es schaffen, die Rente so zu finanzieren, dass junge Menschen nicht übermäßig belastet werden und gleichzeitig Altersarmut verringert wird.
Jochen Pimpertz: Letzteres wird sich künftig aller Voraussicht nach etwas günstiger entwickeln, weil die Erwerbsbeteiligung der jüngeren Frauen heute größer ist als bei den Frauen im Rentenbestand. Aber zurück zum Ausgangsproblem: Steigende Sozialabgaben bremsen das wirtschaftliche Wachstum. Deswegen ist es wichtig, dass wir die Rentenaltersgrenze anheben und Menschen länger arbeiten. Doch wir können nicht durch die Rentenversicherung im Nachhinein heilen, was in der Erwerbsphase versäumt wurde. Ich plädiere deshalb dafür, dass sich Menschen schon während der Erwerbstätigkeit weiterbilden, um auch im Alter anschlussfähig für den Arbeitsmarkt zu bleiben. Da sind Sozialpartner, Arbeitgeber und der Staat gleichermaßen gefordert. Migration kann den deutschen Arbeitsmarkt zusätzlich entlasten. All diese Aspekte führen dazu, dass wir gemeinsam mehr erwirtschaften, aus dem dann auch sozialpolitisch umverteilt werden kann.
Altersarmut in Deutschland
Laut einer EU-Definition gilt eine Person als armutsgefährdet, wenn sie über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung verfügt. In Deutschland lag dieser Wert für eine alleinlebende Person zuletzt bei 16.571 Euro netto im Jahr. Danach wären 15,5 Prozent der Menschen von Armut bedroht.
Bei Personen über 65 Jahren lag der Wert sogar bei 19,4 Prozent. Denn Rentnerinnen und Rentner leben in ihrem Haushalt durchschnittlich mit nur 1.990 Euro pro Monat. Jede fünfte Person im Ruhestand hat maximal 1.400 Euro in ihrem Haushalt zur Verfügung. Renten und Pensionen machen in den meisten Haushalten durchschnittlich 92 Prozent des Einkommens aus, der Rest setzt sich aus Vermögen, Erwerbstätigkeit oder privater Absicherung zusammen.
Frauen erhalten durchschnittlich 995 Euro Rente pro Monat, Männer hingegen 1.405 Euro. Damit sind die Einkünfte von Frauen ab 65 um 25,8 Prozent niedriger als die von Männern. Frauen sind daher – unabhängig von ihrem eventuellen Partner oder ihrer Partnerin – im Alter eher von Altersarmut betroffen als Männer.
Wenn diese Einkünfte nicht zum Leben ausreichen, können Rentnerinnen und Rentner die Grundsicherung beantragen. 2025 erhielten etwa 764.000 Menschen über 66 diese Sozialleistung – ein neuer Höchststand.
Mehr zum Thema auf den Externer Link: Seiten des Statistischen Bundesamts.
In Deutschland reicht die Rente häufig nicht allen zum Leben. 19 Prozent sind von Altersarmut gefährdet. Manche gehen Pfandflaschen sammeln. (© picture-alliance, picture alliance/Bildagentur-online | Bildagentur-online/Schoening)
In Deutschland reicht die Rente häufig nicht allen zum Leben. 19 Prozent sind von Altersarmut gefährdet. Manche gehen Pfandflaschen sammeln. (© picture-alliance, picture alliance/Bildagentur-online | Bildagentur-online/Schoening)
bpb.de: Obwohl die Lebenserwartung insgesamt steigt, gilt das nicht für alle Menschen gleich. Wie gerecht wäre so ein System dann überhaupt?
Marcel Fratzscher: Ein umlagefinanziertes System ist per se ungerecht, weil Menschen mit geringem Einkommen meistens weniger von der Rente haben. Statistisch gesehen ist die Lebenserwartung nämlich bei jemandem mit geringem Einkommen, der ein Leben lang gearbeitet hat, deutlich niedriger als bei jemandem mit hohem Einkommen, durchschnittlich sechs bis sieben Jahre. Das bedeutet, dass Menschen mit geringem Einkommen auf den Euro betrachtet insgesamt weniger Rente bekommen, weil sie eher sterben. Somit findet über das Rentensystem auch eine Umverteilung von Arm zu Reich statt. Es wäre also gerechter, wenn die Rente die zu erwartende verbleibende Lebenserwartung mitberücksichtigt und Menschen mit geringem Lebenseinkommen mehr monatliche Rente auszahlen.
Jochen Pimpertz: Da bin ich anderer Meinung. Die gesetzliche Rentenversicherung ist zunächst einmal eine Versicherung. Sie berücksichtigt, welches beitragspflichtige Einkommen Menschen im Verlauf ihres Erwerbslebens erzielt haben, und soll nur dieses Einkommen im Ruhestand verstetigen. Das ist der Sinn der Rente. Für soziale Absicherung sind steuerfinanzierte Hilfen wie Wohngeld, Grundsicherung oder Pflegegeld da.
bpb.de: Und trotzdem liegt die Armutsgefährdungsgrenze bei deutschen Rentnerinnen und Rentnern ja derzeit bei knapp 19 Prozent. Müsste der Staat da nicht mehr tun?
Jochen Pimpertz: Tatsächlich können wir aus der Höhe der gesetzlichen Rente keine Rückschlüsse auf Unterstützungsbedarfe und Altersarmut ziehen. Denn die Messung des Armutsgefährdungsrisikos berücksichtigt sämtliche Einkommensquellen aller Mitglieder eines Haushalts. Oftmals treffen niedrige gesetzliche Renten einer Person im Haushalt auf höhere Renten des Ehepartners und dann kommen noch weitere Einkommensquellen hinzu. Der Alterssicherungsbericht der Bundesregierung hat 2024 dazu festgestellt, dass die niedrigsten gesetzlichen Renten ausgerechnet in Haushalten auftreten, in denen das Gesamthaushaltseinkommen überdurchschnittlich hoch und jenseits jeder Armutsgefährdungsgrenze liegt.
Marcel Fratzscher: Zugleich haben wir aber auch verschämte Altersarmut in Deutschland. Vermutlich drei oder vier Prozent der Rentnerinnen und Rentner hätten Ansprüche auf Sozialleistungen im Alter, nehmen diese aber aus Scham gegenüber der Familie oder dem Staat nicht in Anspruch. Wir dürfen nicht vergessen: Bei der Rente geht es um Respekt und Anerkennung für die erbrachte Lebensleistung. Durch ein reformiertes Rentensystem könnten wir Altersarmut systematisch bekämpfen.
bpb.de: Wie könnte denn ein sozial gerechtes Rentensystem aussehen, das eine würdige Alterssicherung garantiert?
Marcel Fratzscher: Eine Idee, die wir vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung dazu hatten, ist der „Boomer-Soli“: Dabei würden die Rentnerinnen und Rentner mit den oberen 20 Prozent an Einkommen – also Renten zuzüglich aller anderer Einkünfte – auf vier bis fünf Prozent ihres Einkommens im Alter verzichten. Dieser Teil würde den 40 Prozent mit den geringsten Einkünften zugeführt werden. Damit hätten Menschen mit sehr geringem Einkommen bis zu zwölf Prozent mehr Rente im Alter, und man könnte Altersarmut deutlich reduzieren.
Jochen Pimpertz: Die Idee eines „Boomer-Soli“ überzeugt mich nicht, weil die Geburtenziffern doch auch in den nachfolgenden Generationen niedrig geblieben sind. Es tragen also nicht nur die Boomer dazu bei, dass es den demografischen Wandel gibt. Außerdem zielt der „Boomer-Soli“ primär darauf ab, zwischen den Mitgliedern einer Generation umzuverteilen. Damit vermag er aber noch nicht Probleme zwischen Mitgliedern verschiedener, unterschiedlich stark besetzter Generationen zu lösen.
In diesem Szenario wird davon ausgegangen, dass niedrige Einkommen und kürzere Lebenserwartungen miteinander zusammenhängen. Wenn aber jemand freiwillig in Teilzeit arbeitet, muss diese Person deswegen nicht früher versterben. Gleichzeitig wird oftmals argumentiert, dass bestimmte Berufsgruppen, die unter besonderen gesundheitlichen Belastungen leiden, eine kürzere Lebenserwartung haben. Die Frage lautet dann aber, ob sich beispielsweise ein Dachdecker oder Fliesenleger nicht vorher schon Gedanken darüber macht, welche alternativen Tätigkeiten er auf dem Arbeitsmarkt ausüben könnte, sollte er seinen aktuellen Job aus gesundheitlichen Gründen nicht länger ausüben können.
Nicht zuletzt gilt es zu bedenken, dass Menschen ihren Wohlstand, abgesehen von der Rente, auch über andere Einkommen oder Vermögen absichern. Eine Umverteilung im Nachhinein, bei der das tatsächlich eingetretene Lebensrisiko berücksichtigt wird, bricht mit dem Versicherungsgedanken.
bpb.de: Was würden Sie stattdessen vorschlagen, Herr Pimpertz?
Jochen Pimpertz: Meiner Meinung sollte in einer beitragsabhängig berechneten Rentenversicherung die Lösung auf dem Arbeitsmarkt gesucht werden. Um das zu gewährleisten, müssen Löhne zum Beispiel in gesundheitlich belastenden Tätigkeiten, wie bei Schichtarbeit, höher ausfallen. Dadurch hat man später auch eine höhere Rente. Dafür sehe ich auch eine Verantwortung bei den Gewerkschaften. Zusätzlich müsste mehr in gesundheitliche Prävention investiert werden. Menschen, die in gesundheitlich belastenden Berufen arbeiten, müssen sich rechtzeitig in anderen Beschäftigungsfeldern weiterbilden, um für den Arbeitsmarkt anschlussfähig zu bleiben.
Marcel Fratzscher: Ich glaube, Sie haben ein zu großes Vertrauen in das Funktionieren von Märkten und die Rationalität von Menschen. Es ist zu viel von einem 20-jährigen Dachdecker verlangt, dass er direkt zum Berufseinstieg mehr Lohn mit Sicht auf seine künftige Rente fordert. Außerdem ist Altersarmut hauptsächlich weiblich. Viele Frauen wollen mehr arbeiten, können es aber nicht, weil es an Kinderbetreuungsangeboten in Kitas oder Schulen fehlt. Für sie rechnet es sich häufig nicht, mehr zu arbeiten. Daher sehe ich den Staat mit in der Verantwortung, einen ausreichenden Schutz gegen Altersarmut und eine respektvolle Rente zu gewährleisten.
bpb.de: Gehen wir einmal davon aus, das Renteneintrittsalter wird an die Lebenserwartung gekoppelt. Welche Folgen hätte das kurz- und langfristig für die Wirtschaft?
Marcel Fratzscher: Angesichts des derzeitigen Arbeitskräftemangels in vielen Branchen wäre dies für Unternehmen hervorragend. Denn in den kommenden zehn Jahren werden wir ungefähr fünf Millionen Beschäftigte verlieren. Das ist für gerade für kleine und mittelständische Unternehmen eine existenzielle Bedrohung. Daher wäre es wichtig, das Renteneintrittsalter mindestens flexibler zu gestalten. Menschen sollten freier entscheiden können, wann sie in den Ruhestand gehen wollen.
bpb.de: An welchen rechtlichen Schrauben müsste man drehen, um diese Flexibilität zu gewährleisten?
Marcel Fratzscher: Die Aktivrente, die die Bundesregierung jetzt eingeführt hat, und es Rentnerinnen oder Rentnern ermöglicht, 2000 Euro im Monat steuerfrei dazu zu verdienen, ist nur ein zu kleiner erster Schritt. Denn es gibt sehr viele Menschen, die über das offizielle Renteneintrittsalter hinaus weiterarbeiten wollen. Leider gibt es gleichzeitig noch zu viele Standard-Arbeitsverträge, die Angestellte aus dem Betrieb schmeißen, sobald sie das Renteneintrittsalter erreicht haben. Da bräuchte es eine Änderung im Arbeitsrecht. Wenn wir die Hürden für Menschen abbauen, die länger arbeiten wollen, wäre das ein Win-win, sowohl für die Unternehmen als auch für die Beschäftigten. Außerdem würde es die Sozialsysteme entlasten.
Jochen Pimpertz: Auch wenn ich eine längere Lebensarbeitszeit befürworte, dem letzten Argument würde ich nicht zustimmen. Tatsächlich wird ein späterer Renteneintritt im Rentenrecht schon jetzt belohnt. Wer ein Jahr nach Erreichen der Regelaltersgrenze erstmals eine Rente bezieht, bekommt einen Bonus von sechs Prozent. Für jedes weitere Jahr sind es weitere sechs Prozent, also bei einem um zwei Jahre hinausgezögerten Rentenbezug insgesamt zwölf Prozent auf den gesamten Anspruch. Dahingehend hätte es die Aktivrente gar nicht gebraucht.
Ein Fortschritt ist allerdings, dass die Bundesregierung parallel das Kündigungsrecht angepackt hat: Ein Arbeitgeber, der jemanden über die Regelaltersgrenze hinaus weiterbeschäftigt, muss jetzt nicht mehr damit rechnen, im Falle einer vorzeitigen Kündigung hohe Abfindungen zahlen zu müssen.
bpb.de: Gibt es denn Länder in Europa, von denen sich Deutschland im Hinblick auf das Rentensystem etwas abschauen könnte?
Jochen Pimpertz: Internationale Vergleiche sind immer schwierig, weil die jeweiligen Gesellschaften ganz unterschiedliche, historisch gewachsene Wertevorstellungen haben.
Trotzdem kann man beispielsweise in die Niederlande schauen: Dort gibt es ein Grundrentensystem, das erst ab 67 den Zugang zu einer Rente erlaubt. Diese Grundrente etwa in Höhe von 1200 Euro ist nicht an das vormals verdiente Einkommen gekoppelt, sondern an die Dauer der in den Niederlanden verbrachten Lebenszeit. Sie wird an alle gezahlt, also auch an diejenigen, die nicht gearbeitet haben. Eine Lebensstandardsicherung erfolgt dagegen über die kapitalgedeckten Systeme der betrieblichen und privaten Vorsorge.
In Schweden müssen 2,5 Prozent der Beiträge eines jeden Bürgers an die gesetzliche Rente in einen Aktienfonds fließen. Die Rentenhöhe hängt hier stark davon ab, wann ich nach welcher Beitragsleistung in den Ruhestand wechsle. Ansonsten wird auf ein hohes Maß an Eigenvorsorge gesetzt. In Schweden arbeiten die Menschen außerdem durchschnittlich anderthalb bis zwei Jahre länger als in Deutschland. Denn dort gibt es keine Altersobergrenze. Sowohl die Niederlande als auch Schweden setzen zudem in großem Maße auf die Betriebsrente.
Marcel Fratzscher: Genau diese beiden Punkte müssen wir im deutschen Rentensystem stärken: die Betriebsrente und die private Vorsorge. Aber gleichzeitig haben wir knapp ein Drittel der Haushalte, die keine Ersparnisse haben und mit ihrem Arbeitseinkommen gerade so über die Runden kommen.
Ich möchte noch zwei weitere Länder als Beispiele anführen: Österreich hat mit einem Rentenniveau von 75 bis 80 Prozent mit das höchste in den Industrieländern – zum Vergleich: In Deutschland sind es 48 Prozent. So kann Österreich eine deutlich bessere Altersabsicherung gewährleisten. Das hat man dort unter anderem geschafft, indem Beamte und Selbstständige in die Rente miteinbezogen wurden - und es somit auch mehr Geld über Steuern und Beiträge in der Rente gibt. Das würde auch in Deutschland Sinn ergeben. Es würde den Staat zwar kurzfristig mehr Geld kosten, ihn aber langfristig entlasten.
Dänemark ist ein anderes Beispiel. Die haben im vergangenen Jahr das Renteneintrittsalter auf 70 Jahre erhöht – ganz ohne Revolution. In Deutschland würde das wahrscheinlich einen Aufstand bedeuten. In Dänemark hat die Politik aber frühzeitig ehrlich gegenüber den Bürgern kommuniziert: „Wir müssen jetzt alle unseren Beitrag leisten und das bedeutet, dass wir das Renteneintrittsalter anheben müssen.“ Diese Form der Ehrlichkeit wünsche ich mir auch in Deutschland.
Das Interview führte Mirjam Ratmann.