Wie viele Kinder geboren oder nicht geboren werden, hat einen großen Einfluss auf die Demografie. Dabei versucht die Politik seit jeher die Geburtenrate auf die eine oder andere Art zu beeinflussen.
In einkommensstarken Ländern sinkt die Geburtenzahl seit der Nachkriegszeit unter das Bestandserhaltungsniveau, und das Verhalten rund ums Kinderkriegen hat sich verändert. Ursächlich sind gewandelte Lebensentwürfe, die veränderten Lebensverhältnisse von Frauen bei ungleicher Sorgearbeit und ökonomische Unsicherheit, die häufig einen unerfüllten Kinderwunsch zur Folge hat.
Familienpolitik versucht diese Lücke zu schließen und fördert je nach Ausgestaltung ein traditionelles oder ein egalitäres Familienmodell.
Staatliche Eingriffe in die Fortpflanzung waren historisch oft von Kriminalisierung und Eugenik geprägt. Nach 1945 liberalisierte sich die Reproduktionspolitik schrittweise.
Heute stärken einige Länder reproduktive Rechte, andere schränken sie ein. Vor allem rechtsextreme Akteure politisieren die Reproduktion.
Seit der Nachkriegszeit ist in vielen einkommensstarken Ländern die Lebenserwartung gestiegen, während gleichzeitig die Geburtenzahl sank (Lesthaeghe, 2014). Ohne Einwanderung führt diese Entwicklung langfristig zur Alterung der Bevölkerung und einem Rückgang der Einwohnerzahl.
Von 1970 bis 2020 sank die Geburtenzahl pro Frau in Westdeutschland von 2,01 auf 1,55 Kinder und in Ostdeutschland von 2,19 auf 1,47 Kinder (BiB, 2026a). Hierbei ist das Bestandserhaltungsniveau von 2,1 Kindern pro Frau von Bedeutung. Dieser Wert muss erreicht werden, damit die Bevölkerungszahl unabhängig von Einwanderung konstant bleibt. In den vergangenen Jahrzehnten kam es in Deutschland zu keinem Bevölkerungsrückgang, weil die Unterschreitung des Bestandserhaltungsniveaus durch Immigration aufgefangen wurde (Destatis, 2026).
Jenseits der Geburtenzahl hat sich in einkommensstarken Ländern auch das Verhalten rund um das Kinderkriegen verändert. Zum Beispiel hat sich in Gesamtdeutschland das Durchschnittsalter von Müttern bei der ersten Geburt von 24 Jahren im Jahr 1970 auf mittlerweile 30,7 Jahre erhöht (BiB, 2026b). Darüber hinaus hat sich seit 1997 die Zahl der Kinder, die durch reproduktionsmedizinische Maßnahmen geboren werden, um das 3,3-fache erhöht (Deutsches IVF Register, 2025). Außerdem wachsen Kinder im Vergleich zur Nachkriegszeit in diverseren Familienkonstellationen auf, beispielsweise bei Alleinerziehenden, heterosexuellen wie homosexuellen Paaren oder in Patchwork-Familien (Peuckert, 2019).
Der demografische Wandel als gesellschaftliche Herausforderung
Die Gründe für den demografischen Wandel lassen sich auf drei Faktoren zurückführen. Erstens haben sich in einkommensstarken Ländern Vorstellungen über erstrebenswerte Lebensentwürfe über die vergangenen 60 Jahre hinweg verändert (Sobotka, 2008). Die Paarbeziehung mit anschließender Familiengründung wird zwar immer noch als wertvolles Lebensmodell angesehen, doch viele Menschen können sich vorstellen auch mit anderen Lebensentscheidungen glücklich zu werden. So entscheiden sich beispielsweise zahlreiche Individuen und Paare gegen Nachwuchs, weil sie kein Bedürfnis nach Kindern haben (Kreyenfeld & Konietzka, 2017). Zweitens haben sich die Lebensverhältnisse von Frauen seit der Nachkriegszeit stark verändert. In einkommensstarken Ländern hat sich über die vergangenen 60 Jahre hinweg der Anteil von Frauen und Männern in höherer Bildung angeglichen und die Frauenerwerbsquote ist zum Teil stark gestiegen (Fagan et al., 1998; van Hek et al., 2016). Die weiterhin meist ungleiche Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit zwischen Paaren führt häufig bei Frauen dazu, dass sie das Kinderkriegen in spätere Lebensphasen verlegen, weil sie sich erst in der Arbeitswelt etablieren möchten. Dies kann dazu führen, dass sie in höherem Alter Schwierigkeiten haben, schwanger zu werden oder sich das Aufziehen von Kindern nicht mehr zutrauen (Beaujouan, 2023).
Drittens beeinflussen ökonomische Bedingungen Erwägungen zum Kinderkriegen. Steigende Lebenshaltungskosten, prekäre Arbeitsverhältnisse und unsichere Wirtschaftsaussichten führen dazu, dass viele Personen sich nicht in der Lage sehen, angemessen für Nachwuchs zu sorgen (Sobotka & Berghammer, 2021). Langfristige ökonomische Unsicherheit trägt so dazu bei, dass Menschen weniger Kinder als gewünscht oder gar keine Kinder bekommen. Ein Beispiel aus der jüngeren Geschichte ist die Finanzkrise 2007/2008, die in stark betroffenen Ländern wie Griechenland und Irland zu einem Rückgang der Geburtenrate führte (Matysiak et al., 2021).
Aufgeschobene Kinderplanung in Kombination mit schwierigen ökonomischen Umständen führt dazu, dass bei vielen Menschen ein unerfüllter Kinderwunsch verbleibt. In Deutschland waren im Jahr 2020 32 Prozent der 20 bis 50-jährigen ungewollt kinderlos (BMFSFJ, 2021). Auf die Gesamtgesellschaft bezogen wird das Ausmaß des unerfüllten Kinderwunschs als fertility gap, also die Lücke zwischen gewünschter Kinderzahl und tatsächlich realisierter Kinderzahl pro Person, bezeichnet (Beaujouan & Berghammer, 2019). Seit den 1990er Jahren versuchen Regierungen weltweit den fertility gap zu verkleinern und haben dafür eine Reihe familienpolitischer Maßnahmen ergriffen. Leistungen wie das Elterngeld und eine öffentliche Kinderbetreuung sollen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern. Andere Instrumente dienen dazu, Eltern bei den Kosten der Kindererziehung zu unterstützen. Beispiele hierfür sind das Kindergeld und Steuererleichterungen. (Bergsvik et al., 2021)
Je nach Ausgestaltung der Familienpolitik, gibt diese unterschiedliche Anreize, wie Menschen Arbeit und Familie vereinbaren (Leitner, 2003). Zum Beispiel motiviert ein hohes Kindergeld bei gleichzeitig unzureichender Kinderbetreuungsinfrastruktur wie in Ungarn (Lovász & Szabó-Morvai, 2019), ein traditionelles Familienbild. In diesem Modell geht der Mann einer Erwerbstätigkeit nach, während die Frau zu Hause bleibt, weil es unter solchen Umständen teilweise günstiger ist, wenn Frauen die Sorgearbeit allein übernehmen, da sie meistens weniger verdienen. Eine Elterngeldregelung bei der ein Teil der Elternzeit für Väter reserviert ist, verbunden mit einer ausgebauten Kinderbetreuung wie in Norwegen (Windwehr et al., 2022), fördert hingegen ein egalitäres, also gleichberechtigtes Familienmodell (auch Doppelversorger-Modell genannt). In diesem Modell werden beide Elternteile bei der Erwerbs- und Sorgearbeit unterstützt und gehen beide in etwa gleichem Umfang einer Erwerbstätigkeit nach und teilen sich die Sorgearbeit ungefähr gleich auf.
Beide familienpolitischen Modelle helfen Paaren dabei ihrem Kinderwunsch nachzugehen (Billingsley & Ferrarini, 2014). Eine Familienpolitik, die eine traditionelle Aufteilung der Elternrollen fördert, führt jedoch häufig dazu, dass Menschen ihren Kinderwunsch nur im Hinblick auf ein erstes Kind verwirklichen, um die günstigen Rahmenbedingungen zu nutzen. Dagegen erfüllen sich Menschen in familienpolitischen Kontexten, die ein egalitäres Familienbild unterstützen, auch Kinderwünsche, die über das erste Kind hinausgehen, da beiden Partnern langfristig die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtert wird. So hat für beide Elternteile das mehrmalige Aussetzen des Arbeitsverhältnisses für Sorgearbeit keine negativen Konsequenzen auf den Erwerbsverlauf und die Gleichstellung in Partnerschaften wird gefördert.
Reproduktionspolitik in Europa der vergangenen 100 Jahre
Die Familienpolitik zielt darauf ab, die sozio-ökonomischen Bedingungen zu verbessern, unter denen Menschen ihre Familienplanung treffen. Staaten beeinflussen demografische Entwicklungen jedoch auch durch gezielte Eingriffe in die menschliche Reproduktion, die unter den Begriff Reproduktionspolitik zusammengefasst werden. Dieser Politikbereich beinhaltet alle Maßnahmen, die beeinflussen, welche Menschen wie das Kinderkriegen planen, verhindern und umsetzen (Zagel et al., 2025). Beispiele hierfür sind staatliche Regulierungen von Verhütungsmitteln, Schwangerschaftsabbrüchen oder der Reproduktionsmedizin.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das Kinderkriegen in ganz Europa als Dienst an der Allgemeinheit betrachtet. Verhütungsmittel und Schwangerschaftsabbrüche waren kriminalisiert oder nur schwer zugänglich. In Staaten mit protestantischer Mehrheit, wie Schweden und der Schweiz, war die Reproduktionspolitik zusätzlich von eugenischen Vorstellungen geprägt, also der bewussten Veränderung der „Erbgesundheit“ eines national gedachten „Volkskörpers“ (Klausen & Bashford, 2010).
Zwangsterilisationen und behördlich angeordnete Schwangerschaftsabbrüche waren die Hauptinstrumente zur vermeintlichen Förderung der Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Bevölkerung. Diese Eingriffe betrafen besonders arme Frauen, Menschen mit Behinderung und Personen in Krankenhäusern, psychiatrischen Einrichtungen und Gefängnissen (Reilly, 2015). Während manche Politikerinnen und Politiker diese Maßnahmen aus ihrem Glauben heraus unterstützten, dass manche Menschen besser und mehr wert als andere seien, sahen andere in der Eugenik eine Möglichkeit, die Anzahl wohlfahrtstaatlicher Leistungsbezieherinnen und Leistungsbezieher zu reduzieren (Mottier, 2010).
Eine extreme Ausformung fand die eugenische Reproduktionspolitik im nationalsozialistischen Deutschland, das gezielt Menschen, die als minderwertig erachtet wurden, ermordete (Timm, 2016). Insgesamt wurden im Rahmen der „Euthanasie“-Aktionen in ganz Europa etwa 200.000 bis 300.000 Menschen getötet, die als nicht rentabel oder nützlich für die Gesellschaft galten (bpb, 2019). Die Aufdeckung der NS-Verbrechen diskreditierte eugenische Vorstellungen nach dem Zweiten Weltkrieg.
In den 1950er Jahren wurde der Schwangerschaftsabbruch auf Wunsch der schwangeren Person infolge sowjetischer Vorgaben in Osteuropa nach und nach legalisiert (Levels, 2011) und blieb über mehrere Jahrzehnte hinweg das wichtigste Mittel, um Geburten zu verhindern (Heinemann, 2018). Ab den 1960er Jahren wurde in Westeuropa im Zuge feministischer Bewegungen Reproduktionspolitik stärker im Zusammenhang mit reproduktiven Rechten diskutiert. Darunter wird die menschenrechtliche Vorstellung gefasst, dass jede Person jenseits staatlicher Eingriffe autonom über ihren Körper und das Kinderkriegen entscheiden können sollte (Luna & Luker, 2013).Voraussetzungen hierfür sind sexuelle Aufklärung und der niedrigschwellige Zugang zu Verhütungsmitteln sowie Schwangerschaftsabbrüchen.
Die Reproduktionspolitik in Westeuropa liberalisierte sich durch zwei Entwicklungen (Inglehart & Norris, 2003): Erstens trug die Interner Link: Einführung der hormonellen Verhütung („Pille“) 1960 dazu bei, dass Sexualität und Reproduktion entkoppelt wurden, was speziell zur Selbstbestimmung von Frauen beitrug. Zweitens wurde in den meisten westeuropäischen Staaten der Schwangerschaftsabbruch unter Verweis auf Frauengesundheit und Geschlechtergleichheit durch eine Fristenregelung ermöglicht. So ist in Deutschland beispielsweise ein Schwangerschaftsabbruch bis zur zwölften Woche straffrei, wenn auch nicht legal.
Einen Wendepunkt erlebte der Diskurs um reproduktive Rechte mit der Weltbevölkerungskonferenz der Vereinten Nationen (UN) 1994 in Kairo. Dort bekannten sich die UN-Staaten zu einer Reproduktionspolitik, die die Gesundheit und das Wohlbefinden von Individuen in den Mittelpunkt stellt und nicht versucht, demografische Entwicklungen zu steuern (Cohen & Richards, 1994). In diesem Zusammenhang wurde die Stärkung reproduktiver Rechte auch in die Ziele für nachhaltige Entwicklung der UN (engl. Sustainable Development Goals, SDGs) aufgenommen (Starrs et al., 2018). In diesen Zielen wird jedoch nicht auf den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen als Teil reproduktiver Rechte eingegangen. Darüber hinaus sind Fragen und Antworten zur Unterstützung bei unerfülltem Kinderwunsch, zum Beispiel durch Reproduktionsmedizin, unterrepräsentiert.
Staatliche Programme zur Geburtensteigerung weltweit
In den vergangenen Jahrzehnten haben verschiedene Staaten weltweit versucht, durch politische Maßnahmen Einfluss auf die Familienplanung zu nehmen. Hier einige Beispiele:
In China galt von 1979 bis 2015 die Ein-Kind-Politik: Es war Menschen nicht erlaubt, mehr als ein Kind zu bekommen. Frauen wurden teilweise gewaltsam zur Verhütung gezwungen, es gab Zwangsabtreibungen, vor allem von Mädchen, und massive Geldstrafen für Paare, die sich der Ein-Kind-Politik widersetzten. Seit 2015 dürfen Paare zwei, seit 2021 drei Kinder bekommen.
In Japan sind Kitas seit 2019 für Drei- bis Fünfjährige kostenlos, eine Frau bekommt für ein Kind 2.780 Euro.
Frankreich setzt auf eine sehr hohe Dichte an Kinderbetreuungseinrichtungen. Eltern mit einem Kind unter drei Jahren können unabhängig vom Einkommen staatliche Zuschüsse erhalten. Neuerdings schickt die Regierung allen 29-jährigen Frauen einen Brief, der über Fruchtbarkeit aufklären und dazu beitragen soll, dass sich junge Menschen früher für Kinder entscheiden.
Südkorea hat in den letzten zwei Jahrzehnten Hunderte Milliarden Dollar in geburtenfördernde Maßnahmen investiert, darunter Geldleistungen, Wohngeldzuschüsse, verlängerten Elternurlaub und Unterstützung bei der Kinderbetreuung. Einige Unternehmen bieten mittlerweile bis zu 57.900 Euro pro Geburt an. Südkorea hat mit zuletzt 0,72 bis 0,75 Kindern pro Frau die niedrigste Geburtenrate weltweit.
In vielen Bundesstaaten der USA ist Abtreibung durch ein Gerichtsurteil des Obersten Gerichtshofs seit 2022 wieder verboten. Damit nimmt der Staat indirekt auch Einfluss auf bisweilen ungewollte Schwangerschaften und Geburten.
In Ungarn fördert der Staat den Erwerb und die Erweiterung von Wohnimmobilien, wenn man ein Kind hat oder sich verpflichtet, innerhalb einer bestimmten Frist ein Kind zu bekommen. Je mehr Kinder man hat oder bekommt, desto höher ist der staatliche Zuschuss.
Demografischer Wandel und Reproduktionspolitik in rechtsextremen Diskursen
Blickt man auf die gegenwärtigen reproduktionspolitischen Regulierungen einkommensstarker Länder, ergibt sich ein gemischtes Bild. In den vergangenen Jahren haben einige europäische Länder reproduktive Rechte gestärkt. In Großbritannien ist die „Pille danach“ seit 2025 kostenfrei (NHS, 2024), das Recht auf den Schwangerschaftsabbruch wurde 2024 in die französische Verfassung aufgenommen (Bottini et al., 2024) und seit dem gleichen Jahr sind in Estland reproduktionsmedizinische Maßnahmen auch lesbischen Paaren zugänglich (Riigikogu, 2024). Dagegen haben die USA in den vergangenen Jahren den Zugang zu Verhütungsmitteln und Schwangerschaftsabbrüchen teils massiv erschwert (Forati & Bartz, 2025), in Polen sind Abbrüche auf Wunsch der schwangeren Person kriminalisiert (Bień-Kacała & Drinóczi, 2023) und Italien hat es unter Strafe gestellt, dass seine Bürgerinnen und Bürger im Ausland eine Leihmutterschaft in Anspruch nehmen, auch wenn diese dort legal ist (Ubiali, 2024).
Eine Gemeinsamkeit in dieser Hinsicht besteht darin, dass in vielen dieser Staaten rechtsextreme Parteien reproduktive Rechte politisieren und deren Einschränkung anstreben. Diese Akteurinnen und Akteure geben sich häufig harmlos, indem sie sich als Pronatalisten (aus Lateinisch pro „für“ und natalis „geburtlich, Geburt-“) bezeichnen, die das Kinderkriegen als gesellschaftlich wertvoll und förderungswürdig betrachten (Forati & Bartz, 2025). Tatsächlich basiert dieses Weltbild jedoch auf der Idee des „Großen Austauschs“ (Goetz, 2021), die Fragen des demografischen Wandels mit der Regulierung von Reproduktionspolitik verknüpft. In diesem antisemitischen und rassistischen Verschwörungsglauben wird der demografische Wandel als Folge eines angeblichen Plans (meist jüdischer) Eliten gesehen, den Anteil der autochthonen, also alteingesessenen Bevölkerung durch Immigration zu verringern. Dahinter steckt auch der frauenfeindliche Gedanke, dass Frauen diese Entwicklung fördern würden, indem sie aufgrund eigener Berufsambitionen weniger Kinder bekämen. Vor diesem Hintergrund wird eine restriktive Reproduktionspolitik als notwendig erachtet, um die Geburtenrate zu erhöhen und Frauen wieder stärker zu Haushalt und Kindererziehung zu verpflichten.
In der frauenfeindlichen Haltung rechtsextremer Parteien wird das Kinderkriegen wieder als Dienst an der Allgemeinheit betrachtet und ein reaktionäres Familienbild propagiert. Doch auch Akteurinnen und Akteure aus anderen politischen Lagern müssen die Auswirkungen ihrer reproduktionspolitischen Programme und ihres Umgangs mit dem demografischen Wandel auf Individuen berücksichtigen. Unterstützung beim Kinderwunsch kann, ohne dass eine kritische Auseinandersetzung mit der Wirkung familien- und reproduktionspolitischer Rhetorik und Maßnahmen erfolgt, auf Ablehnung in der Bevölkerung stoßen und die Autonomie der Betroffenen einschränken (Gietel-Basten et al., 2022). Wenn die Geburtensteigerung zum primären Ziel wird, geraten systemische Lösungen im Umgang mit dem demografischen Wandel leicht aus dem Blick.
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Rohan Khan ist seit Januar 2023 wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Emmy-Noether-Forschungsgruppe „Varieties of Reproduction Regimes: Institutions, Norms and Social Inequality“ am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). In seiner Dissertation untersucht er das wechselseitige Verhältnis von öffentlicher Meinung und Reproduktionspolitik im Ländervergleich. Seine Forschung trägt zur neu entwickelten „International Reproduction Policy Database“ bei.