Ageismus: Negative Altersbilder und Altersdiskriminierung überwinden
Eva-Marie Kessler
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Ageismus drängt ältere Menschen ins gesellschaftliche Abseits. Das kann negative Folgen für Gesundheit und Teilhabe haben. Dem lässt sich durch Aufklärung und den Abbau von Stereotypen entgegenwirken.
Ageismus bezeichnet die ungerechtfertigte Ungleichbehandlung älterer Menschen aufgrund ihres Alters – auf zwischenmenschlicher und institutioneller Ebene sowie in Form von Vorurteilen, Stereotypen und Altersnormen.
Negative Altersbilder sind recht weit verbreitet, auch in Deutschland: Rund ein Drittel der Befragten meint etwa, Ältere sollten ihre Rollen für Jüngere räumen.
Ageismus kann erhebliche negative Folgen für Gesundheit, Wohlbefinden und gesellschaftliche Teilhabe haben. Frauen sind durch Alter und Geschlecht doppelt betroffen.
Begünstigt wird Ageismus durch die Angst vor Vergänglichkeit, fehlende Teilhabemöglichkeiten, negative Mediendarstellungen und seine gesellschaftliche Normalisierung.
Entgegenwirken lässt sich ihm durch Aufklärung, Selbstreflexion, generationenübergreifende Begegnungen und Kampagnen. Auf UN-Ebene wird zudem an einer Konvention für die Rechte älterer Menschen gearbeitet.
Personen der aktuell älteren Generationen leben nicht nur länger und bleiben länger gesund, sie fühlen sich selbst auch jünger als frühere Generationen im gleichen Alter. Das liegt hauptsächlich daran, dass Menschen heutzutage gesünder leben, sich besser ernähren und dass ihnen mehr und bessere medizinische Versorgung zur Verfügung steht. Trotzdem bleibt das Potenzial der Gruppe älterer Menschen ab 60 oder 65 Jahren und der sehr alten Menschen ab 80 oder 85 Jahren immer noch weitgehend ungenutzt. Eine Ursache dafür ist die hierzulande verankerte Auffassung, wonach das Leben im Alter wenig beeinflussbar und weniger wertvoll sei als frühere Lebensphasen. In diesem Zusammenhang spricht man von Ageismus (von dem englischen Wort „ageism“) oder Altersdiskriminierung.
Ageismus als problematisches Denken, Fühlen und Handeln gegenüber älteren Menschen
Ageismus bedeutet, dass Menschen auf Basis ihres fortgeschrittenen biologischen Alters ungerechtfertigt ungleich beurteilt und behandelt werden. Diese Form der Diskriminierung manifestiert sich in unterschiedlichen sozialen Interaktionen: So erleben ältere Menschen mitunter Ignoranz und Herabwürdigung, sie werden bevormundet, infantilisiert, also verkindlicht, oder aus gesellschaftlichen Kontexten ausgeschlossen (interpersonaler Ageismus). Ageismus kann sich aber auch auf gesetzlicher Ebene (beispielsweise in Altersobergrenzen für bestimmte politische Ämter) und in institutionellen Praktiken (beispielweise dem Ausschluss älterer Arbeitnehmer:innen von Weiterbildungsmaßnahmen) widerspiegeln (institutionalisierter Ageismus).
Hinzu kommen subtilere und implizitere Formen gefühlsmäßiger Bewertungen alter Menschen, wie etwa Abneigungen oder Mitleid. Damit sind häufig negative Vorurteile und Stereotype verknüpft, die alten Menschen als vermeintlich „typische“ Eigenschaften und Verhaltensweisen (schwach, unflexibel, einsam, konservativ) zugeschrieben werden (altersbezogene Vorurteile; Altersstereotype bzw. Altersfremdbilder). Ageismus spiegelt sich auch in bestimmten Erwartungen darüber wider, welche Eigenschaften und Verhaltensweisen für ältere Menschen bzw. als alter Mensch als (un-)angemessen gelten. Dazu gehört, dass man als alter Mensch bescheiden sein und nicht zur Last fallen soll (Altersnormen). Insgesamt verbirgt sich hinter Ageismus also ein problematisches Denken, Fühlen und Handeln gegenüber älteren Menschen und dem Altern im Allgemeinen. Der Begriff bezieht auch existierende problematische gesellschaftliche Strukturen und Normen mit ein, die ältere Menschen benachteiligen.
Ageismus ist weit verbreitet
Die bisher umfangreichste Überblicksarbeit zu ageistischen Einstellungen belegt, dass älteren Menschen in südostasiatischen Kulturen und solchen, die einen starken Wert auf Gemeinschaft legen (kollektivistische Kulturen), entgegen weitläufiger Vermutungen, die negativsten Altersfremdbilder entgegengebracht werden. Für Europa wurden dagegen eher unterdurchschnittliche ageistische Einstellungen festgestellt.
Dennoch sind negative Stereotype und fragwürdige Rollenklischees gegenüber älteren Menschen auch in Deutschland weit verbreitet. Das zeigt die Studie „Ageismus - Altersbilder und Altersdiskriminierung in Deutschland“ im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS ). In dem Survey wurde bundesweit eine bevölkerungsrepräsentative Stichprobe von 2.000 Personen zwischen 16 und 96 Jahren telefonisch befragt. Rund ein Drittel der Befragten stimmte demnach der Aussage zu, dass alte Menschen „Platz machen“ sollten für die jüngere Generation, indem sie wichtige berufliche und gesellschaftliche Rollen aufgeben (32 Prozent). 51 Prozent der Befragten waren für eine Regelung, wonach „Menschen nur bis zu einem bestimmten Alter, wie etwa bis 70 Jahre, politische Ämter haben dürfen“. 53 Prozent der Befragten gaben außerdem an, ältere Menschen trügen nicht entscheidend zum gesellschaftlichen Fortschritt bei.
Ageismus hat negative Konsequenzen
Es ist umfangreich belegt: Wenn älter werdende Menschen mit Ageismus konfrontiert werden, hat das erhebliche negative Konsequenzen für ihre körperliche und psychische Gesundheit, ihr Wohlbefinden, ihre geistige Leistungsfähigkeit und ihre soziale Teilhabe . Ageismus am Arbeitsplatz erhöht beispielsweise nachweislich das Risiko für Gesundheitsprobleme und für mittel- und längerfristige Arbeitsausfälle. Besonders fatal ist es, wenn Personen Ageismus über ihr eigenes Leben hinweg verinnerlichen. Vormals ausschließlich auf andere bezogene Vorstellungen vom Alter und Altsein werden dann auf die eigene Person übertragen und beeinflussen die Wahrnehmung des eigenen Alters . In diesem Zusammenhang spricht man von „internalisiertem Ageismus“. Indikatoren für ein negatives, auf Verlust hin orientiertes Altersselbstbild sind Glaubenssätze wie: „Ich bin so alt…, ich kann mich nicht mehr verändern“, „Es interessiert sich keiner mehr für mich“ oder „Ich sollte mich zurückhalten“. Im Arbeitskontext kann ein negatives internalisiertes Altersbild dazu führen, dass Arbeitnehmer:innen ihre Erwerbstätigkeit früher aufgeben, als sie es sonst tun würden. Aus Angst, einem negativen Altersstereotyp zu entsprechen, bleiben hingegen andere ältere Arbeiternehmer:innen häufig nur deshalb erwerbstätig, um körperlichen und geistigen Abbau zu verhindern.
Die psychologischen Mechanismen eines von außen projizierten sowie gegen-sich-selbst gerichteten Ageismus fügt Menschen nachweislich Schaden zu: Sie werden inaktiver, ihr Stresslevel steigt, der Lebenswillen sinkt. Nimmt man diese negativen Konsequenzen zusammen, wird deutlich, dass Ageismus, nicht nur einen erheblichen persönlichen Schaden für alte Menschen bedeutet, sondern auch einen für Organisationen und die Volkswirtschaft haben kann.
Ageismus als Ausdruck kulturellen Rückstandes
Eine wesentliche Quelle von Ageismus ist die Angst vor Tod und Vergänglichkeit. Vor allem „Altersmarker“ wie graue Haare, Falten und Gebrechlichkeit erinnern Menschen daran, dass der eigene Körper fragil und das Leben endlich ist. Dies kann dazu führen, dass man zu alternden Menschen auf Distanz geht. Trotz des schnell fortschreitenden demografischen Wandels gibt es deutlich zu wenige Möglichkeiten für ältere Menschen, sich sozial, kulturell und politisch zu beteiligen . Das Gesundheitssystem, die Arbeitswelt und Bildungseinrichtungen sind weit davon entfernt, gerade hochaltrigen Menschen Angebote zu machen, die es ihnen ermöglichen, ihr Leben nach den eigenen Potenzialen und Bedürfnissen zu gestalten. Zum Teil schließen sie ältere Menschen sogar aktiv aus. Hinzu kommt, dass gesellschaftliche räumliche Strukturen, die nach Alter trennen, zum Beispiel Wohnanlagen speziell für Seniorinnen und Senioren, verhindern, dass Menschen verschiedener Altersgruppen miteinander in Kontakt treten und realistische Vorstellungen übereinander entwickeln können.
Indem Medien Darstellungen und Narrative vermitteln, in denen Altern als Naturkatastrophe oder Apokalypse dargestellt wird („Überalterung der Gesellschaft“) und ältere Menschen als schwache Opfer gezeigt werden, tragen sie zur Produktion bzw. Reproduktion eines Altersbildes bei, dem zufolge Altern etwas sei, das es zu fürchten und zu vermeiden gelte. Medialer Ageismus drückt sich auch darin aus, dass ältere Charaktere im Fernsehen, gerade ältere Frauen, seltener dargestellt werden und ältere Menschen in Polittalkshows weniger zu Wort kommen. Negative Darstellungen des Alters und älterer Menschen in der medialen Öffentlichkeit werden teilweise auch aktiv von Kosmetik- und Biotechunternehmen befördert, um Anti-Aging Produkte zu verkaufen, die äußeres Altern vermeintlich abbremsen und Langlebigkeit (im Englischen „Longevity“) befördern können
Longevity – der Hype um ein langes Leben
Hinter dem Begriff „Longevity“ steckt das Konzept des gesunden Alterns. Im Fokus steht dabei die Frage, wie man bis ins hohe Alter gesund und fit bleiben kann. Ziel ist eine möglichst lange gesunde Lebensspanne ohne schwere Erkrankungen, die sogenannte „Healthspan“.
Diese ist durch viele verschiedene Faktoren beeinflussbar, wie etwa gesunde Ernährung, Bewegung, mentale Gesundheit, soziale Beziehungen aber auch durch medizinische Methoden wie Prävention und Vorsorge. Die vier Säulen der Longevity, Ernährung, Bewegung, Schlaf und physische Gesundheit sollen im Zusammenwirken Zellalterung verlangsamen und schweren Krankheiten vorbeugen können.
Laut einer US-Studie könnte sich das Leben um durchschnittlich 20 Jahre verlängern, achtet man auf folgende Faktoren:
körperlich aktiv sein
sich gut ernähren
nicht rauchen
gut mit Stress umgehen können
nicht übermäßig Alkohol trinken
gut und regelmäßig schlafen
positive soziale Beziehungen pflegen
nicht von Opioid-Schmerzmitteln abhängig sein
Viele Menschen – insbesondere solche, die in Armut leben – können viele dieser äußeren Faktoren, die ihre Lebenserwartung begünstigen können, jedoch kaum bis wenig beeinflussen. So beträgt der Unterschied in der Lebenserwartung von Menschen mit niedrigem und Menschen mit hohem Einkommen allein in Deutschland laut einer Publikation aus dem Jahr 2024, an der anderem das Robert-Koch-Institut (RKI) und das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) beteiligt waren, mehr als zehn Jahre.
Die vollständige Beitrag „Höheres Haushaltseinkommen geht bei Frauen und Männern mit höherer Lebenserwartung einher“ ist Externer Link: hier zu finden.
Ageistische Haltungen und diskriminierende Verhaltensweisen gegenüber älteren Menschen sind anderen Menschen häufig nicht bewusst. Daher bleiben sie oft unhinterfragt, sodass sich eher selten ein Problembewusstsein entwickelt. Ageismus wird sogar gerechtfertigt, indem sich Personen auf vermeintlich natürliche Gegebenheiten im Alter („Im Alter kann man das nicht mehr so gut“) oder nicht mehr vorhandene Bedürfnisse („Im Alter will man das nicht mehr“) berufen . Ageismus wird deshalb oft als normal wahrgenommen, toleriert und reproduziert. Ein Beispiel dafür ist, dass Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen oftmals einen ihnen selbst nicht bewussten Behandlungspessimismus haben und kaum über Qualifikationen in der Alterswissenschaft (Gerontologie) verfügen. Entsprechend machen sie bisweilen keine optimalen Behandlungsangebote für ihre älteren Patient:innen. Obwohl die Fachgesellschaft Psychologie in ihren medizinischen Leitlinien empfiehlt, älteren Patient:innen bei gleicher Diagnose wie bei jüngeren Patient:innen eine Psychotherapie zu verschreiben, passiert das deutlich seltener. Stattdessen bekommen Älteren häufiger Psychopharmaka verschrieben.
Wird Ageismus im Verlauf des Lebens verinnerlicht, birgt das die Gefahr, dass älteren Menschen selbst oftmals nicht auffällt, wenn sie ageistisch bewertet oder behandelt werden. Bekommt beispielsweise eine ältere Person am Arbeitsplatz keine oder weniger anspruchsvolle Aufgaben übertragen, so wird dies von ihr möglicherweise normalisiert – zumindest erhebt sie möglicherweise keinen Einspruch dagegen, weil dies gegen die Altersnorm verstoßen würde, zurückgenommen und bescheiden zu sein. Wenngleich das Alter der am häufigsten erlebte Diskriminierungsgrund bei älteren Menschen ist, fühlen sich ältere Menschen wegen ihres hohen Alters seltener diskriminiert als junge Menschen wegen ihres jungen Alters . Das ausgeprägteste Bewusstsein für Ageismus existiert bei älteren Menschen in Situationen, in denen ihnen in guter Absicht Autonomie und Verantwortung entzogen und sie bevormundet werden (sog. „barmherziger Ageismus“).
Frauen im besonderen Maße von Ageismus betroffen
Mit zunehmendem Alter erfahren Frauen Diskriminierung aufgrund von Alter und Geschlecht. Ageismus überschneidet sich dabei mit Sexismus und erzeugt so eine doppelte Diskriminierung, wobei sich Ageismus und Sexismus gegenseitig bedingen und verstärken (auch Intersektionalität genannt). Durch diesen genderspezifischen Ageismus (im Englischen „gendered ageism“) werden Frauen im Alter in besonderer Weise benachteiligt und sind zudem früher im Lebenslauf als Männer negativen Altersstereotypen und Altersnormen ausgesetzt. Beispielsweise erleben sie bereits im mittleren Erwachsenenalter den Druck, biologisch jünger aussehen zu müssen. Die Verinnerlichung des am Jungsein oder Junggebliebensein orientierten Schönheitsideal kann dazu beitragen, dass sich vor allem ältere Frauen selbst als weniger attraktiv erleben. Arbeitnehmerinnen über 50 Jahren werden oft nicht befördert, da sie werden im Umgang mit neuen Medien und Technologie als weniger fähig wahrgenommen und zu frühzeitigem Ausstieg aus ihren Jobs gedrängt werden – das kann mit Selbstzweifeln, reduziertem Engagement und einem wirtschaftlichen Schaden für Unternehmen einhergehen.
Ageismus entgegenwirken
Es gibt Hinweise darauf, dass die Wahrnehmung älterer Menschen und des Alters über das letzte Jahrhundert hinweg nicht positiver geworden ist, sondern eher negativer. Darüber hinaus birgt der größer werdende Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung in einer Situation multipler gesellschaftlicher Krisen (Klimawandel, Demokratiegefährdung, volkwirtschaftlicher Abschwung, Kriege in Europa) die Gefahr, dass ältere Menschen zunehmend stigmatisiert, benachteiligt und ausgegrenzt werden. Daher sollte Ageismus gezielt entgegengewirkt werden.
In der Forschung haben sich verschiedene, auf individueller Ebene ansetzende Interventionen als vielversprechend erwiesen . Ein Interventionsansatz besteht darin, mehr über Alternsprozesse zu informieren. In einem Wissensquiz lernen Personen beispielsweise spielerisch, Altersstereotype zu hinterfragen. Dabei wird ihnen häufig bewusst, wie negativ ihre eigenen Altersbilder sind. Personen können auch dazu angeleitet werden, Ageismus im Alltag – etwa ageistische Witze – zu beobachten und zu dokumentieren. Solche erzieherisch ausgerichteten Programme können sich auch gezielt an bestimmte Berufsgruppen wie Hausärzt:innen oder Sozialarbeiter:innen richten, um Wissen zu erweitern und Einstellungen zu hinterfragen und anzupassen. In Gruppenformaten können außerdem Tipps ausgetauscht werden, wie man als älterer Mensch Ageismus begegnen kann.
Ein weiterer Interventionsansatz besteht darin, dass Personen im Rahmen von Selbstreflexion bei sich selbst problematische Denkmuster über das Alter („In meinem Alter brauche ich kein Internet mehr“) identifizieren und durch alternative Gedanken ersetzen („Ich muss keine Meisterin im Internet werden, aber es lohnt sich, es auszuprobieren“). Auch gemeinsame Aktivitäten, in denen sich ältere und jüngere Menschen gleichberechtigt begegnen, tragen nachweislich zu einem besseren wechselseitigen Verständnis und positiveren Altersbildern bei.
Auf gesellschaftlicher Ebene sind Kampagnen, wie sie von politischen und zivilgesellschaftlichen Akteur:innen durchgeführt werden, potenziell eine vielversprechende Strategie zum Abbau von Ageismus. Aus alterswissenschaftlicher und kommunikationswissenschaftlicher Sicht wäre es jedoch sinnvoll, wenn im Mittelpunkt solcher Kampagnen nicht primär „Altersheld:innen“ (etwa der 85-jährige Marathonläufer) stehen. Vielmehr sollten Kampagnen dazu anregen, ageistisches Denken und Handeln infrage zu stellen und zu problematisieren sowie für die eigene Altersdiskriminierungserfahrung zu sensibilisieren. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) hat einige solcher Kampagnen durchgeführt. So war es Ziel der Kampagne „Ohne mich würdet ihr alt aussehen“, das Bewusstsein für das Potenzial älterer Frauen zu stärken und ihre Teilhabe am Arbeitsmarkt zu fördern. Außerdem unterstützte die ADS eine Kampagne des Vereins Silbernetzmit Weiterbildungen und Plakatkampagnen zum Thema Ageismus.
Der Kommunikationsleitfaden des Programms Altersbilder des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) bietet eine fundierte Hilfestellung, die für medialen Ageismus in Wort und Bild sensibilisieren möchte . Zielgruppe sind insbesondere Akteur:innen im Bereich von Medien und Pressearbeit sowie Kommunikator:innen im Kontext von Seniorenarbeit. Er gibt konkrete Anregungen für angemessene Darstellungen älterer Menschen, des Alterns und des demografischen Wandels. Diese Darstellungen liegen jenseits von Stereotypen, Vereinfachungen und einseitig pessimistischen Szenarien, sondern rücken die Vielseitigkeit, Diversität und Chancen älterer Menschen in den Mittelpunkt und damit auch die Realität individuellen und gesellschaftlichen Alterns.
Ageismus durchzieht alle Lebensbereiche älterer Menschen weltweit. Eine spezifische, rechtlich bindende UN-Konvention für die Menschenrechte älterer Menschen existiert bisher nicht, sollte jedoch aktiv angestrebt werden, um die Position älterer Menschen und ihre Rechte zu stärken. Aufbauend auf den Ergebnissen einer Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen (die sog. Open Ended Working Group on Ageing) hat der UN-Menschenrechtsrat im April 2025 den Prozess zur Ausarbeitung eines solchen Instruments eingeleitet. Im Frühjahr 2026 soll eine Arbeitsgruppe erstmals tagen.
Prof. Dr. habil. Eva-Marie Kessler ist Prorektorin für Interdisziplinarität und Wissenstransfer sowie Professorin für Gerontopsychologie an der MSB Medical School Berlin. 2022 wurde sie in die Sachverständigenkommission des 9. Bundesaltenberichts der Bundesregierung berufen. Ihre Forschung umfasst Altersbilder, psychische Gesundheit im Alter sowie Psychotherapie mit älteren Menschen. Ihre Arbeiten zeigen, wie Altersbilder und Geschlechterstereotype die psychotherapeutische Behandlung und gesellschaftliche Wahrnehmung älterer Menschen beeinflussen.