Wahlverhalten, Alter und Generation in Zeiten wechselnden Wahlverhaltens
Achim Goerres
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Wie Menschen in Deutschland wählten, hatte einmal viel damit zu tun, wann sie geboren wurden. Trotzdem ist es ein Trugschluss zu glauben, dass die alternde Gesellschaft Wahlen maßgeblich beeinflusst.
Die Wählerschaft altert stark, doch für die einzelne Wahlentscheidung sind Alter und Generation nicht so entscheidend, wie es häufig vermutet wird.
Seit den 1990er Jahren binden Parteien keine Generation mehr dauerhaft, das Wechselwählen nimmt zu. Die ohnehin kleinen Alterseffekte widerlegen zudem, dass Menschen im Alter konservativer wählen.
Junge Wählerinnen und Wähler reagieren besonders sensibel auf politische Zeittrends und unterscheiden sich zunehmend nach Geschlecht, auch beeinflusst durch Soziale Medien. Zudem wird die Wählerschaft vielfältiger.
Eine gealterte Wählerschaft ist an sich kein Problem für die Demokratie. Gleichwohl gibt es einen Bedarf an Sozialreformen, der aber oft am kurzfristigen Wahlkalkül scheitert.
Die deutsche Wählerschaft besteht in der Zukunft aus einer großen Mehrheit, die 50 Jahre und älter ist. Bei der Bundestagswahl 2025 gehörten bereits 59,1 Prozent aller Wahlberechtigten zur Gruppe 50plus. 1990 hatte dieser Anteil noch bei 43,8 Prozent gelegen. Im Jahr 2025 standen 29,6 Millionen 50plus-Wählerinnen und Wählern nur 6,2 Millionen Wählerinnen und Wähler im Alter von 18 bis 29 gegenüber – das entspricht einem Jungwähler auf fünf 50plus-Wählerinnen und Wähler (Bundeswahlleiterin 2025). Zwar altert die Wählerschaft schon seit dem Zweiten Weltkrieg (Birg and Flöthmann 2002), aber erst seit den Diskussion um Rentenreformen in den 1980ern wird das Thema politisch diskutiert
In diesem Beitrag erkläre ich (1) die Bedeutung von Generationen- und Alterseffekten auf das Wahlverhalten, (2) wie junge Wählerinnen und Wähler immer stärker auf aktuelle Zeittrends reagieren und warum zunehmende Unterschiede zwischen Frauen und Männern auftreten. Außerdem geht es darum, (3) wie das Verhalten von Wählerinnen und Wählern mit internationalen Wurzeln zur abnehmenden Vorhersehbarkeit des Wahlergebnisses beiträgt und wie (4) Parteien mit diesen Herausforderungen umgehen.
Meine These: Trotz der großen Mehrheit älterer Wählerinnen und Wähler war die Bedeutung des Alters und der Generation für die Wahlentscheidung des Einzelnen noch nie so unwichtig wie heute.
Generationeneffekte auf das Wahlverhalten gibt es nicht mehr
Stellen Sie sich zwei Wähler vor: einer heißt Peter, ist 70 Jahre alt und wurde 1956 geboren. Der andere heißt Leon, ist 20 Jahre alt und wurde 2006 geboren. Inwieweit hängt ihre Wahlentscheidung von ihrem Alter oder Jahrgang ab?
In den Sozialwissenschaften unterscheidet man zwischen Generationen- und Alterseffekten. Bei Generationeneffekten blickt man auf eine Gruppe von Menschen derselben Geburtsjahrgänge, die gemeinsam altern. Menschen können ihre politischen Ansichten noch bis ins hohe Alter verändern, besonders beeinflussbar sind sie aber im Alter von etwa 15 bis 25 Jahren. Was man gerade bei ersten Wahlen politisch erfährt, beeinflusst sie potenziell stärker als das, was sie später im Leben politisch erleben (Neundorf and Smets 2016).
Peter hatte, wenn er in Westdeutschland aufgewachsen ist, seine erste freie Wahlerfahrung bei der Bundestagswahl 1976. Die Wahlbeteiligung lag bei 90,7 Prozent, und es gab nur drei Fraktionen im Bundestag: die CDU/CSU, die SPD und die FDP. Leon dagegen hatte seine erste freie Wahlerfahrung im Jahr 2025 im vereinten Deutschland. Die Wahlbeteiligung lag bei 82,5 Prozent, und fünf Fraktionen waren im Bundestag (CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Die Linke und AfD) sowie zwei weitere Parteien, die knapp den Einzug in den Bundestag verpassten (FDP und BSW). Diese unterschiedlichen politischen Landschaften bei der Erstwahl haben das Potenzial, Peter und Leon und ihre Generationen langfristig zu prägen. Peter gehört zur Generation des SPD-Bundeskanzlers Willy Brandt (Goerres 2008) und zur westdeutschen Kohorte der Jahrgänge 1946 bis 1964. Diese wurde durch die unter den damaligen Jungwählerinnen und Jungwählern erfolgreiche SPD geprägt. Die Generation neigt bis heute eher zur SPD und zu den GRÜNEN als die vorherige Generation des CDU-Kanzlers Konrad Adenauer (Jahrgänge 1915 bis 1945).
Die westdeutsche Brandt-Generation ist Teil der zahlreichen Generation der Babyboomer (Jahrgänge 1957 bis 1968). Obwohl die Prägung zugunsten der SPD und den GRÜNEN ab Jahrgängen Mitte der 1960er verschwindet, gehören die Babyboomer insgesamt in Deutschland zu denen, deren westdeutsche Mitglieder mit den Parteien der Bonner Republik und ab 1990 gesamtdeutsch zusätzlich mit der PDS (Vorgängerpartei der Partei Die Linke) politisch aufwuchsen (vgl. Goerres 2025).
Aber spätestens seit den 1990ern und mit der Wiedervereinigung gelingt es den deutschen Parteien nicht mehr, eine Generation dauerhaft zu prägen. Langfristige Parteibindung und Stammwählen werden seltener. Eine zunehmende Wechselwählerschaft bedeutet, dass eine Generation, die bereits im jungen Alter erfolgreich umworben wurde, nicht mehr ihr Leben lang für dieselbe Partei stimmen und ihre Parteibindung ausbauen wird (Schoen and Müller 2024; Steiner 2024; Goerres 2009). Im Gegensatz zu Peter (Jahrgang 1956), dessen Generation noch durch SPD und GRÜNE geprägt worden ist, ist es unwahrscheinlich, dass sich Leon (Jahrgang 2006) aufgrund seiner Generationszugehörigkeit dauerhaft an eine Partei gebunden fühlt.
Da die Parteien es seit den 1990ern nicht schaffen, neue Generationen an sich zu binden, gibt es seit der Wiedervereinigung auch kaum stabile politische Generationenunterschiede in Ostdeutschland. Lediglich eine höhere Wahlneigung für die AfD unter „Mauerkindern“ wurde nachgewiesen - etwa die Jahrgänge 1960 bis 1975, die noch in der DDR aufgewachsen sind und die Unsicherheit der Wende und Nachwendezeit erlebt haben (Rippl 2020).
Alterseffekte auf das Wahlverhalten waren immer sehr klein
Alterseffekte bezeichnen die Dynamiken, die mit dem chronologischen Alter und nicht mit der Generationenzugehörigkeit verbunden sind. Sie zeigen also, unter welchen Umständen Wählerinnen und Wähler aufgrund ihrer Altersgleichheit ähnlich wählen, unabhängig davon, welcher Generation sie angehören. Tatsächlich gab es immer nur wenige, kleine Alterseffekte bei Parteipräferenzen. Für Wahlsysteme mit proportionalem Wahlrecht, wie in Deutschland, ist bekannt, dass Erstwählerinnen und -wähler am Anfang ihrer Wahlkarriere häufiger kleine Parteien wählen, die ihnen politisch nahestehen, aber keine Aussicht auf Erfolg haben. (Goerres 2008).
Eine populäre Fehlwahrnehmung ist, dass Wählerinnen und Wähler immer konservativer wählen, wenn sie altern. Dafür gibt es keine Belege. In Westdeutschland hat man lange Zeit an diesen Mythos geglaubt, weil der Anteil der älteren Wählerinnen und Wähler, die für die CDU/CSU stimmten, jahrzehntelang höher war als der Anteil jüngerer Wählerinnen und Wähler. Der Grund für dieses Muster lag darin, dass CDU/CSU die Adenauer-Generation (Jahrgänge 1915 bis 1945) erfolgreich eingefangen hatten. Nachfolgende Generationen haben dann jedoch immer weniger die CDU/CSU unterstützt und gewählt (Goerres 2008; Rekker 2024). Da man Altersunterschiede in Umfragen erst seit den 1960ern systematisch untersucht, wird der lange Niedergang der CDU/CSU über die Generationen hinweg fälschlicherweise als wachsender Alterskonservatismus gelesen.
Parallel dazu werden bestimmte Politikbereiche wichtiger, weil ihre Relevanz für das eigene Leben steigt (Busemeyer et al. 2009). So ist beispielsweise die Bildungspolitik vor allem dann für die Wählerschaft interessant, wenn sie selbst von dieser Politik betroffen sind (etwa Azubis, Studierende oder Lehrkräfte) oder wenn ihre Kinder davon profitieren (Eltern). Dass bestimmte Politikbereiche für einen Wähler oder eine Wählerin wichtiger werden, bedeutet aber nicht, dass sich ihre Präferenz in diesem Bereich verändert oder sie ihre Wahlentscheidung dahingehend anpassen. Wählerinnen und Wähler können sich nur für eine Person oder eine Partei entscheiden und müssen die Gesamtheit ihrer politischen Interessen auf eine einzige Wahloption hinunterbrechen. Das heißt: Wenn ein politisches Thema wie die Bildungspolitik auf einmal aufgrund der eigenen Position im Lebenslauf wichtiger wird, muss die Wählerin oder der Wähler dieses Thema noch mit allen anderen Themen abgleichen und darauf basierend eine Entscheidung treffen. Selbst wenn es Wählerinnen und Wähler geben sollte, die aufgrund ihrer aktuellen Lebensumstände nur noch ein einziges Politikfeld für wichtig erachten, müssen sich die Parteien in ihrem Angebot so klar unterscheiden, dass dieses Thema den Ausschlag geben kann.
Junge Wählerinnen und Wähler reagieren sensibel auf Zeittrends
Die größere Offenheit der Jungwählerinnen und -wähler für ein breiteres Repertoire von Parteien führt auch zu einer starken Reaktion auf politische Zeittrends. Junge Wählerinnen und Wähler spiegeln in ihren Wahlentscheidungen den Erfolgskurs der Parteien wider, die gerade einen Aufwärtstrend erleben. So sorgte das Wahlergebnis in der Gruppe der jüngsten Wählerinnen und Wähler (16 bis 24 Jahre) bei der Europawahl 2024 für Aufsehen: 15,2 Prozent von ihnen hatten die sich im Aufschwung befindende AfD gewählt, während es bei den ältesten Wählerinnen und Wählern (70plus) nur 9,2 Prozent waren (Bundeswahlleiterin, 2025).
War „die Jugend“ nach rechts gedriftet? Ja, vorübergehend schon. Das liegt daran, dass Zeittrends am ehesten in der Gruppe der Jungwählerinnen und -wähler zu erkennen sind. Parteien, die bei einer Wahl Stimmenanteile gewinnen, gewinnen überproportional bei den Jungen. Ältere Wählerinnen und Wähler werden erst später von diesem Trend erfasst (Rekker 2022).
Das heißt nicht, dass die Kohorten der Jahrgänge 2000 bis 2008 dauerhaft die AfD wählen werden. Denn es gelingt ja keiner Partei mehr, Generationen langfristig an sich zu binden. Grundsätzlich ist aber zu erwarten, dass das Wahlverhalten der jüngsten Wählerinnen und Wähler in Zukunft mehr schwanken wird als je zuvor.
Parteien haben als Folge weniger „Bestandskunden“, also Wählerinnen und Wählern, die auch beim letzten Mal für sie gestimmt haben. Bei der Bundestagswahl 2021 hatten beispielsweise 67,3 Prozent aller SPD-Wählerinnen und Wähler auch bereits 2017 die SPD gewählt. Hingegen hatten nur 43 Prozent der FDP-Wählerinnen und Wähler im Jahr 2021 der FDP schon 2017 ihre Stimme gegeben (Schoen and Müller 2024: Tab. 1).
Unterschiedliches Wahlverhalten nach Geschlecht und der Einfluss von Social Media
Neben dem deutlichen Trendeffekt zugunsten der sich im Aufschwung befindenden Parteien unterscheiden sich junge Frauen und Männer zunehmend (Hudde 2023). Bei der Bundestagswahl 2025 wählten 37,1 Prozent der jüngsten Frauen (18 bis 24 Jahre) die Linke, aber nur 17,6 Prozent der jüngsten Männer. Umgekehrt wählten nur 12,6 Prozent der jüngsten Frauen die AfD, während es bei den jüngsten Männern 25,2 Prozent waren. Ein Teil dieser Dynamik hat mit Sozialen Medien zu tun.
Sowohl die Jungwählerinnen als auch -wähler nutzen diese, um sich politisch zu informieren. Damit bekommt der technische Algorithmus dieser Kanäle eine politische Bedeutung. Der TikTok-Algorithmus beispielsweise spült Inhalte mit starken negativen Emotionen nach oben, die an den politischen Rändern häufiger gepostet werden. In den Feeds von Erstwählerinnen und Erstwählern waren während des Bundestagswahlkampfes 2024/25 AfD-Videos mit 37,4 Prozent und Linke-Videos mit 27,6 Prozent am stärksten präsent unter den parteipolitischen Videos (Bertelsmann Stiftung 2025). Einige Politikerinnen der Linken, allen voran Heidi Reichinnek, konnten 2025 eine große Reichweite auf TikTok generieren (Jäckle and Bauschke 2025) und sprachen besonders junge Wählerinnen an.
Insgesamt versuchen alle Parteien zunehmend unterschiedliche Gruppen von Wählerinnen und Wählern durch zielgruppengerechte Ansprache substanzieller Natur (also mit realpolitischen Angeboten) oder symbolischer Natur (Ansprache in Bezug auf Identität und Anerkennung einer Gruppenzugehörigkeit) anzusprechen. Politische Strategien, die dabei ausschließlich das Alter von Wählerinnen und Wählern in den Vordergrund stellen, sind jedoch selten erfolgreich.
Wachsende Heterogenität der Wählerschaft
Zu der wachsenden Heterogenität über Altersgruppen hinweg kommt die Gruppe von Wählerinnen und Wählern hinzu, die im Ausland geboren wurden oder Kinder von Menschen sind, die im Ausland geboren wurden. Diese etwa 14 bis 15 Prozent aller Wählerinnen und Wähler sind in der Tendenz unbeständiger als Menschen ohne internationale Wurzeln, weil sie im Schnitt eine geringere Parteienbindung aufweisen (Goerres et al. 2022). Wir kennen fast nur die parteipolitischen Präferenzen der großen Migrantengruppen, hier insbesondere der Türkeistämmigen und der Russlanddeutschen. Dabei wählten die Türkeistämmigen lange mehrheitlich die SPD, aufgrund ihrer starken Verortung im Arbeitermilieu, während die Russlanddeutschen zur CDU/CSU tendierten, aus Dankbarkeit dafür, dass unter der Regierung Kohl ihre Aussiedlung nach Deutschland ermöglicht wurde. Diese Dominanz einer Partei in den jeweiligen Gruppen ist vorbei. In beiden Gruppen hat eine Angleichung ihrer Parteipräferenzen an die Muster der Wählerinnen und Wähler ohne internationale Wurzeln stattgefunden (Goerres et al. 2018). Eine ähnliche Entwicklung ist für die neueste Gruppe von Wählerinnen und Wählern, den syrienstämmigen Deutschen, zu erwarten.
Politik mit einer gealterten Wählerschaft: Ein Problem?
Im Jahr 2026 sind etwa 60 Prozent der Wählerinnen und Wähler 50 Jahre und älter. Ist das ein Problem für die deutsche Demokratie? Deutschland unterhält einen umfangreichen Wohlfahrtsstaat, der es älteren Menschen erlaubt, auch ohne Kinder mit einem hohen Lebensstandard alt zu werden. Dies basiert maßgeblich auf einer direkten Umverteilung zwischen den Erwerbstätigen und Rentnerinnen und Rentnern. Je mehr ältere Menschen es gibt, die nicht mehr arbeiten, desto schwieriger wird diese Finanzierung. Das hat allerdings nichts mit den älteren Wählerinnen und Wählern zu tun, sondern mit politischen Entscheidungen, die in der Vergangenheit gefällt wurden und die Verteilung beeinflussen.
Wie könnte man dieses System reformieren? Dass es viele ältere Wählerinnen und Wähler gibt, ist entgegen der populären Wahrnehmung kein Problem. Ältere Wählerinnen und Wähler sind über ihre Familien in private Versorgungssysteme eingebunden, was ihnen ein Verständnis für die Probleme Jüngerer vermittelt, aber auch ein eigenes Interesse an Politik für Jüngere schafft. Selbst Menschen ohne Kinder haben fast immer „soziale Kinder“, häufig Nichten oder Neffen, an deren Leben sie teilhaben (Goerres and Tepe 2010; Hank 2023). Dass der deutsche Sozialstaat aber viele Programme hat, von denen ältere Menschen profitieren, erzeugt finanziellen Reformdruck. Die seniorenfreundlichen Institutionen des deutschen Sozialstaats, wie eine generöse staatliche Rente, die direkt umlagefinanziert ist, machen die alternde Gesellschaft teuer, nicht ältere Bürgerinnen und Bürger an sich (Vanhuysse and Goerres 2021).
Die politischen Lösungen zur Reform des Sozialstaats sind im Kern bekannt: Es braucht zunächst Interner Link: längere Lebensarbeitszeit sowie eine gesteuerte Einwanderung. Außerdem wären mehr zusätzliche Finanzierungarten teurer Sozialprogramme, wie Gebühren für bestimmte Gesundheitsleistungen nötig. Zudem sollte es mehr kapitalmarktgetriebene und weniger umlagefinanzierte Renten sowie Interner Link: Effizienzgewinne durch technologischen Fortschritt geben.
Bei Wahlen sind die Parteien eher kurzfristig auf die nächste Wahl fokussiert, die man gewinnen will. Der Respekt vor den Wählerinnen und Wählern und die Notwendigkeit, wiedergewählt zu werden, führt strukturell dazu, dass sich Politikerinnen und Politiker davor scheuen, eine kurzfristig unbeliebte, aber langfristig richtige Politik zu machen. Nur parteiübergreifende Initiativen, die die Unbeliebtheit der Maßnahmen gewissermaßen aus dem politischen Wettbewerb nehmen, können dieses Problem der Kurzfristigkeit liberaler Demokratie überwinden.
Eine alternde Gesellschaft kann Konflikte zwischen Generationen, Fragen politischer Repräsentation und die Auswirkungen ungleicher Einflussmöglichkeiten auf politische Entscheidungen aufwerfen.
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Achim Goerres ist Professor für Empirische Politikwissenschaft am Institut für Politikwissenschaft der Universität Duisburg-Essen. Er forscht zu den Auswirkungen großer gesellschaftlicher Veränderungen – insbesondere Bevölkerungsalterung und Zuwanderung – auf das politische Verhalten von Individuen in entwickelten Demokratien. Gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) leitete er die erste deutsche Migrantenwahlstudie anlässlich der Bundestagswahl 2017 mit Dennis C. Spies und führte 2021 mit Sabrina J. Mayer eine zweite, lokale Panelstudie zum Wahlverhalten von Menschen mit Migrationsgeschichte durch.