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Bildung im Spannungsfeld des demografischen Wandels

Mathias Hübener

/ 9 Minuten zu lesen

Bildung sorgt für ein gesünderes Leben und eine höhere Lebenserwartung. Zugleich führt sie dazu, dass weniger Kinder geboren werden. Damit spielt sie eine zentrale Rolle für den demografischen Wandel.

(bpb, Leitwerk) Lizenz: cc by-nc-nd/4.0/deed.de

Zusammenfassung

  • Bildung sorgt für ein gesünderes Leben und eine höhere Lebenserwartung, doch zugleich werden dadurch weniger Kinder geboren.

  • Gerade Menschen mit höheren Bildungsabschlüssen, beispielsweise Akademikerinnen und Akademiker, bekommen zunehmend später, weniger oder gar keine Kinder.

  • Die Förderung von frühkindlicher Bildung könnte zu einer höheren Erwerbsbeteiligung von Müttern führen und somit die Geburtenrate steigern.

Ob Menschen früh oder spät Kinder bekommen, wie stabil ihre Partnerschaften sind oder wie alt sie werden, erscheint auf den ersten Blick als private Angelegenheit. Tatsächlich sind diese Lebensereignisse jedoch eng mit Bildungswegen verbunden – und sie prägen maßgeblich, wie unsere Gesellschaft den demografischen Wandel erlebt und bewältigt.

Bildung beginnt nicht erst in der Schule, sondern bereits ab der Geburt im Elternhaus. Sie setzt sich in der Kita fort und bleibt auch über Schul-, Berufs- oder Studienabschlüsse hinaus ein lebenslanger Prozess. Um die Rolle von Bildung im demografischen Wandel zu verstehen, mussdaher zunächst die Frage beantwortet werden, wie Bildung individuelle Lebensverläufe formt – etwa in Bezug auf Partnerwahl, Familiengründung und Gesundheit.

Umgekehrt stellt sich die Frage: Wie verändert der demografische Wandel selbst die Anforderungen an Investitionen in Kinder und das Bildungssystem? Sinkende Geburtenzahlen, eine alternde Bevölkerung und eine zunehmende soziale, kulturelle sowie leistungsbezogene Vielfältigkeit von Schülerinnen und Schülern verändern die Bedingungen, unter denen Bildungsinvestitionen getroffen werden. Bildungspolitik wird damit zu einem zentralen Handlungsfeld, um die Potenziale aller Menschen bestmöglich zu fördern und zur Bewältigung des demografischen Wandels beizutragen.

Bildung und Partnerwahl

Bildung wirkt weit über den Erwerb formaler Abschlüsse hinaus und stellt zentrale Weichen für spätere Lebensentscheidungen. Bildungswege strukturieren soziale Netzwerke und Begegnungsräume. Sie beeinflussen damit häufig, mit wem Menschen Partnerschaften eingehen. Die Partnerwahl ist ein zentraler Mechanismus, über den sich Bildungsungleichheiten im Lebensverlauf verdichten.

In den meisten Partnerschaften zwischen Frauen und Männern in Deutschland haben beide in etwa das gleiche Bildungsniveau. Im Jahr 2017 betrug der Anteil dieser Paare nach Angaben des Statistischen Bundesamts 63 Prozent. In etwa jedem vierten Paar (27 Prozent) hat der Mann einen höheren Bildungsstand als die Frau, und nur in zehn Prozent der Fälle hat die Frau einen höheren Bildungsabschluss als ihr Partner. Auch in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften hatte die Mehrzahl (63 Prozent) einen gleichen Bildungsstand wie ihre Partnerinnen beziehungsweise Partner.

In Deutschland ist in den vergangenen Jahrzehnten der Anteil von Paaren gestiegen, in denen beide ein ähnliches Bildungsniveau aufweisen. Dieser Anstieg ist vor allem eine Folge der Bildungsexpansion ab den 1950er Jahren, die den Ausbau an Gymnasialschul- und Studienplätzen verfolgte, und mehr Mädchen und Frauen den Zugang zu Bildungseinrichtungen verschaffte. Da seitdem immer mehr Menschen – insbesondere Frauen – höhere Abschlüsse erreichen, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, einem ähnlich gebildeten Partner zu begegnen. Dadurch hat sich das traditionelle Muster abgeschwächt, wonach Männer häufiger höher gebildet waren als ihre Partnerinnen.

Bildungsähnliche Partnerschaften beeinflussen den demografischen Wandel, da sich in ihnen richtungsweisende Weichen im Hinblick auf Geburten, Gesundheit und finanzielle Absicherung stellen. Hochgebildete Paare verfügen im Durchschnitt über stabilere Erwerbsverläufe, höhere Einkommen und bessere gesundheitliche Voraussetzungen. Gering qualifizierte Paare sind dagegen häufiger von sozialen und finanziellen Unsicherheiten betroffen. Somit wird der demografische Wandel nicht nur durch Alterung und niedrige Geburtenraten, sondern auch durch eine wachsende soziale und regionale Bildungsungleichheit geprägt.

Bildung und Geburtenentscheidungen

Neben der Partnerwahl beeinflussen Bildungsverläufe auch maßgeblich den Zeitpunkt der Familiengründung sowie die Anzahl der Kinder, die Menschen im Laufe ihres Lebens bekommen. Die Geburtenrate (Fertilität) hängt eng mit Bildungs- und Erwerbsverläufen zusammen: Bildung beansprucht Zeit, wodurch sich der Einstieg ins Berufsleben nach hinten verschiebt. Dadurch verändern sich auch die finanziellen Rahmenbedingungen für eine potenzielle Elternschaft. Da die Kinderzahl entscheidend zur Altersstruktur der Bevölkerung beiträgt, ist dieser Zusammenhang für das Verständnis des demografischen Wandels von zentraler Bedeutung.

Empirisch zeigt sich zunächst ein deutlicher Anstieg des durchschnittlichen Alters von Müttern bei der Geburt des ersten Kindes: Zwischen 1990 und 2022 stiegt es von 24,5 auf 30,8 Jahre (siehe Abb. „Durchschnittliches Alter von Müttern bei der Geburt des ersten Kindes“). Frauen sind heute bei der Geburt des ersten Kindes also sechs Jahre älter als eine Generation zuvor. Diese Veränderung spiegelt unter anderem verlängerte Bildungsphasen, gerade durch ein Studium, wider.

Betrachtet man die Unterschiede nach Bildungsabschlüssen, zeigt sich: Mütter ohne akademischen Abschluss waren bei der Geburt ihres ersten Kindes im Jahr 2022 im Durchschnitt 29,6 Jahre alt, Mütter mit akademischem Abschluss dagegen 32,5 Jahre. Allerdings wird deutlich, dass das Erstgeburtsalter in beiden Bildungsgruppen über die Zeit hinweg gestiegen ist und sich der Altersabstand zwischen ihnen kaum verändert hat.

Auch bei der endgültigen Kinderzahl gibt es deutliche Bildungsunterschiede. Frauen mit Abitur oder einem anschließenden Studium haben im Durchschnitt deutlich weniger Kinder als Frauen mit einem niedrigeren Bildungsabschluss. Für die Geburtsjahrgänge 1973 bis 1977 lag die durchschnittliche Kinderzahl bei Frauen mit mittlerem und hohem Bildungsstand jeweils bei rund 1,5 Kindern, während Frauen mit niedrigem Bildungsstand im Durchschnitt etwa 2,2 Kinder hatten. Betrachtet man Frauen, die gar keine Kinder haben, ist der Anteil bei hochgebildeten Frauen deutlich höher als unter weniger gebildeten Frauen. Unter den Jahrgängen 1973 bis 1977 hatten im Jahr 2022 rund 23 Prozent der Frauen mit hohem Bildungsstand, aber nur elf Prozent der Frauen mit niedrigem Bildungsstand keine Kinder.

Auch für Männer zeigt sich, dass Höhergebildete tendenziell weniger Kinder haben. Allerdings haben Männer mit hohem Bildungsstand insgesamt seltener gar keine Kinder als Männer mit niedriger oder mittlerer Bildung. Dass Bildung bei Männern und Frauen ganz unterschiedlich mit der Kinderlosigkeit zusammenhängt ist darauf zurückzuführen, dass es wichtige Unterschiede zwischen Männern und Frauen in Bezug auf die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsarbeit gibt. Die gesellschaftlichen Geschlechterrolleneinstellungen und die berufliche Position höhergebildeter Männer erleichtert es ihnen häufig, Familie und Beruf miteinander zu verbinden, während die Karrieren und Erwerbsverläufe von Frauen oft durch die Familiengründung unterbrochen werden.

In jüngeren Jahrgängen deutet sich jedoch an, dass eine höhere Bildung immer weniger mit einer geringeren Kinderzahl von Frauen zusammenhängt: Die Kinderzahlen hochgebildeter Frauen nähern sich zunehmend denen von Frauen mit mittlerem Bildungsstand an. Diese Entwicklung wird häufig damit erklärt, dass es inzwischen in vielen Berufen besser möglich ist, Familie und Job miteinander zu vereinbaren.

Gute frühkindliche Bildung kann dazu führen, dass sich Paare für Kinder entscheiden. Sind die Eltern höher gebildet, entscheiden sie sich jedoch immer später für Kinder. (© picture-alliance/dpa, tmn | Florian Schuh)

Kausale Studien zur Bildungspolitik (die auf den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung blicken) stützen insgesamt die Einschätzung, dass Bildung tendenziell dazu führt, dass weniger Kinder geboren werden. Analysen für Deutschland zeigen, dass auch eine längere Schulpflicht zu einer geringeren Kinderzahl und höheren Kinderlosigkeit geführt hat. In skandinavischen Ländern wie Norwegen und Dänemark fallen solche Effekte hingegen schwächer aus: Dort zeigen Analysen vor allem Aufschubeffekte beim Übergang zur Elternschaft, während sich die Gesamtzahl der Kinder kaum verändert. Dieser Befund wird auf die gut ausgebauten familienpolitischen Unterstützungssysteme mit Elternzeiten, Kinderbetreuung und familienfreundlichen Arbeitsbedingungen zurückgeführt. Bildung wirkt damit nicht per se kinderreduzierend, sondern entfaltet ihre demografischen Effekte im Zusammenspiel mit solchen institutionellen Rahmenbedingungen.

Lehrermangel und Schulschließungen im ländlichen Raum

In ländlichen Regionen sind Kitas und Schulen für Kinder und Eltern häufig nicht so gut erreichbar wie in urbanen Gebieten. Meistens sind die Bewohnerinnen und Bewohner auf dem Land auf ein Auto oder längere Busfahrten angewiesen, um die Bildungsstätten zu erreichen.

Während Schülerinnen und Schüler beispielsweise in nicht-ländlichen Gebieten durchschnittlich 15 Minuten mit dem Rad zur Schule brauchen, sind es in ländlichen Regionen Brandenburgs oder Mecklenburg-Vorpommerns oft über 50 Minuten. Schulwege haben sich in den vergangenen 25 Jahren auch deswegen verlängert, da Schulen geschlossen wurden.

Hinzu kommt, dass in Deutschland ein teils gravierender Mangel an Lehrerinnen und Lehrern besteht – gerade in ländlichen Regionen. Nach Schätzungen der Kultusministerkonferenz (KMK) könnten 2030 bereits 31.000 Lehrkräfte fehlen. Laut einer Studie des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBs) könnten es bis 2035 sogar mehr als 100.000 sein. Ein Grund dafür ist, dass immer mehr angehende Lehrerinnen und Lehrer ihre Ausbildung abbrechen und zugleich Lehrkräfte zunehmend frühzeitig aus dem Beruf ausscheiden.

Diese angespannte Situation, gerade auf dem Land, hat zur Folge, dass viele Bildungsstätten im ländlichen Raum eher unterversorgt sind. Das zeigt sich auch an der Quote der Schulabgängerinnen und -abgänger ohne Abschluss: In sehr abgeschiedenen ländlichen Regionen Deutschlands liegt die Quote bei neun Prozent. Im Vergleich: In eher wirtschaftlich starken ländlichen Regionen liegt sie teilweise bei unter vier Prozent.

All diese Faktoren zusammengenommen führen dazu, dass junge Menschen auf dem Land nur eingeschränkte Möglichkeiten haben, an Bildung teilzuhaben.

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Bildung, Gesundheit und Lebenserwartung

Bildung hat nicht nur Einfluss auf die Partnerwahl und Familiengründung, sondern wirkt sich auch auf Gesundheit und Lebenserwartung aus. Aus lebensverlaufsorientierter Perspektive ist Gesundheit dabei das Ergebnis von Bildungswirkungen, die sich im Laufe der Jahre aufbauen: Bildung prägt gesundheitliches Wissen, Lebensstile, Arbeitsbedingungen und Einkommensverläufe und wirkt so langfristig auf Krankheitshäufigkeit (Morbidität) und Sterblichkeit (Mortalität).

Empirische Befunde zeigen, dass Bildungsunterschiede die Lebenserwartung erheblich beeinflussen. Die folgende Abbildung zeigt am Beispiel Deutschland, dass die Lebenserwartung in Jahrgängen, in denen mehr Menschen einen Gymnasialabschluss gemacht haben, deutlich angestiegen ist.

Auch internationale Analysen, die auf Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (engl. Organisation for Economic Co-operation and Development, OECD) basieren, weisen darauf hin, dass sich die Lebenserwartung hoch- und geringgebildeter Personen stark unterscheidet. So beträgt die Lebenserwartung von 25-jährigen Männern etwa 78 Jahre, die von Frauen des gleichen Alters 83 Jahre. Allerdings wird erwartet, dass Männer mit höherer Bildung im Durchschnitt sieben bis acht Jahre länger leben als Männer mit niedriger Bildung. Höher gebildete Frauen leben etwa fünf Jahre länger als Frauen mit niedriger Bildung. Im höheren Alter – ab etwa 65 Jahren – verringert sich diese Lücke auf etwa 3,6 Jahre bei Männern und 2,6 Jahre bei Frauen. In der Mehrzahl der Länder sind die Bildungsunterschiede in der Sterblichkeit bei Männern stärker ausgeprägt als bei Frauen. Die größere Differenz im jüngeren Erwachsenenalter erklärt sich dadurch, dass Personen mit niedriger Bildung, die öfter auch körperlich belastende Tätigkeiten ausüben, mit zunehmendem Alter häufiger früher versterben, sodass sich die verbleibenden Populationen im höheren Alter gesundheitlich stärker angleichen.

Bemerkenswert ist zudem, dass Bildung nicht nur individuell gesundheitsfördernd wirkt, sondern auch die Gesundheit der nächsten Generation positiv beeinflusst. Erste intergenerationale Studien zeigen, dass die Bildung der Eltern – insbesondere der Mutter – langfristig das Gesundheitsverhalten und die Gesundheit der Kinder verbessert.

Bildungsinvestitionen im demografischen Wandel

Die bisherige Betrachtung hat gezeigt, dass Bildung zentrale demografische Prozesse wie Partnerwahl, Geburtenrate und Lebenserwartung beeinflusst. Doch wie kann Bildung genutzt werden, um den demografischen Wandel aktiv zu gestalten? Und wie verändern demografische Entwicklungen selbst die Anforderungen an Bildungsinvestitionen?

Sinkende Geburtenzahlen führen dazu, dass es zukünftig weniger Kinder in den Kitas und Schulklassen geben könnte und Bildungseinrichtungen sich besser auf qualitativ hochwertigere und auf die einzelnen Bedürfnisse zugeschnitten Bildungsangebote fokussieren könnten. In diesem Zusammenhang wird häufig von einer „demografischen Rendite“ gesprochen: Werden die Gesamtausgaben für Bildung trotz rückläufiger Schülerzahlen stabil gehalten oder erhöht, steigen die Investitionen pro Kind – mit potenziell hohen langfristigen Erträgen. Tatsächlich zeigen sich in Deutschland trotz sinkender Kinderzahlen steigende Bildungsausgaben, insbesondere in der frühkindlichen Bildung und im Schulbereich.

Trotz erhöhter Bildungsinvestitionen ist der Anteil junger Menschen ohne Schulabschluss zuletzt wieder angestiegen: von 6,2 Prozent im Jahr 2021 auf 7,8 Prozent im Jahr 2024. Die Bildungspolitik steht damit vor der Aufgabe, sowohl leistungsstarke als auch unterstützungsbedürftige Lernende angemessen zu fördern. Zuwanderung wirkt sinkenden Schülerzahlen entgegen, und sie stellt Bildungsinstitutionen vor neue Herausforderungen, etwa bei Lehrplänen, pädagogischen Konzepten und Fördermaßnahmen. Um Potenziale zu fördern und Schul- oder Ausbildungsabbrüchen entgegenzuwirken, sind gezielte Maßnahmen erforderlich. Diese sollten beispielsweise Sprachkenntnisse verbessern, Inklusion vorantreiben und dabei helfen, die definierten Mindeststandards der Kultusministerkonferenz in den Bereichen Lesen, Schreiben, Rechnen, oder auch im Umgang mit digitalen Medien zu erreichen.

Investitionen in frühkindliche Bildung sind dabei besonders hervorzuheben, weil sie eine vielfache demografische Wirkung entfalten: Sie erhöhen unmittelbar die Erwerbsbeteiligung von Müttern, die nach der Geburt von Kindern weiterhin die Hauptsorgearbeit übernehmen. Verlässliche Kita-Angebote von hoher Qualität können zudem Kinder frühestmöglich fördern und damit die Lernvoraussetzungen in der Schule verbessern. Sie können dazu beitragen, die Geburtenrate zu steigern und sie erleichtern zudem die Integration zugewanderter Kinder und Eltern. Langfristig wirken sich Investitionen in frühkindliche Bildung positiv auf soziale und ökonomische Entwicklungen aus – Versäumnisse in diesem Alter können später nur mit deutlich höherem Aufwand ausgeglichen werden.

Neben Investitionen in Kinder rückt auch das lebenslange Lernen zunehmend in den Fokus. Mit längeren Erwerbsbiografien und höherer Lebenserwartung wird Weiterbildung im mittleren und höheren Alter wichtig, um Fachkräfteengpässe abzufedern und die Produktivität einer alternden Gesellschaft zu sichern. Ältere Menschen sind nicht nur Lernende, sondern auch Trägerinnen und Träger von Wissen und Erfahrung, die in Bildungs-, Arbeits- und zivilgesellschaftliche Kontexte eingebunden werden können.

Bildungsinvestitionen stabilisieren im demografischen Wandel auch die sozialen Sicherungssysteme, etwa die Renten- und Krankenversicherungen: Höher gebildete Menschen sind im Durchschnitt am Arbeitsmarkt produktiver, erzielen höhere Einkommen und leisten damit höhere Beiträge zur Sozialversicherung. Angesichts sinkender Geburtenzahlen und steigender Lebenserwartung – also weniger Beitragszahlenden bei gleichzeitig mehr Rentenempfangenden – wird Bildung zu einer zentralen Stellschraube, um die Finanzierungsbasis dieser Systeme zu sichern.

Ein zentrales Spannungsfeld des demografischen Wandels

Insgesamt zeigt sich, dass Bildung ein zentrales Spannungsfeld des demografischen Wandels darstellt. Einerseits geht höhere Bildung – unter den bestehenden institutionellen Rahmenbedingungen – mit späterer Familiengründung, geringerer Kinderzahl und steigender Lebenserwartung einher. Dadurch werden demografische Alterungsprozesse verstärkt. Andererseits ist ein hohes Bildungsniveau Voraussetzung für eine leistungsfähige Wirtschaft und für die Zukunftsfähigkeit sozialer Sicherungssysteme.

Mögliche Lösungsansätze liegen in institutionellen Anpassungen, die eine bessere Vereinbarkeit von Bildung, Erwerbstätigkeit und Familie ermöglichen. Dazu zählen etwa Investitionen in frühkindliche Bildung, Ganztagsangebote und unterstützende Maßnahmen für benachteiligte Kinder. Zugleich braucht es ein leistungsfähiges und durchlässiges Bildungssystem, das soziale Ungleichheiten früh ausgleicht. Bildungs- und familienpolitische Maßnahmen werden so zu einem entscheidenden Gestaltungsinstrument, um die sozialen und ökonomischen Folgen des demografischen Wandels abzufedern.

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Dr. Mathias Hübener leitet die Forschungsgruppe „Education and Human Potential“ am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Bildungsökonomie und der Analyse öffentlicher Politiken zu Bildung, Familie und Gesundheit.