Denkmal für die Berliner Mauer

30.3.2010 | Von:
Axel Salheiser

Umwelt

Bereits zu DDR-Zeiten kritisierten viele Aktionsgruppen die starke Umweltverschmutzung. Diese war auch abseits großer Industriestandorte spürbar. Wie sieht die subjektive Wahrnehmung und Bewertung von Umweltbelastungen heute aus?
Deponie in der Nähe der Bitterfelder Chemie A.G. im Februar 1992.Deponie in der Nähe der Bitterfelder Chemie A.G. im Februar 1992. (© AP)

Die Belastung der Umwelt in der DDR galt als besonders kritisch. Umweltschäden waren in der Spätphase der DDR auch ein Hauptkritikpunkt von Bürgerinitiativen und Aktionsgruppen. In dem hochindustrialisierten Land fand ein regelrechter Raubbau an der Natur statt; auf die Schonung der Umweltressourcen wurde im Allgemeinen wenig Rücksicht genommen. Auch die Sekundärrohstoffgewinnung (SERO), die im Rückblick heute oftmals als ökologisch vorbildlich erscheint, ist insofern keine Ausnahme, als durch das Recycling von Altpapier, Glas und Metall in erster Linie der Knappheit an diesen Stoffen entgegengewirkt werden sollte – die Energiebilanz spielte allenfalls eine untergeordnete Rolle.


Da überwiegend mit Braunkohle geheizt wurde und Kraftfahrzeuge nicht mit Katalysatoren ausgerüstet waren, nahm der Schadstoffausstoß gerade in den Städten akut gesundheitsschädliche Dimensionen an. Sowohl Einwohner als auch Besucher beschrieben große Teile der DDR-Städte seinerzeit als grau und staubig. Fremden fiel überall im Land besonders der Geruch der Abgase der üblichen PKW-Zweitaktmotoren und der Kohleheizungen auf, an den sich die DDR-Bürger zwangsläufig gewöhnt hatten. Hinzu kamen die unsichtbare Gewässerverunreinigung mit Giftstoffen und die radioaktive Strahlenbelastung im Umfeld des Uranbergbaus. Die erheblich fortgeschrittene Umweltzerstörung und -verschmutzung war allerdings auch abseits großer Industriestandorte wie Bitterfeld, Leuna oder Espenhain, der Wismut-Region und der Braunkohletagebaustätten deutlich spürbar.
Mittelwerte der Umweltzufriedenheit.Mittelwerte der Umweltzufriedenheit. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Nach der Einigung hat sich infolge der Schließung vieler Betriebe, mit der Modernisierung der Industrie, der planmäßigen Renaturierung ehemaliger Standorte und der Durchsetzung neuer Emissionsauflagen viel verändert. In den vergangenen zwei Jahrzehnten konnten die Umweltbedingungen kontinuierlich verbessert werden. Dies wurde von den Ostdeutschen seit Mitte der neunziger Jahre auch wahrgenommen und findet in entsprechenden Zufriedenheitswerten Ausdruck. Viele Befragte geben zum Beispiel an, die gefühlte Beeinträchtigung durch Lärm und Luftverschmutzung sei deutlich zurückgegangen. Die "große Sorge um die Umwelt", die zu Beginn der neunziger Jahre sowohl bei Ost- als auch bei Westdeutschen stark verbreitet (56-57 Prozent) war, ist inzwischen deutlich unter die 30-Prozent-Marke gesunken (2006: 26-27 Prozent).

Als wichtigstes Umweltproblem wird in Ost wie West inzwischen der Klimawandel betrachtet. Auch die Bejahung eines individuellen umweltbewussten Verhaltens wird gesamtgesellschaftlich geteilt. Besonders weitverbreitet ist diese Einstellung bei ostdeutschen Frauen (95 Prozent) sowie bei Personen in der Alterskategorie ab 65 Jahren (98 Prozent). Konkrete Verhaltensänderungen wie z. B. das Energiesparen oder der umweltbewusste Autokauf finden in Ost und West in etwa gleichem Maße Zustimmung. Für die Mehrheit der Befragten (jeweils 61 Prozent in Ost- und Westdeutschland) besteht ein direkter Einfluss der Umwelt auf die Lebensqualität (Datenreport 2008, S. 356 ff).

Literaturhinweise

  • Datenreport 2008
  • Berechnungen des SOEP 1990-2003
  • Eurobarometer 2004

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