Arbeitsmarktpolitik Dossierbild

Atypische Beschäftigungsverhältnisse

In Abgrenzung zu Normalarbeitsverhältnissen definiert das Statistische Bundesamt sog. atypische Beschäftigungsverhältnisse. Dazu werden Leiharbeit bzw. Zeitarbeit, geringfügige Beschäftigungsverhältnisse (Minijobs), Teilzeitbeschäftigung unter 20 Wochenstunden sowie befristete Beschäftigungsverhältnisse gezählt. Diese Beschäftigungsverhältnisse können entweder aufgrund des geringen Umfangs oder potenziell geringeren Verdienstmöglichkeiten nur bedingt dazu beitragen, den eigenen Lebensunterhalt und den von Angehörigen voll zu finanzieren. Darüber hinaus erwerben Beschäftigte in ihnen oft keine oder nur geringe Ansprüche in den sozialen Sicherungssystemen. Atypische Beschäftigungsverhältnisse können jedoch nicht mit prekären Beschäftigungsverhältnissen gleichgesetzt werden und taugen nur bedingt als Indikator zur Beschreibung von Problemlagen am Arbeitsmarkt. Im Text Normalarbeitsverhältnisse werden die Unterschiede weiter differenziert.

Häufig werden bestimmte Beschäftigungsformen, wie zum Beispiel Teilzeitbeschäftigung und Minijobs bewusst gewählt, um Familie und Beruf besser zu vereinbaren oder ein größeres Freizeitbedürfnis zu befriedigen. Auch befristete Beschäftigungsverhältnisse können innerhalb der individuellen Erwerbsbiografien gewünscht sein, um Berufserfahrungen in verschiedenen Branchen zu sammeln. Die Verbreitung von atypischen Beschäftigungsverhältnissen ist Ausdruck von Flexibilisierungstendenzen am Arbeitsmarkt. Nicht nur Arbeitnehmer können ihre Flexibilitätserfordernisse befriedigen, sondern vor allem Arbeitgeber haben durch die atypischen Beschäftigungsverhältnisse die Möglichkeit, die Belegschaften schnell an gewandelte Markterfordernisse anzupassen oder Produktionsspitzen abzufedern.

Die folgenden Texte behandeln die jeweiligen Beschäftigungsformen und stellen die Geschichte, rechtliche Grundlagen, Verbreitung sowie deren Wirkung und Funktion auf dem Arbeitsmarkt dar. Dabei wird auch untersucht, ob das jeweils thematisierte Beschäftigungsverhältnis mit einem Prekaritätsrisiko einhergeht.



Ein Anstieg der der atypischen Beschäftigung in Deutschland ließ sich insbesondere seit der Jahrtausendwende beobachten. Seit Beginn der 2010er Jahre war die atypische Beschäftigung, sowohl absolut als auch im Verhältnis zur Entwicklung der Erwerbstätigkeit insgesamt, wieder leicht rückläufig. Die Verbreitung atypischer Beschäftigungsverhältnisse wurde über Jahre hinweg als Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum und den Abbau von Arbeitslosigkeit von der Politik schrittweise vorangetrieben. Ziel war es, den Arbeitsmarkt an die Bedingungen der Globalisierung anzupassen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und den Strukturwandel zu bewältigen. Gleichzeitig sind atypische Beschäftigungsverhältnisse mit vielen Unsicherheiten für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verbunden. Wie sich die Beschäftigung in den einzelnen Segmenten der atypischen Beschäftigung entwickelt hat und wie sie zu beurteilen ist, zeigen die folgenden Texte.

Atypische Beschäftigung

Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Atypische Beschäftigung

Zwischen 1991 bis 2010 ist die Zahl atypisch Beschäftigter von 4,4 auf 7,9 Millionen gestiegen (plus 79 Prozent), bis 2019 war sie leicht rückläufig (minus 8 Prozent). Insgesamt hat sich also die Zahl der Menschen erhöht, die in Teilzeit, befristet, geringfügig und/oder als Zeitarbeiternehmer beschäftigt sind.

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Beschäftigte der Uni Kassel protestieren im Januar 2020 gegen befristete Verträge. In der Branche Erziehung und Unterricht ist die Zahl der Befristungen überdurchnittlich hoch.

Befristete Beschäftigungsverhältnisse

Etwa jedes zwölfte Arbeitsverhältnis ist befristet. Ein befristetes Arbeitsverhältnis endet, ohne dass es einer Kündigung bedarf. Besonders bei jüngeren Arbeitnehmern ist die Befristung weit verbreitet. Umstritten sind vor allem sachgrundlose Befristungen. Diese sind erst seit 1985 in Deutschland erlaubt, haben mittlerweile eine hohe Verbreitung und bewegen sich im Konfliktfeld zwischen der Schwächung des gesetzlichen Kündigungsschutzes, unsicheren Berufsperspektiven und Lebensplanungen sowie der Erweiterung personalpolitischer Handlungsspielräume und einer Verringerung von Einstiegschwellen in den Arbeitsmarkt.

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Dreieck, Leiharbeit, Verleiher, Entleiher, Arbeitnehmer

Leiharbeit / Arbeitnehmerüberlassung / Zeitarbeit

Sie ist durch eine Dreieckbeziehung zwischen Leiharbeitsfirma, Leiharbeitnehmer/-in und dem entleihenden Unternehmen gekennzeichnet: Die atypische Beschäftigungsform Leiharbeit hat in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten zunehmend an Bedeutung gewonnen und gleichzeitig viele Kontroversen ausgelöst.

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Minijob, Midijob, Aushilfe, Teilzeitkraft

Minijobs und Midijobs

Die Begriffe Minijobs und Midijobs sind durch die Hartz-Kommission bzw. durch die gesetzliche Umsetzung der Vorschläge der Hartz-Kommission eingeführt worden. Während Minijobs an bereits existierende Regelungen zu geringfügigen Beschäftigungen anknüpften und diese „lediglich“ reformierten, war die Einführung einer Gleitzone (Midijobs), in der Arbeitnehmer nur einen ermäßigten – und sukzessive ansteigenden – Sozialversicherungsbeitrag zahlen, neu. Beide Regelungen wurden seither verändert, insbesondere wurden die Entgeltgrenzen angepasst. Arbeitsmarkt- und arbeitsrechtspolitisch werden beide Regelungen kontrovers diskutiert.

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Supermarkt, Kasse, Kassiererin, Kundin

Teilzeitbeschäftigung

Teilzeitarbeit macht in Deutschland mehr als ein Viertel der Gesamtbeschäftigung aus. Das Besondere an Teilzeitarbeit ist, dass ihre Bedeutung je nach Geschlecht, Alter, Lebensphase und Qualifikation sowie Branche und Betriebsgröße unterschiedlich hoch ist. Auch wenn Teilzeitarbeit für die Beschäftigten die Vereinbarung von beruflichen und außerberuflichen Verpflichtungen erleichtern kann, birgt sie gerade bei einer dauerhaften Ausübung Risiken für die finanzielle und soziale Absicherung der Beschäftigten.

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Die Alterssicherung stellt, egal wie sie organisiert ist, in allen modernen Gesellschaften einen erheblichen Anteil an der Verwendung des Sozialprodukts dar. Sie ist quantitativ der Kernbereich des Sozialstaats.

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Die deutsche Familienpolitik ist ein zentraler Bestandteil der Gesellschaftspolitik. Sie versucht das Zusammenleben von Paaren, das Leben mit Kindern und den Generationenzusammenhang zu unterstützen. Das Dossier skizziert die Maßnahmen, Institutionen, Akteure und Ziele der Familienpolitik, gibt einen Überblick über den Wandel von Familie und bildet die aktuelle Reformdebatte ab.

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