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Die nationalsozialistischen Morde an kranken und beeinträchtigten Menschen

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Beeinträchtigte und kranke Menschen betrachteten die Nationalsozialisten und Nationalsozialistinnen als ‚lebensunwert‘. Viele Tausende wurden von ihnen ermordet.

Die Nationalsozialisten und Nationalsozialistinnen folgten der Ansicht des Sozialdarwinismus. Das bedeutet: Sie nahmen an, dass es bei Menschen ‚gutes‘ und ‚schlechtes Erbmaterial‘ gibt. Sie meinten, dass nur die Völker überleben werden, bei denen ‚gutes Erbmaterial‘ vorhanden ist.

Völker mit ‚schlechtem Erbmaterial‘ sind schwach und werden sterben. Es gab schon vor der NS-Zeit Menschen, die diese Ansicht hatten. Und auch heute gibt es immer noch Menschen, die dieser Meinung sind. Heute wissen wir aber, dass die sozialdarwinistischen Ansichten falsch sind.

Warum ermordeten Nationalsozialisten kranke und beeinträchtigte Menschen?

Die Nationalsozialisten und Nationalsozialistinnen wollten, dass ‚gutes Erbmaterial‘ gefördert und ‚schlechtes Erbmaterial‘ vernichtet wird. Sie wollten, dass nur Menschen mit ‚gutem Erbmaterial‘ überleben. Sie meinten, dass Menschen mit Beeinträchtigung oder einer ‚Erbkrankheit‘ ,schlechtes Erbmaterial‘ haben. Sie bezeichneten das Leben dieser Menschen als ‚lebensunwert‘. Sie sagten: Diese Menschen sind ‚erbkrank‘.

Daher ermordeten die Nationalsozialisten und Nationalsozialistinnen viele kranke und beeinträchtigte Menschen. Die Nationalsozialisten und Nationalsozialistinnen sagten: Auch Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Krankheiten wie zum Beispiel Epilepsie sind ‚lebensunwert‘.

Die Nationalsozialisten und Nationalsozialistinnen waren der Meinung, dass kranke und behinderte Menschen weniger wertvoll sind. Sie meinten damit: Diese Menschen sind weniger wert als andere Menschen.

Die Nationalsozialisten behaupteten auch, dass beeinträchtigte und kranke Menschen eine Last sind. Sie nannten sie ‚nutzlose Esser‘. Damit meinten die Nationalsozialisten: Beeinträchtigte und kranke Menschen kosten den Staat Geld. Sie brauchen Nahrung, aber sie arbeiten nicht dafür. Wenn Menschen keine Arbeit leisten konnten, hatten sie für die Nationalsozialisten und Nationalsozialistinnen keinen Wert. Deswegen sollten beeinträchtigte und kranke Menschen sterben.

,Euthanasie‘–Morde auf Befehl von Adolf Hitler

Am 18. August 1939 verfasste Adolf Hitler einen geheimen Befehl zur sogenannten ‚Kinder-Euthanasie‘.

Ärzte, Ärztinnen und Hebammen mussten Kinder und Säuglinge mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung melden. Kinderärzte und Kinderärztinnen beurteilten, ob die Kinder in sogenannte ‚Kinderfachabteilungen‘ mussten. Das waren Abteilungen, die in Kinderkliniken oder Heil- und Pflegeanstalten eingerichtet wurden.

Dort mussten die Kinder ohne ihre Familie leben. Die Familien wussten oft nicht genau, was mit ihren Kindern passierte. Die Eltern hofften, dass es ihren Kindern dort gut geht. Die Kinder wurden aber durch zu wenig Nahrung oder zu viele Betäubungsmittel ermordet. Sie wurden auch für lebensgefährliche Experimente benutzt. Etwa 5 000 Kinder und Jugendliche wurden dabei getötet.

Im Oktober 1939 beauftragte Adolf Hitler zwei Nationalsozialisten. Sie hießen Karl Brandt und Philipp Bouhler. Sie sollten Ärzte und Ärztinnen aussuchen, die beeinträchtigte und schwer kranke Erwachsene töten.

In einem Brief an Karl Brandt und Philipp Bouhler schrieb Adolf Hitler: ‚Unheilbar Kranke‘ sollen den ‚Gnadentod‘ ‚ bekommen.

Adolf Hitler gab mit dem Brief den ‚Euthanasiebefehl‘. Auch in anderen Briefen der Mörder wurde das Wort ‚Euthanasie‘ verwendet.

Der Brief von Adolf Hitler war ein geheimer Brief. Nur wenige sollten davon erfahren. Die Morde wurden auch vor den Eltern und Angehörigen der Opfer verheimlicht. Die Nationalsozialisten hatten Sorge, dass viele Menschen sagen würden: Es ist schrecklich, was ihr tut. Hört auf damit. Sie glaubten auch: Es könnte den Nationalsozialisten schaden, wenn die Bevölkerung weiß, dass sie beeinträchtigte Menschen umbringen.

Die Ärzte und Ärztinnen sollten die Morde deshalb heimlich begehen. Ein Teil der Ermordung der Menschen wurde in der nationalsozialistischen Zentraldienststelle in der Tiergartenstraße 4 in Berlin geplant. Deswegen werden die Morde von beeinträchtigten und kranken Menschen heute auch als ‚Aktion T4‘ bezeichnet.

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Wo und wie wurden bei den T4-Morden die Menschen getötet?

Die Nationalsozialisten wählten für die Ermordung sechs Orte aus. Fünf dieser Orte waren Pflegeanstalten.

Die Pflegeanstalten wurden umgebaut zu Tötungsanstalten. In diesen Pflegeanstalten passierten dann zwei Dinge zur gleichen Zeit: Kranke und beeinträchtigte Menschen wurden dort gepflegt und versorgt. Und dort wurden kranke und beeinträchtigte Menschen ermordet.

Eine weitere Tötungsanstalt wurde in einem leer stehenden Gefängnis eingerichtet. Das war die Tötungsanstalt in Brandenburg an der Havel. Obwohl es eine reine Tötungsanstalt war, bezeichneten die Nationalsozialisten sie als ‚Landes-Pflegeanstalt‘.

Auf dieser Karte sind die sechs Tötungsanstalten abgebildet. (© Lahaye Tiedemann)

Die Nationalsozialisten haben in den Tötungsanstalten Räume gebaut, in denen sie Menschen mit Gas töten konnten. Diese Räume heißen Gaskammern. Und sie haben Öfen eingebaut, mit denen man Leichen verbrennen konnte. Solche Öfen heißen Krematoriumsöfen.

Die sechs Tötungsanstalten der Nationalsozialisten waren:

  • Grafeneck

  • Brandenburg an der Havel

  • Hartheim

  • Pirna Sonnenstein

  • Bernburg

  • Hadamar




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Nach der ‚Aktion T4‘ gingen die Morde weiter.

Immer mehr Menschen erfuhren von der Tötung von kranken und beeinträchtigten Menschen. Viele waren gegen die Tötungen. Deswegen beendeten die Nationalsozialisten im Sommer 1941 das aus der T4-Zentrale organisierte Tötungsprogramm von kranken und beeinträchtigten Menschen. Bei der ‚Aktion T4‘ wurden ungefähr 70 000 Menschen ermordet.

Schon vor der ‚Aktion T4‘ starben viele Menschen in den Heil- und Pflegeanstalten.
Auch nach der ‚Aktion T4‘ wurde in vielen Anstalten weiter gemordet, nicht nur in den sechs Tötungsanstalten.
Das zeigt: Viele Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte fanden die ,Euthanasie‘-Morde richtig. Die Menschen starben, weil sie mit Absicht zu wenig zu essen bekamen.

Die Menschen verhungerten in den Pflegeanstalten. Oder weil die Ärzte, Ärztinnen oder Pflegekräfte sie mit Medikamenten und Gift töteten.

In Deutschland wurden über 120 000 beeinträchtigte und kranke Menschen durch die Nationalsozialisten und Nationalsozialistinnen ermordet. Auch in Osteuropa und Mitteleuropa gab es viele weitere Opfer.

In den von Deutschland besetzten Gebieten töteten Nationalsozialisten und Nationalsozialistinnen viele beeinträchtigte und kranke Menschen. Insgesamt ermordeten sie im Rahmen der ‚Euthanasie‘-Morde zwischen 200 000 und 300 000 Menschen.

Eine genaue Zahl gibt es nicht. Vielleicht ist die Opferzahl sogar noch größer. Viele Menschen haben bei der Tötung mitgeholfen. Sie haben zum Beispiel bei der Ermordung der Menschen geholfen oder dabei, die Menschen zu den Tötungsanstalten zu bringen. Und viele haben geschwiegen, obwohl sie wussten, dass Menschen ermordet wurden.

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